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Kommunalpolitik

Gottfried Jung - ein Glücksfall der Speyerer Kommunalpolitik

"Ich habe meine politische Arbeit gemacht, ohne nach Ehrungen zu schielen."

Speyer. Demokratie lebt vom Mitmachen! Im Fernsehsessel sitzen und über „die Politiker“ schimpfen, ist keine Alternative! Weise Worte von Gottfried Jung am vergangenen Sonntag im Historischen Ratssaal bei seiner Ehrung durch den CDU-Kreisverband und die CDU-Stadtratsfraktion - jetzt ist er in beiden Ehrenmitglied!

Wie groß die Wertschätzung parteiübergreifend ist, sieht man daran, dass neben dem Speyerer Ehrenbürger Prof. Dr. Bernhard Vogel, Alt-MdB Theo Magin und den Abgeordneten Johannes Steiniger (MdB) und Reinhard Oelbermann (MdL) ganz viele Stadträtinnen und - Räte auch aus anderen Fraktionen da waren. Unter anderem die Fraktionsvorsitzenden Walter Feiniler (SPD) und Irmgard Münch-Weinmann (B 90/DIE GRÜNEN) und Mike Oehlmann für die FDP.

Gottfried Jung - ein Glücksfall der Speyerer Kommunalpolitik, was auch sowohl OB Hansjörg Eger in seinem Grußwort wie sein Vorgänger Werner Schineller in seiner Festrede betonten.

Begrüßungsansprache des CDU Kreisvorsitzenden Michael Wagner 

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Speyerer CDU, liebe Gäste,

liebe Hildegard, liebe Julia und vor allem

lieber Gottfried,

ich darf Sie alle – auch im Namen unseres Fraktionsvorsitzenden Dr. Axel Wilke – sehr herzlich Willkommen heißen, Willkommen zu einer außergewöhnlichen Zeit, an einem außergewöhnlichen Ort um einen außergewöhnlichen Mann zu ehren.

 Als Du uns, lieber Gottfried, im Herbst des Jahres 2016 mitteiltest, dass Du Ende 2016 aus dem Speyerer Stadtrat ausscheiden und Ende 2017 Dich auch nicht wieder neu um ein parteipolitisches Amt bewerben wirst, war für uns klar, dass wir – Partei und Fraktion - Dir in einer besonderen Feierstunde Dank sagen möchten. Dieser Tag ist nun heute gekommen und mit dem Tag viele, viele Freunde und Weggefährten, von denen, Sie sehen es mir nach, wir nicht alle einzeln namentlich begrüßen können. Sie hätten es wirklich alle verdient, wenn ich da aber anfange, hören wir die im Programm ausgedruckte Laudatio unseres früheren Oberbürgermeisters Werner Schineller erst gegen 14.00 Uhr und bis dahin wär dann auch der gute Sekt des Dombauvereins, den es im Anschluss an diese Feierstunde geben soll, warm. Und warmen Sekt wollen wir ja nicht trinken.

Es ist uns eine große Freude, den Ehrenbürger unserer Stadt, Herrn Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Bernhard Vogel, zu begrüßen. Wir begrüßen unseren Oberbürgermeister Hansjörg Eger mit Gattin und Bürgermeisterin Monika Kabs mit Gatten. Wir freuen uns über den Besuch von Werner Schineller mit Gattin und wir freuen uns natürlich auch im späteren Verlauf auf die Laudatio. Und wenn wir bei unserem früheren Oberbürgermeister sind, sind wir auch gleich bei unserem früheren Bürgermeister Hanspeter Brohm, den wir mit seiner Frau Maritta sehr herzlich in unserer Mitte willkommen heißen. Für den Speyerer Stadtrat begrüßen wir stellvertretend die Fraktionsvorsitzenden Walter Feiniler, Irmgard Münch-Weinmann und Mike Oehlmann. Sehr herzlich heißen wir Staatsminister a.D. Dr. Georg Gölter Willkommen und mit ihm die amtierenden und früheren Bundes- und Landtagsabgeordneten Johannes Steiniger, Reinhard Oelbermann, Norbert Schindler und Theo Magin. Wir begrüßen die Vertreter der Kirchen, Herrn Domkapitular Peter Schappert, Herrn Dekan Markus Jäckle und den früheren Dekan Herrn Friedhelm Jakob, ebenfalls mit Gattin. Wir freuen uns, dass die Vertreter der Bankenwelt den Weg ins Historische Rathaus gefunden haben, herzlich Willkommen Thomas Traue für die Sparkasse Vorderpfalz und die Herren Rudolf Müller und Winfried Szkutnik für die Volksbank Kur- und Rheinpfalz. Die Politik und die liebe Presse – das ist ja für den ein oder die andere immer so eine Sache. Heute sollte es allseits passen – ein herzliches Willkommen den Pressevertretern. Und ganz am Ende, weil man sich das Wichtigste immer für den Schluss aufhebt, sei Du uns, lieber Gottfried Jung, mit Deiner Familie auf das Herzlichste Willkommen.

