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Fahrt mit der Karte ab 60

Speyer- Das Seniorenbüro organisiert am Mittwoch, 26. April 2017 wieder eine Fahrt mit der Karte ab 60. An diesem Tag steht eine Fahrt nach Weinheim zum Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof auf dem Programm.

Abfahrt ist 9.25 Uhr an Gleis 1 Hauptbahnhof Speyer. Die Organisation hat die ehrenamtliche Mitarbeiterin Frau Astrid Schall übernommen.

Die Karte ab 60 ist für eine Teilnahme Voraussetzung. Weitere Informationen sind im Seniorenbüro, Tel. 06232/142661 erhältlich.

Seniorenbüro der Stadt Speyer, Presse

20.04.2017


Konzert am Nachmittag

Speyer- Am Donnerstag, 27. April 2017, 15 Uhr, veranstaltet das Seniorenbüro wieder ein Konzert am Nachmittag, im Historischen Ratssaal, Maximilianstraße 12.

Das Konzert wird gestaltet von Muhittin Kemal Temal, Kanun, Serap Giritli, Gesang, Jakob Schütze, Cello und Katharina Gross, Kontrabass und trägt den Titel „Tango Ala Turka“.

Das Programm der Reihe Konzert am Nachmittag steht im ersten Halbjahr insgesamt unter dem Motto Weltmusik. Der Eintritt ist kostenfrei.

Seniorenbüro der Stadt Speyer, Presse

19.04.2017


Hilfe für Senioren bei Problemen mit dem eigenen Computer

Speyer- Das Seniorenbüro der Stadt Speyer bietet jeden Dienstag eine Computersprechstunde an.

Bei Geräte- Störungen, Fehlermeldungen, Installationen, Anwendungen oder Hochrüstungen von Programmen oder Apps stehen ihnen erfahrene Tutoren zur Seite. Wenn möglich Problemgeräte bitte mitbringen.

10:00 bis 11:30 Uhr in den Räumen des F@irnet- Cafés, Ludwigsstr. 15b

Text: Stadt Speyer, Seniorenbüro

22.09.2016


Abenteuer Kultur wagen

Kulturelle Teilhabe für Menschen mit Demenz

Speyer- Erneut war das Purrmann-Haus Besuchsort für Menschen mit Demenz. Die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz, koordiniert und moderiert über das Seniorenbüro, organisierte diese besondere Veranstaltung. Acht Betroffene und ihre Begleitpersonen aus vier Speyerer stationären Einrichtungen waren eingeladen, gemeinsam Kunstwerke des Museums zu entdecken. Aber zunächst wurden die Gäste in dem einladenden Innenhof von Frau Maria Leitmeyer, der Kustodin des Purrmann-Hauses, empfangen.

Leonard Holler (Violine) und Jannik Geiß (Gitarre) von der Musikschule der Stadt Speyer sorgten mit ihrem Spiel für eine angenehme Atmosphäre. Die beiden Schüler hatten eine Musikauswahl getroffen, die Ruhe ausstrahlte und anfänglich bestehende Ängste bei den Menschen mit Demenz, löste. Livemusik im Freien zu erleben, mit frischen Melonenstückchen und Getränken verwöhnt zu werden, waren erste positive Erfahrungen. Maria Leitmeyer erklärte kurz das Haus und berichtete auf humorvolle Weise aus dem Leben von Hans Purrmann. Das Zusammenspiel von Musik, Umgebung und dem herzlichen Zugehen auf Menschen mit Demenz sorgten dafür, dass eine sehr angenehme Atmosphäre entstehen konnte. Die ist gerade bei Menschen mit Demenz sehr wichtig.

Nach der Begrüßungsrunde im Freien wurde das Abenteuer Kultur im Purrmann-Haus fortgesetzt. Wieder spielte die Musik, die die Besucher nun zum Mitsingen anregte. Passend zu einem Blumenstillleben wurden kleine Rosen verteilt. Erinnerungen wurden geweckt. „Am Geburtstag verschenk ich immer Blumen“, erzählte eine Besucherin. „Den Tisch hab ich immer mit Blumen geschmückt“, erinnerte sich eine andere Frau. Den leuchtenden Augen war anzusehen, mit wieviel Freude sich die Gäste auf die gemeinsame Entdeckungsreise einlassen konnten. Maria Leitmeyer ging gefühlvoll und immer wieder wertschätzend auf die Äußerungen der Menschen mit Demenz ein.

Passend zum zweiten Gemälde, das gemeinsam mit Menschen mit Demenz entdeckt werden sollte, war auf einem Tischlein ein Stillleben nachgebildet. Dieses sahen sich die Besucherinnen und Besucher neugierig an. Aber sie konnten die Dinge, die darauf standen auch anfassen, daran riechen. Ein Kürbis weckte bei einem Teilnehmer Erinnerungen an vergangene Zeiten. „Das waren riesengroße Kürbisse, die wir hatten. Und schwer waren die auch. So einfach wegtragen konnte man die nicht, da hat man Handkarren gebraucht“, erzählte ein Mann ganz eifrig. Der von Maria Leitmeyer rumgereichte Pfirsich löste wahre Freude aus. „Die habe ich immer eingekocht. Wie gut die riechen“, war von den Besuchern zu hören. Spürbar und sichtbar war die Freude, mit der die Menschen mit Demenz sich auf das erneute Abenteuer Kultur einlassen konnten.

Dank der großzügigen Blumenspende von Alexandra Remus von Blume und Gestaltung, konnte sich jeder Besucher, in einer abschließenden Runde im Innenhof, ein Blumensträußchen zusammenstellen und mit nach Hause nehmen. „Ich kann nur danke sagen“, bemerkte eine Frau begeistert. Und eine andere fragte: „Ist das nur einmal im Jahr“?

Nein, das Angebot „Abenteuer Kultur wagen“ soll öfter stattfinden. In einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch mit Jochen Schmauck-Langer von dementia + art Köln wurde Anfang August konzeptionell weitergearbeitet. Ende August 2016 läuft das Modellprojekt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ aus. Danach wird es weitergehen. Das steht für alle Beteiligten fest. Die Verbindung zwischen Kultureinrichtungen, Kulturschaffenden und dem Pflegebereich ist eine Bereicherung für beide Seiten und ermöglicht eine neue Teilhabe für Menschen mit Demenz.

Text: Ria Krampitz; Foto: spk Archiv

12.08.2016


Großmutter wird mit der Sense rasiert

Erdbeerfest mit Musik, Gedichte, Kuchen und Bowle bereichert den Nachmittag von demenzkranken Senioren. Erdbeerfest mit Musik, Gedichte, Kuchen und Bowle bereichert den Nachmittag von demenzkranken Senioren.

Erdbeerfest im Altenzentrum holt Menschen aus der Demenz 

Schifferstadt- Die Stimmung im Garten des Caritas-Altenzentrums St. Matthias in Schifferstadt ist gut, fast schon ausgelassen, es wird ja auch Erdbeerfest gefeiert. Mit allem Drum und Dran, mit Musik, Erdbeerkuchen und Erdbeerbowle. Dennoch ist dieses Fest kein ganz alltägliches Sommerfest, denn die Bewohner, die im hübsch geschmückten Pavillon an der Kaffeetafel Platz genommen haben, kommen von der Demenzstation.

Dietmar Schöffel greift zur Gitarre und stimmt das erste Lied an: „Im Märzen der Bauer“. Schon fallen die ersten Bewohner mit ein. Einige singen leise vor sich hin, andere aus vollem Hals. Simone Joder, Mitarbeiterin der Sozialbetreuung, schmunzelt und erklärt: „Manche singen leidenschaftlich gern, leidenschaftlich laut und leidenschaftlich falsch.“ Das macht gar nichts, im Gegenteil, die gute Laune steckt an. Einige fangen an, im Takt mit zu klatschen und nach dem Lied gibt es Bravo-Rufe. Simone Joder nutzt eine Pause, möchte ein Erdbeergedicht vorlesen, beginnt mit den Worten: „Darf ich ein paar Worte sagen?“ „Ja was soll ich da schon sagen“, antwortet spontan ein Bewohner. „Mir tun die Füße weh“, murmelt eine andere. „Hallo!“ sagt die nächste zum x-ten Mal. Die ganze Situation mutet vielleicht ein bisschen schrullig an, aber was vor allem hängen bleibt, ist das Gefühl, dass es den Bewohnern jetzt im Augenblick gut geht.

