Speyer-Kurier
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Gemeinsam gegen Terror

Speyer-  Der Anschlag in Berlin hat uns zutiefst erschüttert. Viele Menschen, egal welcher Nationalität oder Religion, versammeln sich auf Weihnachtsmärkten, um mit Freunden und Bekannten schöne Stunden zu erleben. Weihnachtsmärkte sind Ausdruck des Miteinanders und ein Ausdruck der Begegnung und des Austausches. Somit ist dieser Anschlag auch ein Angriff auf unsere Gesellschaft und unser Miteinander.

In diesen Tagen galten unsere Gedanken den Terroropfern und ihren Angehörigen in Ankara, in Kayseri, Jordanien und im Jemen. Gemeinsam sind wir aufgestanden, um den Terror gegen die Bevölkerung von Aleppo zu verurteilen und für die Menschen und für Frieden in Syrien, im Nahen Osten und in der Welt zu beten.

Heute sind unsere Gebete mit den Opfern der brutalen Gewalt hier in unserer Heimat.

Dieser bösartige Anschlag zielt auf unsere Gemeinsamkeit. Er will, dass wir unsere Freiheiten in Frage stellen, in Angst leben und von unseren Werten wie Toleranz und Weltoffenheit abrücken. Das dürfen wir nicht zulassen.

Wir sind alle Bürger dieses Landes. Dieser Anschlag ist ein Anschlag auf uns alle. Unsere Einheit darf durch Terrorakte nicht gestört werden.

Wir schließen uns der gemeinsamen Erklärungen (http://koordinationsrat.de/) der in der KRM organisierten muslimischen Verbände an und beteiligen uns an der heutigen Mahnwache.

Möge uns Allah vor weiterem Terror bewahren. dtip Speyer, Presse

21.12.2016


Amtswechsel in der Speyerer „Fatih-Camii-Moschee“

Selahattin Yilfirim hinterlässt eine wunderbare Moschee und eine in sich geschlossene Gemeinde

cr. Speyer-  Gestern Mittag, Punkt 12.30 Uhr: Bei ganz und gar nicht winterlichen Temperaturen stehen im Hof der „Fatih-Camii-Moschee“ in der Speyerer Brunckstraße männliche Angehörige der „Türkisch-islamischen Gemeinde“ zu Speyer bei strahlendem Sonnenschein in Gruppen zusammen und besprechen die Ereignisse der zuende gehenden Woche. Auch hier ist die gewaltige Flüchtlingswelle, die ihrem Heimatland, der Türkei, inzwischen mehr als zwei Millionen Flüchtlinge ins Land „gespült“ hat, das alles andere überlagernde Thema.

Das christliche Weihnachtsfest, das auch den Speyerer Muslimen in diesem Jahr gleich mehrere freie Tage „am Stück“ beschert, macht, dass heute ganz besonders viele Gläubige zum Freitagsgebet in die Moschee gekommen sind. Und während man sich noch draußen die Köpfe heiß redet, legt im Inneren des geräumigen Betsaals im Hochparterre der Moschee Imam Riza Akdemir die Suren des Koran aus – belegt ein um das andere Mal mit einschlägigen Zitaten, dass Gewalt gegen andere Menschen genau das Gegenteil dessen ist, was Inhalt des Heiligen Buches der Muslime ist.

Rasch füllt sich jetzt aber der große Betsaal mit Männern, die sich zu Boden werfen und ihre rituellen Handlungen durchführen, um sich auf das bevorstehende Freitagsgebet vorzubereiten.

Doch ehe Imam Akdemir dazu das Wort ergreift, tritt der vor Wochenfrist neugewählte Vorsitzende der Moscheengemeinde, Servet Özel, ans Mikrophon, um - immer wieder unterbrochen vom stürmischen Beifall der Gemeindemitglieder - seinen verdienstvollen Vorgänger im Amt, Selahattin Yilidrim aus seinem Amt zu verabschieden. „Er war entscheidend dafür verantwortlich, dass wir heute in dieser wunderbaren Moschee beten dürfen“, lobt Özel. „Denn ohne Selahattin Yildirim stünde dieses Gebäude heute wohl nicht hier an diesem Platz“.

Yildirim, Flugzeugbauer bei den Speyerer „Pfalzflugzeugwerken PFW“, habe das Projekt „Moschee in der Brunckstraße“ mit ganzer Hingabe vorangetrieben und es zum Erfolg geführt, stellte Özel fest. Von der Planung bis zum „letzten Stein“ trage das Gotteshaus die Handschrift Yildirims, so Özel dankbar, der daran erinnerte, dass der bisherige Vorsitzende über viele Monate nahezu „Tag und Nacht auf der Baustelle“ präsent gewesen sei.

Entsprechend der früheren Satzung der deutschen „Ditib-Gemeinden“ habe der bisherige Yildirim zwei Jahre lang an der Spitze der Speyerer Gemeinde gestanden und danach, nach Maßgabe der neuen Satzung, die Gemeinde weitere drei Jahre lang geführt. „Dies waren sicher mit die entscheidendsten Jahre unserer Gemeinde“, konstatierte Özel in türkischer und deutscher Sprache, habe dieser Neubau doch wohl alle Mitglieder des „alten“ Vorstandes bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit strapaziert.

Dass es Yildirim daneben auch gelungen sei, in seiner Amtszeit den inneren Zusammenhalt der Gemeinde nachhaltig zu stärken – das habe sich nicht zuletzt in der Bereitschaft so vieler zur aktiven Mitarbeit bei der Baumaßnahme gezeigt, bei der sie schließlich sogar Nichtmuslime aus Speyer und der Region zur aktiven Unterstützung des Projektes motivieren konnten. Dies alles zeige in überzeugender Weise die große Fähigkeit des ausgeschiedenen Vorsitzenden zur Integration der Gemeindemitglieder.

Dass Yildirim jetzt bei der Neuwahl eines neuen Vorstandes auf eine erneute Kandidatur verzichten wollte, dafür habe nach all den Herausforderungen und Mühen der letzten fünf Jahre wohl jedermann in der Gemeinde Verständnis aufgebracht, betonte Özel.

„Selahattin Yildirim hinterlässt heute eine in sich höchst geschlossene, einige und geeinte Gemeinde“, betonte Özel abschließend. Das habe sich auch bei den Wahlen am vergangenen Sonntag erwiesen, als von den 181 stimmberechtigten Mitgliedern der Gemeinde rund 150 an der Abstimmung teilnehmenden Wahlberechtigte einhellig der Einheitsliste unter der Führung von Servet Özel ihr Votum gaben. „Mehr Einmütigkeit geht kaum noch“, freute sich da der neue Vorsitzende, der den ausscheidenden Mitgliedern des alten Vorstandes gleich eine ganze Reihe von Geschenken mit auf ihren weiteren Lebensweg geben konnte.

In seiner Dankesrede sagte Selahattin Yildirim zu, falls gewünscht, auch weiterhin mit seinem Rat und seinen Ideen zur Verfügung zu stehen. „Ich bin nicht aus der Welt und werde auch weiterhin für jedermann in der Gemeinde als Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, not er an.

Eine Erwartung und Hoffnung, die schließlich auch Imam Akdemir in der Fortsetzung des Gottesdienstes in seinem Freitagsgebet anklingen ließ, denn auch er weiß um die großen Verdienste des bisherigen Gemeindevorstandes um Selahattim Yildirim, an dem sich seine Nachfolger wohl erst noch messen lassen müssen. Foto: gc

26.12.2015


Amtswechsel in der Speyerer „Fatih-Camii-Moschee“ - Bilderalbum

„Wachwechsel“ an der Spitze der Speyerer „Fatih Camii Moschee“

Servet Özel folgt Selahattin Yildirim im Amt des Vorsitzenden der ´Türkisch-islamischen Gemeinde

cr. Speyer-  Bei den turnusgemäßen Wahlen des Vorstandes der Türkisch-Islamischen „Ditib-Fatih-Camii-Gemeinde“ in der Speyerer Brunckstraße wurde bei der jüngsten Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag der bisherige Stellvertretende Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Servet Özel, mit großer Mehrheit zum Nachfolger von Selahattin Yildirim als Gemeindevorsitzender gewählt, der nach mehrfacher Bestätigung im Amt satzungsgemäß nicht erneut für die Position des Vorstandsvorsitzenden kandidieren konnte. Servet Özel (45), Vater von drei Kindern und von Beruf Anlagen-Techniker, ist zugleich auch gewähltes Mitglied im „Beirat für Migration und Integration“ der Stadt Speyer. Diesen städtischen Beirat leitet seit seiner letzten Wahl Selda Ünsal als Vorsitzende, die jetzt auch als Nachfolgerin von Servet Özel ins Amt der Stellvertretenden Vorsitzenden des neuformierten Gemeinde-Vorstandes der Türkisch-Islamischen Gemeinde gewählt wurde.

Bei der Festlegung der weiteren Vorstandsmitglieder, so Servet Özel im Gespräch mit dem SPEYER-KURIER, habe er besonderen Wert darauf gelegt, dass diese auch im Alltag Berufe ausübten, die eine hohe Übereinstimmung mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Gemeinde-Vorstand aufweisen. So sei neben Hakan Tüysüz als zweitem stellvertretenden Vorsitzendem sowie Gökhan Evcümen als Schriftführer und Tuncay Olgun als Schatzmeister der Bausachverständige Edip Kilic als Verantwortlicher für das Bauwesen in den Vorstand gewählt worden. Die Interessen des Elternbeirates in dem neuen Vorstand vertritt Nilgün Ağlayan, die der weiblichen Gemeindemitglieder Sevgi Sayıner vom autonomen Frauenbeirat der Gemeinde sowie die der Jugendlichen Faruk Sayıner vom Jugendbeirat.

181 Familienwerden derzeit durch die Gemeinde versorgt – gut 150 hatten sich am Sonntag an den alle drei Jahre stattfindenden Wahlen des Gemeinde-Vorstandes beteiligt – eine durchaus beachtenswerte Quote, die ein Stück weit das große Interesse der Gemeindemitglieder an der gemeinsamen Arbeit zum Ausdruck bringt.

Für die Zukunft, die mit der offiziellen Übernahme der Vorstandspflichten am 1. Januar 2016 beginnt, kündigte der neue Vorsitzende an, dass sich die Ditib-Gemeinde nach dem Bau der neuen Speyerer Moschee, die in den vergangenen Jahren viele Kräfte gebunden habe, in der Zukunft verstärkt in den interreligiösen Dialogprozeß einbringen wolle und dazu die Moschee noch mehr als in der Vergangenheit auch für Nichtmuslime zu öffnen. Ein weiterer Akzent solle auch künftig auf der Fürsorge für Flüchtlinge muslimischen Glaubens liegen, für deren Integration sich die Gemeinde sich künftig noch stärker einbringen wolle. Foto: Privat

23.12.2015


„Wachwechsel“ an der Spitze der „Fatih Camii Moschee“ - Bilderalbum

Botschaft der Türkisch Islamische Gemeinde Speyer zum Opferfest 2015

Speyer- Wir freuen uns darüber, erneut die Zeit des Opferfestes erreicht zu haben. Es ist einer der Zeiträume, worin wir das in der Hektik des Lebens vielmals unbewusst und unverantwortlich vergeudete Kapital der Zeit und die Werte des Friedens, der Liebe, des Wohlergehens, des Teilens und der Geschwisterlichkeit zu einem Gewinn wandeln können. Als islamische Welt werden wir das Opferfest am Donnerstag, dem 24. September 2015 erneut mit Ausrufen des Takbir empfangen. Alle gemeinsam werden wir die Festtage der Weisheit, der Vergebung und Barmherzigkeit begehen. Dafür danken wir unserem erhabenen Herren Allah unendlich.

Die Tage des Opferfestes sind gesegnete Zeiträume, in der die Gläubigen entsprechend des Bittgebetes von Abraham (s) zu einem Herzen und zu einem Körper werden. Darin treffen sie sich auch mit dem gleichen Bekenntnis und dem gleichen Geist an dem gesegneten Ort und dem gesegneten Land. Zu diesem Anlass treffen sie sich am Berg Arafat, indem sie sich in das einfache Gewand einkleiden und jegliche Diskriminierung bei Seite legen. In diesen gesegneten Zeiten treffen sie sich an einem Zentrum, umrunden die Kaaba und erfüllen alle religiösen Erfordernisse der Hadsch (Pilgerfahrt).

Ohne Zweifel erinnern die als Bittgebete zum Opferfest rezitierten Verse die Muslime bei jeder Gelegenheit an den Geist der Hingabe. Denn Kurban (das Opfer) ist ein Ausdruck der Hingabe an Allah. Allerdings sollte diese Hingabe nur gegenüber Allah sein. Was wir heutzutage hinterfragen sollten, ist es, in wie weit wir unsere Hingabe an unseren Herren Allah richten und zu hinterfragen, in wie weit wir Gefangene unserer Egos, Triebe und Gelüste sind. Es sollte endlich bemerkt werden, dass je weiter wir uns von dem Geist der Hingabe entfernen, desto mehr die Muslime mit Unglück, Wirre und Streichen konfrontiert werden und als Folge dessen anstatt der gottseitigen Gabe des Blutes ihrer Opfertiere das Blut unzähliger Gläubigen fließt. Genauso sollte man sich die Situation der Gläubigen anschauen und erkennen, wie viele Machtzentren über das Blut der Gläubigen sich Kraft verschaffen und die Geschwisterlichkeit vernichtet, die eigentlich die Muslime einander nähert, und diese zum Streit, ja sogar zur Feindschaft gewendet werden. Unsere Opfertiere und unsere Feste sollten die Näherung und Liebe zwischen den Herzen der Gläubigen gewährleisten. Auch sollten die Herzen der Gläubigen wach sein gegenüber jeglicher Wirre, jeglichem Chaos, Unfrieden und jeglichen Desastern, das die Wirre hervorbringt. Alle sollten sich mit Weisheit und Besonnenheit dagegen stellen und dem keine Möglichkeiten einräumen.

Lassen Sie uns als heutige Menschen und Erben der Region hoher Zivilisation erneut Vertrauen in der islamischen Welt bilden. Lassen Sie uns das gegenseitige Vertrauen ohne die Macht der Waffen, sondern mit der Barmherzigkeit des Friedens herstellen und somit das Wohl und den Frieden stärken. Lassen Sie uns Hoffnung für die Menschheit sein, die im Tal der Hoffnungslosigkeit herumirrt. Möge dieses Fest Quell für unsere ausgetrockneten Lippen sein und unsere verkarsteten Herzen nähren. Lassen Sie unsere Stimmen in unseren für das Bittgebet geöffneten Handflächen aufsammeln und unsere Schanden, Fehltritte, Reuen und Wehen in den Schoß seiner Barmherzigkeit fallen. Lassen Sie uns als im Schlamm der Sorglosigkeit steckende Menschheit alle gemeinsam - ohne auf Farbe, Volk, Sprache, Kultur, Region, Amt und Position zu achten - geschwisterlich existieren. Lassen Sie uns Beispiele sein! Lassen Sie uns Hoffnung sein! In einer Zeit, wo der Bruder seinen Bruder in den Brunnen wirft und sich die Geschwister einander die Hand anheben um zu schlagen, ist es erforderlich, dass wir Inbegriff der Weitsichtigkeit von Abel, Tiefgründigkeit von Josef (s), Sanftmütigkeit von Abraham (s) und Geduld von Ismail (s) sind.

Obwohl wir Muslime als Individuen unserer Hadsch- und Opferpflicht selbst oder durch Beauftragung im Rahmen einer Organisation nachkommen, werden wir uns im angesichts der aktuellen Ereignisse, in dessen Wirbel sich die islamische Welt befindet, vor der Geschichte verantworten müssen, weil wir die mit den eigenen Händen konstruierten Gefängnisse nicht überwinden können. Aus diesem Grunde sollte jedes Opfertier und  jeder Tropfen Opferblut uns daran erinnern, was wir jahrhundertelang für die Bewahrung unserer Existenz dargeboten haben und unsere Herzen mit diesem Feuer entfachen, unsere Zukunft mit einem starken Licht aufhellen und das Vergießen von Blut der Gläubigen verhindern, das Blutvergießen und die Augentränen in der islamischen Welt verhindern. Das Opferfest sollte die Gläubigen zum Bewusstsein der Einheit veranlassen, die gläubigen Individuen sollten die Friedensbotschaft des Islam erfassen und entsprechend des Prinzips „Die Gläubigen sind offenkundig Geschwister“ zum Bewusstsein gelangen, Geschwister und eine Gemeinschaft zu sein.

Verwehren Sie die Freude des Festes nicht von unseren syrischen und anderen Geschwistern, die gezwungen wurden, getrennt von ihren Häusern, ihrer Heimat und ihrem Land hier sein müssen und hier um Zuflucht gesucht haben. Auch wenn es nur mit einem Lächeln ist; lassen sie uns alle sie unterstützen. Nehmen Sie sich der Flüchtlinge und Alleinstehenden an.

Lassen Sie uns auch gemeinsam dafür beten, dass die Wirre des Terrors aus der Welt geschaffen werden möge, wodurch die Einheit und Eintracht unseres Heimatlandes angegriffen, unschuldige Mitbürger umgebracht, das Wohlwollen und der Landfrieden ständig bedroht werden und uns alle unter ihre Macht nehmen möchte.

In diesem Sinne gratuliere ich allen Geschwistern in der islamischen Welt zu Ihrem Opferfest. Ich wünsche vom erhabenen Allah, dass das Opferfest unserer inneren Welt, unseren Häusern, unseren Ländern und unserer ganzen Welt Frieden und Glückseligkeit bringt. Text: Türkisch Islamische Gemeinde Ditib-Fatih Camii Speyer, Presse

24.09.2015


Aufbruch in neue Aera der Hilfsbereitschaft

Gesprächsrunde in der „Fatih Camii Moschee“ zeigt viele Möglichkeiten zur individuellen und institutionellen Hilfe für Flüchtlinge in der Stadt auf

Von Gerhard Cantzler

Speyer- Es war sicher eine ganz besonders lohnens- und lobenswerte Idee der Jugendgruppe der Speyerer „Türkisch-Islamischen Gemeinde“ um ihre Sprecherin Betül Mis, die übrigens seit kurzem auch Vorsitzende des Speyerer Jugendstadtrates ist, gemeinsam mit dem „Beirat für Migration und Integration“ in der Stadt um seine neue Vorsitzende Selda Ünsal, gegenwärtig in der Domstadt lebende Flüchtlinge und Asylbewerber aus Anlass der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ in die Speyerer „Fatih Camii-Moschee“ einzuladen, um sie dort vor deutschen und türkischen Speyerern und vor all denjenigen, die sich vom Schicksal der unzähligen, aus ihren Heimatländern in aller Welt in die Flucht getriebenen Menschen anrühren lassen, über ihren jeweils ganz persönlichen Weg als Flüchtling nach Speyer, über ihre Wünsche und ihre Träume für die Zukunft und darüber informieren zu lassen, was sie bei ihrer Flucht in der angestammten Heimat zurücklassen mussten.

Möglich geworden war dieses zutiefst bewegende Treffen auch dank des selbst aus der irakischen Stadt Mossul stammenden und vor Jahrzehnten schon „der Liebe und der Arbeit wegen“ nach Deutschland emigrierten und dort zum allseits angesehenen und beliebten Speyerer gewordenen Daoud Hattab, der als „native speaker“ - als Muttersprachler in der in Syrien wichtigsten Amtssprache Syrisch-Aramäisch ebenso zuhause ist wie im Arabischen. Er ist ein echter Glücksfall für all die Flüchtlinge aus dem vorderen Orient, die neben ihrer Muttersprache keine weitere Fremdsprache beherrschen, oder auch für alle anderen, wenn es darum geht, sich in der aufnehmenden, deutschen Gesellschaft über hochkomplexe Inhalte auszutauschen, bei denen selbst gut geschulte Deutsche mit ihrem Schulenglisch nur schwer „den richtigen Ton“ zu treffen vermögen.