Ich habe Werner Schineller versprochen, mit meiner Begrüßung seine Laudatio nicht vorwegzunehmen und dieses Versprechen will ich halten. Nur eine kleine Passage aus einem mir dieser Tage zugegangenen Brief möchte ich an dieser Stelle zitieren:

„Eine Fraktion darf der Mitgliederschaft nicht aufgepfropft werden, sondern muss sich weitgehend harmonisch aus der Partei heraus entwickeln. Wird dieser Grundsatz nicht beachtet, kann nicht verwunderlich sein, wenn weder in Fraktion noch Partei solidarisch gehandelt wird. Eine Fraktion darf keine Vereinigung von Interessensvertretern sein. Sie muss sich als eine Mannschaft darstellen, in der jedes Mitglied seine politische Qualifikation bereits unter Beweis gestellt hat. Wer sich für die Arbeit im Stadtrat bereiterklärt, muss auch wissen, ob er die Zeit dafür hat und muss die Gewähr dafür bieten, dass er den Auftrag der Parteimitglieder und der Bürger gewissenhaft erfüllen wird. Wer dies unvorhersehbar nicht mehr kann, soll das ihm entgegengebrachte Vertrauen so ernst nehmen, dass er zurücktritt.“

Dies schrieb der Vorsitzende der Jungen Union Speyer, Gottfried Jung, am 07.01.1973, gerade mal 21 Jahre alt. Was sich die damalige CDU-Fraktion gedacht haben mag? Wenn Sie so wollen, hatte die Speyerer CDU schon damals einen eigenen Kevin Kühnert.

Meine sehr geehrten Damen und Herren. Gottfried Jung ist ein Glücksfall für die Speyerer CDU und für unsere Stadt Speyer. Stets hat er sich mit Herzblut für seine Stadt engagiert und sich im hohen Maße für die Speyerer Bürgerinnen und Bürger eingesetzt. Du, lieber Gottfried, hast dabei immer den richtigen Ton getroffen.

Wir verbeugen uns vor Deinem Lebenswerk. 


Laudatio von Alt-Oberbürgermeister Werner Schineller

Lieber Gottfried, liebe Hildegard, meine sehr verehrten Damen und Herren,

Nun musst Du, lieber Gottfried, bereits zum zweiten Mal ertragen, dass ich auf Dich eine Laudatio halte, also eine Lobrede zu Ehren einer Person.

Das erste Mal, es war der 21.Dezember 2008, war dies für Dich völlig überraschend, denn die unvergessene Heike Häußler, damals stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Speyerer Stadtrat, hat, ohne Dich zu fragen, eine kleine Feier organisiert, mit Deiner Frau telefoniert und dafür gesorgt, dass Hildegard und Du rein zufällig ins Feuerbachhaus kamen, wo Dich die Kolleginnen und Kollegen der Fraktion begrüßten, um Dir für 20 Jahre Fraktionsvorsitz zu danken.

Da meine Rede also nun 10 Jahre zurückliegt, könnte ich sie noch einmal halten im Vertrauen darauf, dass die, die damals dabei waren, nicht mehr wissen, was ich gesagt habe und die, die neu dabei sind, meine Rede von damals ohnehin nicht kennen.

So einfach mache ich mir die Lobpreisung auf Dich, lieber Gottfried, aber nicht.

Ich beginne mit Deinem 66.Geburtstag am 31.August vergangenen Jahres. Du hast sicherlich an diesem Tag mit Freude gehört, dass das Leben mit 66 Jahren erst anfängt.

Deine Antwort war damals: “ Ich bin dann mal weg“

Diese Aussage erfüllte mich zunächst mit Sorge, denn Männer in diesem Alter neigen oft zu unüberlegten Handlungen.

Natürlich war mir dieser Satz aus Hape Kerkelings Buch bekannt, in dem er brillant seine Reise auf dem Jakobsweg schildert.

Meine Nachfrage ergab, dass sich Gottfried tatsächlich unmittelbar nach seinem Geburtstag mit einer Jakobsmuschel am Rucksack ausgestattet in die Pyrenäen begab und dort zunächst in einem ehemaligen Ziegenstall, der allerdings zur Herberge umgebaut war, übernachtete.

Am 6.September schrieb mir Gottfried:“Heute habe ich in strömendem Regen die Überquerung der Pyrenäen fortgesetzt und bin nach viereinhalb Stunden Fußmarsch ausgerutscht und der Länge nach in den Schlamm gefallen.“

Liebe Freunde, von dieser Stelle aus waren es noch 760 km bis Santiago.

Wäre ich dort hingefallen, hätte ich wahrscheinlich bei einer guten Flasche Rotwein entschieden, an Ort und Stelle noch ein paar Tage zu verweilen und dann zurückzukehren oder auf bequemere Art das Ziel zu erreichen.

Nicht so Gottfried: Gottfried hatte sich etwas vorgenommen, er wollte diesen Weg zu Fuß gehen, er hat dabei auch gelernt, dass man manchmal etwas mehr Zeit braucht, um ans Ziel zu kommen.

Er hat aber das Ziel nie aus den Augen verloren.

Sie werden sich vielleicht denken, was hat dies mit der politischen Arbeit von Gottfried Jung zu tun.

Ich meine sehr viel: Auch in der Politik hat Gottfried Jung bestimmte Ziele verfolgt, auch hier ist nicht alles sofort erreicht worden, aber auch hier hat er das Ziel nie aus den Augen verloren und letztlich kann man zum Abschluss der politischen Arbeit von Gottfried Jung in Fraktion und Partei sagen:Es wurde alles erreicht, was er sich gemeinsam mit Freunden vorgenommen hat:

Die CDU ist die stärkste Fraktion im Speyerer Stadtrat, die CDU stellt den Oberbürgermeister und die Bürgermeisterin, die Arbeit von Fraktion und Partei ist bei den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt anerkannt.

Ich will noch einmal auf die Erfahrungen Gottfrieds vom Camino zurückkommen.

Er war nämlich nicht nur in Santiago, der ohne Zweifel wichtigsten Station dieser Pilgerreise, er war auch am Ende der Welt, am Kap Finisterre.

Dort, so weiß ich, saß er im Hafen und schaute auf den Atlantik, bestellte sich einen Portwein, den gibt’s hier leider nicht, und ich denke, er war und ist nicht nur dort ein glücklicher Mensch.

Das Buch von Hape Kerkeling schließt bemerkenswert:

“Der Schöpfer wirft uns in die Luft, um uns am Ende überraschenderweise wieder aufzufangen.Es ist wie in dem ausgelassenen Spiel, das Eltern mit ihren Kindern spielen.