Nach ein paar weiteren Liedern sagt eine Bewohnerin: „Jetzt wär ein Kaffee recht“. Also wird der Erdbeerkuchen aufgetragen. „Ist er schön? Ah ja, mit einem Schuss Sahne“, murmelt sie anerkennend. „Meine Tante liebt das Essen hier im Heim und das, obwohl sie früher ganz schön schnäkisch war“, sagt die Nichte der Bewohnerin, die zum Fest gekommen ist. Heute schmeckt es allen. Simone Joder, Iris Müller und Martina Heil haben alle im Blick, füllen Kaffeetassen ein zweites Mal, bringen Kuchen für die, die gerne ein zweites Stück hätten, reichen den Bewohnern, die nicht mehr allein essen können, geduldig den Kuchen an, erinnern andere, die vergessen haben, dass da ein Kuchen vor ihnen steht und drücken ihnen die Gabel in die Hand. Später gibt es noch ein oder zwei Gläser Erdbeerbowle. Einige Bewohner haben mitgeholfen die Früchte zu schneiden. „Es ist alkoholfreier Sekt“, verrät Simon Joder leise.

Dietmar Schöffel hat die Gitarre zur Seite gestellt und macht eine kurze Pause, essen und singen gleichzeitig geht schließlich nicht. Er kommt jede Woche ehrenamtlich ins Altenzentrum und singt mit den Senioren. In der Regel hat er da auch seinen Hund Buddy mit dabei. Die Bewohner lieben das, singen mit ihm und stellen schon Leckerlis für Buddy bereit. Der Hund ist heute zu Hause geblieben. „Es ist so schön, wenn man alte Volkslieder singen kann und die Texte sind den Bewohnern wohl bekannt. Manche kennen wirklich jedes Lied“, sagt Schöffel.

Bald ist er wieder gefragt. Weiter geht’s mit Liedern. Manchmal entwickeln die Bewohner eine Eigendynamik. Bei „Freut Euch des Lebens“, stimmt erst eine die „Großmutter wird mit der Sense rasiert“-Version an. Das kennen auch die Herren, fallen mit ein und schon hat der stattliche Chor Dietmar Schöffel übertönt. Simone Joder und ihre Kolleginnen sind mittendrin im Geschehen, nehmen immer wieder mal einen der Bewohner herzlich in den Arm, schunkeln zum Takt der Lieder oder halten ihnen eine Zeit lang die Hand.

Nach eineinhalb Stunden Singen und Feiern fangen die ersten Bewohner langsam an zu gähnen, bekommen einen verschleierten Blick. Sie haben lange durchgehalten. „Viele sind nachmittags müde, dösen vor sich hin, aber heute war davon nichts zu merken“, sagt Simon Joder. Es sind eben oft die Dinge, die Außenstehenden gerade nicht auffallen, die Aktionen, wie das Erdbeerfest, in den Bewohnern bewirken. Da ist zum Beispiel der Mann, der sonst teilnahmslos mit leerem Blick vor sich hindämmert und eine halbe Ewigkeit zum Essen braucht. Heute blinzelt er viel. „Ich sehe, dass da was in seinem Kopf abläuft“, sagt Simone Joder. Und die zwei großen Stücke Erdbeerkuchen und die Bowle, die sie ihm reicht, sind im Nu aufgegessen. Oder der Mann, der sonst ständig wissen möchte, wie spät es ist. Heute interessiert ihn das nicht. Oder sein Sitznachbar der nie mitsingt, wenn im Wohnbereich gesungen wird. Heute fällt er leise mit in den Chor ein. Text und Bild: Christine Kraus

06.07.2016


Begeisterung fürs Federvieh kennt kein Alter

Die Hühner bringen den Kindern und den Senioren viel Freude.

Schifferstadt- Dem Charme eines Huhnes kann sich kaum jemand entziehen. Alle zwei Wochen besuchen die Kinder des Waldkindergartens die Senioren im Caritas-Altenzentrum St. Matthias in Schifferstadt. Dieses Mal haben sie einen besonderen Anlass für ihren Besuch: Im Garten des Altenzentrums sind für zwei Wochen fünf Hühner eingezogen und da zeigt sich, dass selbst 80 Jahre Altersunterschied die Begeisterung fürs Federvieh nicht mindern können.

Die Aktion „Rent a Huhn“, des Hühnerhof-Besitzers Michael Lüft aus Seligenstadt macht es möglich.

Lüft vermietet seit drei Jahren Hühner mit allem, was man dafür braucht, auf Zeit. Im vergangenen Jahr hat das Federvieh schon einmal im Garten des Seniorenzentrums gescharrt und Eier gelegt. Damals war gleich klar, dass es eine Wiederholung geben soll. Nun ist es also wieder so weit.

Die Senioren haben im Schatten Platz genommen. Die Kinder können es kaum noch erwarten, endlich ins Gehege zu dürfen. Die Hühner offensichtlich auch nicht, denn sie ahnen schon, dass Arletta Groß, die Leiterin der Sozialbetreuung von St. Matthias, einen Leckerbissen für sie in der Tüte hat. Eine vorwitzige Henne springt sogar schon in die Luft. Vorsichtig gehen die Kinder zu den Hühnern, die sich sogar von ihnen streicheln lassen. Doch die Salatblätter aus der Tüte sind erst mal wichtiger als Kuscheln, dafür ist später noch Zeit, finden die Hühner und auch die Kinder. Die haben große Freude daran, die Tiere zu Füttern.

Den Bewohnern, die zuschauen, macht das Treiben auch sichtlich Spaß. Während die Hühner mit den Salatblättern beschäftigt sind, dürfen die Kinder das Dach des Hühnerstalls aufklappen und sehen, ob vielleicht eine Henne schon ein Ei gelegt hat. Tatsächlich, da liegt eins. Die kleine Helena darf es vorsichtig herausholen, es ist noch ganz warm. Die Kinder staunen, als ihnen Arletta Groß dann zum Vergleich ein winziges Wachtelei zeigt. Das Hühnerei kommt in einen Korb mit den anderen Eiern, die die Hennen in den letzten Tagen gelegt haben. „Vergangenes Jahr waren es mehr, da war das Wetter besser“, erklärt Arletta Groß den Kindern. Sie dürfen es mit in den Kindergarten nehmen, denn aus hygienischen Gründen dürfen frische Eier in einem Seniorenheim nicht verwendet werden. Danach liest die Erzieherin Verginiya Ottendörfer noch die Geschichte von einem Huhn, das gerne Urlaub machen möchte, vor.

Die Bewohner sitzen inzwischen bei einem Gläschen Eierlikör und auch für die Kinder gibt es eine Stärkung, bevor sie weiter ziehen. Da bugsiert Alltagsbegleiterin Ewa Nordt ein Huhn in einen Korb, legt eine Decke drüber und macht sich auf in die Wohnbereiche. Sie besucht Bewohner, die ans Bett gefesselt sind oder zu schwach sind, um in den Garten zu kommen und zeigt ihnen das Huhn, erzählt ihnen, was draußen los war, lässt sie das Huhn streicheln. Später kommt sie zurück und berichtet, dass sich die Bewohner sehr gefreut hätten über „das Hinkel“. „Sie haben richtig gestrahlt. Eine Bewohnerin hat mich gleich in die Küche geschickt, damit das Hinkel was zu trinken bekommt“, sagt sie und strahlt dabei selbst nicht weniger. Arletta Groß freut sich: „Es ist ein Segen für mich, mit so einem Team zu arbeiten“. Sie und ihr Team haben sich auch allerhand einfallen lassen für die Zeit, in der die Hühner zu Gast sind. So trafen sich die Senioren zum Hühnercafé im Garten bei einem Stück „Spiegeleikuchen“, es gab ein Hühnerquiz und Eierwerfen war auch schon angesagt. Allerdings mit Styroporeiern, die die Senioren in einen Korb werfen sollten.

