Skip to main content

Kirchen

Plädoyer für eine Sprache, die Menschen verbindet

„Ideen für eine neue Kirchensprache“

v.l.n.r.: Ute-Beatrix Giebel, Pfarrer Volker Sehy, Ulrike Gentner, Markus Herr und Andrea Döring.

Speyer. Das Forum Katholische Akademie veranstaltete eine Podiumsdiskussion zum Thema „Ideen für eine neue Kirchensprache“ – Lebendiger Austausch zwischen Journalisten und Kirchenvertretern

Dem Thema „Kirche und Sprache“ widmete sich das Forum Katholische Akademie mit einem Podiumsgespräch im Friedrich-Spee-Haus in Speyer. Es diskutierten die SWR-Redaktionsleiterin Ute-Beatrix Giebel, die Journalistin Andrea Döring, der Homiletik-Dozent Pfarrer Volker Sehy und der Pressesprecher des Bistums Speyer Markus Herr.

„Um im Konzert der tausend Stimmen gehört zu werden, braucht die Kirche kein geschwurbeltes Reden auf der siebten Ebene der Abstraktion, sondern Christinnen und Christen, die persönlich und mit geklärtem Standpunkt von Gott und ihrem Glauben erzählen“, erklärte Ute-Beatrix Giebel in ihrem Eingangsstatement. „Wir müssen wieder mehr vom Reich Gottes reden, nicht von 2000 Jahren Dogmatik“, warb sie für eine Rückkehr zur ursprünglichen Kernbotschaft. „Wir sollten die Zeichen der Zeit lesen, die sicheren Biotope verlassen, dabei auch Fehler machen dürfen, und bei alldem den Unterhaltswert nicht vergessen“, ermutigte sie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Botschaft Jesu auf unkonventionelle Weise ins Gespräch zu bringen.

Für einen „neuen Ton“ in der Verkündigung plädierte Volker Sehy: „Ein Ton, der nicht klerikal aufgeladen, nicht spirituell säuselnd, sondern natürlich, lebendig und ungekünstelt ist“. Verkündigung sei auch „Unterhaltung im besten Sinne des Wortes“, indem sie an den Fragen des Gegenübers Maß nimmt und Substantielles mitteilt, „das mich wirklich nährt, auch wenn ich daran zu beißen habe“.

Die Sprache der Jugend hatte Andrea Döring besonders im Blick. Als Religionslehrerin hat sie erfahren, dass der „Zauber“ biblischer Erzählungen Jugendliche auch heute zu packen vermag. „Es stimmt zwar: Wir sollten die Jugendlichen da abholen, wo sie stehen. Dabei sollten wir aber nicht stehenbleiben, sondern die Jugendlichen in Bewegung bringen und zu einem Nachdenken über Sinn- und Glaubensfragen anregen und befähigen.“

Für eine Kurskorrektur weg vom Sender-Modell hin zu einem dialogischen Verständnis von Kommunikation warb Markus Herr. Kirche habe viele Möglichkeiten der Mitteilung, vor allem das überzeugende Handeln in Seelsorge und Caritas - aber auch im weiten Feld der Kultur, sei es die Musik, das Theater wie jüngst zum Jubiläum der Neugründung oder ungewöhnliche Erlebnisse wie die Licht- und Klanginstallation „Glaubensfeuer“ im Speyerer Dom. „Wir verkündigen die frohe Botschaft, notfalls auch mit Worten“, sagte er pointiert.

Übereinstimmung zeigte sich am Ende des Abends in der Einschätzung, dass es für die Zukunft des Glaubens weniger auf raffinierte Werbekonzepte, sondern vor allem auf sprachfähige Christen ankommt – und auf eine Sprache, die Menschen nicht trennt, sondern verbindet.

Im Forum Katholische Akademie, das die Podiumsdiskussion veranstaltete, wirken die Katholische Erwachsenenbildung, die Speyerer Pfarrei Pax Christi und das Heinrich-Pesch-Haus als Katholische Akademie der Diözese Speyer zusammen. Die Moderation des Abends hatte Ulrike Gentner, stellvertretende Leiterin des Heinrich Pesch Hauses in Ludwigshafen.

Text Bistum Speyer - Foto: Bernhard Kaas