Und die Botschaft lautet: Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein.

Und wenn ich es Revue passieren lasse, hat Gott mich auf dem Weg andauernd in die Luft geworfen und wieder aufgefangen.Wir sind uns jeden Tag begegnet.“

Ich bin mir ganz sicher, dass Du,lieber Gottfried , ähnliche Erfahrungen gemacht hast, vielleicht werden wir ja eines Tages darüber auch etwas hören oder gar lesen können.

Als Gottfried Jung die Fraktion und natürlich auch die Öffentlichkeit darüber informierte, dass er Ende 2016 sein Amt als Fraktionsvorsitzender in der Mitte der Ratsperiode niederlegen und auch auf sein Mandat als Stadtrat verzichten werde, war die Betroffenheit verständlicherweise groß.

Selbst meine Bemühungen, Gottfried Jung zu bitten, weiter zu machen, waren erfolglos.

Dabei versuchte ich ihn damit zu ködern, dass er der Stadtrat werden könnte, der selbst die Amtszeit von Margret Boiselle, die immerhin knapp 50 Jahre dem Stadtrat angehörte, ohne Probleme übertreffen könnte.

Würde er beispielsweise nur bis zum 80.Lebensjahr dem Stadtrat angehören, so könnte er bereits auf eine 58jährige Ratstätigkeit zurückblicken.

Gottfried ließ sich nicht erweichen, er hatte natürlich recht.

Aber für mich war eben schwer vorstellbar eine CDU ohne Gottfried Jung in verantwortlicher Position.

Über 45 Jahre war Gottfried unermüdlich und mit einem riesigen Einsatz für unsere Partei und damit letztlich für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt tätig.

Bereits während seines Studiums war er Kreisvorsitzender der Jungen Union.

Als er dieses Amt übernahm, zählte die JU 71 Mitglieder, als Gottfried Jung sein Amt übergab, waren es 190.Eine derartige Entwicklung ist heute leider nicht mehr denkbar.

Zu den herausragenden Ereignissen seiner Amtszeit gehört die Errichtung eines Spielplatzes in Speyer-Nord an der Ruhhecke.

Nicht nur Vertreter der JU und CDU haben angepackt, auch die Anwohner haben bei der Realisierung dieses Projektes kräftig mitgewirkt, also Bürgerbeteiligung im besten Sinne des Wortes.

Es hat allen, die damals bei der JU dabei waren, viel Spaß gemacht, es gab tolle Veranstaltungen und Diskussionen und etwas ganz wichtiges: Es sind zahlreiche persönliche Freundschaften entstanden, die bis auf den heutigen Tag noch bestehen. Hanspeter Brohm muss da genannt werden und Monika Kabs, um nur zwei Mitstreiter zu erwähnen.

Eine große Leistung, die mit dem Namen Gottfried Jung verbunden ist.

Seit 1973 gehörte Gottfried Jung auch dem Kreisvorstand der Speyerer CDU an.

Bei den Neuwahlen des Kreisvorstandes am 7.Dezember vergangenen Jahres trat Gottfried Jung nicht mehr an und schied damit nach 44 Jahren aus dem Kreisvorstand aus, in dem er 40 Jahre als stellvertretender Vorsitzender politisch gearbeitet hat.

Lassen Sie nur einmal Revue passieren, wie viele Wahlen in diesem Zeitraum erfolgten: Wahlen zum europäischen Parlament, Wahlen zum deutschen Bundestag und rheinland-pfälzischen Landtag, Kommunalwahlen zum Stadtrat und Bezirkstag sowie OB-Wahlen.

Mir ist keine dieser Wahlen erinnerlich ohne ein entsprechendes Engagement von Gottfried Jung.

28 Jahre hat er die CDU-Fraktion im Speyerer Stadtrat geführt, dem heute anzugehören keine unbedingt vergnügungssteuerpflichtige Angelegenheit ist.

Als Fraktionsvorsitzender hat er die CDU in sechs Kommunalwahlkämpfe geführt.

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass neben seinem herausragenden beruflichen Engagement als Ministerialdirigent und Leiter der Abteilung „Kreislaufwirtschaft, Bodenschutz, Stoffstrommanagement, Umwelttechnologie im Umweltministerium in Mainz die politische Arbeit in Speyer sein zweiter Beruf, ich würde lieber sagen, seine Berufung war.

Ich muss an dieser Stelle noch einige Anmerkungen zu seiner beruflichen Tätigkeit machen, weil sie für unsere politische Arbeit in Speyer, für unser Engagement für alle Umwelt relevanten Fragen von großer Bedeutung war.

Gottfried Jung war über 35 Jahre im Abfallbereich tätig, nach Mainz geholt hat ihn der damalige Staatssekretär Prof.Klaus Töpfer.

Gottfried Jung hat sich für eine moderne und funktionierende Abfall-und Kreislaufwirtschaft eingesetzt. Ein besonderes Anliegen war ihm, möglichst alle wertvollen Stoffe, die in Abfällen stecken, weiter zu verwerten.

Er hat seine Zielsetzungen stets in Abstimmung mit den Kommunen und der Wirtschaft verfolgt.

Hohe Motivation, strategisches Denkvermögen, Verhandlungsgeschick und Durchsetzungsvermögen sowie hohe Integrations- und Innovationskraft haben sein Wirken ausgezeichnet und genau in diesem Sinne hat er auch kommunalpolitisch gehandelt.

Dass Gottfried Jung nach seinem Ausscheiden aus dem Amt von Ministerpräsidentin Malu Dreyer im September 2016 zum Honorarprofessor der Hochschule Trier im Fachbereich Umweltwirtschaft/Umweltrecht am Umwelt-Campus Birkenfeld bestellt wurde, an dem er bereits seit 2007  eine Lehrtätigkeit ausübte, ist nicht zuletzt auch eine Anerkennung seiner über die Landesgrenzen hinaus, auch international, anerkannten Arbeit.