Man merkt, dass die Senioren sich über die Hühner freuen, und jede Gelegenheit für einen Spaziergang in den Garten nutzen. Arletta Groß erzählt von einem Bewohner, der sich sonst außerhalb seiner unmittelbaren Umgebung nicht mehr orientieren kann, jetzt aber plötzlich zum Aufzug wollte, weil es da ja zu den Hühnern geht. Das Federvieh bringt frischen Wind ins Seniorenheim. Die Besuche der Kinder auch. Es waren auch schon Gruppen aus anderen Kindergärten zum Hühner-Gucken da. Alt und Jung gehören zusammen, das sollte eigentlich ganz selbstverständlich sein, findet Arletta Groß. Deswegen kommen neben den Kindergartenkindern auch immer wieder mal andere junge Menschen zu Besuch. „Wir hatten kürzlich Rollstuhltraining für eine Handballmannschaft und demnächst kommt eine Gruppe Firmlinge vorbei“, erzählt sie. Auch wenn die Hühner dann schon wieder weggezogen sind. Text und Foto: Christine Kraus

26.06.2016


Bester Arbeitgeber "Vitanas unter den Top 10"

Top Arbeitsumfeld im Vitanas Senioren Centrum Am Rheinufer

Ludwigshafen- Was muss ein Arbeitgeber bieten, damit seine Beschäftigten jeden Morgen gern zur Arbeit gehen, sich wertgeschätzt fühlen und ihre Tätigkeit mit viel Engagement ausüben? Von Aufstiegschancen übers Betriebsklima bis zum Gehalt - das große Arbeitgeber- Ranking des Wirtschaftsmagazins Focus zeigt, welche Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern herausragende Job-Bedingungen bieten. Und nicht nur das Team des Vitanas Senioren Centrums in Ludwigshafen ist stolz, auch die ganze Unternehmensgruppe freut sich: Vitanas erreichte in der Branche ‚Gesundheit und Soziales‘ den hervorragenden 10. Platz und gehört damit zu den besten Arbeitgebern Deutschlands.

In der größten deutschen Befragung dieser Art ermittelte der Focus in Zusammenarbeit mit dem Karrierenetzwerk ‚Xing‘ und der Bewertungsplattform ‚kununu‘ die besten Arbeitgeber aus 22 Branchen. Insgesamt liegen den Ergebnissen über 70.000 Bewertungen von Arbeitnehmern aller Hierarchie- und Altersstufen zugrunde. Die Befragten beurteilten unter anderem das Führungsverhalten ihres Vorgesetzten, ihre beruflichen Perspektiven, das Gehalt sowie das Image ihres Arbeitgebers. Besonders wichtig für das Gesamturteil war die Weiterempfehlungsbereitschaft: Würden die Befragten ihren Arbeitgeber auch an Freunde und Verwandte weiterempfehlen? Denn dazu ist nur bereit, wer wirklich von seinem Unternehmen überzeugt ist.

Kontakt und Informationen:

Ansprechpartnerin: Mareen Thielemann, Centrumsleiterin

Vitanas Senioren Centrum Am Rheinufer

Rheinallee 16 | 67061 Ludwigshafen

Telefon: (0621) 669 44 - 0 | E-Mail: m.thielemann@vitanas.de | www.vitanas.de/amrheinufer

Text und Foto: Vitanas GmbH & Co. KGaA, Presse

20.02.2016


Menschen mit Demenz zu Gast im Kloster St. Magdalena

Abenteuer Kultur wagen!

Speyer- Vergangenen Freitag waren sechs Menschen mit Demenz gemeinsam mit ihren Begleitpersonen auf Einladung der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz Speyer im Kloster St. Magdalena zu Gast. Im Rahmen des Projekts „Abenteuer Kultur wagen“ war dies bereits das dritte, speziell ausgerichtete Angebot für Menschen mit Demenz. 

Die Schwestern des Magdalenenklosters Speyer waren auf Anfrage sofort bereit, dieses Vorhaben aktiv zu unterstützen. Um für die Betroffenen eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, stellten die Schwestern einen ansprechenden Raum innerhalb der Klosteranlage zur Verfügung.

Der mit Tannenzweigen und Kerzen geschmückte Tisch sowie Punsch und Lebkuchen bereitenden sobald eine heimelige, vertraute Atmosphäre.

Durch die wohl gewählten Begrüßungsworte von Schwester Raphaela und der weihnachtlichen Klavierbegleitung seitens Schwester Ambrosia fühlten sich die Betroffenen auf das herzlichste willkommen.

Denn nur wer sich wohl und angenommen fühlt, hat auch den Mut etwas zu sagen.  Und genau das soll mit dem Projekt „Abenteuer Kultur wagen“, der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz erreicht werden. 

Mit dem Gedicht „Stern“, stellte Eva-Maria Urban einen ersten Bezug zum Höhepunkt dieses Morgens, dem Besuch der prachtvollen Krippe in der Klosterkirche, her. 

Die Bewunderung für die Figuren war groß. Vor allem die edlen Gewänder der heiligen drei Könige hatten es den Besuchern angetan. Es war zu spüren, wie berührt diese Menschen mit Demenz beim Anblick der Krippe waren. Immer wieder entdeckten Sie Neues und ihre große Freude an der Krippe wurde sichtlich spürbar. Schwester Ambrosia an der Orgel stimmte Weihnachtslieder an und die Gäste sangen mit großer Freude mit. Die Intimität und Ruhe in der Klosterkirche erzeugten bei den Betroffenen Geborgenheit und Wohlbefinden:

„Wie schön! Das hab ich noch nie gesehen! Hier war ich noch nie! Da komm ich wieder her!“  Diese Sätze wiederholte eine Frau mit Demenz immer wieder. Sie verabschiedete sich mit der Aussage: „Das werd ich nie vergessen!“

Eine andere Dame wurde neugierig und wollte noch mehr von der Klosterkirche sehen.  Beim Abschied vom Kloster St. Magdalena erhielten alle Gäste das vorgetragene Gedicht sowie eine Vorlage zum Sternebasteln.

Die Krippe im Kloster St. Magdalena war nach dem Besuch im Purrmann Haus und im Archäologischen Schaufenster das dritte Angebot für Menschen mit Demenz im Rahmen des Projektes „Abenteuer Kultur wagen“. 

Weitere kulturelle Angebote sollen folgen. Ziel des Projektes ist es: Menschen mit Demenz in einer geschützten Umgebung Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Freude zu schenken. Gerade der kulturelle Bereich ist für dieses Vorhaben außerordentlich geeignet, da er auf vielfältige Weise die Sinne belebt und positive Gefühle erzeugen kann.

Diese Angebote erhöhen die Lebensqualität von Menschen mit Demenz sichtbar.  Um dieses „Abenteuer Kultur wagen“ langfristig zu fördern und zu stärken, braucht es noch mehr aktive kulturelle Einrichtungen und Kunstschaffende.

Wer sich bei diesem Projekt engagieren möchte, kann sich im Seniorenbüro Speyer:

Ria Krampitz, Tel. 06232/14-2661 gerne melden.

Eva-Maria Urban und Ria Krampitz

20.01.2016


Abenteuer Kultur wagen

Menschen mit Demenz besuchen Archäologisches Schaufenster

Speyer- Das in diesem Jahr gestartete Projekt „Abenteuer Kultur wagen“, initiiert von der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz geht weiter. Fünf Menschen mit Demenz und ihre Begleitpersonen waren im Archäologischen Schaufenster zu Gast. Keiner der Teilnehmenden hatte bisher diese Einrichtung besucht. So war es für alle Beteiligte eine erste Kontaktaufnahme. Ludger Schulte vom Archäologischen Schaufenster hatte alles liebevoll für die Gäste richtet. Aus Tonbechern konnte ein Begrüßungstrunk genossen werden. An diesem Vormittag stand das Leben der Römer, wie sie früher gelebt haben, im Mittelpunkt. Aus welchem Geschirr haben sie gegessen und getrunken.