„Erzähl uns Deine Geschichte“, hatten die Initiatorinnen dieses Nachmittags diese Talkrunde überschrieben, in der nach einer Besichtigung der Moschee unter der Gesprächsleitung von Betül Mis neben dem Stellvertretenden Vorsitzenden der „Türkisch-Islamischen Gemeinde Speyer“, Servet Özel und Sevcan Mercik, der zweiten Sprecherin der türkischen Jugendlichen in der Stadt, vor allem die syrischen Asylbewerber Badirkhan Junidi (23) und Hassan Muslim (21) gefragt waren. Sie sollten in dieser Runde über ihre zum Teil traumatischen Erlebnisse während ihrer Flucht aus der Heimat und über ihre Aufnahme in Speyer berichten. Für Daoud Hattab als unermüdlicher Übersetzer und mitfühlender Vermittler der Emotionen der jungen Redner und Selda Ünsal, die in ihrem Statement Migration auch innerhalb des eigenen Landes als „Entwurzelung! beschrieb, die darum auch Einheimische betreffen könne, die nicht auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung seien.

Als Flüchtlinge hätten sie rasch in Speyer eine neue Heimat gefunden, weil die Menschen in der Stadt in aller Regel „sehr nett“ zu ihnen seien, waren sich die beiden jungen Syrer einig, die inzwischen schon seit einigen Monaten in einem Wohnheim am Speyerer Stadtrand leben. Badirkhan, der vor seiner Flucht schon zwei Semester lang Medizin an einer russischen Universität studiert hatte, ehe ihm seine Regierung wie allen Studierenden im Ausland das Stipendium strich und ihm so „den Geldhahn“ abdrehte, sei von Rußland zurück in sein Heimatland Syrien geschickt worden, wo er inmitten des Kriegsgebietes gelandet sei. Angesichts der unvorstellbaren Kriegsgräuel habe er sich dann schweren Herzens dazu entschlossen, seinem Heimatland den Rücken zu kehren und nach Deutschland zu fliehen. Sein größter Wunsch wäre es jetzt, hier sein Studium fortzusetzen und es hier auch beenden zu können. Der neben arabisch und der syrisch-aramäischen Landessprache auch fließend russisch und perfekt englisch sprechende Badirkhan weiß, dass der Spracherwerb das wichtigste Mittel zur Integration ist und lernt deshalb auch selbst fleißig deutsch – und was diese Bemühungen in der kurzen Zeit seiner Anwesenheit in Deutschland bereits gebracht haben, gibt Anlaß zu den besten Hoffnungen..

Auch Hassan, der in seiner Heimat Syrien als Driller in der Erdölexploration tätig war, möchte am liebsten auch in Deutschland in seinem erlernten Beruf weiterarbeiten. Wie sein Schicksalsgefährte Badirkhan nennt auch er als einen wesentlichen Grund für sein Fluchtziel: „Deutschland hat Geschichte und Deutschland hat Kultur“. Dennoch sind sich beide einig, dass nichts die verloren gegangene Heimat ersetzen könne. Und Hassan fügt traurig hinzu: „In Syrien feiern wir heute Muttertag. Auch wir umarmen heute aus der Ferne unsere Mütter und denken an alle, die ihre Männer, ihre Söhne oder andere liebe Menschen in diesem Krieg verloren haben“.

Sie alle sind auf ganz unterschiedlichen Wegen in die neue Heimat gekommen: Wer Glück, Beziehungen und das nötige Geld hatte, mit dem Flugzeug - andere, wie sie sagen, „über das Wasser“ und meinen damit die lebensgefährliche Reise über das Mittelmeer in einem der fast allabendlich in den Nachrichtensendungen zu sehenden „Seelenverkäufern“, die schon für so manchen Flüchtling zur Todesfalle geworden sind. Hassan selbst ist, verborgen unter der Ladung eines LKW, von Syrien bis nach Deutschland gekommen, wo ihn der Fahrer nach tagelanger Fahrt aufforderte: „Du kannst rauskommen - wir sind in Hannover“.

So wie die beiden jungen Redner sind auch andere Landsleute von ihnen, die sich inzwischen in das Gespräch auf dem Podium eingeschaltet hatten, davon überzeugt, dass allein das rasche Erlernen der deutschen Sprache „der Schlüssel zu einer gelingenden Integration“ sein werde. Dazu aber reiche allein die Teilnahme an den angebotenen, obligatorischen Sprachkursen nicht aus. „Wir brauchen mehr – wir brauchen auch jenseits solcher Kurse die Möglichkeit zur Konversation“, bitten sie die Menschen in Speyer, ihnen solche Gesprächsmöglichkeiten zu gewähren.

Auf die Frage von Betül Mis, was sie am liebsten aus ihrer Heimat mitgenommen hätten, wenn sie dies angesichts ihrer Fluchtsituation noch für sich hätten entscheiden können, kommt die Antwort der beiden syrischen Gesprächsgäste ganz spontan: „Unsere Familien und Freunde, damit auch die in Frieden und in Sicherheit leben könnten“.

Jetzt schaltete sich auch eine aus dem äußersten Osten von Afrika, aus Somalia am „Horn von Afrika“ geflohene Frau in das Gespräch ein: Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern, von denen das jüngste bereits im Speyerer Diakonissenkrankenhaus das Licht der Welt erblickte. in einem kleinen Zimmer in einem Flüchtlingswohnheim im Erlich. „Wir sind dankbar, dass wir in Speyer Zuflucht gefunden haben“, erklärt sie. Doch es sei schwierig, in den beengten Verhältnissen mit fünf Personen zu wohnen „Eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern, einem kleinen Bad und einer kleinen Küche, damit ich endlich wieder für meine Familie kochen kann“. Das wäre der Wunschtraum der jungen Frau, die sich ein wenig traurig darüber zeigt, dass manche Speyerer, die sie beim Einkaufen oder in der Stadt mit einem kleinen „Hallo“ oder einem „Guten Tag“ zu grüßen versucht, sie oftmals nicht einmal eines Blickes würdigen würden. „Das tut weh“, sagt sie, wolle sie mit diesem Gruß doch nur ihren Respekt vor ihren Gastgebern zum Ausdruck bringen. Ist das Rassismus? - Fremdenfeindlichkeit? - „Nein“, meint Selda Ünsal, „Es ist nur die Angst vor dem, was man nicht kennt und was einem deshalb fremd ist“.Das sieht auch  Angelika Geist, Betreuerin im Flüchtlingshaus im Erlich, so. 

Dennoch, so mag sich der eine oder andere an diesem Nachmittag in der Moschee - oder vielleicht auch nach der Lektüre dieses Berichts vornehmen: Bei der nächsten Gelegenheit sollte ich doch einen solchen Gruß erwidern, – oder, besser noch, so möchten wir sagen: Sprechen Sie diese in ihrer unendlichen Not aus der Heimat geflüchteten Menschen einfach einmal an und zeigen Sie ihnen damit, dass sie bei uns willkommen sind. Öffnen Sie Ihr Herz und Sie werden erleben, wie sich auch Ihnen die Herzen dieser Menschen öffnen. Die so oft beschworene „Willkommenskultur“ ist halt immer und zu allererst das Verhalten des einzelnen gegenüber seinem Mitmenschen.

Noch lange nach der Veranstaltung, als man im direkten Dialog noch den einen oder anderen weiteren Flüchtling kennenlernen konnte, wurden weitere Probleme offenbar, die Willkommenskultur Gäste so nicht in aller Öffentlichkeit ansprechen wollten: Da ist die Geschichte eines approbierten jungen Arztes, der nach seiner abenteuerlichen Flucht aus Syrien in Österreich von der Polizei aufgegriffen, dort 'erkennungsdienstlich behandelt' und nach mehrwöchiger Haft wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, und den aufgrund der europaweit geltenden Bestimmungen jetzt in Speyer nach seinem Versuch, hier Asyl zu beantragen, eine Ausweisungsverfügung zurück nach Österreich erreichte, weil er nur in dem Land Asyl beantragen darf, wo er zuerst den Boden der EU betreten hat. Eine geradezu absurde Situation angesichts der Tatsache, dass Deutschland aus demografischen Gründen bereits jetzt händeringend nach Ärzten sucht.

Nur eines von vielen Beispielen, wo Menschen unter die Räder deutscher und europäischer Bürokratien geraten, nur weil sie die Sprache und die „Spielregeln“ des aufnehmenden Landes sowie die „Logik“ eines auch für Einheimische oft nur schwer nachvollziehbaren Regulariums der Asylgewährung nicht kennen und auch nicht verstehen können. Hier wäre mehr Offenheit und Flexibilität gefragt – von den staatlichen Institutionen, die den Flüchtlingen ohne Verzögerung das Erlernen der Sprache des Gastlandes, die Aufnahme einer Arbeit und ihren Kindern den Besuch von KiTas und Schulen ermöglichen müssten und von jedem einzelnen von uns, indem er einem der zahlreichen Asylbewerber und Flüchtlingen dabei hilft, seinen Alltag im neuen Lebensumfeld besser bestehen zu können.

Nehmen Sie deshalb „Ihren“ Schützling bei der Hand, begleiten Sie ihn,, wenn er einen Behördengang erledigen muss, nehmen Sie ihn mit zum Sport, geben Sie ihm Gelegenheit zur Konversation. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, an diesen Menschen Gutes zu tun, so wie es ein nicht geringer Teil unserer Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg erleben durfte, als über 12 Millionen Flüchtlinge aus ganz Europa in unsere Gesellschaft integriert werden mussten.

Natürlich gibt es bereits viel öffentliche, aber auch ganz im Stillen erbrachte Hilfsbereitschaft: Die wöchentlichen „Flüchtlingstreffs“ im Martin-Luther-King-Haus oder bei der Caritas in ihrem „Second-hand-Laden“ zum Beispiel. Und auch die Speyerer Moschee-Gemeinde will einen solchen regelmäßigen Treff für Flüchtlinge initiieren – vielleicht auch zu einer Tageszeit, zu der auch Berufstätige dazu kommen können.

Das Treffen in der „Fatih-Camii-Moschee“ jedenfalls hat viele Möglichkeiten zur individuellen wie zur institutionellen Hilfe aufgezeigt. Jetzt ist es an uns allen, eine dieser Möglichkeiten zum mitmenschlichen Handeln aufzugreifen.

Denn wie sagte doch der Autor Erich Kästner?: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“ - also lassen Sie uns es tun – alle gemeinsam und jeder ganz persönlich. Foto:gc

Freitagsgebet in der Speyerer „Fatih-Camii-Moschee“ Treffpunkt der Kulturen

Schon am Vortag, zum traditionellen islamischen Freitagsgebet, bei dem seit längerem schon die Verse des Heiligen Koran in arabischer und deutscher Sprache gebetet, die Predigt von Imam Riza Akdemir aber in türkisch und - übersetzt von Gemeindevorstand Servet Özel - auch in deutscher Sprache gehalten wird, hatten sich aus Anlass der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ neben zahlreichen gläubigen Muslimen und interkulturell engagierten Speyerern auch Oberbürgermeister Hansjörg Eger, Mitglieder des Stadtrates, Diakon Dr. Markus Lamm und Pfarrer Uwe Weinerth für das „Interreligiöse Forum Speyer“ und Polizeikommissar Michael Grewening, Verbindungsbeamter bei der Polizeiinspektion Speyer zu dem wie immer gut besuchten Gottesdienst eingefunden. Foto: fa

24.03.2015


„Vermutlich einmalig in der Bundesrepublik“

„Das Erste“ berichtet im „ARD Mittagsmagazin“ am Freitag, dem 21.11.2014 über das Speyerer „Interreligiöse Forum“

cr. Speyer- Ein Reportageteam der ARD war gestern zu Gast beim Freitagsgebet in der Speyerer „Fatih Camii“ - Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde in der Speyerer Brunckstraße. Grund des Besuchs: Der kürzlich erfolgte Wechsel in der geistlichen Spitze der Gemeinde und die Einführung des neuen Iman Riza Akdemir in diese Funktion (der SPEYER-KURIER berichtete) sowie das inzwischen weit über die Grenzen der Stadt hinaus beachtete vorbildliche Zusammenwirken der abrahamitischen Religionsgemeinschaften in der Stadt im „Interreligiösen Forum“.

ARD-Reporterin Dr. Carla Köhler hatte von beidem gehört, ein Interview mit dem neuen Imam in einer Zeitung gelesen und die jetzt gestern gestartete Produktion dieses Filmes vorgeschlagen. „Ich weiß nicht, ob es so etwas noch ein zweites Mal in Deutschland gibt“, bekannte die Journalistin bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Vorstand der Speyerer Türkisch-Islamischen Gemeinde um Selahattin Yildirim und Servet Özel, zu dem sich – auch sonst häufige und regelmäßige Gäste in der Moschee – der Sprecher des „Interreligiösen Forums“, Pastoralreferent Dr. Markus Lamm sowie die Pfarrer Hubert Ehrmantraut für die katholische und Uwe Weinerth für die protestantische Kirche eingefunden hatten. Den „Freund und Kollegen“ Daniel Nemirowsky, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde der Rheinpfalz aus der neuen Speyerer Synagoge „Beith Schalom“ musste Dr. Lamm bei dieser Gelegenheit entschuldigen – der musste zu dieser Zeit an einer unaufschiebbaren kultischen Handlung der von ihm gleichfalls betreuten Jüdischen Gemeinde in Baden-Baden teilnehmen.

Von viel Gemeinsamem konnte die Runde im Hof vor der Moschee an diesem sonnigen Vormittag der Journalistin berichten – auf manch anderes mussten auch sie erst wieder erinnert werden, ist das Gemeinsame zwischen den Religionen in Speyer doch längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Doch Neues gibt es dennoch: Schon in Kürze soll im Speyerer Stadtrat nämlich im Zuge der Neuordnung des Speyerer Friedhofs ein eigener Bereich ausgewiesen werden, wo die Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft ihre Verstorbenen nach muslimischem Ritus bestatten können und – ein weiteres, 'starkes' Zeichen für den festen Willen der Mitglieder der Türkisch-Muslimischen Gemeinde zur Integration in die Speyerer Bürgergesellschaft – erstmals haben junge Mitglieder der Gemeinde mit dem Leiter der Freiwiliigen Feuerwehr Speyer Kontakt aufgenommen mit dem Ziel, dieser Gemeinschaft beizutreten. Selahattim Yildirim: „Wir möchten halt auf allen Ebenen Bürger unter Bürgern, Speyerer unter Speyerern sein“.

Interviews mit Dr. Markus Lamm und Imam Riza Akdemir - letzterer auch vor der Kulisse des Speyerer Kaiserdomes, dem „Herzstück aller Religiosität in der Stadt“ - und gedolmetscht von der rührigen Selma Ünsal, nachdem der neue Imam sich zwar selbst inzwischen wohl schon in der Stadt, nicht aber in gleichem Maße in der deutschen Sprache zuhause fühlt, werden authentisch über das Zusammenwirken der Religionsgemeinschaften in Speyer berichten.

„Wir möchten, dass Angehörige aller Religionen zu uns kommen“, erneuerte der Imam seinen Wunsch vom ersten Tag nach seiner Ankunft in Speyer, „unsere Türen stehen für alle offen....“.

Die Reportage wird – beziehungsreich - am kommenden Freitag, dem 21. November 2014 zwischen 13.00 und 14.00 Uhr im „Mittagsmagazin“ der ARD zu sehen sein. Und: Ihre Autorin, Reporterin Dr. Carla Köhler, hat bereits weitere Pläne zum Thema „Interreligiöses Forum in Speyer“. Lassen wir uns also überraschen.

Foto: gc

16.11.2014


Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht

Im Vorfeld zum Weltfriedenstag starten Moscheen deutschlandweit am 19. September eine Friedensinitiative und Gedenken der Opfer von Hass, Gewalt und Unrecht durch eine gemeinsame Erklärung und ein gemeinsames Friedensgebet.

Speyer-
Die Stimmen der Muslime, der Moscheen und der muslimischen Verbände verhallen im Tagesgeschehen um Krisen- und Konfliktherde allzu oft, sodass an diesem Tag über 2000 Moscheen unter Teilnahme wichtiger Akteure gemeinsam ein deutliches Signal für den Frieden und gegen Hass setzen wollen. Denn insbesondere Muslime sind zerrissen zwischen Entsetzen, Distanzierung, Empörung und resigniertem Schweigen – der Alltag im Privaten wie auch in der Gemeinde gestaltet sich zunehmend zwischen Gemütslagen der Entrüstung, Bedrängung und Bedrohung.

Dass bereits im Juni ein „Appell zur Besonnenheit an die Islamische Welt“ gestartet wurde und sich daran anschließend im Juli im Rahmen einer Friedensinitiative religiöse muslimische Autoritäten geschlossen und umfassend gegen den Missbrauch der Religionen und für ein zivilisiertes und friedliches Zusammenleben stark machten, fand in der Öffentlichkeit bislang nicht die gebührende Beachtung.

Im Spiegel der aktuellen öffentlichen Empörung gegen den Terror im Nahen/ Mittleren Osten und Anderswo in der Welt, der Provokationen um die „Sharia-Police“ in Deutschland, aber auch allein 5 Übergriffe auf Moscheen in den letzten 3 Wochen, bleiben mahnende Stimmen der Vernunft -insbesondere von Muslimen getätigte- ungehört.
Manchmal, so scheint es, bedingen mediale Öffentlichkeit und Provokateure einander: die einen, um Nachrichten zu produzieren, die anderen, um präsent und damit wirkungsvoll zu sein. Sie sind die zwei Seiten einer Medaille, die sich auf Kosten der friedliebenden Muslime (re-)produzieren. Dies schadet auf so vielen Ebenen. Den Anfängen muss gewehrt werden, um hier Frau Bundeskanzlerin Merkel zu zitieren.

So wollen wir gemeinsam mit den anderen muslimischen Dachverbänden im Koordinationsrat der Muslime (KRM)  in Deutschland am Freitag den 19.09.2014 vor dem Weltfriedenstag unsere Stimmen vereinen und ein deutliches Zeichen gegen Hass und Gewalt setzen. Wir wollen derer gedenken, die Opfer von Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit sind. Wir wollen gemeinsam aufstehen für Menschenwürde, Menschlichkeit und Friedfertigkeit.

Dazu werden in über 2000 teilnehmenden Moscheegemeinden Aktionen durchgeführt, in acht Moscheen stellvertretend für diese Gemeinschaft ausgedehntere Aktionen mit prominenten Teilnehmern stattfinden. So begrüßt unter anderem die DITIB-Gemeinde Ronnnenberg zu diesem Anlass Herrn de Maizière, Bundesminister des Innern, die DITIB-Gemeinde zu Mölln Herrn Breitner, Minister des Inneren des Landes Schleswig-Holstein, und Herrn Bürgermeister Wiegels, die VIKZ-Gemeinde in Bielefeld Herrn Schneider, Arbeits- und Integrationsminister des Landes NRW. Frau Özoğuz, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, besucht zu diesem Anlass die Türkisch-Islamische Gemeinde zu München und Herr Detlef Scheele, Senator der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, die Zentrumsmoschee Hamburg.

In den Städten Berlin, Oldenburg, Frankfurt und Stuttgart sind die teilnehmenden Vertreter aus Religion, Politik und Gesellschaft noch bekannt zu geben.