Bei seiner Antrittsvorlesung hat im Übrigen eine frühere rheinland-pfälzische Umweltministerin, nämlich Klaudia Martini, die Laudatio auf Gottfried Jung gehalten, eine Sozialdemokratin, die wir beide sehr schätzen.

Lassen Sie mich, liebe Freunde, nun ein wenig den Lebensweg von Gottfried Jung skizzieren.

Sie werden es kaum glauben, aber Gottfried ist kein gebürtiger Speyerer. Er erblickte nämlich am 31.August 1951 in Grieskirchen im Hausruckviertel in Oberösterreich das Licht der Welt.

Seine aus dem donaudeutschen Raum stammenden Eltern waren damals als Vertriebene auf der Durchreise nach Deutschland.

Den größten Teil seiner Kindheit verbrachte Gottfried im damaligen Landkreis Speyer, nämlich in Hanhofen.

Ab 1963 lebt Gottfried in Speyer, d.h.seit nunmehr 55 Jahren, so dass wir ihn in Abweichung der von Carl Julius Weber vorgenommenen Einteilung der Bewohner unserer Stadt in fünf Klassen durchaus in den Rang der Hiesigen einreihen können, obwohl seine Großeltern nicht in Speyer lebten.

Gottfried Jung hat 1971 am Friedrich Magnus Schwerd Gymnasium Abitur gemacht, dort hat er sich als Schülersprecher und als Redaktionsmitglied der Schülerzeitung „Parabel“ in besonderer Weise engagiert.

Ein Beitrag von Gottfried Jung für die im vergangenen Jahr erschienene Festschrift „50 Jahre Friedrich Magnus Schwerd Gymnasium“ lässt erkennen, dass Gottfried einmal Politiker werden sollte. Dort schrieb er:“Vor „hohen Tieren“machte die Parabel nie halt.

Wir brachten Interviews mit prominenten Politikern der damaligen Zeit, allen voran mit Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, mit Bundesjustizminister Gerhard Jahn, dem späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, dem Bundestagspräsidenten Kai Uwe von Hassel, dem rheinland-pfälzischen Kultusminister Bernhard Vogel  und wir begegneten dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt.

Stichworte beziehungsweise Anliegen, die sich immer kontinuierlich durch die Parabel-Ausgaben zogen, waren die Forderungen nach einer Demokratisierung im schulischen Leben und nach Abbau von Autoritäten. Es waren auch meine Anliegen in meinen beiden Wahlperioden als Schülersprecher.“

Sie sehen also gewisse revolutionäre Eigenschaften waren Gottfried Jung nicht fremd und vielleicht war da auch die Prägung durch einen Lehrer mit verantwortlich, nämlich durch Martin Hussong, dem Gottfried in späteren Jahren auf der Ratsbank gegenüber saß.

Obwohl Germanistik und Geschichte zu seinen Lieblingsfächern zählten, hat er in Heidelberg Jura studiert und trat dann 1979 in den Dienst des Landes Rheinland-Pfalz.

Das Jahr 1974 war ein wichtiger Lebensabschnitt für Gottfried Jung, der damals noch nicht in den Stadtrat wollte.

Deshalb ließ er sich auf Platz 20 der Ratsliste der CDU setzen, die mit 13 Sitzen ins Rennen ging und mit 20 Sitzen herauskam-ein Wunder, das mit dem Roten Meer in Speyer zusammen hing Gottfried zum jüngsten Ratsmitglied machte. Damit war er mitten im kommunalpolitischen Geschehen.

Dass Gottfried Jung 1988 Fraktionsvorsitzender wurde, hängt mit einem Ereignis zusammen, das im Übrigen für unsere Landespartei bis heute noch nachwirkt.

Wir erinnern uns noch alle an den denkwürdigen Koblenzer Parteitag, in dem Bernhard Vogel als Parteivorsitzender gestürzt wurde.

Sein Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten und sein Ausscheiden aus dem Landtag hat dazu geführt, dass unser damaliger Kreis-und Fraktionsvorsitzender Hans Henning Grünwald unerwartet in den Landtag kam und damit war klar, dass Gottfried Jung an die Spitze der Fraktion rückte.

Eine örtliche Zeitung schrieb damals, bei Gottfried Jung handle es sich um einen Übergangskandidaten, ein Beispiel dafür, dass sich auch die Presse irren kann, denn es wurden 28 Jahre daraus, die man natürlich auch als eine Zeit des Übergangs ansehen kann.

Ich könnte nun natürlich die einzelnen Kommunalwahlen durchgehen und Deine sehr guten persönlichen Ergebnisse skizzieren, Du warst viele Jahre die unumschränkte Nummer 1 auf der Liste der CDU.

Mir ist aber wichtiger etwas zu erwähnen, was nicht nur ich an Dir besonders schätze:

Dies ist Deine Verlässlichkeit, Integrität und Loyalität.

Wie oft hast Du eigene Interessen zurückgestellt, wenn es darum ging, Deiner Partei oder Fraktion einen Dienst zu erweisen.

28 Jahre Fraktionsvorsitz bedeutet auch 28 Haushaltsreden, eine Vielzahl von Statements zu wichtigen politischen Grundsatzfragen und Entscheidungen, die der Stadtrat in diesen Jahren getroffen hat.

Und bei alledem wollen wir nicht vergessen, dass es maßgeblich die CDU in dieser Zeit war, die unsere Stadt vorangebracht hat.