Allein durch das Ansehen und fühlen der Tonschalen wurden schon Erinnerungen wachgerufen. Eine Betroffene erzählte von ihrem Vater, der getöpfert hat. „Schöne Schüsseln hat er gemacht. Wunderschön“. Und darum geht es bei dem Projekt „Abenteuer Kultur wagen“. Erinnerungen sollen bei den Betroffenen geweckt werden. Diese aufgreifen und Wertschätzen, das ist Ziel dieser Veranstaltungen. Es geht um eine andere Art der Kulturvermittlung. Nicht Wissen abfragen, denn da kommt es meist zu Frustrationserlebnissen. Menschen mit Demenz werden in ihrem Alltag sowieso ständig damit konfrontiert, was sie nicht mehr können. Bei „Abenteuer Kultur wagen“ geht es gerade darum, das, was sie noch können und wissen, wachzurufen und Wert zu schätzen.

Nachdem so viel über das Essen und das Geschirr gesprochen worden war, konnten die Gäste selbst Kräuter schneiden und einen Kräuterquark anrühren, den sie dann mit frischem Fladenbrot genießen konnten. Strahlend, mit einem Button vom Archäologischen Schaufenster als Geschenk, verabschiedeten sich die Gäste. Ihren Gesichtern war anzusehen, dass das Erlebte gefallen hat. Mit dem Projekt „Abenteuer Kultur wagen“, soll Menschen mit Demenz Lebensfreude vermittelt werden und die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden.

Die nächste Veranstaltung findet im Kloster Sankt Magdalena statt. Die Gäste werden hier im Januar 2016 die ausgestellte Krippe besuchen.

Weitere Informationen zu dem Projekt „Abenteuer Kultur wagen“ sind im Seniorenbüro Speyer erhältlich. Ansprechpartnerin Ria Krampitz, Tel. 06232/142661, E-Mail: Ria.Krampitz@stadt-speyer.de

Seniorenbüro der Stadt Speyer, Presse

04.12.2015


Teilhabe wird erfahrbar

Meike Leupold (2. v. r.) übergab eine Spende an Vorsteher Dr. Günter Geisthardt (3. v. r.), Bethesda-Geschäftsführer Dieter Lang (l.) und Bewohner der inklusiven WG. Meike Leupold (2. v. r.) übergab eine Spende an Vorsteher Dr. Günter Geisthardt (3. v. r.), Bethesda-Geschäftsführer Dieter Lang (l.) und Bewohner der inklusiven WG.

Landau- „Hier wird Teilhabe wirklich und erfahrbar gemacht.“ Damit brachte Dr. Günter Geisthardt, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim, die Bedeutung zweier inklusiver Wohnprojekte von Diakonissen Bethesda Landau bei deren offizieller Einweihung am 16. Oktober auf den Punkt.

Zehn Personen haben im Sommer im neuen Wohnquartier „Am Ebenberg“ Wohngruppen für behinderte Menschen bezogen, in einer inklusiven Wohngemeinschaft nur wenige Straßen entfernt leben vier Menschen mit Beeinträchtigung in einer Wohngemeinschaft mit Studierenden der Universität Koblenz-Landau zusammen. Das neue Wohnquartier am Rande des Landesgartenschaugeländes habe Vorbildcharakter, betonte Matthias Rösch, Landesbeauftragter für die Belange behinderter Menschen des Landes Rheinland-Pfalz, das dezentrale Wohnprojekte für Menschen mit Behinderung unterstützt, um deren Integration in die Gesellschaft zu fördern: „Das Quartier wurde von Anfang an mit Blick auf Inklusion entwickelt“, sagte Rösch: „Hier wird Vielfalt sichtbar.“

Dass die Vielfalt gut ankommt, habe sich in den ersten Wochen in der Nachbarschaft gezeigt, freute sich Bethesda-Geschäftsführer Dieter Lang: „Vorurteile fallen in der Begegnung – und hier sorgen wir für Begegnung.“ Die Wohnprojekte entstanden im Rahmen der Dezentralisierungs-Aktivitäten von Diakonissen Bethesda Landau. Ziel sei es, in den nächsten Jahren ähnliche Wohnangebote für insgesamt 72 Menschen mit Einschränkungen in Landau und Umgebung zu schaffen, damit behinderte Menschen selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, so Lang. Er betonte allerdings auch, dass die Bewohner Bethesdas selbst darüber entscheiden, ob und wie sie ihr Leben außerhalb des Geländes in der Bodelschwinghstraße gestalten möchten. Einblick in den schwierigen Entscheidungsprozess gab bei der Einweihungsfeier Erika Happersberger, Vorsitzende des Bewohnerbeirats in Bethesda, die nach 38 Jahren in der Einrichtung in eine der neuen Wohnungen gezogen ist.

Im Anschluss an die Feierlichkeiten hatten die Gäste die Möglichkeit, die Wohnungen zu besichtigen. In der Wohngemeinschaft gab es bei der Gelegenheit ein besonderes Geschenk: Meike Leupold übergab eine Spende der Dietmar Hopp-Stiftung in Höhe von 4.000 Euro zur Finanzierung der Küche. Der Stiftung sei es ein Anliegen, Menschen, die im Leben stehen zu unterstützen, sagte sie: „Dazu gehört das Miteinander von Generationen und von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung.“ Text und Foto: Diakonissen Speyer-Mannheim

19.10.2015


Generation 60+ aktiv im Internet

Verbraucherzentrale und MedienKompetenzNetzwerk unterstützen beim Gebrauch smarter Technologien

In keiner Generation wächst der Gebrauch von Internet und smarten Technologien so stark wie bei den 60- bis 69-Jährigen. Damit sich Seniorinnen und Senioren sicher im World Wide Web bewegen können, legen die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und die Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz das aktualisierte Lehrbuch „Silver Surfer – Sicher online im Alter“ schon in der dritten Auflage vor, dieses Mal mit dem Schwerpunkt auf mobilen Anwendungen. Das Buch dient als Schulungsmaterial in den zahlreichen Kursen, die von den Volkshochschulen, der Verbraucherzentrale und den MedienKompetenzNetzwerken ab September wieder landesweit angeboten werden.

Die Generation 60+ ist nicht mit digitalen Technologien groß geworden, zeigt aber ein großes Interesse am Umgang mit Internet, Smartphone und Co. Sind die ersten Berührungsängste überwunden, stellen sich neben Neugier auch Unsicherheit und reichlich viele Fragen ein. Das umfangreiche Buch „Silver Surfer – Sicher online im Alter“ macht ältere Onlinerinnen und Onliner behutsam mit den Nutzungsmöglichkeiten des Internets vertraut und führt sie sicher durch die weite Welt des Internets. Im ersten Teil des gut gegliederten und mit vielen Beispielen versehenen Buches erhalten ältere Nutzerinnen und Nutzer wichtige Einblicke in die Grundlagen von E-Mails, Suchmaschinen, Unterhaltungsmöglichkeiten, Online-Einkauf und Datenschutz. Der zweite Teil befasst sich mit Handy, Smartphone und Co. Auch die Themen Apps, Cloud Computing und mobile Bezahlmethoden sowie damit verbundene Stolperfallen kommen nicht zu kurz. Alle Inhalte des Buches wurden von Expertinnen und Experten der beteiligten Institutionen erarbeitet und auf den neusten Stand gebracht. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Rheinland-Pfalz hat am Kapitel Datenschutz mitgewirkt.