KRM: www.koordinationsrat.eu

Türkisch Islamische Gemeinde - Ditib-Fatih Camii Speyer

19.09.2014


Predigt zum Ramadanfest

Verehrte Brüder!
Oh meine gläubigen Brüder, die durch Anbetung an Allah und Teilhabe an der Ummah des Propheten Mohammed (Friede sei mit Ihm) die größte Ehre und den größten Stolz erlangt haben! Ich wünsche euch ein frohes Fest! Heute ist das Fest… das Ramadanfest… Feste sind Geschenke Allahs, die die Absicht haben, uns, den Angehörigen der gleichen Religion und des gleichen Glaubens, zu vereinen. Dieses Fest ist das Fest des Friedens, des Wohlbefindens; es ist das Fest des Islams. Dieses Fest ist das Fest, an das wir uns an unser Versprechen erinnern, das wir einst als Gemeinschaft an Allah gegeben haben und lediglich uns unseren Schwächen gegenüberstellen. Dieses Fest ist das Fest der Rückkehr zu unserer Natur; es ist das Fest des Widerstands gegenüber der uns selbst entfremdeten Materie, der Begierde und das Verlangen, die uns gefangen nehmen. Dieses Fest ist das Fest des Fastenbrechens; es ist das Fest, an das unser durch den Fastenbeginn gezüchtigtes Ego belohnt wird und Bittgebete und Gottesgaben in einem Festessen verwandelt werden. Dieses Fest ist das Fest der Bewirtung; es ist das Fest, an das wir die Armut, den Hunger und den Durst verspüren und aus diesem Grund die Gaben mit anderen teilen. Es ist das Fest der gegenseitigen Hilfeleistung, der Solidarität und des Gebens. Dieses Fest ist das Fest der Almosensteuer, die sowohl unser Ego als auch unser Hab und Gut bewahrt. Es ist das Fest der Fitra (Almosen), die wir als Dank für unser Leben an unsere Brüder und Schwester geben. Dieses Fest ist das Fest der Einigkeit Allahs; es ist das Fest, an das jedes Geschöpf seinen Wert durch seinen Schöpfer gewinnt, keiner höhergestellt ist als jemand anderer und jeder gleichwertig ist.

Meine lieben Brüder!
Das Ramadanfest ist ein Freudentag. In diesem Fest erreichen wir das Geschenk, vom Höllenfeuer zur Erlösung zu gelangen; es ist das Geschenk für unsere seelische Veränderung, für die Umrahmung durch den Gnaden Allahs und der Säuberung durch Seinen Erbarmen während Ramadan. Das Fest ist die Freude zum Aufstieg des Menschen in seine höchstmögliche Position und zur Zeugenschaft der Herabsendung des Koran in der Nacht der Bestimmung. Das Fest ist die Erreichung der inneren Ruhe durch den Wind des Paradieses.
Das Ramadanfest ist zugleich ein Trauertag. Es ist der Trauer für die Menschen in Palästina, Gaza, Jerusalem, Syrien, Irak, Ostturkestan, Myanmar und noch vielen anderen islamischen Ländern; es ist der Trauer für die, die sterben, ohne ihr Fasten gebrochen zu haben; für die, dessen Haus eingestürzt ist, bevor sie mit ihrem Fasten begonnen konnten; für die Unschuldigen und Unterdrückten, mit deren Blut sich die Nächte in rot verfärbt haben. Es ist der Trauer auf die unvernünftigen und unüberlegten Muslime, die aufgrund von Heuchelei, Konfessionsvielfalt und Nervosität untereinander die Köpfe abschlachten, die Brüderlichkeit zunichtemachen und somit ihren Freunden in Trauer versetzen und ihren Feinden Freude zubereiten.
Das Ramadanfest ist der Tag des Sieges. Es ist der Triumph über den Kampf mit sich selbst und der Einigkeit Allahs in den Herzen der Gläubigen.

Meine geschätzten Brüder!
Das Ramadanfest ist der Tag der Gelegenheit. Es ist die Gelegenheit dafür, durch die wirkungsvollen Bittgebete der Eltern und den Respekt gegenüber ihnen durch die sich dadurch eröffnete Tür des Paradieses einzutreten. Das Fest ist die Gelegenheit für die Erinnerung und die Besuch Erstattung an die Verwandten im Fernen, an vergessene Freunde und Brüdern und Schwestern. Das Fest ist die Gelegenheit dafür, für die Alleinstehenden, Hilflosen, Armen und Unterdrückten als Freund, Heilmittel, Ausweg, Gefährte beizustehen. Das Fest ist nicht der Zeitpunkt für Urlaub; es ist die schönste Gelegenheit für die Versöhnung mit den Menschen, die man am meisten lieb hat. Das Fest ist die Gelegenheit dafür, unseren Ehepartnern, mit denen wir gemeinsam Probleme überwinden, eine Freude zu bereiten; unseren Kindern die Begeisterung zum Festtag erleben zu lassen. Das Fest ist die Gelegenheit dafür, kranken Menschen ein Gefallen zu tun. Es ist die Gelegenheit für die Beendigung der Streite, die Reparatur der Verärgerungen, die Stärkung unserer Brüderlichkeit und die Kräftigung unserer Freundschaften. 

Verehrte Brüder!
Wir haben diese Festtage nach etlichen Tagen, nach etlichen Fastenbrechen und Fastenbeginnen erreicht. Nachdem wir so viele Tage gefastet haben, sind wir nun an die Schwelle der Fröhlichkeit, der Freude und des Friedens gelangt. Wir haben nach den langen Fastentagen, an denen wir zum Hungern und Dursten bereit und einverstanden waren, den Morgen des Heils und Wohls erreicht. Möge dieses Fest der Anlass für weitere Feste sein und unsere Freude fortbestehen! Möge unsere Ruhe und unser Frieden der Heilmittel für etliche Unruhen sein und unser Glück der Trost für den Leid und Kummer anderer sein! Möge dieses Fest Hoffnung für die ganze Menschheit sein und der Anlass der Erlangung des Friedens der Menschen weltweit! Mögen Kriege, Sorgen, Armut, Hunger und Durst die Menschen und die Menschheit nicht zugrunde richten! Die Menschheit soll endlich Heil und Wohl erreichen. Hochmut, Hass, Rachsucht, Feindseligkeit, Selbstsucht, Diskriminierung, Tyrannei, Unterdrückung und Blutvergießen sollen nun ein Ende haben. Keiner soll trauern, gekränkt sein, unterdrückt, benachteiligt und schikaniert werden! Die islamische Welt soll der Ort sein, in der Menschen unter den Prinzipien der Liebe, der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit, des Friedens und der Toleranz leben und ihren Stolz bewahren.
 
Nun, verehrte Muslime!
Lasst uns denen, die von uns Heiterkeit zum Fest erwarten, diese geben! Lasst uns die Freude und die Begeisterung zum Fest in uns fühlen! Lasst uns diese Fröhlichkeit in die Herzen, Häuser, Städte und Länder tragen! Ich wünsche ein frohes Ramadanfest!

Ich möchte meine Predigt mit dem folgenden Bittgebet abschließen. Oh, mein Herr! In den letzten Jahren erleben die islamischen Länder immer wieder traurige und herbe Festtage, und erreichen keinerlei Stabilität und Frieden. So ermögliche uns erneut die Gründung der Brüderlichkeit, Solidarität, Frieden, Ruhe und Vertrauen; mache uns möglich, die islamische Welt noch einmal in eine Welt der Wissenschaft und der Zivilisation, des Friedens und des Wohls umzuwandeln!

Oh, mein Herr!
Bitte gewährleiste das Ende des Blutvergießens und das Ende der Tränen in der islamischen Welt -in Palästina, in Gaza, in Jerusalem, in Syrien, im Irak, in Ägypten, in Ostturkestan, in Arakan, in Myanmar-! Lass all unseren Brüdern und Schwestern die Freude zum Fest erleben! Verleihe unseren Märtyrern deinen Gnaden und Segen, und unseren Verletzten baldige Heilung! Lass uns möglichst bald die Festtage erreichen, die wir als Ummah (Gemeinschaft) in Frieden und Ruhe verbringen können!

Türkisch Islamische Gemeinde, Ditib-Fatih Camii Speyer

28.07.2014


Botschaft zum Ramadanfest

Wir haben den Fastenmonat Ramadan -den gesegnetesten Monat des Jahres-, der uns mit seiner Gnade empfang, uns mit seinem Segen umarmte, den Muslimen die Geduld, den Dank an die Gottesgaben, die Wahrnehmung und Teilung  dessen, was uns nah ist und was wir besitzen, lehrte, hinter uns gelassen und haben nun die Festtage erreicht, in der Glück und Freude, Liebe und Brüderlichkeit sich in der Gesellschaft verbreiten. Wir erhoffen und wünschen uns, dass der Fastenmonat Ramadan mit seinen Werten und Verpflichtungen, die unsere Hingabe zu Allah ausbessern; seinen Prinzipien, die uns ermöglichen, uns selbst zur Rechenschaft zu ziehen; seinen Maßen der Ethik und der Tugend, die uns erneut verformen; seinen Freundschafts-, Brüderlichkeits- und Nachbarschaftsbeziehungen, die uns ein zweites Mal beleben und stärken; zweifellos ein äußerst ertragreicher und fruchtbarer Monat gewesen ist.

Wir haben in diesem gesegneten Fastenmonat die seelische Erziehung des Fastens, den Segen des Fastenbeginns und des Fastenbrechens, die Begeisterung zum Teravih-Gebet und die Freude über der durch die Koranrezitationen in unseren Herzen entstandene Demut empfunden, unsere Herzen aufgefrischt und unsere Seligkeit gestärkt. Unsere Moscheen haben mit den Gemeinschaftsgebeten eine besondere Lebendigkeit gewonnen. Wir haben uns in dieser Zeit noch mehr für das Gute angestrengt als sonst. Wir haben hinsichtlich der Rücksicht auf arme und alleinstehende Menschen, der Hilfeleistung und Solidarität gegenüber Bedürftige, dem gegenseitigen Wettkampf zur Erzielung des Guten, dem Interesse für die Leiden und Sorgen anderer,  unser Bestes gegeben.

Wir haben, indem wir erkannt haben, dass wir ein bedeutungsvoller Teil des großen Ganzen sind, unseren materiellen Reichtum, unsere schönen Aussagen und Wünsche und unsere Liebe mit jedem geteilt. Wir haben uns bemüht, für unsere alleinstehenden Brüdern und Schwestern da zu sein. Wir haben während des Fastenmonats für unsere unter Grausamkeit und Tyrannei lebenden muslimischen Geschwister gebetet. Nun haben wir endlich die Festtage des Ramadan erreicht.

Die Feste sind Geschenke Allahs, die die Absicht haben, uns, den Angehörigen der gleichen Religion und des gleichen Glaubens, zu vereinen, die Herzen zu verbinden, die Brüderlichkeit zu befestigen, die Verärgerungen untereinander zu reparieren. Feste sind die Schauplätze für die Glaubensbrüderschaft der Nationen. Feste sind außergewöhnliche Phasen, indem es den Glauben, die religiösen Pflichten, die Geschichte und Kultur in einer Freudenatmosphäre zusammenbringt, uns in die Zukunft begleitet und im geschichtlichen Kontext uns Muslimen eine Kontinuität verleiht.

Doch leider verbringen wir die diesjährigen Festtage des Ramadan in Kummer und Schmerz. Weltweit gibt es Muslime, die mit Unterdrückung und Ungerechtigkeit konfrontiert sind und ihr Fasten angesichts der Bombenfälle brechen. Während wir in diesen Festtagen in unseren gemütlichen Wohnungen, in jeglichen Möglichkeiten und Bequemlichkeiten, in Ruhe und Frieden mit unseren Kindern, Verwandten und Angehörigen feiern, gibt es weltweit in den verschiedensten Orten Muslime, die den Ramadanfest unter Bombenfällen und Schüssen willkommen heißen. Unsere Aufgabe ist es, in diesen Festtagen unseren Brüdern und Schwestern in Not und Armut beizustehen, ihnen zu helfen und für sie zu beten.

Mit diesen Eindrücken und Gedanken  hoffe ich, dass diese Festtage der Anlass für solche Feste werden, die auch wirklich im Sinne von Festen verbracht werden; zudem wünsche ich mir, dass diese Anlass für einen dominierenden Weltfrieden, für die Wahrung der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und der Rechte, für eine Welt, in der Kriege, Blut und Tränen in Vergangenheit geraten, werden. Ich gratuliere allen, und vor allem in Deutschland lebenden Muslimen zum Ramadanfest und bete zu Allah, dass dieses Fest neue Hoffnungen und Möglichkeiten für die ganze Menschheit, im Sinne eines menschlichen und friedlichen Zusammenlebens mit sich bringt. 

Prof. Dr. Izzet Er

DITIB Vorstandsvorsitzender

Türkisch Islamische Gemeinde, Ditib-Fatih Camii Speyer

26.07.2014


Zwei Tage im Zeichen von Freundschaft und großer Offenheit

Erstes Sommerfest der Islamisch-Türkischen Gemeinde Speyer trotz (über)großer Hitze ein überwältigender Erfolg

gc. Speyer- Trotz glühend-brütenden Sommerhitze: Die Bankreihen im Hof der neuen Speyerer „Fatih Camii Moschee“ in der Brunckstraße waren zwei Tage lang dicht besetzt, als jetzt die Türkisch-Islamische Gemeinde zu ihrem ersten Sommerfest eingeladen hatte. Für die Organisatoren des Festes um den rührigen Vorstandsvorsitzenden der Gemeinde, Selahttin Yildirim, Zeichen für das große Interesse an der islamischen Kultur war dabei der Umstand, dass „so viele der Gäste von außen“ kamen – also nicht selbst Mitglieder der Speyerer Gemeinde sind. Das sei ein beredtes Zeichen dafür, dass die Türkisch-Islamische Gemeinde auch in der Speyerer Zivilgesellschaft angekommen sei, so Yidirim in seiner Begrüßung. Darin wies er insbesondere auf die sich überaus positiv entwickelnden geschwisterlichen Beziehungen zu den anderen monotheistischen Religionsgemeinschaften in der Stadt hin und nannte dazu an erster Stelle die „Jüdische Gemeinde der Rheinpfalz“ als Repräsentantin der ältesten Glaubensgemeinschaft, mit der seine eigene Gemeinde in Speyer mit den beiden christlichen Kirchen im „Interreligösen Forum“ zusammenwirke.

Seitens der Zivilgesellschaft freute er sich, auch den „ersten Bürger der Stadt“, Oberbürgermeister Hansjörg Eger und die Speyerer Kulturdezernentin, Bürgermeisterin Monika Kabs, zu diesem Fest begrüßen zu können. „Wir haben zu allen hier vertretenen Gemeinschaften ein sehr, sehr gutes Verhältnis“, betonte Yildirim, „zu den religiösen ebenso wie zu den politischen“. Das drücke sich u.a. auch in der Tatsache aus, dass zunehmend auch Nichtmuslime der Speyerer DiTib-Gemeinde beitreten würden, die seit der Eröffnung ihrer Moschee von 80 auf 200 Mitgliedsfamilien angewachsen sei. „Wir brauchen diese Mitglieder“, bekannte Yildirim freimütig, „weil wir allein darüber unsere religiöse und soziale Arbeit finanzieren können“. Dabei komme der ehrenamtlichen Mitarbeit der Mitglieder auch nach der weitgehenden Fertigstellung des Moscheen-Neubaus eine besondere Bedeutung zu.

Das zeigte sich auch einmal mehr an diesen beiden Festtagen, für deren Verlauf der Vorstandsvorsitzende auf zahlreiche kulturelle und kulinarische Spezialitäten hinweisen konnte, die entweder vor Ort angerichtet oder aus den heimischen Küchen der Mitglieder mitgebracht worden waren. Beiträge dazu lieferten neben den Angehörigen seiner eigenen, Speyerer Gemeinde auch solche von Nachbargemeinden in der Südpfalz.

Da waberten dann die köstlichen Düfte des Orients über das Gelände am Rande des Speyerer Waldes, dazu wurden kräftiger türkischer Tee und schwarzer Mokka sowie honigsüsse Leckereien gereicht – wem da nicht das Wasser im Mundes zusammenlief....

Dabei konnte das reiche Angebot nur annähernd einen Eindruck von der Vielfalt der türkischen Küche vermitteln, das so groß ist wie das Land zwischen Bosporus und anatolischem Hochland, zwischen schwarzem Meer und türkischer Riviera selbst.

Dazu Musik und Tänze, u.a. auch dargeboten mit Schellen und Schalmeien von einer traditionellen Janitscharen-Kapelle (oder dem, was einmal zu einer solchen werden will) – einer ganz besonderen Jugendband eben – es gab unendlich viel zu hören und zu sehen an diesen beiden Tagen, die sich so oder ähnlich künftig alljährlich rund um die Speyerer Moschee wiederholen sollen. „Mit solchen Tagen wollen wir zugleich auch ein Stück weit einem Bild von Islam entgegentreten, das so garnichts mit dem friedlichen und gastfreundlichen wirklichen Wesen unseres Glaubens zu tun hat“, erklärte Selahattin Yildirim, der in diesem Zusammenhang auch auf die sich in vielen Details niederschlagende Offenheit seiner Gemeinde für interessierte Nichtmuslime hinwies. Und das ist der Speyerer muslimischen Gemeinde, die sich übrigens nicht nur aus Türken zusammensetzt, auch mit diesen beiden Tagen einmal mehr in vorbildlicher Weise gelungen.

Für einen aus dem Kreise der Gemeinde war dieser Tag jedoch auch der Beginn eines langen Abschieds: Bilal Gündiz, seit fünf Jahren Imam und damit geistlicher Leiter der islamisch-türkischen DiTib-Gemeinde in Speyer, wird zur Jahresmitte in seine türkische Heimat zurückkehren und dort eine neue Aufgabe als Religionsgelehrter übernehmen. Foto:miwa

12.06.2014


Spendenübergabe für die Flutopfer in Deggendorf

Deggendorf- Die Türkisch-Islamische Union (kurz DITIB) hatte angesichts der verheerenden Flutkatastrophe im Süden Deutschlands am 14. Juni zu einer bundesweiten Spendenaktion aufgerufen. Zum Abschluss der Kampagne erfolgte die Spendenübergabe unter reger Teilnahme am Freitag (08.11.2013) im einzig dafür nutzbaren Raum im Obergeschoss der DITIB-Moschee zu Deggendorf.

Als Hausherr hat zu diesem Anlass Herr Bünyamin YÜKSEL, Vorsitzender der DITIB-Moschee zu Deggendorf, vor dem Freitagsgebet eingeladen.

Als Vertreter des DITIB-Bundesvorstands waren Herr Suat OKUYAN, Generalsekretär, und Vorstandsmitglied Herr Selim MERCAN anwesend. Zur Spendenübergabe waren weiter zugegen

Stellv. Generalkonsul Hr. Selim Çukurkaya, Stellv. Religionsattaché Hr. Abdullah Haçkalı, Landrat Hr. Christian Bernreiter und Oberbürgermeister Hr. Dr. Christian Moser, Vertreter des DITIB-Landesverbandes Hr. Oğuz Taşdelen, Fr. Serap Çınar  und Hr. Aykan İnan,  sowie Dialogbeauftragter Hr. Cem Yasinoğlu.

Eine der am stärksten betroffenen Städte war und ist nach wie vor Deggendorf. Viele öffentliche und private Gebäude sind stark beschädigt und nicht nutzbar, sodass ein Abriss häufig unvermeidbar ist. Auch die DITIB-Moschee in Deggendorf ist von der Flutkatastrophe so stark beschädigt, dass nach Prüfungen durch Sachverständige selbige vollständig zurückgebaut werden muss.

Gerade in Deggendorf ist die gelebte Gemeinschaft in vielerlei Hinsicht schon sehr vorbildlich. So, wie Herr Oberbürgermeister Dr. Moser der Gemeinde selbstverständlich vorübergehend einen Gebetssaal zu Verfügung stellte, so haben auch die Gemeindemitglieder den Nachbarn geholfen und in gemeinsamen Aktionen bei den Aufräumarbeiten mitgewirkt.