Dein Mut, neue Wege zu beschreiten, ist auch in herausragender Weise dadurch manifestiert, dass es Deinem umsichtigen Verhandeln zu verdanken ist, dass wir unter Einbezug der Speyerer Wählergruppe eine der ersten schwarz-grünen Koalitionen auf kommunaler Ebene zustande gebracht haben, was sogar dem Spiegel ein Bericht wert war.

Wir haben solche Formen der Zusammenarbeit nie als ein Gescharre um Posten verstanden, sondern unser Ziel war, die Verwaltung umzubauen, effiziente Strukturen einzuführen, die Gesellschaften handlungsfähig zu machen und aus der parteipolitischen Umklammerung heraus zu führen.

Was in Deiner Zeit als Vorsitzender durch eine Vielzahl von Anträgen und Initiativen, insbesondere auch im Bereich der Umweltpolitik geschehen ist, kann sich sehen lassen.

Ich denke an das große Thema der Stadtsanierung, den Kampf um die Fußgängerzone Maximilianstraße und die Entwicklung Speyers zu einer Kinder-und Familien freundlichen Stadt.

Die Wohlfühlstadt Speyer, dies war ein von Dir gebrauchter Begriff, der sicherlich von der großen Mehrheit der Speyerer Bevölkerung akzeptiert wird, denn nicht jeder, der einen Leserbrief über ein vermeintliches Unwohlsein schreibt, repräsentiert die Mehrheit der Bevölkerung.

2008 hat der Stadtrat eine von der CDU-Fraktion entworfene Klimaschutz- und Energieleitlinie beschlossen.

2010 ein von der CDU entworfenes Zielkonzept

„Speyer 100% regenerativ“.

Damit wurde der Weg zu einer ambitionierten Klimaschutz- und Energiepolitik in Speyer geebnet, die weit über unsere Stadt hinaus Beachtung findet und die auch mit dem Namen Gottfried Jung verbunden ist..

Ein wichtiges Thema für Gottfried war und ist die Fahrradstadt und damit einhergehend auch die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs.

Natürlich war und ist für die CDU-Fraktion und ihren langjährigen Vorsitzenden das Thema Wirtschaftsförderung ein zentrales Anliegen ebenso wie der weitere Ausbau des attraktiven Handelsstandorts mit einem vielfältigen Angebot.

Und wer die sicherlich maßgeblich von Gottfried Jung beschriebenen Leitsätze für die Stadtratsperiode 2014 bis 2019 nachliest, wird feststellen, dass er auch an das Leben im Alter gedacht hat.

„Wir wollen, dass die Senioren solange wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung leben können.

Dazu brauchen sie die Teilhabe am Leben in der Stadt und die Anbindung an die Gesundheitsdienste über einen guten Nahverkehr.

Das Seniorenbüro, die Quartiersmensa in Speyer-West und das Mehrgenerationenhaus in Speyer-Nord sind wichtige Anlaufpunkte für Jung und Alt.“

Deine Lebensphilosophie lässt sich auch in einem Spruch von Hermann Hesse wieder finden: " Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“

Nun, lieber Gottfried, hast Du Dich aus der ersten Reihe der Politik zurück gezogen, was natürlich nicht bedeutet, dass wir auf Deine Erfahrung und Deinen Rat verzichten müssen.

Der Dombauverein ist außerordentlich dankbar, dass Du dort den Vorsitz übernommen hast und damit auf andere Weise Akzente setzen kannst.

Ich freue mich jedenfalls, dass wir in diesem Bereich gemeinsam tätig sind, Du als Vorsitzender des Dombauvereins und ich als stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Stiftung Kaiserdom zu Speyer.

Wenn wir Dir, lieber Gottfried, heute in besonderer Weise danken, so gilt dieser Dank auch Deiner Hildegard.

Sie hat ganz wesentlich dazu beigetragen, dass Du Dein ehrenamtliches Engagement über Jahrzehnte ausüben konntest.

Du solltest, liebe Hildegard, aber nun darauf achten, dass Gottfried nicht die Führung des Haushaltes übernimmt.

Wohin so etwas führen kann, lässt sich bei Loriots Komödie Pappa Ante Portas erahnen.

Nun, lieber Gottfried, wünsche ich Dir viel hausgemachte Pasta, ein Lieblingsgericht von Dir und vielleicht kannst Du Dir noch einen Traum erfüllen, nämlich ein Essen mit Brunetti, seiner Frau und Deiner Frau.

Wer Brunetti ist, können Sie bei Donna Leons wunderbaren Venedig Krimis nachlesen.

Gottfried Jung hat sich um die Speyerer CDU und die Stadt Speyer in besonderer Weise verdient gemacht.

Im Anschluss an die Laudatio bedankte sich Prof. Dr. Gottfried Jung mit der nachfolgenden Rede

Als ich 20 Jahre Fraktionsvorsitzender war, entschloss sich meine Fraktion, zu einer Jubiläumsfeier im Feuerbachhaus einzuladen, ohne mir etwas davon zu sagen, weil man davon überzeugt war, dass ich eine solche Veranstaltung nicht genehmigen würde. Mit List und Tücke brachte es meine Frau fertig, mich zu der Veranstaltung zu hieven, indem sie mir vorgaukelte, wir gingen zu einer Veranstaltung der SKG. Was ich im Feuerbachhaus sah, machte mich baff: Da war nicht die SKG, sondern die gesamte CDU-Fraktion einschließlich Altstadträten und politischen Weggefährten aus anderen Parteien versammelt!