Verbraucherschutzminister Prof. Dr. Gerhard Robbers erklärte hierzu: „Die Digitalisierung unseres Alltags macht auch vor dem demographischen Wandel nicht halt. Für junge Menschen, die in eine digitalisierte Welt hineinwachsen, wie für ältere ist das Internet zunehmend unverzichtbar. Ein bewusster, aber vor allem auch sicherer Umgang damit ist deshalb wichtig. Dank gut verständlicher Informationen leistet die Broschüre „Silver Surfer – Sicher online im Alter“ einen wichtigen Baustein zum Verbraucherschutz.“

„Silver Surfer ist eine Erfolgsgeschichte exklusiv aus Rheinland-Pfalz“, so die Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Sabine Bätzing-Lichtenthäler. „Viele ältere Menschen beschäftigen sich mit den neuen digitalen Technologien und integrieren sie in ihren Alltag. Dabei werden die Vorteile, die die Technologien nicht nur für die Kommunikation bieten, deutlich: Apps zur Gesundheit oder Hinweise auf Pünktlichkeit von öffentlichen Verkehrsmitteln sind hier nur zwei von vielen Beispielen“, so die Ministerin.

Gefördert wurde das Buch durch das Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sowie das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Rheinland-Pfalz. Die Volkshochschulen werden in landesweit angebotenen Kursen dafür sorgen, dass die Generation 60+ zu all diesen Fragen praxisnah geschult wird.

Das Buch kann kostenlos donnerstags zwischen 10 und 15 Uhr im Beratungsstützpunkt Germersheim, Kreisverwaltung Germersheim, Luitpoldplatz 1, 76726 Germersheim abgeholt werden. Postversand erfolgt gegen Einsendung von 2,40  Euro in Briefmarken durch die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Postfach 41 07 in 55031 Mainz. Die Kurstermine und weitere Informationen sind auf der Internetseite www.silversurfer-rlp.de zu finden.

Text: Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. Stützpunkt Germersheim, Presse

25.09.2015


Computersprechstunde ab 29.09.2015 wöchentlich

Computersprechstunde

Speyer- Die bewährte individuelle Computerhilfe des Internet-Treffs des Seniorenbüros wird ausgebaut. Ab Dienstag, 29. September 2015 findet nun wöchentlich eine Beratung  zur Lösung von speziellen PC-Fragen statt.

Dazu kann der eigene Laptop mitgebracht werden.

Dieses erweitere Angebot nennt sich nun Computersprechstunde und findet jeden Dienstag von 10 Uhr bis 11.30 Uhr, im Internet-Treff, Ludwigstraße 15b statt.

Text: Seniorenbüros der Stadt Speyer, Presse

23.09.2015


Erfolgreiche Saison für „Immer wieder sonntags“

Stefan Mross feiert letzte Live-Sendung

Rust- Zum letzten Mal in diesem Jahr hat der Moderator und Entertainer Stefan Mross am Sonntag, 06. September 2015 seine Fans live vom Festivalgelände des Europa-Park begrüßt. Dabei blickte er einmal mehr auf eine erfolgreiche Saison zurück. Bei der 14. Sendung sorgten u. a. Andreas Gabalier, die Ehrlich Brothers und Comedian Marco Rima für gute Laune.

Auf die Fans der beliebten SWR-Musik- und Unterhaltungsshow „Immer wieder sonntags“ wartet am 13. September um 10 Uhr das große „Best-of“. Die Zuschauer erleben nochmals die schönsten Auftritte der Schlagerstars, Comedians und Nachwuchskünstler im Europa-Park. Text und Foto: Europa-Park GmbH & Co Mack KG, Presse

12.09.2015


500 Notfallmappen: Seniorenbeirat schnürt erstmals großes Hilfspaket

Wichtige Daten  auf einen Blick

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer- Wichtige Telefonnummern,  Medikamentenliste, persönliche Angaben, Infos zu behandelnden Ärzten, Rentenunterlagen, Daten zu Versicherungen und Angaben zu Familienangehörigen in einem Schnellhefter  stets griffbereit: „Meine Notfallmappe“ ist gedacht als Gedankenstütze und möglichst optimale Hilfeleistung  bei Notfällen und wurde vom Seniorenbeirat  erarbeitet. Die mit Unterstützung durch Bürgermeisterin Monika Kabs nun zusammengestellten ersten 500 Mappen sollen als Starterset funktionieren und sind über die Mitglieder des Seniorenbeirats sowie im Seniorenbüro erhältlich.

Für Seniorenbeiratsvorsitzenden Ludwig Schultheis und seine beiden Stellvertreter Klaus Bohn und Daoud Hattab ist besonders wichtig, dass die Sammlung lose Blätter enthält und jedes Blatt bei Bedarf  ausgetauscht und aktualisiert werden kann.  Auch Ergänzungen sind denkbar, so sind Formblätter für Vorsorgevollmacht  und Patientenverfügung in die Mappe integriert. Schultheis erläutert: „Broschüren mit Notrufnummern gibt es genug, aber alle persönlichen Daten  in einem Schnellhefter, das kann eine echte Hilfe sein.“ Angegeben ist,  in welchem Fall Kopien für die Unterlagen genügen .

Da Betroffene in einer Notsituation oftmals zunächst „kopflos“ sind  und nicht alles Erforderliche bedenken,  hat der Seniorenbeirat auch den Standard-Inhalt   eines Notfallkoffers aufgelistet, lobt die Bürgermeisterin das Engagement des Seniorengremiums. Im  Notfall können hier Angehörige eines plötzlich Erkrankten oder Gestürzten, etwa bei einer Krankenhauseinweisung,  hilfreiche Informationen beziehen. So auch über Betreuungsangebote und Pflegedienste. Wenn die Mappe sorgfältig ausgefüllt  ist, finden Ärzte und Pflegepersonal alle wichtigen Daten, die zu einer schnellen und sicheren Soforthilfe beitragen. Angesichts der jährlich steigenden Zahl älterer Mitbürger ist Monika Kabs  dem Seniorenbeirat dankbar für diesen hilfreichen Wegweiser, von dem je nach Nachfrage weitere Exemplare erstellt werden sollen. Denn die Notfallmappe ist zwar von Senioren, aber nicht nur für die Generation  65 plus gedacht.  Auch Jüngere können  sich des Schnellhefters  mit dem roten Kreuz auf der Umschlagseite bedienen. „Mitten im Leben sind wir mit dem Tod umfangen“,  zitiert der  Seniorenbeirat-Vorstand  in seinem Vorwort aus einem Kirchenlied und erklärt: „Es muss aber nicht immer ein tödliches Ereignis sein, was uns plötzlich trifft. Es können jederzeit Notsituationen eintreten, bei denen wir schnell auf wichtige Informationen zurückgreifen können.“

Als nächstes plant der Seniorenbeirat einen „Wegeplan“. Für diesen richtungsweisenden Seniorenhelfer, der als großräumiger Stadtplan die Fuß- und Radwege zu alle Hilfseinrichtungen aufzeigen soll, sucht das Gremium zurzeit Sponsoren. Denn dieser Senioren-Wegeplan soll  als Broschüre gedruckt werden, informierte Klaus Bohn.

Foto: spk-Archiv

23.08.2015


Versorgungssicher, sauber, komfortabel

Auch Speyerer „Salierstift“ setzt jetzt auf Wärme- und Warmwasserversorgung aus Fernwärme der Stadtwerke Speyer

cr. Speyer- Es war fast schon so etwas wie ein glücklicher Zufall, dass die alte Heizungsanlage im Speyerer „Salierstift“ in der Oberen Langgasse 5a ausgerechnet zu einem Zeitpunkt „schlapp“ zu machen drohte, als überall in der Stadt die Straßen aufgegraben und Leitungen zur Fernwärmeversorgung verlegt wurden. Kein Wunder also, dass da Gerd Flaschenträger, neben Bernhard Mückain und Rudolf Lang Mitglied im Stiftungsbeirat der Seniorenresidenz und selbst langjähriger „Stadtwerker“, damit begann, Informationen einzuholen, wie, wo und vor allem zu welchen finanziellen Bedingungen das im Besitz von 130 Eigentümern befindliche und von 150 Senioren bewohnte Stift an das städtische Fernwärmenetz angeschlossen werden könnte.