Schicksalsschläge wie diese Flut zeigen, wie sehr Menschen einander bedürfen und aufeinander bauen können. Eben diese gezeigte Solidarität und den Zusammenhalt zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen und Herkunft hoben daher auch Oberbürgermeister Dr. Moser und Landrat Bernreiter in ihren Dankensreden hervor. Oberbürgermeister Dr. Moser sicherte den Gemeindemitgliedern in diesem Rahmen zu, dass der Wiederaufbau eines neuen Gemeindezentrums durch die Stadt Deggendorf unterstützt werden wird.

Herr Okuyan, Generalsekretär im Bundesvorstand, ergänzte: „Unsere Religion mahnt uns immer auch daran, uns nicht allein religiös einzubringen, sondern auch im besten Sinne gesellschaftlich aktiv zu sein. Seit jeher machen wir uns stark für den Zusammenhalt und das gedeihliche Miteinander. Dabei haben wir stets den Menschen und sein Wohlergehen im Blick. So war es der Gesamtheit der muslimischen DITIB-Gemeinden eine Selbstverständlichkeit, zu spenden - dafür möchte ich herzlichen danken. Wir hoffen, mit diesen Spenden unseren Beitrag zu leisten und damit einen Teil der Not zu lindern. Natürlich reicht die Summe nicht aus, um alle Wunden dieser Katastrophe zu heilen. Dieser Spendenbeitrag ist nur das Salz in der Suppe. Insofern ist dieser Betrag auch ein symbolischer Beitrag, damit das Zusammenleben der Menschen und der Heilungsprozess noch „schmackhafter“ werden.“ Auch dankte er zu diesem Anlass allen Rettungs- und Hilfskräften vor Ort.

Selim Mercan, Mitglied des DITIB-Bundesvorstandes, sagte im Rahmen der Spendenübergabe: „Man kann den Menschen in Deggendorf nur dazu gratulieren, dass in dieser schwierigen Zeit Toleranz und der Zusammenhalt beispiellos an den Tag gelegt wurde. Ferner wünschen wir uns, dass das neue Gemeindezentrum als eine einladende und offene Moschee konzipiert und gebaut wird, so dass das gute Miteinander auch in der Zukunft weiter fortgeführt wird.“

An die Reden anschließend wurde von Herrn Mercan der Scheck in Höhe von 75.000,- € an die Stadt Deggendorf übergeben. Die Spende über 100.000,- € für die Deggendorfer DITIB-Gemeinde übergab Herr Okuyan an den Gemeindevorsitzenden Herrn Yüksel.

Nach der feierlichen Spendenübergabe wurde das Freitagsgebet in Gemeinschaft verrichtet.

DITIB-Dachverband, Presse

15.11.2013


Gespräch über weitere Möglichkeiten des interkulturellen Austauschs

CDU-Arbeitskreis „Migration und Integration“ zu Gast in der neuen Speyerer „Fatih Camii“- Moschee

spk. Speyer. Gelungene Überraschung für die kleine Abordnung des „Arbeitskreises Migration und Integration“ der Speyerer CDU, die sich jetzt in der neuen Speyerer „Fatih Camii“-Moschee der türkisch-islamischen Gemeinde in der Brunckstraße zu einem Informationsbesuch verabredet hatte: Imam Bilal Gündiz und die Mitglieder des Gemeindesvorstandes um Selahattin Yildirim führten die Gäste um den Arbeitskreis-Vorsitzenden Daoud Hattab mit Dr. Axel Wilke MdL und den früheren Vorsitzenden des Speyerer Jugendstadtrates, Chong Zhang, zu einem neue angelegten Hain am Rande des Grundstücks, wo junge Bäume bereits darauf warteten, von den Besuchern eingepflanzt zu werden.

Danach zog man sich zu einem gut zweieinhalbstündigen intensiven Meinungsaustausch in den Salon im Untergeschoss der Moschee zurück, wo in großer Offenheit zahlreiche beiderseitig interessierende Themen erörtert wurden. Dabei stellte Gemeinde-Vorsitzender Yildirim erneut die große Offenheit seiner Glaubensgemeinschaft auch gegenüber Nichtmuslimen heraus. Diese seien zu allen Gelegenheiten in der Moschee willkommen, betonte Yildirim, der darauf hinwies, dass inzwischen alle Predigten des Imam im Freitagsgebet, dem geistlichen Höhepunkt der muslimischen Woche, grundsätzlich auch ins Deutsche übersetzt würden. „Wir alle fühlen uns inzwischen ebenso als Speyerer wie als Türken“, betonte Yidirim, „und manche von uns, die schon in der dritten Generation hier leben, sprechen inzwischen oft schon besser deutsch als türkisch“, stellte er mit Blick auf seine Landsleute fest.

Neben weiteren Ansätzen zur Verbesserung und Erleichterung des muslimischen Glaubenslebens in Speyer wurden dann aber auch ganz praktische Lebensfragen angesprochen: So will sich Stadtratsmitglied Dr. Axel Wilke dafür stark machen, dass junge Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde in die Freiwilligen Feuerwehr und zum Technischen Hilfswerk in Speyer eingeladen werden – auch dies weitere wichtige Schritte zu einer gelungenen Integration.

Weitere Themen, die bei dieser ersten offiziellen Begegnung angesprochen wurden – die meisten Teilnehmer hatten allerdings die Moschee zuvor schon bei anderer Gelegenheit besucht – sollen jetzt zunächst in die Speyerer CDU-Stadtratsfraktion getragen und danach auch öffentlich erörtert werden.

Bis zum Beginn des Abendgebetes der Gemeinde wurde die Aussprache dann bei einem Imbiss im neuen Gemeindesaal fortgeführt, ehe man sich mit der Verabredung regelmässiger Konsultationen.in der Zukunft freundschaftlich voneinander verabschiedete. Foto: gc

22.10.2013


„Kurban bayraminiz kutlu olsun“ - für Friede, Freundschaft und Integration

Türkisch-islamische Gemeinde in Speyer feiert mit dem Opferfest das wichtigeste religiöse Fest des Jahres

Von Gerhard Cantzler

Speyer- Heute früh, kurz nach 07.00 Uhr: In der neuen „Fatih Camii“-Moschee in der Speyerer Brunckstraße versammeln sich die ersten Gläubigen. Heute ist ein großer Tag im Leben eines jeden Muslimen - heute begehen sie ihren höchsten religiösen Feiertag - das „Opferfest“. Imam Bilal Gündüz stimmt die ersten Gebete an - ein ums andere mal werfen sich die Männer zu Boden, erheben sich wieder und streichen sich mit beiden Händen über Augen und Gesicht – dann beginnt der Imam mit seiner Ansprache – leise und eindringlich spricht er vom Frieden und der Verpflichtung eines jeden Muslims zur Freundschaft und Versöhnung mit allen Menschen - auch über alle konfesionellen Grenzen hinweg. Gut 30 Minuten spricht Imam Gündüz an diesem Tag – erinnert die Gläubigen an ihre Pflicht, gerade an diesem Tag die Bedürftigen nicht zu vergessen und an den Armen „Gutes zu tun“. Es ist ein besonderer Tag heute. .

Eine Stunde später: Immer mehr Männer legen im Vorraum der Moschee ihre Schuhe ab und strömen in den Gebetsraum - einige haben auch ihre Kinder dabei, wollen sie schon früh mit „der Schönheit ihres Glaubens“ vertraut machen, wie einer dem nichtmuslimischen Schreiber erklärt. Ein kleines Mädchen, noch etwas verschlafen zu dieser frühen Stunde, schmiegt sich vertrauensvoll an ihren Vater.

Bald schon knien gut 400 Gläubige dicht an dicht auf den in langen Reihen im Gebetssaal ausgelegten Teppichen. Inzwischen ist im Osten – über der Gebetsnische im Zentrum der Rückwand der Moschee - die Sonne aufgegangen und schickt ihre Strahlen über die versammelten Gemeinde.

Da im Islam kirchliche und weltliche Dinge dichter miteinander verwoben sind als z.B, im Christentum, ist dieser höchste religiöse Feiertag zugleich auch der Tag, an dem der Gemeindvorstand vor seinen Mitgliedern Rechenschaft über das vergangene Jahr ablegen muss. Gemeindevorsitzender Selahattim Yildirim berichtet über die gemeinsame Arbeit der Gemeindemitglieder an der neuen Moschee, sein Stellvertreter Servet Özel erstattet den Kassenbericht – die neue Moschee ist ausschließlich aus Spenden der Gemeindmitglieder finanziert worden, berichtet er – ein gewaltiger Kraftakt, auf den die Speyerer „Türkisch-Islamische Gemeinde“ zu Recht stolz ist. An diesem Tag aber gelten die Spenden, die während des Gottesdienstes eingesammelt werden, nicht dem eigenen Gotteshaus – sie sind den Bedürftigen in der Gemeinde und in der Welt zugedacht.

Imam Gündiz setzt den Gottesdienst fort und betritt jetzt die Kanzel, liest von dort aus in arabischer Sprache Suren aus dem Koran und legt diese aus.

Vor den abschließenden Gebeten – wieder aus der Gebetsnische gesprochen – verliesst Servet Özel schließlich als ein Zeichen des Willens zur Integration ein Grußwort der Gemeinde in deutscher Sprache - dann verlassen die Männer langsam den Betsaal.

Lesen Sie das Grußwort des Vorstandes der Türkisch-Islamischen Gemeinde von heute im Wortlaut im SPEYER-KURIER.

Draußen stehen köstliche Süssigkeiten für jedermann bereit – Tradition auch dies. Man gibt und nimmt – Speisen und gute Wünsche. „kurban bayraminiz kutlu olsun“, ruft man sich einander zu, umarmt sich – Jüngere küssen den Älteren ehrerbietig die Hand. „kurban bayraminiz kutlu olsun“ wünscht man sich und den Gästen - auch den nichtmuslimischen.

An Kurban Bayrami gedenken die Muslime ihres Propheten und Urvaters Ibrahim (Abraham), der die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael (Isaak) für Allah (Gott) zu opfern. Als Allah Ismaels Bereitschaft und sein Gottvertrauen erkannte, gebot er ihm Einhalt. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voll Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder.

Eine Überlieferung, in der sich Anhänger aller monotheistischen Religionen – Juden, Christen und Muslime – gleichermaßen wiederfinden.

An diesem Festtag, der zugleich auch das Ende der Hadsch, der Wallfahrt zum Berg Arafat markiert, die jeder Muslie einmal in seinem Leben absolvieren sollte, wird insbesondere in den Familien weitergefeiert. Ein Lamm ist geschlachtet und zubereitet worden – für ein zweites bezahlt der Hausherr die Kosten in einen Fonds ein, aus dem Arme in der Heimat, aber auch in der „neuen Heimat“, in Deutschland, gespeist werden . Ein durchaus intelligentes Verfahren, Bedürftige auch über viele tausend Kilometer am eigenen Festrmahl teilhaben zu lassen.

Also:„Kurban bayraminiz kutlu olsun“ ruft auch der SPEYER-KURIER heute seinen muslimischen Leserinnen und Lesern zu – ! Foto: gc

15.10.2013


Grußwort der Gemeinde zum Opferfest

Verehrte Geschwister,

Dank sei Allah, dass Er uns mit dem heutigen Tage ein weiteres Mal das Opferfest erreichen lässt.
Heute beginnt das religiöse Hochfest der Muslime. Das Fest, zu dem Opfertiere dargebracht und die Bedürftigen versorgt werden. Das Fest, das die Herzen mit Liebe und Barmherzigkeit erfüllen lässt. In diesen Tagen besuchen wir wieder die Verwandten und Erwachsenen. Wir küssen ihnen die Hand und den Kleinen küssen wir die Augen. Die Zerstrittenen unter uns, sie finden wieder zueinander. Wir vergeben den Menschen heute wieder. Unsere Einheit und unser Zusammenhalt, sie sind heute wieder so stark wie nie zuvor.

Und nicht nur der heutige Tag ist ein gesegneter. Der ganze Monat, in dem wir uns befinden, ist es. Denn dieser Monat ist der Monat des Hadsch. So heißt es hierzu im Koran: „Die Hadsch-Monate, sie sind bestimmte Monate.“ [1] Und diese sind die Monate Schawwal, Zulqada und eben der Zulhidscha, in dem wir uns befinden. [2] Über den Hadsch sagte unser Prophet (saw) dereinst: „Der Hadsch ist Arafat!“ [3] Mit anderen Worten ist dieser Gottesdienst nur dann richtig vollführt, wenn man auch die Waqfa bei Arafat macht. Dies ist nur einmal im Jahr möglich. Am Arafa-Tag, dem Tag vor dem Fest.

Verehrte Geschwister,

Arafat ist der Ort, an dem schon die Propheten Adem (a.s.), Ibrahim (a.s.) und hunderte andere Propheten und natürlich auch der Prophet Muhammed Mustafa (saw), die Sonne der beiden Welten, Allah angerufen und Ihn angefleht haben. Er ist der Ort, an dem die Gebete der Muslime angenommen und ihre Sünden vergeben werden.

Hier machen die Pilger in ihrem Ihram einen Probelauf für die Versammlung zur Rechenschaft. Hier verstehen sie, dass weder die Welt noch Vermögen oder Stand eine Bedeutung haben. Dass alles vergänglich ist. „Labbayk, labbayk!“ rufen sie hier alle wie aus einem Mund, wenn sie sich gemeinschaftlich ihrem Herrn hinwenden.

Unser geliebter Prophet (saw) sagte dereinst: “Die Zahl der Diener, die Allah am Arafa-Tag von der Hölle freispricht, ist nicht im entferntesten zu vergleichen mit der Zahl an anderen Tagen.“ [4] “Wer den Hadsch vollführt ohne ein schlechtes Wort zu reden und eine große Sünde zu begehen, der kehrt zurück nach Hause so sündenfrei wie am Tag, an dem ihn seine Mutter geboren hat. [5]

Verehrte Gemeinde,

den Wert dieser gesegneten Tage sollten wir zu schätzen wissen. Dazu gehört, dass wir Tieropfer darbringen, um uns damit Allah zu nähern. Auch wir sollten damit die Ergebenheit in Allah demonstrieren, die der Prophet Ibrahim (a.s.) und sein Sohn Ismail (a.s.) gezeigt haben. Wir sollten alle unseren Familien, unseren Kindern und der ganzen Menschheit zu Sinnbildern werden der Liebe und der Barmherzigkeit.

Verehrte Gläubige,

möge das Opferfest der islamischen Welt und der gesamten Menschheit Frieden und Eintracht bringen. Ich wünsche allen ein gesegnetes Fest. Möge es unserer Brüderlichkeit, unserer Einheit und unserem Zusammenhalt beitragen und uns Vergebung bringen. Möge es uns allen Gelegenheit geben unsere religiösen Werte zu leben und leben zu lassen. In der Hoffnung auf nachfolgende Generationen voller Iman wünsche ich uns allen noch etliche solche Festtage.

Ich beende heute meine Ansprache mit der ungefähren Bedeutung des Eingangsverses: “Weder das Fleisch der Opfertiere erreicht Allah noch ihr Blut. Einzig eure Ehrfurcht wird es sein, die Ihn erreicht…“ [6]

15.10.2013


Botschaft zum Opferfest 2013

Heute am Dienstag, den 15. Oktober 2013, beginnt das Opferfest. Für die vielen Pilger in den Heiligen Stätten, die hier als Zeichen ihrer Dienerschaft vor Allah den Hadsch vollführen und in dieser freudevollen und segenreichen Atmosphäre zu gewahren suchen was vergangen, gegenwärtig und noch kommen wird; aber auch für all die Gläubigen, deren Herzen sich sehnen nach diesen Heiligen Stätten, für all jene beginnt nun mit diesen Tagen ein religiöses Hochfest, das für tiefste Ergebenheit in den Schöpfer sowie für Solidarität in der Gesellschaft und ein Näherkommen dieser steht.

Das Opferfest ist uns eine der außerordentlichen weil segenreichen Zeitabschnitte, da wir innehalten und das Kapital der Zeit, das wir sonst verantwortungslos verschwenden, ummünzen können in Liebe, Frieden und Eintracht, in Teilen und Brüderlichkeit. Allah, dem Erhabenen, sei Dank dafür, dass Er uns diese Tage noch einmal erreichen lässt.

Mit dem Opferfest halten wir auch in Erinnerung die Barmherzigkeit, die herabkam auf die Propheten Ibrahim (a.s.) und Ismail (a.s.). Sie hatten sich Ihm und Seinem Befehl in vollem Gehorsam ergeben. So lehrt uns das Opferfest, dass die Gottesdienste die Ergebung in Allah, das Ihm Nahen symbolisieren. Dass unser Vermögen - uns von Allah nur anvertraut - und die Liebe in den Herzen nur zunehmen je mehr wir hiervon geben und damit teilen. Dass nicht das Fleisch der Opfertiere Ihn erreicht noch ihr Blut, sondern einzig unsere Ehrfürchtigkeit, unsere Frömmigkeit und Empfindsamkeit.

Religiöse Hochfeste sind für uns persönlich Tage der Freude, aber auch Tage, da wir die anderen erfreuen. Tage, da wir die Sorgen unserer Mitmenschen teilen und uns mit ihnen freuen. Kleinkrämerei, Egoismus, sinnlose Streitigkeiten und Kränkungen gehören nun beiseitegeschoben. Niedergerissen Mauern, die sich vor dem Ego des Menschen auftürmen. Niedergerissen, so dass er aus sich selbst wieder raus kommt, seine Mitmenschen wieder gewahrt, und schließlich, als Mensch, der vollkommen ist, vollkommen im Charakter wie der Islam ihn beschreibt, wieder lernt zu teilen, seine Mitmenschen zu umarmen und sie zu lieben. Das Gebet zum Festtag will uns auch wieder etwas sagen. Das gemeinschaftliche Gebet, die Reihen, in denen sich die Gläubigen zum Gebet aufstellen Schulter an Schulter, sie künden uns davon, dass die Hochfeste gleichzeitig auch für Einheit und Gemeinsamkeit stehen. Dass Separation und Abspaltung die Gesellschaft nur schwächen und dass ein Miteinander uns als Gesellschaft und religiöse Gemeinschaft nur stärkt.

Trotz all der traurigen Ereignisse in der heutigen Welt sind religiöse Hochfeste uns eine wichtige Auszeit, in der wir uns dem Alltäglichen entziehen und wieder zu uns kommen. Sie sind uns Gelegenheit uns wieder der Werte zu erinnern, die uns zu Menschen machen und dem zu Individualismus neigenden Menschen helfen, sich und seine Umwelt zu entdecken. Auf gesellschaftlicher Ebene bieten sie uns eine Atmosphäre der Liebe oder auch der Traurigkeit. Hier stehen nun im Vordergrund Liebe, Freundschaft und das Teilen. Den Frieden und die innere Ruhe des Einzelnen spüren wir nun als Gesellschaft.

Daher sollten wir religiöse Hochfeste begreifen als Tage, da wir wieder aufeinander zugehen und nicht etwa uns voneinander abwenden. In diesen Tagen sollten alle etwaige Kränkungen vergessen sein und die Herzen wieder zueinander finden. Auf der anderen Seite besteht der Sinn des Opfergottesdienstes nicht darin, Blut fließen zu lassen, sondern das Fleisch der Opfertiere an Bedürftige in der mittelbaren und unmittelbaren Umgebung oder auch am anderen Ende der Welt zukommen zu lassen. Auf diesem Weg zu stärken die Brüderlichkeit und die Liebe.

Mögen alle Festtage auch in der Stimmung und Atmosphäre eben solcher vergehen. In der Hoffnung auf eine Welt, in der Frieden und Eintracht herrschen, in der Recht und Gerechtigkeit walten und Krieg, Terror wie Armut ein Ende finden wünsche ich der islamischen Welt und insbesondere den Muslimen in Deutschland ein gesegnetes Opferfest. Möge es uns allen, möge es der gesamten Menschheit Wohl bringen.

