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Kirchen

Vier Frauen wurden in Geinsheim als Leiterinnen für Sterbesegensfeiern eingeführt

Sterbesegen soll Sprachlosigkeit im Umgang mit sterbenden Menschen überwinden helfen

von links nach rechts: Kerstin Fleischer, Clemens Schirmer, Vera Mathäß, Leonor Gutting, Pfarrer Michael Paul, Margarete Kästel und Ingrid Langhauser.

Neustadt-Geinsheim. Angehörige beim Sterben zu begleiten ist immer eine extreme Erfahrung, die oft hilf- und sprachlos macht. Um Menschen beizustehen, den Sterbenden bis zuletzt nahe zu sein und den Abschiedsschmerz auszuhalten, hat das Bistum Speyer vor einem Jahr den „Sterbesegen“ eingeführt und Ehrenamtliche zu Leiterinnen und Leitern für Sterbesegensfeiern ausgebildet. 14 Frauen und Männer sind diesen Weg gegangen, allein vier kommen aus der Pfarrei Heiliger Geist Neustadt-Geinsheim. Sie wurden in einem feierlichen Gottesdienst in St. Peter und Paul in Geinsheim von Pfarrer Michael Paul in ihr Ehrenamt eingeführt. Es war kein Zufall, dass die Einführung am Gedenktag des Seligen Paul-Josef Nardini stattfand, der Nächstenliebe gelebt hat und auch für kurze Zeit in Geinsheim gewohnt hat.

Pfarrer Michael Paul war von Anfang an begeistert von der Idee des Sterbesegens. „Ich wollte direkt auf diesen Zug aufspringen“, sagt er. Er habe aber bewusst niemanden dazu bestimmt sondern einfach in die Gemeinde gefragt, wer sich dazu berufen fühlt. Daraufhin haben sich Margarete Kästel aus der Gemeinde St. Peter und Paul Geinsheim, Ingrid Langhauser aus Hl. Kreuz Lachen-Speyerdorf, Vera Mathäß aus St. Michael Duttweiler und Leonor Gutting aus St. Jakobus Hambach gemeldet.

Sie haben sich an acht Abenden mit Kerstin Fleischer, Referentin für Hospiz- und Trauerseelsorge, und Clemens Schirmer, Referent für Liturgie, getroffen und haben sich mit dem Thema Tod und Sterbebegleitung auseinandergesetzt. Dabei haben sie sich auch den existentiellen Fragen des Glaubens gestellt. In einer Praxis-Phase haben sie Erfahrung zum Beispiel in der Klinikseelsorge oder bei dem Spenden der Krankenkommunion gesammelt. Zum Teil haben sie schon Sterbesegen-Feiern geleitet und dabei bewegende Erfahrungen gemacht. Die Feiern können, je nach Situation, ganz unterschiedlich ablaufen: Als Andachten mit Gebeten, Schriftlesungen und Liedern oder nur als Spende des Sterbesegens selbst. Dabei zeichnen die Angehörigen und die Leiterin der Feier dem Sterbenden ein Kreuz mit Weihwasser auf die Stirn. Die Feier kann auch noch stattfinden, wenn der Tod schon eingetreten ist.

Während des Einführungsgottesdienstes bekamen die vier Frauen das Rüstzeug für die Sterbesegensfeier überreicht: Ein Kreuz, dass der Sterbende in die Hand nehmen kann, von Kerstin Fleischer und Clemens Schirmer und eine „Prayer-Box“ im Taschenformat von Pfarrer Michael Paul, in der ein kleines Fläschchen Weihwasser, ein Finger-Rosenkranz und ein Kreuz aufbewahrt werden.

Motive der Teilnehmerinnen sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswege

Jede der vier Frauen hatte eine besondere Motivation, sich ausbilden zu lassen. Vera Mathäß hat als Therapeutin schon Kinder begleitet, bei denen ein Elternteil im Sterben lag und hat als Bestatterin viel mit Trauernden zu tun. „Immer wenn es besonders schwer war, habe ich gebetet und dabei die Erfahrung gemacht: da kommen Worte, die sind nicht von mir“, erzählt sie. Ingrid Langhauser engagiert sich seit Jahren beim ambulanten Hospizdienst und im Trauerkaffee in Neustadt. Sie war vor ihrer Pensionierung Krankenschwester und hat es immer bedauert, keine Zeit für die Angehörigen Schwerkranker zu haben. Nun kann sie sich diese Zeit nehmen. Auch Margarete Kästel ist der Umgang mit Sterbenden nicht fremd. Sie ist seit 20 Jahren in der Krankenhausseelsorge tätig. „Ich habe es mir gründlich überlegt. Es ist wichtig für die Angehörigen zu wissen, dass jemand da ist und mit ihnen betet“, sagt sie. Leonor Gutting ist durch ein persönliches Erlebnis dazu gekommen. Sie hat vor einem Jahr in ihrer Heimat Ecuador eine Nacht betend am Krankenbett ihres Vaters verbracht. „Ich habe so Abschied genommen, auch wenn mein Vater es dann doch überlebt hat“, sagt sie. Diese für sie wertvolle Erfahrung möchte sie weiter geben.

Nun möchten die vier Frauen sich in den anderen Gemeinden der Pfarrei bekannt machen. Ziel ist es, dass die Gemeindemitglieder sich direkt an die Frauen wenden, wenn sie eine Sterbesegensfeier wünschen. Der Sterbesegen ist, darauf legen Kerstin Fleischer und Clemens Schirmer großen Wert, kein Ersatz für die Krankensalbung oder den Versehgang, sondern ein zusätzliches Angebot. Die Frauen sind keine Konkurrenz zum Priester. Pfarrer Michael Paul betrachtet es dennoch als Entlastung. Der Faktor Zeit spiele bei Pfarrern leider eine große Rolle. Angehörige hätten oft den Wunsch nach persönlicher Begegnung. „Da ist es nicht damit getan, dass jemand schnell mal vorbeikommt“.

Neue Ausbildung startet im März

Auch in diesem Jahr können sich Ehrenamtliche wieder zu Leitern von Sterbesegens-Feiern ausbilden lassen. Der neue Kurs beginnt im März. Anmeldeschluss ist am 16. Februar 2018. Weitere Informationen gibt es im Sekretariat der Hospiz- und Trauerseelsorge des Bischöflichen Ordinariats Speyer. Telefon: 06232 102 288 oder auf www.bistum-speyer.de/unterstuetzung-fuer-aktive/sterbesegen/aus-und-fortbildung/

Text: Bistum Speyer