Diesmal ist es anders. Für den heutigen Termin hat die CDU vorab mein Einverständnis eingeholt. Ich habe es gegeben - aber durchaus mit einem zwiespältigen Gefühl. Denn ich habe meine politische Arbeit gemacht, ohne nach Ehrungen zu schielen. Aber ich gebe zu, dass dies heute eine Feier ist, die mich doch sehr berührt. Denen, die hier gesprochen haben, bin ich zu besonderem Dank verpflichtet. Aber ich bin auch Ihnen allen dafür dankbar, dass Sie sich für mich heute Vormittag Zeit genommen haben. Es freut mich riesig, dass auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Parteien, Vorstandsmitglieder des Dombauvereins sowie Damen und Herren aus unterschiedlichsten anderen gesellschaftlichen Kreisen gekommen sind. Die Zuwendung, die ich heute erfahre, die ich aber auch in all den zurückliegenden Jahren immer wieder gespürt habe, tut gut.

Sie haben vorhin das Chanson von dem Politiker gehört. Da wurden die Fragen aufgeworfen, was für ein Ticker der Politiker sei, woher er komme und was er wolle von der Welt. Die Fragen sind gestellt, aber nicht beantwortet worden. Ich will das für meine Person in den nächsten Minuten tun. Dabei spielt das Jahr 1968 eine große Rolle, in dem das Chanson entstanden ist. Aber als Erstes will ich nicht fragen, woher ich komme, sondern warum ich gehe.

Manche scheiden im Streit mit ihrer Partei aus ihren politischen Ämtern aus. Andere werden hinauskomplimentiert. Anhand von Erfahrungen, die ich in vielen Jahren immer wieder machen musste habe ich mir geschworen, nie in eine Situation zu kommen, in der offen oder hinter vorgehaltener Hand gesagt wird: Wann geht der jetzt endlich?! Ich wollte gehen, solange gesagt wird: Bitte bleib noch! Ich bin glücklich darüber, dass ich den richtigen Zeitpunkt gefunden habe.

Jahrzehntelang hatte ich tagein tagaus die Kommunalpolitik im Kopf und befand mich ständig im Aktions- oder Reaktionsmodus. Das war mir eine Freude, aber manchmal war es mir auch eine Last. Eigentlich war die Politik über Jahrzehnte hinweg mein Zweitberuf. Ich habe das natürlich freiwillig gemacht, aber ich habe die politische Arbeit auch als Pflicht verstanden. Wir leben in einer Demokratie, und die Demokratie lebt nicht vom Zuschauen. Sie lebt vom Mitmachen. Sie lebt nicht davon, dass ich mich abends in den Fernsehsessel setze und mich bei Chips und Wein über „die“ Politiker aufrege. Unser Gemeinwesen lebt davon, dass sich möglichst viele Menschen entsprechend ihren persönlichen Fähigkeiten dafür einbringen. Das war immer mein Credo, und das wird es auch bleiben.

Meine politischen Wurzeln habe ich in einer hoch politisierten Zeit geschlagen, nämlich in der zweiten Hälfte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. Symbolisch steht dafür die 68er-Generation.Die Welt erlebte damals in der jungen Generation eine unglaubliche Aufbruchsstimmung. Aus der Aufbruchstimmung wurde eine Protestbewegung. In den USA entstand die Hippiebewegung. Der Vietnamkrieg bewegte die Welt. Che Guevara wurde erschossen, Martin Luther King fiel einem Attentat zum Opfer. In Prag gab es für kurze Zeit den Prager Frühling, in Paris führten Studentenunruhen zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In Deutschland wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen. Das waren einige der Ereignisse, die zu einer breiten Politisierung der jungen Generation führten. Sie forderte mehr Demokratie und den Abbau von Autoritäten.

Ich war 1967 Mitbegründer und bald auch Chefredakteur der Schülerzeitung Parabel. Zusammen mit den anderen Redakteuren sog ich diese Entwicklung auf und verarbeitete sie für die Leser. Dann wurde ich Schülersprecher und versuchte, nicht nur zu schreiben, sondern zu handeln und mehr Demokratie im Schulbetrieb durchzusetzen. Dr. Bernhard Vogel, der heute unter uns ist, war damals gerade Kultusminister geworden – und das mit 35 Jahren! Helmut Kohl, der dafür sorgte, hatte seinerzeit das richtige Gespür.

Damals war mir als Schüler klar geworden, dass es nicht damit getan war, überkommene Strukturen zu beklagen, sondern dass es wichtig war, sich für eine Erneuerung der Demokratie politisch zu engagieren. Ich habe mir deshalb alle politischen Jugendorganisationen in Speyer angesehen – nicht nur die der Parteien. Ich habe den sogenannten Republikanischen Club besucht, der im Gasthaus zum Weidenberg tagte und den City-Club mit seinem Domizil oben in der Bernhardskirche. Dann entschied ich mich, entgegen dem vorherrschenden linken  Mainstream für einen Eintritt in die Junge Union und die CDU. Das war 1968, also vor 50 Jahren. Und diese Entscheidung habe ich nie bereut!

Ich sah und sehe mich als Teil der 68er Generation, aber vielleicht bin ich mit meinem politischen Engagement für die CDU etwas aus der Art geschlagen…

Den  Sturm und Drang, der sich in mir aufgebaut hatte, nahm ich mit in die Junge Union und in die CDU. Mein Abitur und mein Studium standen für mich immer im Vordergrund. Aber daneben habe ich unendlich viel Zeit in die Junge Union gesteckt. Damals hatte ich noch nicht einmal ein eigenes Telefon. Meine Leute musste ich zusammentrommeln, indem ich in Telefonzellen ging, und für das Schreiben von Texten hatte ich keinen Computer, sondern eine Schreibmaschine. War etwas zu ändern, musste ich mit Tippex arbeiten oder die Seite neu schreiben. Der Zulauf, den wir hatten, spornte mich an. Als ich die Junge Union 1978 abgab, hatte sie über 230 Mitglieder.