Prof. Dr. Izzet ER, Vorsitzender DITIB-Dachverband

Türkisch Islamische Gemeinde, Ditib-Fatih Camii Speyer

www.ditib-speyer.de

15.10.2013


Türkisch-Islamische Gemeinde Speyer hatte zum ersten „Tag der Offenen Moschee“ geladen

Weder Sprache noch Rasse – weder Religion noch Glaube dürfen Hindernis sein auf dem Weg zur gegenseitigen Verständigung und Liebe

Von Gerhard Cantzler

Speyer- Bundesweit war er bereits der zwölfte - in Speyer aber der allererste „Tag der Offenen Moschee“, zu dem die Speyerer Türkisch-Islamische Ditib-Gemeinde heute mit berechtigtem Stolz in ihre neue „Fatih Camii-Moschee“ in die Brunckstraße im „Gewerbegebiet Speyer-West“ eingeladen hatte. Und mehr als 400 Gäste – je zur Hälfte etwa Muslime und Christen – folgten am „Tag der Deutschen Einheit“ dieser Einladung und unterstrichen so ihren unverbrüchlichen Willen zur Einheit und Verständigung auch über konfessionelle Grenzen hinweg. Unter ihnen sah man auch viel politische Prominenz - angeführt von dem für Migration und Integration zuständigen Städtischen Beigeordneten Dr. Wolf Böhm, Landtagsabgeordnetem Dr. Axel Wilke und Vertretern nahezu aller im Speyerer Stadtrat vertretenen Fraktionen.. Dazu die Vorsitzende des Speyerer Migrationsbeirates, Dr. Brenda Hart-Bohne und der Sprecher des „Intereligiösen Forums“ in der Stadt, Pastoralreferent Dr. Markus Lamm sowie Pfarrer Hubert Ehrmanntraut und den Protagonisteten des interreligiösen Austauschs in der Stadt, Pfarrer i.R. Bernhard Linvers.

Sie alle wurden in Vertretung des Vorsitzenden der Speyerer „Türkisch-Islamischen Gemeinde“, Selahattim Yildirim, von dessen „Vize“ Servet Özel, begrüßt – Yildirim selbst - gerade noch rechtzeitig von einer mehrwöchigen Reise in seine „alte“ türkische Heimat nach Speyer zurückgekehrt – gesellte sich so erst später unter dem großem „Hallo“ seiner muslimischen und christlichen Freunde zu dieser Veranstaltung.

Umweltschutz - Moscheen setzen sich ein“ - so laute das Motto des diesjährigen „Tages der Offenen Moschee“, erläuterte Servet Özel in seiner Begrüßungsansprache. Damit wollten auch die Muslime in Speyer ihre besondere Verantwortung für den Erhalt von Natur und Umwelt dokumentieren, die allen Menschen von dem gemeinsamen Gott anvertraut sei. „Die Ethik der drei abrahamitischen Weltreligionen lehrt uns alle die gleiche Liebe und Verständigung über religiös-konfessionelle Grenzen hinweg“, betonte Srvet Özel weiter. Eingedenk dieser Forderung habe die Gemeinde zu diesem Tag rund um die neue Moschee Bäume gepflanzt – ein besonderes Exemplar, ein Kugel-Ginko, der von den Ratsmitgliedern und dem Migrationsbeirat sowie dem „Interreligiösen Forum“ gestiftet worden sei, dokumentiere diese Zusammengehörigkeit auf ganz besondere Weise.

Als lebendiges Zeichen der „Freundschaft und der Toleranz zwischen den Religionen“ bezeichnte auch Dr. Markus Lamm die Pflanzung dieses Baumes. „Möge das Miteinander unserer Religionen weiter so wachsen wie dieser Baum“, wünschte Dr. Lamm, der sich noch einmal ausdrücklich für die spontane Hilfsbereitschaft der Speyerer Moscheengemeinde bedankte, die den obdachlos gewordenen Menschen aus der von der Gasexplosion am vergangegen Samstag so schwer betroffenen Menschen aus Harthausen mit größter Selbstverständlichkeit ihr Haus geöffnet hätten. „Wir haben nur getan, was uns der Koran gebietet“, wehrten Servet Özel und der inzwischen gleichfalls eingetroffene Selahattim Yildirim Dankesbekundungen ab, an die sich auch Beigeordneter Dr. Böhm angeschlossen hatte. Dr. Böhm erinnerte auch daran, dass der Ginko mit über 300 Millionen Jahren zu den ältesten Baumarten der Welt gehöre und deshalb ein ganz besonderes Symbol für die Langlebigkeit und Haltbarkeit der Freundschaft auch zwischen Ethnien und Religionen darstelle.

„Freuen wir uns über die Realität“, rief Dr. Brenda Hart-Bohne in ihrem Grusswort der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu, „denn Speyer gehört uns allen – egal, woher wir stammen und wie lange wir schon in der Stadt zuhause sind“.

Den religiösen Hintergrund dieses Tages unterstrich sodann der Speyerer Imam Bilal Gündiz, der daran erinnerte, dass Gläubige aller drei monotheistischen Religionen – Juden, Christen und Muslime – gleichermaßen Kinder von Adam und Eva seien. Von Selda Ünsal einmal mehr perfekt ins Deutsche übersetzt, sprach er sich leidenschaftlich dafür aus, dass weder Sprache noch Rasse – weder Religion noch Glaube ein Hindernis sein dürften auf dem Weg zur gegenseitigen Verständigung und Liebe, „denn wir lieben das Geschöpf, weil wir in ihm den Schöpfer lieben“.

An die „deutschen Geschwister“ gewandt dankte der Imam dafür, dass sie den Muslimen in der Stadt immer wieder mit offenen Armen und offenem Herzen begegnen würden und es ihnen so ermöglichten, ihren Glauben und ihre Religion zu leben.

An dem bereits in die Erde vor der Moschee eingepflanzten Kugel-Ginko - Dr. Böhm: „Wir haben diese spezielle Ginko-Art deshalb ausgewählt, weil dieser Baum nicht zu groß wird und die Moschee - statt den Blick auf sie zu verstellen – sie nur mehr zusätzlich schmückt“ - versammelten sich sodann die Ehrengäste, um - jeder für sich und für die von ihm vertretenen Gruppe dem Baum beste Wünsche zu überbringen. Mit dem aus dem Irak stammenden Daoud Hattab für Asien, Dr. Brenda Hart-Bohne für Amerika und Dr. Peter Kerstjens für Australien seien neben den zahlreichen Europäern Vertreter von vier von fünf Kontinenten an dem Baum versammelt, betonte Dr. Böhm – ein gutes Zeichen für „die eine, gemeinsame Welt“.

Unter den Klängen einer traditionellen Ney-Langflöte hatten die anwesenden Vertreter der politischen Parteien und Institutionen - unter ihnen auch die Nachbarin der Moschee, die Doyenne des Speyerer Stadtrates, Margret Boiselle-Vogler, Gelegenheit, dem frisch gepflanzten Baum eine Schippe Erde und beste Wünsche auf sein hoffentlich langes Leben mit auf den Weg zu geben.

Dann war der Kinderchor der Moschee – seit seinem letzten Auftritt schon wieder deutlich angewachsen - an der Reihe, die anwesenden Gäste, die sich zwischenzeitlich, je nach Lust und Laune, an süssen bzw, an deftigen türkischen Köstlichkeiten gütlich taten, mit türkischen Kinderliedern zu unterhalten. Zuvor schon hatte der kleine Mert Özkan – von Mama inspiriert – gestenreich die türkische Nationalhymne zu Gehör gebracht.

Im Betsaal der Moschee hatten sich inzwischen interessierte Gäste versammelt, die an diesem Tag zum ersten Mal in des Moschee zu Gast waren. Sie wurden von Imam Bilal Gündiz und Selda Ünsal höchst kompetent in die Gebetskultur und den Ritus der Muslime eingeführt - erfuhren, dass man die Moschee nicht nur barfuss, sondern auch mit dem rechten Fuss zuerst betritt, um so die Aufmerksamkeit für das zu schärfen, was einem im Gebet begegnet. Höchst spannende Informationen und sicher für jeden Nicht-Muslimen Grund genug, sich mit den religiösen Sitten und Gebräuche der muslimischen Nachbarn – Türken in aller Regel bei uns – einmal etwas näher zu beschäftigen.

Und eine Möglichkeit für jeden, Verständnis und Empathie für jene Nachbarn zu gewinnen, die vor mehr oder weniger langer Zeit zu uns gekommen sind, weil wir sie als Arbeitskräfte in unserer Wirtschaft brauchten und die inzwischen zu gleichberechtigten Mitbürgern geworden sind – getragen von gleichen Glaubensgrundsätzen, wie man heute beim „Tag der Offenen Moschee“ wieder lernen konnte. Foto: gc

03.10.2013


Malu Dreyer: DITIB leistet wichtige Arbeit im Land

Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit dem Landesvorstand von DITIB Rheinland-Pfalz. Ministerpräsidentin Malu Dreyer mit dem Landesvorstand von DITIB Rheinland-Pfalz

Mainz- Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat sich heute zu einem Gespräch mit dem Vorstand des Landesverbandes der DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) in der Staatskanzlei getroffen. Der Vorsitzende Yilmaz Yildiz informierte die Ministerpräsidentin über neue Entwicklungen und Projekte bei DITIB. Mit 45 Moscheegemeinden und 6.700 Mitgliedern (25.000 Familienmitglieder) ist DITIB die größte Vertretung der Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen muslimischen Bekenntnisses.

Ministerpräsidentin Dreyer dankte dem Landesvorstand und den Gemeinden für die wichtige Arbeit und nannte als Beispiele die Mitwirkung am Runden Tisch Islam, die Kooperationen mit der Polizei und die Gründungs eines Landesfrauenverbandes und eines Landesjugendverbandes. „Die Landesregierung möchte den Dialog mit den Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzern muslimischen Bekenntnisses weiter vertiefen. Deshalb ist mir der regelmäßige Meinungsaustausch mit DITIB sehr wichtig“, sagte die Ministerpräsidentin. Es sei eine gemeinsame Aufgabe, für ein gutes Miteinander der Menschen und Religionen zu werben und noch bestehende Vorurteile abzubauen. DITIB trage seit vielen Jahren mit seinem Engagement zum gegenseitigen Verständnis und zum friedlichen Zusammenleben der Menschen in Rheinland-Pfalz bei. Malu Dreyer und DITIB waren sich einig, ehrenamtliches Engagement auch in islamischen Moscheegemeinden und Verbänden stärker zu würdigen. Der Vorstand kündigte an, dazu auch vermehrt Vorschläge für Ehrungen einzureichen.

An dem Termin nahm auch der Beauftragte der Landesregierung für Migration und Integration, Miguel Vicente, teil, der den Runden Tisch Islam leitet. Vicente: „Ich freue mich, dass sich auch der interreligiöse Dialog zwischen DITIB, den Kirchen und den jüdischen Gemeinden immer mehr vertieft. Ein gutes Beispiel ist das interreligiöse Gebet zur Eröffnung des landesweiten Ehrenamtstags am 29. September 2013 in Speyer.“

Text und Foto: stk-rlp

21.08.2013


„Ramazan Bayramin mübarek olsun" - „ein gesegnetes Ramadan-Fest“

Muslimische Mitbürger feiern in ihren Familien und mit Freunden drei Tage lang das Ende des Fastenmonats Ramadan

Von Gerhard Cantzler

Speyer- Heute früh gegen 7:30 Uhr im Innenhof der„Fatih Camii – Moschee“ in der Speyerer Brunckstraße Während sich die Sonne über der mit vier kleinen Minaretten geschmückten Moschee langsam, langsam ihre Bahn durch die Wolken bricht, treten die gut 400 Männer der Speyerer Türkisch-Islamischen Gemeinde, die heute früh schon an dem festlichen Gottesdienst zum „Bayramin“, der Eröffnung des dreitägigen Ramadan-Festes teilgenommen haben, aus der Moschee – rufen sich immer wieder gegenseitig ein herzliches "Ramazan Bayramin mübarek olsun" zu – „einen gesegneten Ramadan“ und tauschen in großer Innigkeit den Friedensgruss miteinander.

Schon gut zwei Stunden zuvor waren sie alle in den großen Betsaal, den Mittelpunkt ihrer Gemeinde gekommen, wo Iman Bilal Gündiz beim Sonnenaufgang um 05:48 Uhr mit einem Gebet den Beginn des dreitägigen „Festes des Fastenbrechens“, des „Id al-Fitr“ angekündet hatte. Für viele der Anwesenden ist es noch immer ein kleines Wunder, dass es ihnen gelungen ist, mit ihrer eigenen Hände Arbeit und mit viel Unterstützung auch vieler nichtmuslimischer Freunde dieses eindrucksvolle geistliche Zentrum ihrer Gemeinschaft in Speyer zu errichten.

Nach der am vegangenen Samstag mit großer öffentlicher Beteiligung begangenen Kadir Gecesi – der „Nacht der Bestimmung“ (lesen Sie dazu mehr im SPEYER-KURIER vom 04.08.2013) sind die nun folgenden drei Tage eher dem Feiern in der Familie und mit engen Freunden vorbehalten. Wer seine Verstorbenen in der Nähe begraben hat – bisher ist dies allerdings noch immer eher die Ausnahme – der besucht die Gräber seiner Vorfahren und Anverwandten oder reist – wie der Vorsitzende der Speyerer Gemeinde, Selahattin Yildirim - noch am ersten Tag des Festes in die Heimat, um dem in Speyer verstorbenen und in der Türkei begrabenen Vater nahe zu sein.

Für den Imam der Speyerer Gemeinde ist dieses Ramadan-Fest 2013 ein ganz besonderes: Bilal Gündiz, der jetzt schon im vierten Jahr seinen Dienst in Speyer versieht und im nächsten Jahr, nach Ablauf seiner auf fünf Jahre befristeten Amtszeit wieder in die Türkei zurückkehren wird, kann zu diesem Ramadan-Fest nämlich besonders lieben Besuch begrüßen: Sein Sohn Mehmet, das zweite seiner vier Kindern, 23 Jahre alt und derzeit Student der Chemie an der Universität in Bursa, ist gekommen, um die bedeutenden Feiertage mit seinen Eltern zu begehen. Er ist schon zum zweiten Mal in Speyer, hat die im Verhältnis zu türkischen Großstädten eher beschauliche Stadt am Rhein lieb gewonnen und könnte sich durchaus vorstellen, später einmal wieder – vielleicht sogar dauerhaft - hierher zurückzukommen.

Heute früh hat Mehmet miterlebt, wie sein Vater bei Sonnenaufgang aus der gen Mekka ausgerichteten Gebetsnische in der Ostwand der Moschee die traditionellen Gebete zum „Bayram-Fest“ gespochen hat - hat beobachtet, wie er, der Imam, auf die Kanzel gestiegen ist, deren oberste Stufe aus Ehrfurcht nicht betreten wird, weil von dort herab einst der Prophet Muhammed predigte, und hat gehört, wie der Vater zu den Gläubigen von Ehrfurcht gegenüber Allah sprach, von Respekt vor den Mitmenschen und von Toleranz gegenüber allen Andersgläubigen.

Die Mitglieder der Speyerer türkisch-islamischen Gemeinde, von denen sich viele wie der vor 33 Jahren aus Pakistan nach Speyer eingewanderte Rosenhändler Ahmed Rashid, inzwischen längst als „Speyerer muslimischen Glaubens“ verstehen – sie sind längst angekommen in einer Gesellschaft, in der sich mitunter die „aufnehmende Mehrheitsbevölkerung“ mit der „ankommenden Zuwandererminderheit“ noch immer schwererzu tun scheint als umgekehrt. Die letzten Tage haben es überzeugend dargestellt: Die Pforten der Speyerer Moschee stehen auch Nichtmuslimen immer offen – wir Nichtmuslime sollten dieses mit offenen Armen gemachte Angebot bereitwillig annehmen.

Und so war es heute früh auch für für Imam Bilal Gündiz wieder selbstverständlich, in seine Segensgebete zum Abschluss dieses feierlichen Gottesdienstes auch die ganze Stadt Speyer und all ihre Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von Konfession und Glauben - mit einzubeziehen.

Also, liebe muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger: Auch der SPEYER-KURIER wünscht Ihnen ein gesegnetes Ramadan-Fest und den Kindern, die sich auf diese aus gutem Grunde auch „Zuckerfest“ genannten Tage ganz besonders freuen, viele Geschenke und köstliche Leckereien. Deshalb noch einmal: "Ramazan Bayramin mübarek olsun !" Foto: gc; Archiv spk

08.08.2013


Dem Gedenken an die Überbringung des Korans an den Propheten Mohammed gewidmet

Türkisch-Islamische Gemeinde Speyer feiert „Nacht der Bestimmung – Kadir Gecesi“

von Gerhard Cantzler

Speyer- Der Himmel über der neuen „Fatih Camii“-Moschee in der Speyerer Brunckstraße hatte sich bedrohlich grau bezogen, als am gestrigen Samstagabend die Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde mit ihren Speyerer Gästen zur „Nacht der Bestimmung Kadir Gecesi“ - zur „Nacht der Offenbarung“ zusammenkamen - jener Nacht, in der der Überlieferung nach Allah durch seinen Erzengel Gabriel das heilige Buch der Muslime, den Koran, an seinen Propheten Mohammed überbringen ließ. Diese wohl heiligste Nacht im islamischenJahreslauf wird jeweils an den ungeraden Tagen ab dem 20. Tag des Fastenmonats Ramadan gefeiert – in der Regel ist es die 27. Nacht des Ramadan, der in diesem Jahr mit dem Sonnenuntergang am kommenden Mittwoch, am 7. August endet.

Als jetzt an dieser „Kadir Gecesi“ 2013 der Imam der Speyerer Gemeinde, Bilal Gündüz, zum Sonnenuntergang um Punkt 21:11 Uhr den „Ezan“ - den Aufruf zum Gebet – erschallen ließ und damit das Fasten „brach“ an diesem Tage, da strahlte der Vorsitzende der Speyerer Dittib-Gemeinde, Selahttin Yildirim übers ganze Gesicht, denn durch die immer weiter aufreissende Wolkendecke brach sich noch einmal zögerend die Sonne Bahn und spiegelte sich in den vier kleinen Minaretten auf dem Vordach der Moschee: „Allah – Gott – ist mit den Seinen“, so Yildirim dankbar gerührt.

Zuvor schon hatte der Vorsitzende der Speyerer Türkisch-Islamischen Gemeindeneben Oberbürgermeister Hansjörg Eger und seinem für Fragen der Integration zuständigen Städtischen Beigeordneten Dr. Wolf Böhm auch zahlreiche Vertreter der für den Speyerer Westen zuständigen christlichen Kirchen begrüßen können: Pfarrer Hubert Ehrmanntraut und seinen schon seit Jahrzehnten um den interreligösen Dialog bemühten, emeritierten Kollegen Bernhard Linvers, dazu Pastoralreferent Dr. Markus Lamm - ihre evangelischen Kollegen mussten sich wegen der Ferienzeit entschuldigen. Gekommen waren dagegen die Vorsitzende des Speyerer Beirates für Migration und Integration, Dr. Brenda Hart-Bohne mit ihrem Stellvertreter Daoud Hattab sowie dier Vorsitzende der „Johann Joachim Becher Gesellschaft“, Hans-Joachim Spengler mit Ehefrau Brigitte. Entschuldigt hatten sich für diesen Abend auch die Mitglieder der Speyerer Israelitischen Kultusgemeinde: Die strengen Bestimmungen ihres Glaubens für den 'Schabbat' hatten ihnen eine Teilnahme an diesem Samstag unmöglich gemacht.

