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Nachrichten aus SÜW

Brunnenlaufrad auf der Madenburg nach Rekonstruktion eingeweiht

Damals konnten die Bewohner der Burg im Belagerungsfall ihr Wasser mit dem Rad schöpfen – und je tiefer er in dem Schacht voran kam, desto größer wurde sein Respekt vor den Baumeistern damals.

spk.Eschbach. Zur Begrüßung der zahlreichen Zuschauer sagte die Vorsitzende des Madenburgvereins, Landrätin Theresia Riedmaier, daß alle sich vorstellen sollten, in die Zeit des Mittelalters versetzt zu werden. Da habe es noch keine Mikrofone gegeben – worauf ein Zwischenruf zu hören war: „Aber auch keine Landrätinnen!“ Das sorgte für allgemeines Gelächter.

Bei strahlendem Sonnenschein – dem Anlass angemessen - dankte die Landrätin Theresia Riedmaier, allen, die zum Gelingen des ehrgeizigen Projekts beigetragen haben: Allen voran Zimmermeister Frank Seußler, der zusammen mit zahlreichen weiteren ehrenamtlichen Helfern das mächtige hölzerne Brunnenlaufrad gebaut hat, aber auch Burgwirt Paul Buchwald, Burgkonservator Peter Forger und Förster Konrad Gollong. „Hier ist etwas geschaffen worden, was in hundert Jahren nur einmal passiert“, zitierte die Landrätin Frank Seußler und stimmte ihm in dieser Einschätzung voll und ganz zu. Im März habe sie eine Mail von Frank Seußler bekommen, daß das Laufrad im späten Sommer fertiggestellt sein würde – und nun sei es so weit.

Anschaulich erläuterte der Zimmermeister, wieviel Arbeit in dem Werk steckt. Der Transport des Holzes, die Herstellung der adäquaten Werkzeuge, die Gestaltung des Innenraumes des Brunnenhauses und natürlich der Bau des Brunnenlaufrades haben ungezählte Arbeitsstunden, ehrenamtlich geleistet, erfordert. Er bedankte sich besonders bei den Helfern, die die schweren Baumstämme zur Burg gebracht haben für ihre harte Arbeit. Für das Laufrad wurden die Nägel selbst geschmiedet und alles wurde verplattet und verzapft. Eine kleine Bauhütte stand für die Dauer der Arbeiten zur Verfügung. Mit der Ausführung hielt er sich nah an die Konstruktion des Mittelalters um 1400. Damals konnten die Bewohner der Burg im Belagerungsfall ihr Wasser mit dem Rad schöpfen – und je tiefer er in dem Schacht voran kam, desto größer wurde sein Respekt vor den Baumeistern damals. Allein hätte er die Arbeit nicht bewältigen können – nur im Team ist so ein Meisterwerk zu erschaffen gewesen. Zum Abschluß seiner Rede wies er darauf hin, daß es dem Handwerk allgemein an Nachwuchskräften fehlt – wer also gerne einen handwerklichen Beruf erlernen möchte, ist jederzeit herzlich willkommen.

Pfarrer Hans Meigel, der ehemals für Eschbach und Umgebung zuständig war, segnete das Werk und meinte: „Pfarrer segnen gerne Brunnen, denn diese haben viel zu erzählen von Begegnungen der Menschen. Sie sind eine Quelle zur Vergangenheit.“ Er freute sich darüber, wieder einmal Gelegenheit zu haben, seine „alte“ Gemeinde besuchen zu können

Anschließen konnten sich die  Besucher über die genaue Funktionsweise des Brunnenlaufrades informieren. In dem Rad muss gelaufen werden, um es in Bewegung zu setzen. Dass man dabei ins Schwitzen kommt, konnten Förster Konrad Gollong und Konservator Peter Forger am eigenen Leib erfahren. Zu Demonstrationszwecken hatten sie den 80 Liter fassenden Eimer aus dem 60 Meter tiefen Brunnen befördert und waren danach offenkundig froh, nicht im Mittelalter leben zu müssen. Foto: pem

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