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Nachrichten aus Hockenheim

Italien: Sehnsuchtsland Nummer eins mit spannenden Geschichten

Bibliotheksleiter Dieter Reif sowie die Buchvorsteller Rosa Grünstein und Thomas Liebscher luden wieder zu einer literarischen Reise ein.

„Büchervorsteller“ Rosa Grünstein und Thomas Liebscher

Hockenheim. Wenn die Tage kürzer und die Temperaturen niedriger werden, zieht es viele in den Süden. So empfanden wohl auch die zahlreichen Gäste beim Buchtrip in der Zehntscheune Hockenheim. Bibliotheksleiter Dieter Reif sowie die Buchvorsteller Rosa Grünstein und Thomas Liebscher luden wieder zu einer literarischen Reise ein. Diesmal ging es nach Italien. Aber das Land in dem die Zitronen blühen ist eben nicht nur das Land der Pizza, der Strände und der Sonne, es ist auch das Land der politischen Unruhen und der wirtschaftlichen Probleme: Gerade damit haben sich renommierte einheimische Autoren jüngst befasst. Vier spannende aktuelle Bücher wurden am Abend vorgestellt.

 „Die Verschwörung der Tauben" von Vincenco Latronico, erschienen 2016 im Secession Verlag Zürich, ist ein beeindruckendes Lehrstück über die Verführbarkeit des Menschen und den immer drohenden Ausbruch (finanz-) krimineller Kräfte. Diese, nur scheinbar bezwungen durch den dünnen Firnis der Zivilisation, gewinnen immer wieder die Oberhand. Thomas Liebscher gelang es die im Roman exemplarisch vorgestellten wirtschaftlichen Eliten und ihre Geschäfte plastisch zu machen.

 Zu Umberto Ecos 2004 im Hanser Verlag erschienenen Roman „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana" sagte Grünstein: „Kein Buch, das man mal so nebenher lesen kann." Es ist auch ein Teil der Lebensgeschichte des berühmten Autors. Giambattista Bodoni, Antiquar, erwacht aus dem Koma und hat einen Teil seines Gedächtnisses verloren. Auf der Suche nach seinen persönlichen Erinnerungen fährt er ins Haus seiner Kindheit und findet dort alles wieder: Bücher und Bilder, Comics und Kino, Pastadosen und Zigarettenschachteln. Was für Bodoni eine Reise der Wiederentdeckungen durch sein Leben und seine Lieben wird, wird bei Eco eine Zeitreise durch das 20. Jahrhundert: witzig, nostalgisch und überraschend. 

 In dem vorgestellten Bestseller „Die Geschichte der getrennten Wege" von Elena Ferrante (Suhrkamp Verlag 2017) aus der Neapel-Saga geht es um die turbulenten siebziger Jahre und die beiden inzwischen erwachsenen Frauen. Lila ist Mutter geworden, hat sich befreit, alles hingeworfen – den Wohlstand, ihre Ehe, ihren neuen Namen – und arbeitet unter entwürdigenden Bedingungen. Liebscher gelang mit der Vorstellung ein sehr eindrückliches Bild vieler Arbeitsbedingungen in Italien. Die Zuhörer begleiteten mit ihm die Freundinnen Elena und Lila durch die Jahre 1969 bis 1976: RAF und Rote Brigaden verbreiten Terror, Studenten gehen auf die Straße. Und die verkrusteten Rollenklischees zeigen erste Risse.

 „Ein Autor, von dem man noch viel hören wird!", meinte Rosa Grünstein als sie den Roman „Tod eines glücklichen Menschen" von Giorgio Fontana vorstellte. Erschienen ist er 2015 bei Nagel&Kimche. 1981 herrscht in Mailand Angst vor linksextremem Terrorismus. Ein Politiker der Christdemokraten wird umgebracht, der junge Staatsanwalt Colnaghi soll die Mörder jagen. Schon bald gelingt ihm ein Coup: die Verhaftung des Topterroristen Gianni Meraviglia. Doch je länger sich Colnaghi mit dessen Motiven und mit der Frage der Schuld beschäftigt, desto mehr will er diese merkwürdige Ethik verstehen, die das Vernichten von Menschenleben rechtfertigt. Warum wählen zwei Menschen, die, wie er und Meraviglia, von Gerechtigkeit träumen, zwei so gegensätzliche Wege?

 Die Zuhörer fühlten sich spannend unterhalten und durch viele Leseabschnitte in die Bücher hineingezogen. Außerdem sorgten italienischer Wein und Speisen für die gewohnte Atmosphäre beim beliebten halbjährlichen Buchtrip. Der nächste Termin ist für den 23. März vorgesehen.

Text und Bild: Stadtverwaltung Hockenheim