Selahattin Yildirim betonte in seiner Begrüßung den hohen Rang, den seine Gemeinde der Außendarstellung des Islams beimesse. Gleichzeitig seien die Speyerer Muslime aber auch an einer aufrichtigen und intensiven Pflege des interreligösen Dialogs - der kulturellen Begegnung mit den anderen monotheistischen Religionen - mit Juden und Christen - interessiert. Dieses habe sich immer wieder in den gemeinsamen Friedensgebeten aller religöser Gemeinschaften in Speyer manifestiert und dokumentiere sich auch an diesem Tag in dem gemeinsame Begehen des Fastenbrechens.

Selda Ünsal, im Brotberuf medizinisch-technische Assistentin und ehrenamtlich als kenntnisreiche Führerin durch die Speyerer Moschee und als bestens beschlagene Kennerin des Islam unterwegs, hatte es übernommen, den nichtmuslimischen Gästen den Hintergrund dieser feierlichen Nacht zu erläutern

Lesen Sie dazu die Ausführungen von Selda Ünsal im Wortlaut im SPEYER-KURIER

Frau Unsal erklärte dannach den interssierten Gästen auch den Gebetsritus innerhalb des imposanten Betsaals der Moschee, wo Männer und Frauen in getrennten Räumen den vom Imam in der Ursprache des “Heiligen Buches“ - in Arabisch - rezitierten Worten des Koran lauschen – nur die Lesungen und die Predgt werden in der Speyerer Gemeinde in türkischer Sprache gehalten. Selda Ünsal zu dieser Geschlechtertrennung: „Die gab es im Islam nicht von Anfang an, sondern sie wurde erst später eingeführt, um zu vermeiden, dass die Menschen durch die Anwesenheit des jeweils anderen Geschlechts in ihrer Konzentration allein auf das Gebet abgelenkt werden“.

Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Hansjörg Eger, in dem er seiner Freude über die offenischtlich gelungene Integration der islamischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Ausdruck brachte, und noch ehe dann Imam Bilal Gündüz das Dankgebet für diesen „gesegneten Fastentag“ sprach, forderte Selahattin Yildirim die Gäste auf, sich schon einmal an den reichlich zubereiteten Speisen zu bedienen, um nach dem offiziellen Fastenbrechen unverzügliche mit dem Schmausen beginnen zu können. Gut so, denn immerhin hatten die gläubigen Muslime an diesem Tag bis zum Fastenbrechen schon schon gut 17 Stunden ohne Essen und Trinken auskommen müssen - und die wunderbaren Düfte des Orients, die bei der Zubereitung der köstlichen Speisen verströmt wurden, ließen die Selbstkasteiung durch das Fasten nur noch um so stärker erlebbar werden.

Umrahmt von musikalischen Beiträgen der Kindergruppe der Moschee und einem virtuosen Spieler einer traditionellen türkischen Langflöte genossen die inzwischen fast 500 Besucher an diesem Abend das köstliche Mahl, das die meisten mit einem inzwischen auch in der Pfalz zu einem Lieblingsgetränk aufgestiegenen aromatischen türkischen Tee beschlossen.

Nach einem weiteren Dankgebet des Imam – diesmal den herrlichen, den Menschen von Gott geschenkten Speisen gewidmet – überreichte der Vorstand der Islamisch-Türkischen Gemeinde Speyer „seinem“ Oberbürgermeister eine prachtvoll gebundene Ausgabe des Korans mit deutscher Übersetzung - eben jenes Buches, das so ganz im Mittelpunkt dieses eindrucksvollen Abends stand.

Um 23:00 Uhr schließlich versammelten sich die Gemeindemitglieder noch einmal in dem großen Betsaal zum traditionellen Nachtgebet, dem sich dann noch eine lange gemeinsame Nacht der gastfreundlichen türkisch-muslimischen Mitbürger mit ihren rundherum begeistert-beeindruckten Gästen anschloss. Foto: gc

04.08.2013


Selda Ünsal:

Kadir Gecesi „Nacht der Bestimmung“ bzw. „Nacht der Offenbarung“

Was ist die „Nacht der Bestimmung"?

Es ist dies die Nacht, in der unser heiliges Buch, der Koran, zum ersten Mal von Allah durch den Engel Gabriel an unseren Propheten Mohammed herabgesandt bzw. überliefert worden ist.

Der Koran ist ein Wegweiser für die Glückseligkeit des Menschen auf der Erde und im Jenseits und der Erlöser aus dem Dunkeln der Unwissenheit.

Die Offenbarung des Korans dauerte 23 Jahre - zunächst in Mekka und dann in Medina – Jahre, in denen er als eine Antwort auf Entwicklungen und Ereignisse herabgesandt wurde , sowie der Abfolge entsprechend, die notwendig war, um die Übermittlung der Botschaft zu beenden.

Der Koran wurde zum ersten mal um das Jahr 610 nach heutiger Zeitrechnung an unseren Propheten herabgesandt.

Die Nacht der Bestimmung - Kadir Gecesi - wird im Koran in der Kadr Sure erwähnt, wo es heißt:

Wahrlich wurde der Koran in der Nacht der Offenbarung herabgesandt.

  1. Wisst ihr, was das für eine Nacht ist ?

  2. Die Nacht der Offenbarung ist wertvoller als 1000 Monate.

  3. Die Engel und der Geist (Gabriel ) kommen mit Gottes Wille in dieser Nacht herunter auf die Erde.

  4. Frieden sei mit Euch bis zur Morgenröte.

Aus diesem Grund gilt die „Nacht der Offenbarung“ als die heiligste Nacht im islamischenJahr.

Wann wird die „Nacht der Bestimmung“ bzw.“Nacht der Offenbarung“ begangen ?

Von unserem Propheten Mohammed wird berichtet, daß er sich in den letzten Tagen des Fastenmonats Ramadan zum Gebet und zum Lesen des Korans in die Moschee zurückzog. Deswegen ist dies ein Vorbild, welches alle Muslime während dieser Zeit nachahmen.

Es gibt verschiedene Überlieferungen, an welchem Tag genau dies sein könnte. Die gängigste ist, dass die Nacht ab dem 20. Tag des Fastenmonats Ramadan zu erwarten ist - und zwar an den ungeraden Tagen. Generell nimmt man an, daß es die 27. Nacht im Fastenmonat Ramadan ist.

Was wurde als erstes offenbart ?

Gemäß der Überlieferung fand die erste Offenbarung in einer Höhle im Berg Hira statt. Dies sind die ersten 5 Verse der Sure Alak, die aus insgesamt 19 Versen besteht. Sie beginnt folgendermaßen:

Lies im Namen deines Herren, Der erschuf

  1. Er schuf den Menschen aus einem Klumpen Blut.

  2. Lies ! Denn dein Herr ist der Allgütige.

  3. Der ( den Menschen ) lehrte durch die Feder.

  4. Der den Menschen lehrte, was er nicht wußte.

Was bedeuten diese Verse ?

Diese Verse verdeutlichen die Wichtigkeit des Lesens, Lernens, Schreibens und die Entstehung des Menschen. Es soll dem Menschen klar machen, wie wichtig es ist, dass sich jemand entwickelt und sich fördern lässt. Der Mensch ist mit wertvollen Gaben durch Gott ausgestattet, die er nur zu nutzen braucht. Dies wiederum sollte den Menschen auch dazu bewegen, sich Gedanken über seinen Schöpfer zu machen und sich dann dafür dementsprechend zu bedanken.

04.08.2013


Spendenaufruf: Eine Hilfewelle nach der Flutwelle

Dies ist auch unsere Heimat: Wir teilen den Erfolg, die Freude, die Hoffnung, natürlich auch die Not, die Verzweiflung und Betroffenheit.

Insgesamt 8 Menschen starben in Folge des Hochwassers und Tausende stehen nun ohne Heim, Hab und Gut da. Wie furchtbar ohnmächtig und hilflos mögen die dunklen Stunden der Verzweifelten sein!

Nachdem die Flutwellen überstanden sind, geht’s bald ans Aufräumen. Für viele Betroffene wird dann erst das erschreckende Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Nach der Hilflosigkeit während der dramatischen Pegelstände kommen nun Erschöpfung, Depression und scheinbare Ausweglosigkeit zum Tragen.

So ist es uns als Gesamtheit der DITIB-Gemeinden eine Selbstverständlichkeit, für die betroffenen Menschen zu spenden. Jeder Cent kann etwas Licht in die düstere Verzweiflung tragen, jeder Euro etwas Hoffnung und Sicherheit spenden.

Solidarität und gelebte Nachbarschaft ist unser religiöses Gebot. Unsere Religion mahnt uns immer auch daran, uns nicht allein religiös einzubringen, sondern auch im besten Sinne gesellschaftlich aktiv zu sein. Seit jeher machen wir uns stark für den Zusammenhalt und das Miteinander. Dabei haben wir stets den Menschen im Blick – unabhängig von Herkunft, Kultur oder Religion.

Dass bereits in den schwersten Stunden der Not Beistand geleistet wurde, ist Ausdruck der gelebten Solidarisierung und lindert die erste Not. Staatliche und freiwillige Organisationen und Privatpersonen sind den Opfern in ihrer Not zur Hilfe geeilt und verdienen höchsten Respekt, Anerkennung und viel Dank.

Nun sind auch wir aufgerufen zu helfen!

Am Freitag, den 14.06.2013, werden deutschlandweit anschließend an das Freitagsgebet in allen Mitgliedsgemeinden der DITIB Spenden für die Flutopfer gesammelt.

Die Spendenbereitschaft war bereits zur Jahrhundertflut 2002 sehr groß. Jetzt wie damals wurde ein eigenes Spendenkonto für die Flutopfer eingerichtet.

Empfänger:        Türkisch Islamische Union

Bank:    Commerzbank AG Köln

Konto: 50 55 66 003

BLZ:       370 400 44

Stichwort:           Flutopferhilfe

 

Möge Allah den Flutopfern in Ihrer Not und in den dunklen Stunden beistehen.

Und möge Allah einem Jeden, der den Betroffenen hilft, sein Bemühen vergelten.

Vorstand

DITIB-Dachverband

14.06.2013


Erster Kindergarten der Türkisch Islamischen Union eröffnet in Mannheim

Der Muslimische Kindergarten Lalezar, getragen vom DITIB Kindergarten-Trägerverein, erfährt Unterstützung vom Oberbürgermeister  wie vom Rat der Stadt Mannheim. Muslimische Eltern in Mannheim haben nunmehr die Möglichkeit, ihre Kinder im Alter von 3-6 Jahren über das normale Anmeldeverfahren der Stadt Mannheim in einem muslimischen Kindergarten anzumelden, in dem ihnen eine Erziehung in ihren eigenen Werten angedeihen wird. Mit dem Projekt, das in Kooperation  mit der Stadt Mannheim läuft, wird ca. vierzig Kindern ein Ganztagskindergarten geboten. Im Leistungsspektrum inbegriffen sind in diesem Modell auch Verpflegung und Möglichkeit zum Mittagsschlaf.

Die Voranmeldung für einen Platz im Muslimischen Kindergarten Lalezar erfolgt über die DITIB Yavuz Sultan Moschee in Mannheim sowie das Meldesystem Kindergarten (MEKI) des städtischen Jugendamts. Anträge von Eltern, die sich bei der Anmeldung für den Muslimische Kindergarten Lalezar entscheiden, werden nach der Reihe ihres Eingangs berücksichtigt. Das Interesse für einen Platz im Kindergarten ist groß, die Kapazitäten werden dementsprechend  schnell ausgeschöpft sein.  Interessierte Eltern werden daher gebeten sich zu beeilen mit der Anmeldung.

Weitere Informationen gibt es unter info@kiga.ditib-ma.de Türkisch Islamische Gemeinde Speyer, Presse

01.06.2013


Unfassbare Schändung einer Moschee in Düren: „NSU lebt weiter und ihr werdet die nächsten Opfer sein!“

DITIB-Vorstandssprecher ruft zu Zivilcourage und religionsübergreifendem Einstehen gegen rassistische und xenophobe Strömungen auf

spk. Köln. Eine beunruhigende Zunahme von Übergriffen auf islamische Gotteshäuser verzeichnet derzeit die DITIB, die „Union Türkisch-Islamischer Gemeinden“ in Deutschland, zu der auch die Speyerer Moscheen-Gemeinde in der Brunckstraße zählt. Allein im Mai habe es bereits wieder vier polizeilich relevante Fälle gegeben - in Rheinland-Pfalz wurde zuletzt in der Nacht zum 20. Mai in Bullay die DITIB-Moschee besudelt, indem dort Plakate einer rechten, völkisch-nationalen Tochter-Organisation der NPD angeklebt wurden, die als deutschlandweite „Jugendorganisation“ getarnt ist. Hier sind die Sicherheitsbehörden derzeit noch mit ihren Ermittlungen beschäftigt.

In der Nacht von Samstag zum Sonntag, dem 18. Mai 2013, wurde dann der Eingang der Islamischen Gemeinde in Düren mit Parolen beschmiert, in denen es u.a. hieß: „NSU lebt weiter und ihr werdet die nächsten Opfer sein!!!“

Die Pressestelle der DITIB in Köln bezeichnete diese Vorgänge jetzt als besonders infam, zeigten sie doch die Verstrickung von politischen Strukturen, Tochterorganisationen, Kameradschaften, Aktionsgruppen und ähnlichem, die eindeutig aus dem rechten Spektrum stammten und die inzwischen deutschlandweit eine verheerende Wirkung auch auf sozio-politischer Ebene entfalteten. Damit handle es sich auch in dem Dürener Fall um eine implizide Drohung, die sehr ernst zu nehmen sei.

Auch nach den aktuellen, vorläufigen Zahlen des Bundesinnenministeriums sei bei den politisch rechts motivierten Straftaten zuletzt ein Anstieg um vier Prozent auf rund 17.600 Delikte zu verzeichnen gewesen, davon mindestens 840 Gewalttaten. Diese erschreckenden Zahlen, aber auch aktuelle Studien belegten, dass rechtsradikale, rassistische Gewalt und die dazu gehörende menschenverachtende Gesinnung zur Realität in Deutschland gehörten. Die von dieser Gewalt und Gesinnung betroffenen Opfer aber benötigten Hilfe und Unterstützung aus Politik, Staat und Zivilgesellschaft.

Dazu erinnert Bekir Alboga, Vorstandsprecher und stellv. Generalsekretär des DITIB-Bundesvorstandes: „Genau in diesen Tagen blicken wir auch auf die vor 20 Jahren verübten Anschläge von Solingen, Mölln, Rostock und Hoyerswerda zurück und gedenken der Opfer und ihrer Angehörigen“.

Die aktuellen menschenverachtenden Taten seien vor dem Hintergrund eines politischen und sozialen Gesamtkontexts entstanden, in dem sich zwar vielleicht Begrifflichkeiten und Etiketten über die Jahrzehnte hinweg verändert haben mögen - „die Schublade aber, in die Menschen durch diese xenophoben und rassistischen Haltungen gesteckt werden, bleiben immer dieselben“, so Alboga. „Terminologische Haarspaltereien bringen unsere Gesellschaft aber nicht weiter“, stellt der DITIB-Vorstandssprecher in seiner Stellungnahme heraus. Wenn von Islamfeindlichkeit gesprochen werde, dann klinge dies für manche Menschen scheinbar tolerabel, - dies sei es aber nicht. Alboga: „Sie trifft mit ihrer Muslim-Feindlichkeit die Moscheen – die Gotteshäuser. - trifft Gemeinden.und die Mneschen, die dort iihre Religion ausüben wollen. Und dass diese Menschen meist auch Migranten sind, ist eben kein Zufall“.

Um Mechanismen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Stigmatisierung aufzubrechen, ruft Alboga dazu auf, diese bewusst zu machen, sie zu benennen und die Täter zu belangen. „Mehr denn je brauchen wir neben diesem Bewusstsein eine starke Haltung gegen Xenophobie und Rassismus aus Politik, Staat und Zivilgesellschaft. Dies vermissen wir aber leider noch viel zu oft.“.

Zusammenfassend mahnt Alnoga Politik und Gesellschaft, religiöse und kulturelle Grenzziehungen zu meiden, um so ein gesellschaftliches Klima zu ermöglichen, in dem sich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und Religion frei entfalten können. „Dazu gehört auch, dass sich Politik, Religion und Zivilgesellschaft schützend vor angefeindete Gotteshäuser und Gläubige stellen“ so der Appell des DITIB-Vorstandssorechers.

Zivilcourage sei ein Auftrag an das Individuum und die ganzeGesellschaft gleichermaßen. Gemeinsam müssten rassistische und xenophobe Serientäter in die Schranken gewiesen werden - gemeinsam müsse menschenverachtender Geisteshaltung der Nährboden entzogen werden, um braune Sümpfe und xenophobe Sickergruben trocken zu legen. Foto: Bekir Alboga

23.05.2013


Neuer Imam im Rathaus begrüßt

Fatih Sahan von der Koordinierungsstelle des DITIB LANDESVERBAND BADEN-WÜRTTEMBERG,  REGIONALVERBAND KARLSRUHE e.V., Imam Cumaali Deniz, Bürgermeister Werner Zimmermann und Ali Keles, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Vereins Hockenheim. Fatih Sahan von der Koordinierungsstelle des DITIB LANDESVERBAND BADEN-WÜRTTEMBERG, REGIONALVERBAND KARLSRUHE e.V., Imam Cumaali Deniz, Bürgermeister Werner Zimmermann und Ali Keles, Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Vereins Hockenheim.

Einen handgefertigten, bronzefarbenen Teller aus seiner Heimatstadt Gaziantep überreichte der neue Imam des Türkisch-Islamischen Vereins Hockenheim, Cumaali Deniz, an Bürgermeister Werner Zimmermann bei seinem Antrittsbesuch im Rathaus. „Hockenheim 2012 – Mit freundlichen Grüßen an die Stadt Hockenheim“, so die Widmung, die auf dem Unikat von einem heimischen Künstler aufgebracht wurde.

„Weltoffenheit und Toleranz sind eine Selbstverständlichkeit in einer so bekannten Rennstadt wie Hockenheim. Wir freuen uns auf den Dialog mit dem neuen Imam“, so Bürgermeister Zimmermann bei der Begrüßung. Seit rund drei Monaten lebt Imam Cumaali Deniz in Hockenheim, geplant ist, dass er die kommenden fünf Jahre hier beim Türkisch-Islamischen Verein tätig ist. „Ich wurde freundlich in Hockenheim aufgenommen und freue mich auf meine kommenden Aufgaben“, so Imam Cumaali Deniz. Stadt Hockenheim, Presse

18.12.2012


Aschura 2012 – Muslime gedenken gleich mehrerer denkwürdiger Ereignisse ihrer Religionsgeschichte

cr. Speyer. Einen hohen und wichtigen religiösen Feiertag können am heutigen 24. November 2012 muslimische Menschen in der gesamten islamischen Welt begehen. Den Mitgliedern der Islamisch-türkischen Gemeinde in Speyer übermittelt der SPEYER-KURIER zu diesem Anlass beste Glück- und Segenswünsche.

Mit dem Aschura-Fest, am zehnten Tag des heiligen Monats Muharram, gedenken die Muslime neben zahlreichen anderen Ereignissen wie der Anerkennung der Reue Adams, der Errettung Ibrahims (Abrahams) vom Feuer und der Errettung des Propheten Musa – im Alten Testament und im Judentum der „Stammvater“ Moses - von der Unterdrückung durch den Pharao, insbesondere auch ihres großen Imam Husain Ali. Dieser Enkel des Propheten Mohammed unterlag im Machtkampf um die Führerschaft der Muslime dem Kalifen Yazid I und starb im Jahr 680 als Märtyrer in der Schlacht von Kerbala. Dieses Ereignis besiegelte die Trennung von Sunniten und Schiiten und steht bis heute symbolisch für den Kampf zwischen Gut und Böse.

Schließlich gilt das Gedenken auch dem Propheten Noah, der an diesem Tag nach der Sintflut mit seiner Arche auf dem Berg Cudi (Ararat) in der heutigen Türkei gestrandet sein soll.