Und das Ergebnis, so erläuterte Flaschenträger jetzt bei der offiziellen Übergabe der neuen Anlage, war selbst für ihn als Experten durchaus überraschend: Denn hätte man für die Installation einer neuen, der alten Anlage entsprechenden und die durchgehende Versorgung des Objektes mit Heizenergie und Warmwasser sichernden stationären Heizungsanlage mit zwei Heizkesseln vor Ort im Keller des „Salierstifts“ oder für ein entsprechend leistungsfähiges Blockheizkraftwerk rund 210.000 Euro aufwenden müssen, so boten die Stadtwerke Speyer den Anschluss an das Fernwärmenetz und damit die zukünftige versorgungssichere Belieferung mit Heizenergie und Warmwasser mit nur 89.000 Euro deutlich günstiger an.

In einer Eigentümerversammlung, so Flaschenträger schließlich, hatten dann alle Mitbesitzer des Objektes dieser zukunftsträchtigen und auch ökologisch sinnvollen Lösung zugestimmt, handele es sich doch bei der zum Einsatz kommenden Fernwärme quasi um ein „Abfallprodukt“ aus der Stromerzeugung des Großkraftwerkes Mannheim.

Ein weiteres Argument für diese Lösung sei schließlich auch die durch den Einsatz eines „Hotmobils“ während der gesamten Umbauzeit durchgängig gewährleistete Versorgungssicherheit mit Warmwasser gewesen, „denn ein Ausfall der Warmwasserversorgung in einem Haus wie dem unseren, das geht überhaupt nicht“, so der sachkundige Heimleiter Stephen Husk.

„Ganz toll - die gesamte Umbaumaßnahme hat störungsfrei und wunderbar geklappt“. lobte auch der Geschäftsführer des „Salierstifts“, Ulrich Heberger, der darauf verwies, dass durch den fachlich-kompetenten Einsatz der Stadtwerke-Mitarbeiter um Norbert Pelgen und Markus Sohn sein Haus keinen Moment auf Wärme und Warmwasser verzichten musste.

Und so kam es denn, dass Anfang Juni 2015 die beiden alten und maroden, mit Gas befeuerten Heizkessel abgebaut und die neue Heizungs- und Warmwasserversorgung des Hauses, die mit einer Anschlussleistung von 450 kW stattliche 660.000 kWh jährlich zu leisten imstande ist, innerhalb weniger Wochen auf die komfortable Fernwärmeversorgung umgerüstet werden konnte. Dazu wurden u.a. auch ein Frischwassermodul sowie ein 1000-Liter-Wärme-Pufferspeicher eingebaut. Bereits sechs Wochen nach Beginn der Umbauarbeiten konnte dann am 15. Juli die Umschaltung der Warmwasserbereitung auf Fernwärme erfolgen – in diesen Tagen nun die offizielle Übergabe an den Nutzer, das „Salierstift“.

Dieser Tag – übrigens auch draußen einer der „heißesten“ des Jahres - gab auch Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Bühring Gelegenheit, auf die Vorzüge der Fernwärme zu verweisen, die sich insbesondere durch ihre Zuverlässigkeit und Versorgungssicherheit auszeichne. „Doch auch der Umstand, dass Fernwärmenutzer keinen zusätzlichen, großen Warmwasserspeicher benötigen, weil warmes Wasser bei ihnen stets bedarfsgerecht und kontinuierlich in den Haushalt gelangt, macht dieses Produkt so konkurrenzlos und komfortabel“, unterstrich Bühring, der daran erinnerte, dass die „grüne Fernwärme“ auch bei der Stromerzeugung eine zunehmend größere Bedeutung erlange. Und deshalb setze sich Fernwärme auch im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Speyer immer mehr durch – würden sich immer mehr Hausbesitzer dafür entscheiden, ihre Immobilie an diese modernste und „sauberste“ Form der Wärmeversorgung anzuschließen.

Und noch eins zum Schluß: Dort, wo im Keller des „Salierstifts“ bislang die beiden gewaltigen Heizungskessel ihren Platz hatten, sind jetzt nur noch die Armaturen und Verbindungsteile zwischen der Haus-Verteileranlage und dem öffentlichen Fernwärmenetz zu sehen. Die größere, frei gewordene Fläche im Keller steht jetzt für andere Zwecke zur Verfügung.     Foto: gc

15.08.2015


Projekt „Abenteuer Kultur wagen“

Menschen mit Demenz besuchen das Purrmann-Haus

Speyer- Es war eine Premiere. Erstmals besuchten Menschen mit Demenz, mit ihren Begleitpersonen das Purrmann-Haus. Gemeinsam mit den Veranstaltern, der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz und dem Purrmann-Haus, wagten sie das Abenteuer Kultur.

Mit vorsichtigen Schritten, aber neugierigen Blicken trafen nach und nach die Besucherinnen und Besucher ein. Sie kamen aus fünf stationären Speyerer Einrichtungen. Die angenehme Atmosphäre im Innenhof des Purrmann-Hauses, die mit Kräutern dekorierten Tische, die herzliche Begrüßung, Getränke und Kekse sorgten dafür, dass sich die ersten Unsicherheiten schnell legten. Maria Leitmeyer, Kustodin des Purrmann-Hauses, erzählte kleine Anekdoten aus dem Leben von Hans Purrmann. „Die Gäste waren intensiv dabei, das konnte man an den Gesichtern ablesen“, sagte sie danach.

Im Purrmann-Haus selbst, war alles vorbereitet. Ein Blumenstrauß mit Rosen und Hortensien war ein Blickfang und sorgte für Bewunderung. „Ist das schön“, diese Bemerkung einer Teilnehmerin drückte aus, was alle empfanden. Maria Leitmeyer hatte zwei Blumen-Stillleben von Mathilde Vollmoeller-Purrmann für eine nähere Betrachtung ausgewählt.

Zur Einstimmung bekamen alle eine Rose in die Hand. Als das Lied „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ erklang, stimmten alle Gäste mit ein. Es war bewegend zuhören und zu sehen, mit welcher Intensität sie dabei waren und alle Strophen auswendig singen konnten. Auch hier sorgte die Atmosphäre, die der Raum ausstrahlte, für eine angenehme Stimmung. Menschen mit Demenz sind empfindsam, sie spüren, ob sie willkommen sind. Im Purrmann Haus waren sie das. „Es herrschten eine unglaubliche Aufmerksamkeit und Offenheit“, bestätigt auch Anke Nader von der Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz. Maria Leitmeyer fesselte mit Erzählungen aus dem Leben der Künstlerin Mathilde VollmoellerPurrmann und weckte damit auch Erinnerungen der Besucherinnen und Besucher. Immer wieder gab es Äußerungen, die deutlich machten, dass die Gäste interessiert bei der Sache waren.

Die Abschlussrunde fand wieder im Hof statt. Dort lag auf den Tischen eine bunte Blumenvielfalt bereit. Dank der großzügigen Spenden, von Alexandra Remus ortsansässigem Blumengeschäft in der Wormser Straße und Mobile Pflege A. Holusa, war eine schöne Auswahl vorhanden. Jeder Gast konnte sich sein eigenes Blumensträußchen binden und voller Stolz mit nach Hause nehmen. Das Lächeln in den Gesichtern drückte die Freude über das Tun und das Gelingen aus. „Das war eine gute Idee“, bemerkte am Schluss eine Teilnehmerin. Und diese Idee will die Lokale Allianz für Menschen mit Demenz weiter verfolgen und weiter ausbauen. Kulturelle Veranstaltungen helfen die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und die ihrer Angehörigen zu fördern.

Das Ziel ist, eine feste Projektgruppe in Speyer aufzubauen, die hilft, solche Veranstaltungen vorzubereiten, durchzuführen und zu finanzieren. Aus diesem Grund findet dazu am Freitag, 18. September 2015, von 10 bis 12 Uhr, eine Fortbildungsveranstaltung im Seniorenbüro statt. Wer das „Abenteuer Kultur wagen“ mit aufbauen und entwickeln möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Anmeldung im Seniorenbüro, Ansprechpartnerin Ria Krampitz, Tel. 06232/142661.