Hanspeter Brohm, der mein Vorgänger als JU-Vorsitzender war und Werner Schineller stammen aus dieser damaligen Jungen Union. Ein junges Mädchen stieß damals auch zu uns, Monika Spahn hieß sie. Nach unseren Sitzungen brachte ich sie mit meinem VW Käfer nach Hause. Ihre Eltern vertrauten mir. Als sie den Namen Monika Kabs annahm, war ich ihr Trauzeuge.

Ende der 60er bekam die Speyerer CDU einen ganz jungen, gerade mal 29 Jahre alten Vorsitzenden, nämlich Dr. Georg Gölter. Er und die Junge Union begannen Anfang der 70er Jahre, die Speyerer CDU umzukrempeln.  Auf Grund ihrer Mitgliederzahl war damals die Junge Union in der CDU eine Macht. Die CDU hatte eine Erneuerung dringend nötig. Sie hatte es sich allzu sehr in der Rolle des ewigen Zweiten in der Speyerer Kommunalpolitik bequem gemacht. Das versuchten wir zu ändern, und dass dies gelungen ist, wissen Sie alle selbst.

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen“, hat John Lennon einmal gesagt. So war das auch bei mir.

In den CDU-Kreisvorstand ließ ich mich 1973 freiwillig wählen, in den Stadtrat bin ich 1974 nicht ganz so freiwillig eingerückt. Es gab einen Erdrutschsieg für die neu aufgestellte CDU mit 20 Sitzen im Stadtrat. Auf dem 20. Platz der Kandidatenliste saß ich. Ich war 22 Jahre und wollte zu allererst mein Studium gut bewältigen. So habe ich tagelang mit mir gerungen, bis ich das Mandat trotz des Studiums doch annahm. Rückblickend betrachtet hat es mir nicht geschadet.

Zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden ließ ich mich 1979  wiederum freiwillig wählen, während ich mich für die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden 1988 erst bereiterklärte, als ich massiv bedrängt wurde. Vorausgegangen war der schwerste Fehler, den die CDU Rheinland-Pfalz in ihrer langen Geschichte machte und der zum Rücktritt von Ministerpräsident Dr. Vogel führte. Damals rückte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Speyerer Stadtrat, Hans-Henning Grünwald, für Dr. Vogel in den Landtag nach. Auf diese Aufgabe wollte er sich konzentrieren und gab, für uns alle nicht vorhersehbar, den Fraktionsvorsitz ab.

Hubertus Kranzcoch schrieb damals in der Rheinpfalz, der Fraktionsvorsitzende Jung werde nur eine Übergangslösung sein, da er genauso wie Hans-Henning Grünwald in Mainz beschäftigt sei. Die Übergangslösung währte, wie Sie alle wissen, 26 Jahre.

Bevor ich zum Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde, wurde ich noch promoviert und war Herausgeber eines juristischen Kommentars. Diese Nebentätigkeit opferte ich zugunsten des Fraktionsvorsitzes

In meinen 42 Jahren im Stadtrat habe ich drei Oberbürgermeister erlebt: Dr. Christian Roßkopf, Werner Schineller und Hansjörg Eger. Alle drei sind höchst unterschiedliche Persönlichkeiten und haben der Stadt ihren Stempel aufgedrückt. Die Wahl von Werner Schineller war natürlich sein persönlicher Erfolg, aber sie war auch der Lohn für eine langjährige selbstbewusste Arbeit der Speyerer CDU. Mit Hansjörg Eger konnten wir diesen Erfolg wiederholen, und auch mit ihm haben wir einen Oberbürgermeister, der seine Aufgaben hervorragend meistert.

Wenn ich all die Leitzordner durchblättere, die unsere Arbeit in den letzten Jahrzehnten für die Stadt Speyer widerspiegeln, dann finde ich eine Vielzahl von Themen, die wir aufgegriffen und verfolgt haben. Am Deutlichsten ist mir davon die Verkehrspolitik in Erinnerung geblieben und hier insbesondere die Durchsetzung der Verkehrsberuhigung in der Hauptstraße. Was war das doch für ein jahrelanges Hin und Her und ein Kampf, bis der Verkehr und das Blech aus der Innenstadt draußen waren! Man kann sich das heute nicht mehr vorstellen!

In Mainz wurde ich mit 38 Jahren 1990 jüngster Abteilungsleiter in der Landesregierung. Da schien die welt in einer CDU-geführten Landesregierung noch in Ordnung. Als ich 2016 in Pension ging, war ich nicht nur der dienstälteste Abteilungsleiter, sondern auch das einzige Mitglied der CDU auf dieser Ebene. Das hätte ich mir nicht  träumen lassen!

Abteilungsleiter sind in den Ministerien das Scharnier zwischen der Verwaltung und der politischen Ebene. Die politische Ebene, der ich zuarbeitete, war seit 1991 rot und seit 2011 grün. Von Anfang an habe ich es mir zur Devise gemacht, strikte Loyalität gegenüber dem Dienstherrn zu wahren. So arbeitete ich in meinem Erstberuf in Mainz für die sozialdemokratisch geführte Landesregierung und in meinem Zweitberuf in Speyer für die CDU. Ich habe das gut ausgehalten. Meine vier Chefinnen, die ich nacheinander hatte, zwei sozialdemokratische und zwei grüne Ministerinnen, kamen mit mir gut aus und haben meine kommunale Arbeit für die CDU respektiert. Mit Klaudia Martini ist aus dem Dienstverhältnis eine Freundschaft erwachsen, die auch heute noch anhält. Dass Eveline Lemke mir mit meiner Abteilung die Zuständigkeit für das grüne Leib- und Magen-Thema Klimaschutz übertrug, habe ich als besonderen Vertrauensbeweis empfunden.