Für diesen Tag bereiten die Muslime ein Festessen zu, um die Erlösung der Menschheit von der Sintflut zu feiern. Wie damals, als die Sippe Noahs nur noch über wenige Nahrungsmittel verfügte, wird dazu alles, wie es auch damals noch vorrätig war, zusammengetan und aus Hülsenfrüchten und Trockenobst die Aschura-Suppe zubereitet, die sich durch die Gnade Gottes so vermehrt haben soll, dass jeder davon satt wurde.

Auch heute noch wird diese Speise auch an Verwandte und Bekannte in der Nachbarschaft verteilt und damit zugleich der Dialog unter den Menschen und zwischen den Kulturen gefördert.

24.11.2012


„Bayraminiz mübarek olsun !“

„Ein frohes und gesegnetes Fest“ - so grüßen sich heute, am islamischen Neujahrstag, türkisch sprechende Muslime in aller Welt und so ruft auch der SPEYER-KURIER seinen türkisch-islamischen Leserinnen und Lesern zum Beginn des Jahres 1434 n.H., - nach dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka - zu.

An diesem Tag im Jahre 622 n. Chr. ist der Stifter des Islam mit seinen Anhängern nach Medina gewandert, um seinen Glauben dorthin weiterzutragen. Dieses Ereignis wurde zum Beginn des ersten muslimischen Jahres erklärt und ist somit auch ausschlaggebend für die islamische Zeitrechnung.

Für die Muslime ist deshalb das Neujahrsfest, das traditionell über zwei Tage hinweg begangen wird, kein Feiertag mit Böllern und lautem Feuerwerk, sondern ein Gedenktag, der schon mit Sonnenuntergang am Vorabend mit großen, traditionellen Musikinstrumenten begrüßt wird.

Das Festessen zu diesem Tag, das die Hoffnung auf ein gutes Neues Jahr darstellen soll, besteht aus sieben Teilen mit symbolischer Bedeutung. Die ursprünglichen sieben Symbole sind: Mehlbeeren, Süßgebäck, eine Münze, grüne Weizentriebe, ein Apfel, Essig und Knoblauch.

Ihre Bedeutungen sind Glück, Gesundheit, Wohlergehen und Fruchtbarkeit. In der islamischen Zeit kamen noch gefärbte Eier, Gewürz, Weihrauch und ein Koran mit auf den Tisch.

15.11.2012


„kurban bayraminiz kutlu olsun“

So entbieten heute, am 10. Tag des islamischen Monats Dhu l-hiddscha - in diesem Jahr am 26. Oktober - türkisch-islamische Muslime - wie in aller Welt so auch in Speyer - ihren Glaubensgenossen Glückwünsche zum höchsten islamischen Festtag – dem Opferfest - und so grüßt der SPEYER-KURIER alle Mitbürgerinnen und Mitbürger islamischen Glaubens in Speyer, in der Region und überall dort in der Welt, wo man diese Glückwünsche liest.

An Kurban Bayrami gedenken die Muslime ihres Propheten und Urvaters Ibrahim (Abraham), der die göttliche Probe bestanden hatte und bereit war, seinen Sohn Ismael (Isaak) Allah (Gott) zu opfern. Als Allah Ismaels Bereitschaft und sein Gottvertrauen erkannte, gebot er ihm Einhalt. Ibrahim und Ismail opferten daraufhin voll Dankbarkeit im Kreis von Freunden und Bedürftigen einen Widder.

Eine Überlieferung, in der sich Anhänger aller monotheistischen Religionen – Juden, Christen und Muslime – gleichermaßen wiederfinden.

Bis heute bringen Muslime deshalb an diesem Tag – dem Beginn des viertägigen Opferfestes - in Erinnerung an dieses Ereignis und als Symbol ihrer eigenen Hingabe an Gott Tiere zum Opfer dar. Der Festtag wird damit begonnen, dass die Muslime sich am Morgen zum Festgebet in der Moschee versammeln und dann gemeinsam ihr Gebet verrichten. Anschließend wird ein Tier geopfert. Das Besuchen der Verwandten gehört ebenso zu diesem Feiertag, wie auch das Zubereiten eines Festmahles aus dem Opfertier.

Als Opfertiere sind nur gesunde Paarhufer wie Schafe, Kühe oder Ziegen zulässig. Das Fleisch des Opfertieres wird in der Regel geteilt, indem man einen Teil für sich behält und den Rest an Bedürftige verschenkt. Das Opferfest mit der Opferung eines Tieres ist auch der Abschluss der Pilgerfahrt nach Mekka. Diese Pilgerfahrt - arabisch: Haddsch - ist eine Pflicht für jeden Muslim, der dazu finanziell und körperlich in der Lage ist. Foto: express.de; Jens Helmstedt

26.10.2012


Über 400 Muslime feiern zum Ende des Fastenmonats Ramadan das erste Bayram-Fest in der neuen Speyerer “Fatih Camii - Moschee”

Bewährungsprobe glanzvoll bestanden

von Gerhard Cantzler

Heute früh, kurz vor 7.00 Uhr: Im Osten ist die Sonne schon mannshoch über den Horizont aufgestiegen, als Bilal Gündiz, der Imam der Speyerer Türkisch-Islamischen DITIB-Gemeinde in der neuen “Fatih Camii - Moschee” seine Stimme zum Gebet erhebt: Es ist ein großer Tag heute, der erste Tag des Ramadan-Festes, mit dem die 30tägige Fastenzeit der Muslime in aller Welt beendet wird. Gut 400 Gläubige sind schon zu dieser früher Stunde in die neue Moschee in der Brunckstraße geströmt - aus Speyer kommen sie und aus dem gesamten Umland - Türken zumeist, aber auch Araber aus den Ländern der südlichen Mittelmeerküste. “Auch davon gibt es in Speyer eine ganze Reihe”, erläutert Selahattin Yildirim, Vorstand der Speyerer DITIB-Gemeinde, der darauf verweist, dass jeder Muslim an den Feiern der Gemeinde teilnehmen könne und auch Nichtmuslime - nach vorheriger Anmeldung - jederzeit willkommen seien.

Imam Bilal Gündiz spricht die traditionellen Gebete zum Bayram-Fest, wie diese drei hohen Festtage zum Ende des Ramadan im Türkischen genannt werden - die Männer im großen Betsaal und im Versammlungsraum im Tiefegeschoss verbeugen sich, berühren ihre Gesichter mit den Händen, werfen sich demütig zu Boden - eindrucksvolle, berührende Bilder, die etwas erahnen lassen von der tiefen Verbundenheit dieser Menschen mit dem einen Gott, der Muslime, Juden und Christen geschwisterlich verbindet.

Der Imam hat inzwischen seinen zentralen Platz in der Mitte der Ostwand der neuen Moschee verlassen und ist hinüber gegangen zur Kanzel in der südwestlichen Ecke des Betsaales. Dort steigt er die Stufen zu seinem Platz hinauf, von dem herab er der Gemeinde seine Botschaft zu diesem großen Feiertag verkündet. Er spricht über Sinn und Inhalt dieses Festtages, mahnt die Gläubigen zur Freigebigkeit gegenüber den Bedürftigen. Voller Stolz und Dankbarkeit erinnert er daran, dass die Speyerer Gemeinde heute zum ersten Male diesen Gottesdienst - einen der beiden wichtigsten im muslimischen Jahreskreis - in der neuen Moschee feiern könne, einem Sakralbau, der von den Männern der Gemeinde mit eigenen Händen erbaut worden sei.

Weitere Gebete schließen sich an, nachdem die Männer in minutenlanger Andacht und Stille das eben Gehörte in sich einwirken lassen. Man gedenkt - fern der Gräber, die Türken noch immer zumeist in ihrer alten Heimat finden - der Verstorbenen.

“Ich habe für meinen Vater gebetet, der hier in Speyer gestorben und in der Türkei begraben ist”, berichtet Selahattin Yildirimwehmütig. Und er denkt darüber nach, ob es längerfristig vielleicht nicht besser wäre, wenn die vielen türkischen Menschen, die inzwischen zum Teil schon in der dritten und vierten Generation in Deutschland leben, schließlich auch ihre letzte Ruhe in der “neuen Heimat” fänden. “Dann wären wir Ihnen nahe und könnten an diesem für uns so wichtigen Tag unsere Gebete an ihren Gräbern sprechen...”

Mit Segenssprüchen und dem Schlussgebet entlässt Imam Bilal Gündiz die Männer, die sich nun gegenseitig zu diesem Tag beglückwünschen - da ein Handschlag, dort eine brüderliche Umarmung, hier ein Handkuss - als Zeichen der Ehrfurcht gegenüber einem Älteren. Langsam drängen sich die Gläubigen ins Freie, ziehen ihre Schuhe wieder an, die sie vor dem Betreten des Betsaales abgelegt hatten.

“Zuckerfest” heißt dieser Tag auch - am Ausgang der Moschee sind beziehungsreich Platten voll süßer Köstlichkeiten aufgebaut, von denen sich Kinder und Erwachsene bedienen. Man hat die Fastenzeit gut überstanden - hat seine Sünden gebüßt -nun darf auch wieder geschlemmt werden. Das wollen die kleinen Würfel aus türkischem Honig und das mannigfache Gebäck signalisieren.

Dann kehren die Männer nach Hause zurück, um dort im Kreise ihrer Familien und mit Freunden sowie mit Bedürftigen den Tag am reich gedeckten Tisch zu feiern.

Der erste Gottesdienst zu einem Bayram-Fest in der neuen “Fatih Camii - Moschee” ist vorüber - die neue Moschee hat ihre Bewährungsprobe mit Bravour bestanden. Foto: gc

19.08.2012


Gemeinsame Gebete und gegenseitige Glückwünsche zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan

Speyerer Gemeinde feiert erstmals ihr Fest zum Fastenbrechen in der neuen “Fatih Camii - Moschee”

von Gerhard Cantzler

"Bayraminiz mübarek olsun" - so ruft der SPEYER-KURIER heute allen türkischen Mitbürgern in der Stadt und in der Region zu und wünscht ihnen allen mit diesem Gruß gesegnete Feiertage. Denn mit dem heutigen Tag endet für die Muslime die 30tägige Fastenzeit, deren Abschluss mit dem dreitägigen “Fest des Fastenbrechens” - einem der beiden höchsten Feste im Islam - gefeiert wird - von der Islamisch-türkischen Gemeinde in Speyer erstmals in der neuen “Fatih Camii - Moschee” in der Brunckstraße. Zwar ist diese neue Moschee noch nicht offiziell in Dienst gestellt, dennoch aber haben sich hier in den letzten Tagen so viele Gläubige in dem großen Gebetssaal versammelt, dass man dafür auch noch den geräumigen Versammlungsraum im Tiefgeschoss des Gotteshauses für das Gebet herrichten mußte.

Am ersten Morgen dieses Festes - im Türkischen auch als Zuckerfest (Şeker Bayramı) bezeichnet - versammeln sich die Männer in der Moschee, um dort das gemeinsame und besondere Gebet dieses Festtages zu zelebrieren, das aus zwei “rakʿāt” besteht und die Besonderheit hat, dass die Ansprache des Imam erst nach dem Gebet erfolgt, und nicht wie beim Freitagsgebet schon zuvor. Das Festgebet ist sowohl für Männer als auch für Frauen optional - die Speyerer islamisch-türkishe Gemeinde hat sich dazu heute schon am frühen Morgen in der Moschee versammelt.

Im Anschluss an das Gebet beglückwünschen sich alle Anwesenden gegenseitig dazu, dass sie die Anforderungen der Fastenzeit so gut und getreu den Vorschriften des Koran bestanden haben.

In der türkischen Heimat schließt sich an den Besuch der Moschee meist ein Besuch des Friedhofs an, um der verstorbenen Verwandten und Bekannten zu gedenken und für sie Koranverse zu lesen und Bittgebete zu sprechen - hierbei insbesondere die Koransure Al-Fatiha, der im Islam ein ähnlicher Stellenwert zukommt wie dem Kaddisch, dem Totengebet im Judentum.

Der restliche Tag wird genutzt, um Verwandte und Bekannte zu besuchen. Dabei werden meist süße Gerichte gereicht und eine Menge Süßigkeiten verteilt und gegessen. Man macht sich gegenseitig und oftmals auch den Bedürftigen Geschenke. Dies ist ein sehr wichtiger Aspekt des Islam und wird als “sehr ehrenwerte Tat” bezeichnet. Männer wie Frauen ziehen sich an diesem Tag besonders festliche Kleidung an, das Haus wird für diesen Festtag festtagsmäßig aufgeräumt und gesäubert.

Dass der Beginn des Zuckerfestes in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, empfinden die Muslime als einen besonderen Glücksfall, können dadurch doch besonders viele von ihnen an den umfangreichen Festlichkeiten teilnehmen. Foto: gc

19.08.2012


Neuanfang und Chance für den Menschen

Im Ramadan kann der Mensch wieder Gottes Nähe finden und durch Fasten seine Barmherzigkeit erlangen

Zum Beginn des Monats Ramadan 2012 am 20. Juli

roi.Speyer. “Ramazan Bayramin mübarek olsun” - mit diesen Worten grüßen heute türkische Muslime rund um den Erdball ihre Familien und Freunde - und mit diesen Worten grüßt der SPEYER-KURIER heute alle Menschen muslimischen Glaubens in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft. Denn mit der Morgendämmerung am heutigen 20. Juli - in Speyer um genau 04:08 Uhr - beginnt für die mehr als eine Milliarde Muslime weltweit wieder der islamische Fastenmonat - nach dem Opferfest der höchste islamische Feiertag überhaupt. “Möge Allah unser Fasten annehmen und unsere Sünden auslöschen”, wünscht man sich deshalb auch in der türkisch-islamischen Gemeinde in Speyer, in der man derzeit mit großer Spannung und Vorfreude der endgültigen Fertigstellung und feierlichen Einweihung der “Fatih Camii - Moschee” in der Brunckstraße entgegenfiebert.

Der Ramadan - deutsch “Sommerhitze“ - ist der neunte Monat im Mondkalender und wird von den Muslimen in aller Welt alljährlich mit großer Freude erwartet, wird er doch als ein Neuanfang betrachtet, der dem Menschen immer aufs Neue die Möglichkeit bietet, an Leib und Seele zu genesen und die Nähe zu Gott wieder zu finden.

Historisch gründet der Ramadan auf einer Offenbarung des Propheten Muhammed eineinhalb Jahre nach dem Auszug der muslimischen Gemeinde nach Medina, in der er sagte: “O ihr Gläubigen! Das Fasten ist euch vorgeschrieben worden - so wie es denjenigen vor euch (schon) vorgeschrieben wurde” (KORAN: Sure 2, Vers 183-184). Somit gilt das Fasten als der dritten von fünf Säulen des Islam als fester Bestandteil des Lebens der Muslime. Des weiteren wird in dem Vers darauf Bezug genommen, dass das Fasten bereits im Alten und Neuen Testament als eine Form des Gottesdienstes und der Buße vor Gott Erwähnung fand. Der Ablauf und die Regeln des islamischen Fastens wurden im Koran und durch die Praxis des Propheten bestimmt. Der Monat Ramadan, in dem in der “laylat-al-kadr” - der “Nacht der Bestimmung” - die erste Offenbarung des Koran stattgefunden hatte, wurde im Koran als der vorgeschriebene Zeitraum zum Fasten festgelegt. Seitdem fasten alle Muslime weltweit so, wie es Muhammed, seine Familie und seine Gefährten vor gut 1.400 Jahren schon taten.

Wann und wie wird gefastet?

Mit dem heutigen 20. Juli, dem Beginn des Ramadan - im türkischen auch “Zuckerfest” genannt - bricht die alljährliche Fastenzeit an. Da der Ramadan ein Monat des Mondkalenders ist, dessen Jahr nur 354 Tage dauert, durchläuft er im Laufe von ca. 33 Jahren alle Jahreszeiten. Das heißt, dass der Muslim es lernt, die Entbehrungen des Fastens während drückender Hitze ebenso zu ertragen wie bei strenger Kälte. Das Fasten ist jedem Muslim und jeder Muslima ab der Pubertät vorgeschrieben. Entbunden von der Pflicht zu fasten sind Kinder, Altersschwache, Kranke, Reisende und Frauen während der Menstruation, der Schwangerschaft und nach der Entbindung. Vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang sind Essen, Trinken, das Einatmen von aromatischem Rauch, die Zufuhr von jeglichen Stoffen sowie geschlechtlicher Kontakt untersagt. Wenn am Morgen die Absicht zu fasten gefasst wurde, dieses aber vorzeitig gebrochen wird, gilt der betreffende Tag nicht als Fastentag und erfordert je nach Situation einen Akt des Ausgleich. Eine Reihe erleichternder Regelungen sollen dem Fastenden in verschiedenen Lebenssituationen entgegenkommen und diesen Ausgleichsakt minimieren. Denn überhaupt bietet der Islam genügend Freiräume, die sich in schwierigen Situationen nutzen lassen. Im Koran heißt es dazu, “dass Gott es den Menschen leicht machen will und von niemandem mehr verlangt, als er zu leisten vermag”. So gibt es Regelungen, die einen vorzeitigen Abbruch von Fastentagen erlauben und vor allem für Menschen gelten, die vom Fasten völlig erschöpft sind.

Erfolglos verlaufene Fastentage sollen aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt werden. Wenn die Umstände das verbieten, so ist eine Armenspeisung vorgeschrieben. Laut Koran ist es aber am erstrebenswertesten ,zu fasten und gleichzeitig armen Menschen Speise zu geben.

Der Ablauf eines Tages im Fastenmonat Ramadan

Eine vom Propheten vorgegebene unverbindliche Praxis ist es, zu einem Frühmahl aufzustehen, um sich für den anstehenden Fastentag ausreichend zu stärken. Gegebenenfalls wartet man auf die Morgendämmerung, um noch vor Aufgang der Sonne das rituelle Morgengebet zu verrichten. Der Fastende ist dazu angehalten, seinen üblichen Tagesablauf beizubehalten. Das Auftreten von Hunger und Durst während des Tages ist nicht etwa ein unerwünschter Nebeneffekt, sondern gerade der zentrale Bestandteil des Fastens. Denn nur so entfaltet das Fasten seine Wirkung auf Geist und Charakter des fastenden Menschen.

Wenn der Sonnenuntergang naht, ist es nach den Worten des Propheten das gute Recht eines jeden Muslims, sich auf das Fastenbrechen zu freuen. Um den schönen Moment des Fastenbrechens in der Gemeinschaft zu erleben, versucht man entweder mit der Familie oder mit Freunden, vor allem aber auch mit ärmeren Menschen zusammenzukommen bzw. sie mit ihrer ganzen Familie zu sich nach Hause einzuladen.

Muslime fasten also nicht einen ganzen Monat hindurch, sondern jeweils nur vom Morgengrauen bis zum Sonnenuntergang. Dabei ist ihnen nicht nur das Essen, sondern auch das Trinken untersagt. Zwischen Sonnenuntergang und Morgengrauen ist dafür alles wieder erlaubt, was während des Tages verboten ist.

Der spirituellen Aspekt des Fastens im Ramadan

Der Ramadan gilt als die Zeit der Wiederentdeckung der Barmherzigkeit Gottes und als Monat der Barmherzigkeit überhaupt, und das in zweierlei Hinsicht: Zum einen erwartet den Muslim die großzügige Vergebung vieler seiner Sünden. Zum anderen lernt er, die Gaben Gottes, sprich: Seine Barmherzigkeit, angemessen zu würdigen. Für den gläubigen Menschen stellt die Welt eine Abglanz der Barmherzigkeit Gottes dar. Unter Barmherzigkeit in diesem Sinne versteht man die Eigenschaft Gottes, die die Welt zu einer nie versiegenden Quelle an Gaben und Geschenken macht.