Text und Foto: Seniorenbüro der Stadt Speyer

05.08.2015


15 Jahre Haus am Germansberg

Erinnerte an die Anfänge des Diakonissen Seniorenzentrums Haus am Germansberg: Heimleiter Klaus-Dieter Schneider Erinnerte an die Anfänge des Diakonissen Seniorenzentrums Haus am Germansberg: Heimleiter Klaus-Dieter Schneider

Speyer- Mit einem ökumenischen Gottesdienst und einem kleinen Fest feierten haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre Angehörigen am 19. Juni das 15jährige Bestehen des Diakonissen Seniorenzentrums Haus am Germansberg.

Das Seniorenzentrum sei „ein gutes Zeichen ökumenischer Zusammenarbeit“, betonte Heimleiter Klaus-Dieter Schneider bei seinem Rückblick auf die Zusammenlegung eines evangelischen und eines katholischen Altenheims im Juni 2000. Am 18. Juni seien Bewohnerinnen und Mitarbeitende des Diakonissen Altenheims aus dem heutigen Ärztehaus 1 in den Neubau auf dem Gelände der ehemaligen Normand-Kaserne gezogen, nur einen Tag später folgten die Bewohner und Betreuer aus dem katholischen Altenheim in der Engelsgasse. Das große Engagement sowohl der hauptamtlich als auch der ehrenamtlich Mitarbeitenden und ihre gute Kooperation miteinander seien Garant für die gelungenen Umzüge gewesen, betonte Schneider.

Einige der Ehrenamtlichen erinnerten in der Feierstunde an Unsicherheiten und Erwartungen der Bewohnerinnen und Bewohner vor 15 Jahren. „Einen alten Baum verpflanzt man nicht“ hätte man vor den Umzügen oft gehört, aber mit dem Einzug in die neuen Räume seien alle Zweifel sofort verflogen. Sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Mitarbeitenden hätten viel bessere räumliche Rahmenbedingungen vorgefunden als in ihren vorherigen Domizilen. In seinem Grußwort für den Vorstand bestätigte Pfarrer Dr. Werner Schwartz, dass das Ziel, das sich die Verantwortlichen im Jahr 2000 gesetzt hatten, von Anfang an erfüllt wurde und bis heute wird: Das Haus am Germansberg sollte „Geborgenheit im Alter“ geben. Text und Foto: Diakonissen Speyer-Mannheim

23.06.2015


Arbeitsbedingungen in der Altenpflege verbessern

Rege Diskussionen im Rahmen des ersten kreisübergreifenden Workshops am 04. Februar 2015

Speyer- Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege standen im Mittelpunkt eines Workshops, zu dem die Sozialplanerinnen und Sozialplaner der Städte Speyer, Frankenthal, Ludwigshafen und des Rhein-Pfalz-Kreises eingeladen hatten. Mehr als 50 Teilnehmer, vor allem Führungskräfte aus Altenpflegeeinrichtungen, diskutierten die Ursachen, warum Pflegekräfte oftmals unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen sind.  

Der Workshop fand in den Räumlichkeiten der Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer statt. Es war der erste gemeinsame Workshop der drei Städte und des Rhein-Pfalz-Kreis. Bürgermeisterin Monika Kabs, betonte in ihrem Begrüßungsvortrag, wie wichtig ein gemeinsames Vorgehen von benachbarten Kreisen und Städten ist. Von daher sei dieser erste kreisübergreifende Workshop zukunftsweisend. „Die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege sind ein wichtiges Thema vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung“, führte Prof. Dr. Joachim Wieland, Rektor der Universität für Verwaltungswissenschaften, in seiner Begrüßung aus. „Das Berufsfeld muss attraktiv gestaltet werden. Ansonsten wird es schwierig, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen“.

Prognosen des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK), das den Workshop gemeinsam mit dem Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) durchgeführt hat, deuten darauf hin, dass bis zum Jahr 2020 fast 2.900 Altenpflegefachkräfte in Rheinland-Pfalz fehlen könnten, wenn nicht geeignete Maßnahmen zur Fachkräftesicherung ergriffen werden. „Unattraktive und belastende Arbeitsbedingungen können dazu führen, dass Pflegekräfte die Einrichtung wechseln oder ganz aus dem Beruf ausscheiden“, so Oliver Lauxen vom IWAK. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass dafür vor allem die Rahmenbedingungen verantwortlich sind, unter denen Pflegeheime und ambulante Pflegedienste arbeiten. Die finanziellen Mittel, über die die Einrichtungen verfügen, wurden als nicht ausreichend beschrieben. Die Altenpflege erfahre in der Gesellschaft nicht genügend Wertschätzung. Hinzu kommen ein hoher bürokratischer Aufwand, häufige Kontrollen und Schnittstellenprobleme mit Hausärzten und Krankenhäusern.

Wie der Workshops zeigte, verfügen die Altenpflegeeinrichtungen über zahlreiche Strategien zum Umgang mit diesen schwierigen Rahmenbedingungen. Eine wirkliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann aus Sicht der Teilnehmenden allerdings nur erreicht werden, wenn Gesellschaft und Politik für die Problemlagen der Altenpflegeeinrichtungen sensibilisiert werden. Die regionalen Pflegekonferenzen werden sich diesem Thema weiterhin widmen. Seniorenbüro der Stadt Speyer, Presse

05.02.2015


Mit Musik und Museumsbesuchen eigene Identität wiedergewinnen

Speyerer Seniorenbüro präsentiert Modellprojekte zur Betreuung von Menschen mit Demenz – Ehrenamtliche Helfer gesucht

cr. Speyer-  Die „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“, ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördertes Modellprojekt des Seniorenbüros der Stadt Speyer, sucht ehrenamtliche Mitarbeiter und Helfer Mittwoch, 11. März 2015, 10:00 bis 16:00 Uhr, Speyer zur Betreuung von Patienten mit Demenz. Im Rahmen eines Pressegesprächs stellte jetzt die zuständige Speyerer Sozialdezernentin, Bürgermeisterin Monika Kabs, gemeinsam der Leiterin des Seniorenbüros. Ria Krampitz, der Öffentlichkeit die beiden Säulen dieses Projektes vor, mit denen versucht werden soll, Demenzpatienten durch den Kontakt mit Musik bzw. mit Kunstwerken in Museen oder Galerien zu aktivieren und positiv zu beeinflussen.

Mit Musik geht vieles leichter – Menschen mit Demenz musikalisch einfühlsam begleiten“ ist das eine Projekt überschrieben - „Abenteuer Kultur wagen – Menschen mit Demenz im Museum“ das andere. Für beide Projekte können sich Interessenten für eine ehrenamtliche Mitwirkung beim Seniorenbüro Speyer, Frau Ria Krampitz, Maulbronner Hof 1 A, 67346 Speyer, e-mail: Ria.Krampitz@stadt-speyer.de anmelden.

Für beide Projekte bietet das Seniorenbüro einführende Seminare an, in denen sich Interessenten über Art und Umfang ihrer Aufgaben informieren können. Dazu treffen sich die „Musiker“ am Mittwoch, 11. März 2015, 10:00 bis 16:00 Uhr, im AWO Seniorenhaus Burgfeld, Burgfeldstraße 34-36 Speyer

In diesem Seminar vermittelt die Musiktherapeutin Simone Willig Hintergründe und praktische Tipps für den gezielten und sinnstiftenden Einsatz von Musik in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Wann ist der

Einsatz von Musik sinnvoll? Wann ist er völlig fehl am Platze für die Erhaltung von Lebensqualität? Wie kann ich mit Musik Alltagsituationen wie z.B. das Essen und Trinken unterstützen?

Musik ist ein Stück Identität. Wie ein roter Faden begleitet sie uns unser Leben lang und ist untrennbar an Emotionen geknüpft. Babys erkennen die Stimme der Mutter an deren Klangfarbe. Singen wir gemeinsam mit anderen Menschen, so passt sich unser Herzschlag dem Rhythmus der Musik an und schlägt gemeinsam mit den MitsängerInnen im Takt. Wir werden uns zeitlebens an die Musik erinnern, zu der wir gemeinsam mit unserer ersten großen Liebe getanzt haben. Musik entwickelt und erhält Identität, insofern spielt sie eine wichtige Rolle in der Begleitung von Menschen mit Demenz.Zielgruppe für dieses Seminar sind ehrenamtliche Demenzbegleiterinnen und -begleiter, sowie Angehörige und haupt- und nebenberufliche Pflegekräfte.

