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Kirchen

“Afghanistan ist nicht nur Krieg“

Interkultureller Abend bringt 100 Gäste aus verschiedenen Nationen zusammen – Musik und Kunst als verbindende Elemente

Kamar Shaghouri (l.) und Odai Aldib an der Ud stellten orientalische Instrumente und Musik vor.

Bayan Kanyo (rechts) zeigte verblüffende Zaubertricks, diesen Beitrag moderierte Ali al-Hammoud

Ein langes Büfett mit internationalen Spezialitäten lud im Anschluss an die Vorträge zum Genießen ein.

Landau. „Die Bilder aus Afghanistan, die in den Medien zu sehen sind, zeigen meine Heimat nur aus einer Richtung. Aber Afghanistan ist nicht nur Krieg.“ Das sagte der afghanische Filmemacher und mehrfach preisgekrönte Regisseur und Dozent Hassan Nazeri beim zweiten interkulturellen Abend des Caritas-Netzwerks „loslandau.de“. „Ich bin Afghane, aber ich bin auch ein Mensch wie ihr. Deshalb danke ich der Caritas, dass wir heute Abend unsere Kultur vorstellen dürfen“.

Nazer leistet seit Jahresbeginn bei der Projektstelle „Caritas-Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe“ in Landau seinen Bundesfreiwilligendienst. „Ich will euch ein anderes Bild von diesem Land zeigen, in dem es nicht um den Krieg geht.“ Kultur zeigen, Heimat beschreiben und etwas zusammen tun – so kann man die Intention des „Interkulturellen Abends“ mit rund 100 Gästen am 2. Februar im Pfarrsaal St. Albert auf der Wollmesheimer Höhe auf den Punkt bringen.

Im Jahr 2015 begann das Knüpfen eines Netzwerks ehrenamtlich Engagierter mit der „Landauer Orientierungs- und Schulungsreihe (LOS)“. Zahlreiche im Netzwerk mitarbeitende Ehrenamtliche hatten zusammen mit den Menschen, die sie begleiten, das Fest am 2. Februar organisiert. „Die Menschen sollen ihre Heimatländer und vor allem deren Kultur vorstellen und gemeinsam feiern“, sagte Alexandra Grünstäudl-Philippi, Leiterin der Projektstelle von „loslandau.de“. Rund 100 Menschen vieler Nationen waren zusammengekommen.

 „Dank Ihnen allen haben wir es wieder geschafft, einen schönen Abend zu organisieren mit der Botschaft: Wir sind bereit, aufeinander zuzugehen“, unterstrich Bruno Kühn, Leiter des Caritas-Zentrums in Landau, unter dessen Dach das Projekt zu Hause ist. „Es ist gut, wenn die Menschen, die zu uns gekommen sind, spüren können, dass sie hier eine Heimat haben und gefragt sind. Und das gelingt am besten, wenn man zusammenarbeitet“. Wie er freute sich auch Grünstäudl-Philippi über die gelungene Organisation. „Die Mitarbeitenden der verschiedenen Gruppen des Projekts haben damit bereits im September des vergangenen Jahres begonnen“, erläuterte sie.

Fast alle Beiträge des Abends zeugten von der wichtigen Rolle der Musik im kulturellen Leben der Völker in aller Welt. Hassan Nazeri bewies dies mit seinem in Hamburg gedrehten Film über den afghanischen Rapper Hossein ebenso, wie Bayan Kanyo aus Syrien mit seinem selbst verfassten Rap über die Liebe. Eine andere musikalische Klangfarbe setzte der junge Oda Aldib aus Syrien mit seiner Ud. „Die Ud ist wie ein Stück Paradies“, erklärte die seit zwei Jahren in Landau lebende Kamar Shaghouri über das Instrument, das in ihrer Heimat seit 5000 Jahren gespielt wird. In ihrem Vortrag auf Deutsch stellte sie arabische Instrumente vor, darunter in einem Video die Kanun. Das ist eine seit dem zehnten Jahrhundert bekannte Kastenzither, das Hauptinstrument der Mauren, die es nach Europa brachten. „Musik gibt es überall. Ganz egal, welche Nationalität – Musik macht alle zufrieden“, sagte sie, und Odai Aldib bekräftigte diese Botschaft mit einem weiteren Lied auf der Gitarre.

Auch Elham Zarai und Payam Tardast ließen zu ihrer selbst zusammengestellten Dia-Schau über ihre Heimat Iran und deren reiche Kunst- und Kulturschätze persische Musik erklingen. Mit viel Beifall bedacht wurde die junge Yara Alogla aus Syrien, die ebenfalls seit zwei Jahren in Landau lebt und in einer Video-Sequenz die aus ihrer Feder stammenden Zeichnungen zeigte: einen Kreis von ineinander verschlungene Händen und die Türme zweier benachbarter Gotteshäuser, jeweils gekrönt von einem Kreuz und einem Halbmond.

Die neue Mitarbeiterin des Caritas-Zentrums Landau, Anna Scheib, nutzt an dem Abend die Gelegenheit, sich den Gästen und Netzwerkern vorzustellen. Sie ist Seit Januar, frisch von der Uni, bei der Caritas und betreut mit je einer halben Stelle Menschen mit einer Aufenthaltserlaubnis und Menschen im Asylverfahren.

Zuletzt bannte Bayan Kanyo die Gäste des Abends noch einmal mit witzigen und verblüffenden Zaubertricks, bevor Bernd Fingerl und sein Team zum Mitsingen schlichter Lieder des deutschen Diplom-Musiktherapeuten Wolfgang Bossinger aufforderten und dann das mit internationalen Spezialitäten reich bestückte Büfett eröffnet wurde.

Text und Fotos: Henning Wiechers für den Caritasverband für die Diözese Speyer