Jeder Atemzug des Menschen, jede Neubelebung der Erde im Frühling, jedes belebte und unbelebte Element in der Welt, das seine Rolle in diesem, dem Menschen gewidmeten kosmischen Theater spielt - in all diesem spiegelt sich für den Muslim die allumfassende Barmherzigkeit Gottes wider. So heißt es im Koran, dass Gottes Barmherzigkeit jedes Ding umschließt.

Denn wer alles hat, was er braucht, der beginnt schnell, Ansprüche zu stellen. Plötzlich wird der Mensch wählerisch und legt die Messlatte für die Befriedigung seiner Bedürfnisse Tag für Tag ein Stück höher. Der Fastenritus verfolgt hier nun das Ziel, dem Fastenden wieder klar zu machen, welch existenzielle Bedeutung Essen und Trinken für ihn haben. Denn vor dem Hintergrund des Hungers schmecken auch die unbeliebtesten Speisen wie Festmahle - ein Glas Orangensaft z.B. lässt förmlich die Sonne aufgehen.

Die Nahrung erfährt in den Augen des Menschen eine Aufwertung, von der er noch ein ganzes Jahr zehren kann - kurz: Der Muslim empfindet das Fastenbrechen am Abend als eine großzügige Einladung seines Schöpfers. Er erkennt, wie großartig die Dinge sind, die ihm auf der Welt zur Verfügung stehen, und wie wohltuend es ist, die sich in der Natur manifestierende Barmherzigkeit zu spüren - eine Barmherzigkeit, von der alle Geschöpfe Gottes profitieren.

Je hungriger der Mensch am Abend ist, umso größer ist seine Dankbarkeit gegenüber dem, der unser Dasein und unsere Versorgung ermöglicht hat und der uns die Gelegenheit bietet, durch unsere bewusste Wahrnehmung Zeuge unserer Emotionen und unserer Nahrungsaufnahme zu werden.

Ramadan - Erziehung zur Bescheidenheit.

Eine weitere, mit der Barmherzigkeit Gottes in Zusammenhang stehende Tugend, die im Islam groß geschrieben wird, ist die Bescheidenheit. Eigenschaften wie Arroganz und Überheblichkeit gelten als Irrwege des Egos, das seine Unabhängigkeit von der Welt und letztendlich von Gott zu behaupten versucht. Der Weg des Muslims zu Gott führt jedoch über die Anerkennung der Größe Gottes und der Abhängigkeit des Menschen von Seiner Güte und Macht.

Das Fasten hilft dem Menschen dabei, sich seiner Stellung vor Gott bewusst zu werden. Die Bescheidenheit gegenüber dem Schöpfer und seinen Geschöpfen dient uns nicht nur dazu, zu uns selbst zu finden, sondern auch, um unsere Erwartungen herunterzuschrauben und stets mit dem glücklich und zufrieden zu sein, was uns vergönnt ist.

So ist der Fastenmonat Ramadan auch eine Zeit, in der die Geduld und die Demut gegenüber Gott ganz besonders auf die Probe gestellt werden. Jeder Fastende sollte versuchen, in sich einen Zustand der Gelassenheit und der Ausgeglichenheit zu erreichen. Vom Propheten wird überliefert, dass der als unangenehm empfundene Geruch des Hungers vor Gott wertvoller ist, als so manch angenehmes Aroma.

Das Fasten, das nur zu Gottes Wohlgefallen durchgeführt wird, gilt als eine besondere Form des Gottesdienstes, dessen Lohn einzig und allein von Gott bemessen werden kann. So ist das geduldige Warten in den letzten Minuten vor dem Fastenbrechen ein besonders verdienstvoller Dienst an Gott. Man nimmt ja schließlich nicht an einer Hungerkur teil, sondern fastet, um sich einmal mehr seiner selbst als Diener Gottes bewusst zu werden!

Der Ramadan will die Aufmerksamkeit auf Armut und Not lenken

Das Fasten öffnet dadurch die Türen zu einer sozialeren und rücksichtsvolleren Gemeinschaft. Der Mensch erhält die Möglichkeit, in den tiefen Abgrund des Hungers und der Bedürftigkeit zu blicken. Wohlhabenden wird deutlich, dass ihr Wohlbefinden keine Selbstverständlichkeit ist. Der Islam, der sich z.B. mit der Armensteuer ohnehin gegen die Spaltung der Gesellschaft wandte, lässt die Reichen in der Fastenzeit einen Einblick in die Probleme der Armen nehmen. Wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Menschen verlieren an Bedeutung. Dadurch, dass Menschen, die es sich leisten können, dazu angehalten sind, das Fastenbrechen mit den Armen durchzuführen, wird außerdem die Gemeinschaft auch praktisch gefördert.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Armensteuer gerade im Ramadan zu zahlen ist.

Ramadan - Zeit der Freundschaft

Im Ramadan wird besonders viel Wert auf das Zusammenwachsen der Gemeinschaft gelegt. Die verpflichtende Armensteuer, die ebenfalls zu den fünf Säulen des Islam gehört, wird fällig, und daneben wird auch viel freiwillig gespendet. Der Muslim soll sich in diesem Monat besonders davor hüten, zu streiten oder Zwietracht zu säen. Man lädt sich gegenseitig zum Fastenbrechen ein, und man freut sich auf das Ramadanfest, bei dem die Menschen endgültig wieder zueinander finden sollen.

Das große Finale des Ramadan - das Ramadanfest

Als Finale und Höhepunkt des Ramadan feiern die Muslime das Ramadanfest, das sich an den letzten Fastentag anschließt. Dieses Fest ist einerseits ein Ausdruck der Freude, den Ramadan erlebt zu haben, und andererseits ein Höhepunkt der gemeinschaftlichen Verbundenheit. Im Türkischen bezeichnet man Festtage als 'Bayram'. Das Ramadanfest ist neben dem Opferfest eines der beiden Hauptfeste der Muslime.

Nach dem Festtagsgebet am Morgen des ersten Tages beginnt eine Zeit der Warmherzigkeit, in der sich alle Familienmitglieder und Freunde gratulieren, sich gegenseitig besuchen und sich jeder zum Ziel setzt, aus Feinden und Zerstrittenen Freunde zu machen. Nach dem Ramadan sollen alle Unstimmigkeiten ausgeräumt und Frieden und Freundschaft eingekehrt sein. Kinder genießen bei diesem Fest die ganz besondere Aufmerksamkeit der Erwachsenen.

Übrigens: Auch alle Nichtmuslime sind eingeladen, sich auch während des Ramadan ein eigenes Bild und einen Eindruck vom Ablauf der Zusammenkünfte der Muslime zu machen. So können sie nach Absprache mit den Verantwortlichen der jeweiligen Moschee bei den allabendlichen Gebeten anwesend sein - Muslime freuen sich auch, wenn sie Interessierte und Nachbarn zum Fastenbrechen begrüßen können. Foto: gc

20.07.2012


Türken und Islam auch in der Metropolregion längst angekommen

Mannheimer Maimarkt präsentiert Sonderausstellung zum 50. Jahrestag des Deutsch-Türkischen Anwerbeabkommens

cr/mm. Mannheim. Am 2. November letzten Jahres jährte sich zum 50. Male der Abschluss des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens von 1961, in dessen Folge zahlreiche Menschen aus der Türkei nach Deutschland einwanderten. Viele von ihnen leben seitdem mit ihren Familien - z.T. schon in der 3. Generation und bis heute in dem Land, in dem sie damals eigentlich nur für eine befristete Zeit als “Gastarbeiter” bleiben wollten und das ihnen inzwischen zur zweiten Heimat geworden ist..

Mit einem hochrangig besetzten Festakt - neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Ludwigshafener Bundestagsabgeordneten und für Integration und Zuwanderung zuständigen Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Prof. Dr. Maria Böhmer, war auch der türkische Premierminister Recep Tayip Erdogan nach Berlin gekommen - wurde im vergangenen Jahr an dieses Ereignis erinnert. Bereits im Vorfeld zu diesem denkwürdigen Tag hatte der damalige Bundespräsident Christian Wulff den Zuwanderern attestiert, dass sie und mit ihnen der Islam längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen seien.

Wie alles begann - in der Bundesrepublik und in der Metropolregion

Deutschland wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieg - Die Wirtschaft erholt sich in den 1950er Jahren unerwartet schnell. Um den Mangel an Arbeitskräften auszugleichen, wirbt die Bundesrepublik ausländische Arbeitskräfte an und schließt in den Folgejahren mehrere Verträge – 1955 mit Italien, 1960 mit Griechenland und Spanien, 1961 mit der Türkei; weitere Vereinbarungen folgen 1963 mit Marokko, 1964 mit Portugal, 1965 mit Tunesien und 1968 mit Jugoslawien.

Heute leben in Deutschland rund drei Millionen Menschen, die ihre Wurzeln in der Türkei haben; etwa die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsangehörigkeit. Die Metropolregion Rhein-Neckar ist weithin anerkannt als eine internationale, offene Region, geprägt von kultureller und religiöser Vielfalt und Toleranz. Auch hier ist die türkische Bevölkerung ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft, die türkischen Unternehmen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor . Selbstständige Kaufleute, Handwerker und Akademiker mit türkischen Wurzeln betreiben heute etwa 1400 Unternehmen in der Metropolregion Rhein-Neckar mit einer Vielzahl von Mitarbeitern

Türkische Vielfalt auf dem Mannheimer Maimarkt

Auf dem Mannheimer Maimarkt können Besucher vom 28. April bis zum 8. Mai täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr türkische Kultur, Kaufleute und Kulinarisches zwischen Tradition und Moderne kennenlernen, einen Hauch von geheimnisvollem Orient entdecken, die Schönheit von Landschaften und antiken Stätten auf sich wirken lassen und ein Stück deutsch-türkischer Wirtschaftsgeschichte nachempfinden.

Aussteller mit türkischen Wurzeln sind in den jeweiligen Maimarkt-Fachschauen zu finden. Das Spektrum der Waren und Dienstleistungen reicht von Computertechnik und Telekommunikation über türkische und mediterrane Spezialitäten, Modekreationen, Modernen Haushalt, Finanzdienstleistungen, Gebäudemanagement, Eventmanagement, Kindermode und Spielzeug bis zu Reisegepäck und Schmuck.

Bei den türkischen Spezialitäten haben Besucher z.B. die Wahl zwischen Klassisch und Vegetarisch – so gibt es Yprak Sarma (gefüllte Weinblätter), Börek (Teigblätter gefüllt mit Spinat, Käse, Gemüsemischungen, gehacktem Kalb- oder Lammfleisch), Cig Köfte (gewürzte Getreidebällchen), Icli Köfte (Frikadellen mit Griesmantel), Salate mit verschiedenen Dressings, Baklava (dünn ausgewalzter Teig mit Pistazien und süßer Füllung), Trockenfrüchte und Nüsse, einen Energiedrink namens „Fire of Istanbul“, das Joghurt-Erfrischungsgetränk Ayran, Türkischen Kaffee und Schwarztee.

Tanzende Derwische, Marmorpapier und Flötenspiel

Auf dem Maimarkt erinnert zudem eine Sonderschau in Halle 25 an den Jahrestag des Anwerbeabkommens. Das FABIZ Familien- und Bildungszentrum in Mannheim präsentiert eine Bilderausstellung der Türkischen Rundfunk- und Fernsehanstalt TRT sowie einen Dokumentarfilm. Der 10-minütige Film wird täglich ab 11 Uhr zu jeder vollen Stunde gezeigt. Eine Bilderausstellung der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi zeigt in großformatigen Motiven typische Regionen der Türkei.

Eine kleine Buchmesse mit rund 15 Verlagen und 10.000 Büchern präsentiert türkische und deutsche Literatur zu den Themen Familie, Kinder und Jugend sowie Bestseller türkischer Verlage. Namhafte Autoren sind vor Ort und laden zu Lesungen ein. Die künstlerischen Darbietungen umfassen z.B. Ney-Flötenspiele, Tanzende Derwische, Marmor-Papier (Ebru) sowie Kalligraphie.

Semazen Derwisch-Tanz: Die Mitglieder einer asketisch-religiösen Ordensgemeinschaft gelten als Quelle der Klugheit, der Heilkunst, der Poesie und der Weisheit. Bekannt ist u.a. der ekstatische Trancetanz der Drehenden Derwische. Heute treten bei Veranstaltungen meist professionelle Tänzer auf.
Ney-Flötenspiel: Die Ney ist eine Längsflöte aus einem offenen Pfahlrohr und wird in der türkischen, persischen und arabischen Musik gespielt.
Türkische / arabische Kalligraphie: Aufgrund des Verbots persönlicher Bilder im Islam hat sich die arabische Kalligrafie aus der arabischen Schrift zu einer traditionellen bildenden Kunst in der islamischen Welt entwickelt.
Ebru / Marmorpapier: Handverzierte Papierbögen, die man zum Teil noch heute als Überzugsmaterial für handgebundene Bücher oder Geschenkpapier verwendet. Foto: MAG - Mannheimer Ausstellungs-GmbH

13.04.2012


“Fatih Camii - Moschee” vor der Fertigstellung

Ort zum Beten und Feiern für alle Religionen und Kulturen in der Stadt

Islamische Gemeinde will auch türkische Sprachkurse für Deutsche anbieten

Eine Reportage von Gerhard Cantzler

Ein neues geistliches und kulturelles Zentrum geht derzeit in Speyer seiner Vollendung entgegen. In der Brunckstraße 16 im Industriegebiet Speyer-West arbeiten derzeit Mitglieder und Freunde der türkisch-islamischen Fatih Camii - Gemeinde mit Hochdruck an der Fertigstellung ihrer neuen Moschee. Aus der gesamten Region der Vorderpfalz und aus Baden kommen derzeit Muslime auf der Baustelle zusammen und bringen hier ihre ganz unterschiedlichen handwerklichen Fertigkeiten ein. Selahattin Yildirim, Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde Speyer, verbringt derzeit jede freie Stunde in dem neuen Gebäude, um die Baumaßnahme zu koordinieren und am Laufen zu halten. Da wird gebohrt, gesägt, gefliest und gehämmert, dass man oft sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Bei unserem Besuch auf der Baustelle waren gut zwanzig Freiwillige im Einsatz für die gute Sache. “Auch viele Nicht-Muslime kommen, um uns zu helfen”, freut sich Yildirim, der uns stolz durch das neue Gebäude führt. Bis Ende Mai, so hofft er, wird der Bau fertiggestellt sein - so Gott will. Der harte Winter jedenfalls hat den Bau um einige Wochen zurückgeworfen, weil die überall im Haus verlegte Fußbodenheizung einen kapitalen Frostschaden erlitt.

Im Mai letzten Jahres, so berichtet Yldirim, hätten sie auf dem etwa 3.000 qm großen Areal - 1.000 qm davon sind derzeit an einen Nutzfahrzeughändler vermietet (“Wir brauchen auch Einnahmen, um unsere Moschee zu finanzieren”) - mit der Arbeit an dem ehemaligen Werkstattgebäude begonnen - hätten umgebaut, angebaut, vorhandene Räume zusammen gelegt - kurz: Aus einer ehemaligen Werkstatt eine voll funktionsfähige Moschee entwickelt.

Gut 500 qm Nutzfläche weist das neue Gotteshaus auf, Herz und Zentrum ist der 150 qm große Gebetssaal für die Männer mit der typischen Gebetsnische an der Längsseite des Raumes, aus der der Imam beim Freitagsgebet seine Predigt hält. In einem angrenzenden, separaten Gebetsraum mit gut 50 qm versammeln sich die Frauen.

Neben diesen zentralen Räumen wird es im Sousterrain einen großen Gemeindesaal mit 120 qm geben, dem eine leistungsfähige Küche angeschlossen ist, aus der 80 - 100 Personen verpflegt werden sollen. Gleichfalls im Untergeschoss befinden sich die Nassräume für die rituellen Waschungen, denen sich jeder Muslim vor dem Besuch der Moschee unterziehen muss. Die hier in Reihen an den Wänden angebrachten Waschbecken sind so niedrig aufgehängt, dass daran auch bequem die vorgeschriebenen rituellen Fußwaschungen vorgenommen werden können. Daneben der Raum mit den Nasszellen, in denen sich die gläubigen Muslime den rituell notwendigen Ganzkörperreinigungen unterziehen können. Räume, in denen die Frauen zusammenkommen können und andere, in denen Kinder Hausaufgabenbetreuung erfahren und Nachhilfeunterricht nehmen können, runden das Raumprogramm ab.

Rund 500.000 Euro wird die Fatih Camii - Gemeinde in die neue Moschee investieren - Grund und Boden inklusive, erklärt Selahattin Yildirim. Realisierbar geworden sei dieser Betrag nur durch den Verkauf des alten Gemeindehauses in der Johannesstraße - nach dem ersten Gebetssaal am St. Guido-Stifts-Platz erst der zweite Treffpunkt der Speyerer Gemeinde - und vor allem, weil bisher noch kein Euro für Arbeitskosten aufgewendet werden musste. “Alle kommen mit Freude und arbeiten freiwillig hier - alle - auch unsere nichtmuslimischen Freunde - empfinden es als Ehre und eine große Auszeichnung, beim Bau einer Moschee mithelfen zu dürfen”. So hat Yildirim in den letzten Monaten schon weit über 50 Fachleute aus den unterschiedlichsten Baufachberufen auf der Baustelle begrüßen können.

In einem geräumigen Anbau ist - über einen separaten Eingang erschlossen - die Dienstwohnung für den Imam der Speyerer Muslime untergebracht. Derzeit ist das der im türkischen Konya geborene Bilal Gündiz, der derzeit noch mit Frau und Kind in einer Speyerer Pension zur Untermiete wohnt. Wenn er in Kürze in die kurz vor der Fertigstellung stehende Wohnung einzieht, dann wird er seinen Dienst in dem bereits jetzt zum Gebet genutzten und jeweils kurzfristig zum Gebetsraum umgewandelten Saal einfacher verrichten können.

Als Imam ist Gündiz Mitarbeiter der DITIB, der Türkisch-Islamischen Union - Anstalt für Religion e.V., einem Dachverband, dem auch die Speyerer türkisch-islamische Gemeinde angehört. Sie hat ihn - wie alle seine Kollegen in den gut 900 deutschen, in der DITIB zusammengeschlossenen Gemeinden, ausbilden lassen, ist für seinen jeweils auf fünf Jahre befristeten Einsatz verantwortlich und sorgt auch für seine Bezahlung. Derzeit noch nicht selbstverständlich, will die DITIB dafür sorgen, dass alle Imame künftig mit guten deutschen Sprachkenntnissen ausgerüstet nach Deutschland kommen. “So sollen sie noch besser als Kommunikatoren mit der sie aufnehmenden Kultur qualifiziert werden”, freut sich Selahattin Yildirim, der die neue Fatih-Camii-Moschee in Speyer zu einem Treffpunkt aller Religionen und Kulturen in der Stadt machen will. “Deshalb möchten wir in unserem Haus nicht nur Sprachkurse mit Deutsch für Türken, Tunesier, Algerier, Albaner und Serben anbieten - von überall dort kommen derzeit unsere Gemeindemitglieder - sondern auch Kurse in der türkischen Sprache für unsere deutschen Freunde”, erklärt Yildirim, der sich davon überzeugt zeigt, dass ein umfassendes gegenseitige Verständnis nur über das Beherrschen der jeweils anderen Sprache gelingen wird. “Deshalb freue ich mich schon jetzt darauf, nach der Fertigstellung der neuen Moschee auch möglichst viele Nichtmuslime aus Speyer und der Region in unserem Haus begrüßen zu dürfen”.

Miteinander zu beten und zu feiern, das solle zwischen allen Kulturen und allen Menschen guten Willens möglich sein - wünscht sich der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Gemeinde. In der Speyerer Brunckstraße wird es nächstens einen Ort geben, um das gemeinsam zu leben. Foto: jüs

08.03.2012