Dass ich 35 Jahre lang die tägliche Fahrt nach Mainz und die Arbeit für die CDU in Speyer nebst anderen Aufgaben unter einen Hut gebracht habe, betrachte ich rückblickend als ein Wunder. Zumal ich mit meiner Frau auch eine Familie gegründet habe und durch und durch Familienmensch bin. Meinen Heiratsantrag habe ich meiner späteren Frau am Rande einer CDU-Veranstaltung gemacht. Sie wusste, was sie tat, als sie ihn annahm und hat seitdem alle Belastungen ausgehalten, die ich ihr und mir über viele Jahre hinweg zugemutet habe. Dafür bin ich ihr zu einem unendlich großen Dank verpflichtet. Es ist wahrhaftig keine Floskel wenn ich sage, dass wir alles nur als Team gepackt haben. Aus dem jungen Mädchen, das ich geheiratet habe, ist mir meine wichtigste Ratgeberin geworden.

Wir haben drei Kinder bekommen, und vielleicht ist es symptomatisch, was unser erster Sohn, als er noch ein Dreikäsehoch war, sagte, als meine Frau mit ihm einmal die Weihnachtskrippe aufbaute. Als sie den Papa von Jesus nicht gleich fand, meinte mein Sohn: Der ist bestimmt  bei der CDU! Auch meinen Kindern habe ich sehr viel zugemutet, wobei ich auch selbst auf vieles verzichtet habe. Aber aus allen drei Kindern ist etwas geworden, und ich bin stolz auf sie!

Wer nun denkt, als Pensionär hätte ich alle Zeit der Welt, der täuscht sich. Immer noch gelingt es mir nicht, mich von der Routine des Arbeitslebens freizuschwimmen. Wenn ich einfach mal so dasitze und nichts mache, spüre ich ein schlechtes Gewissen. Deshalb habe ich aus meiner beruflichen Tätigkeit die Kreislaufwirtschaft als ein Fachgebiet mitgenommen, auf dem ich weiterhin arbeite. Die Kreislaufwirtschaft als neues Wirtschaftsmodell ist mein Leitthema. Ich hatte das Glück, das in meinem beruflichen Leben an vielen Orten der Welt propagieren zu dürfen. Auf diesem Gebiet darf ich auch jetzt noch am Umwelt-Campus Birkenfeld der Hochschule Trier mit jungen Menschen weiter arbeiten, und die damit verbundenen Rechtsfragen haben eine große Anwaltskanzlei dazu veranlasst, mich zu überreden, für sie als Rechtsanwalt tätig zu sein.

Als einziges politisch erworbenes Amt habe ich den stellvertretenden Vorsitz im Aufsichtsrat der Stadtwerke behalten, vor allem weil mir das von der CDU-Fraktion entworfene und vom Stadtrat beschlossene Leitbild „Speyer 100 % regenerativ“ und eine Smart City Speyer ein Herzensanliegen ist.

Als stellvertretender Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Fujiangesellschaft helfe ich mit, die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und der chinesischen Provinz Fujian zu betreuen. Und da ist dann natürlich noch der Dombauverein. Dass ich einmal dessen Vorsitz übernehmen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Aber ich mache das gern und bewege mich dabei in einem angenehmen Umfeld.

Angesichts dieser Ehrenämter brauche ich mich nicht mit der Frage zu beschäftigen, wie ein Leben ohne Ehrenamt aussieht. Ich weiß ich nämlich gar nicht! Vielleicht finde ich irgendwann mal Zeit, mich damit zu beschäftigen.

Von meiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela kam ich reich beschenkt zurück. Wer den Weg gegangen ist, hat sich verändert. Ich kam mit einem freien Kopf zurück, bestückt mit einer Vielzahl von Glückshormonen. Ich habe gelernt, dass man im Leben nicht alles vorausberechnen muss, sondern dass sich die Dinge gut fügen, wenn man darauf vertraut. Und ich weiß jetzt, dass es stimmt, was Henry Ford sagte: „Wenn du glaubst, du kannst es, hast du recht. Wenn du glaubst, du kannst es nicht, hast du auch recht.“ Und weil ich glaube, dass ich es kann, will ich auch in diesem Jahr wieder eine große Pilgerreise machen, und zwar auf dem Franziskusweg nach Rom.

Auch wenn ich keine Parteiämter mehr habe: Die CDU in Speyer ist und bleibt für mich wie eine Familie. Natürlich stehe ich weiterhin zur Verfügung, wann immer ich gebraucht werde. Mir war es wichtig, dass die CDU nicht links oder rechts, sondern dass sie mitten im Leben steht. Das soll so bleiben. Unser letzter Slogan bei der Kommunalwahl hieß: Lust auf Zukunft. Er drückt aus, was ich immer empfunden habe und auch weiterhin empfinde. 

Politisch habe ich manchmal polarisiert, aber ich habe mich mit meinen Gegenübern immer zusammengefunden. Das macht uns hier in Speyer alle miteinander stark. Ich bin stolz darauf, in einer weltoffenen Stadt zu leben, in der Toleranz und Bürgersinn herrschen. Aber das sind keine Selbstläufer. Wir müssen daran immer wieder arbeiten – vor allem jetzt. Denn die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen, die wir weltweit und hier bei uns wahrnehmen können, sind gravierend. Gemeinsam gilt es vor allem, gegen Populismus oder gar Hetze aufzustehen. Emotionen dürfen sein und natürlich auch Auseinandersetzungen. Aber es muss uns immer um die Sache, um das öffentliche Wohl gehen. Im Rahmen meiner Möglichkeiten will ich dazu auch ohne politische Ämter weiterhin meinen Beitrag leisten.

Danke, dass Sie alle gekommen sind! Und bleiben Sie mir gewogen!

Der SPEYER-KURIER bedankt sich bei Michael Wagner, Werner Schineller und Prof. Dr. Gottfried Jung für das Veröffentlichungsrecht ihrer Reden. Foto: CDU Speyer


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