Auch für die Interessenten an einer ehrenamtlichen Begleitung von Demenz-Patienten im zweiten Projekt „Abenteuer Kultur wagen – Menschen mit Demenz im Museum“ wird es ein einführendes Seminar geben, das - in zwei Abschnitte gegliedert – gemeinsam von der Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin Uschi Baetz und MitarbeiterInnen der beiden ersten, in das Projekt einbezogene Speyerer „Kunsttempeln“ abgehalten wird. Um seinen Ablauf im Detail zu erläutern, waren zu dem Pressegespräch als Vertreter dieser beiden Einrichtungen der Direktor des Historischen Museums der Pfalz, Dr. Alexander Schubert und die Kustodin des „Purrmann-Hauses“ in Speyer, Maria Leitmeyer M.A, hinzugekommen.

Das Seminar findet nämlich am Montag, dem 8. Juni 2015, ab 10.00 Uhr im „Purrmann-Haus“ Speyer, Kleine Greifengasse 14, 67346 Speyer statt und wird am Nachmittag im Historischen Museum der Pfalz, Domplatz 4, 67346 Speyer fortgesetzt. Ende: ca. 17.00 Uhr.

Im Rahmen dies Seminars sollen Fragen wie „Können Kunstwerke Fenster in die Erinnerung öffnen?“ - „Bieten historische Originale biografische Anknüpfungspunkte?“ - „Weckt die besondere Atmosphäre eines Museums

Emotionen?“ - „Macht es Sinn, mit Menschen mit Demenz geschützte Räume zu verlassen, um mit ihnen das 'Abenteuer Kultur' zu wagen?“

Dieses Seminar, organisiert von der „Arbeitsgruppe Demenz Speyer“, stellt Möglichkeiten, Barrieren und Erfolge der Arbeit mit Menschen mit Demenz im Museum vor und möchte Ansätze für örtliche Projekte aufzeigen. Zielgruppen sind hier MitarbeiterInnen von Museen, Angehörige, Ehrenamtliche und alle, die sich in diesem Bereich engagieren möchten

Die Seminare sind kostenfrei.

Die VertreterInnen von Stadt, Seniorenbüro, aber auch von Museum und Purrmann-Haus zeigten sich in dem Gespräch durchweg sehr gespannt auf dieses neue Projekt, mit dem sich insbesondere die Museen und Galerien Zugang zu einer neuen, bislang nicht vertretenen Besucherklientel versprechen. Ihre bei dem Projekt gesammelten Erkenntnisse wollen sie auch an alle anderen Museen, Galerien und anderen Kultureinrichtungen weitergeben, um so den Kreis der besuchbaren Einrichtungen schon recht bald ausweiten zu können. Foto: gc

25.01.2015


„Schade um jede Veranstaltung, die man versäumt hat“ - Erzählcafé sagt tschüss

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer-  Dipl.-Pädagoge Karl-Heinz Jung als Motor, Pfarrer i.R. Bernhard Linvers und Arzt Dr.Thomas Neubert sagen leise servus. Mit rund 200 Erzählcafés haben sie in sechs Jahren den Speyerer Senioren Lokalgeschichte nähergebracht und dank vieler kompetenter Zeitzeugen und Referenten mit Erzählungen Kultur, Politik, Wirtschaft und Sport die eigenen Erinnerungen der insgesamt über 4000  Besucher an das Leben in ihrer Stadt erweckt und so zur Bereicherung der Erzählnachmittage beigetragen. Das Moderatoren-Trio landete zum Abschluss ihres Engagements für das Seniorenbüro im Historischen Ratssaal noch einmal einen Volltreffer: Die 1849 von Melchior Hess gegründete „Filzfabrik“ hat mit der Produktion von Munitionszubehör Weltruhm erlangt und wurde erst 1996 geschlossen.

Die geniale Erfindung eines Büchsenmachers bildete vor 166 Jahren den Grundstein für ein Industrieunternehmen, das in seinen Glanzzeiten weit über 200  Mitarbeiter zählte. Dorothee Fetzer,  Urenkelin von Melchior Hess, und ihr Ehemann Gerhard Krause, erläuterten, welcher „Filz“ dem Familienunternehmen  seinen Namen gab.  Das umständliche und langwierige Stopfen eines Vorderladers brachte Melchior Hess auf die Idee,  für die Jäger und Sportschützen einen viel leichter und schneller  zu handhabenden Hinterlader zu entwickeln. Zur Abdichtung der Ladung in Aluminium-Schrotpatronen gegenüber den nachfolgenden Pulvergasen fertigte die Speyerer „Munitions-Fabrik“  als Zwischenmittel  einen elastischen Filzpropfen, der beidseitig mit Teerplättchen beklebt wurde. Ein Vorteil war zusätzlich, dass die Hülsen wiederverwendbar waren. Die Hesspropfen wurden weltbekannt. Das Fabrikationsprogramm umfasste später auch alle Grundstoffe, Filz (aus Fell von Kühen und Pferden), Eisenfilz Filzit, Lackpapier und Joghurtdeckel sowie starke Pappen.

Dass die „Filzfabrik“ als familienfreundliches Unternehmen und wichtiger Arbeitgeber in Speyer einen guten Ruf hatte, bestätigten einige Erzählcafé-Besucher.  Otto Hess, Enkel des Firmengründers, war zur Auflage gemacht worden  ein Löschbecken auf dem großen Firmengelände vorzuhalten und hatte beschlossen,  dieses als „Gartenschwimmbad“  für die Fremdarbeiter zu gestalten. Auf der 25 Meter-Bahn hat auch Dorothee Fetzer Schwimmen gelernt. Liesel Jester erinnert sich  gerne an die stets sehr gut besuchten Weihnachtsfeiern des von Ernst und August Hess angeführten Pioniervereins im kleinen Saal des Wittelsbacher Hofs mit dem von den Hess-Brüdern gefüllten Grabbelsack. Peter Schmidt, der frühere Tagespost-Chefredakteur, ist als Nachbar  in der Germanstraße aufgewachsen, zeigte sich noch jetzt dankbar dafür, dass die Munitionsfabrik und damit auch sein Elternhaus im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurden.  Die humoristische Seite des kulturell stark engagierten Otto Hess beleuchtete SKG-Ehrenpräsident Werner Hill. Ein Treffen mit ihm 1958  habe im Hess‘schen  Weinkeller geendet. An diesem Abend  sei die Herrensitzung geboren worden. Und bei der Premiere 1963 im Weinmuseum  habe Hess selbst eine bemerkenswerte Büttenrede gehalten mit dem  Thema „Der Furz“.

Auf Teilen des vor ein paar Jahren an einen Investor verkauften  Fabrikgeländes  entstanden inzwischen ein Supermarkt, ein Drogeriemarkt, Therapie- und Arztpraxen und ein großer Wohnkomplex. Noch ungewiss  ist die Zukunft eines unter Denkmalschutz stehenden  Gartenhäuschens.  Das um 1716 erbaute barocke Schlösschen  diente einstmals Geistlichen und später wohl dem Verwalter als Unterkunft.

Zum Abschluss des letzten Erzählcafés in dieser Form blickte Karl-Heinz Jung im Beisein zahlreicher Referenten in Wort und Bild zurück auf  die monatlichen Erzählnachmittage  mit Themen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. „Schade um jede Veranstaltung, die man versäumt hat“, kommentierte Bürgermeisterin Monika Kabs und dankt dem Führungstrio für die engagierte und stets mit großer Vorarbeit verbundene Organisation der Erzählcafés. Die Kulturdezernentin stellte die Planung des Seniorenbüro vor: Ab 4.März soll eine Veranstaltungsreihe „Lebendige Erinnerungen“ starten. Für die Quartalstreffen suchen sie und Seniorenbüro-Leiterin Ria Krampitz  nun Ehrenamtliche, denen die Stadtgeschichte weiterhin am Herzen liegt. Kabs verwies überdies auf die Erzählcafés, welche seit einigen Jahren der Nachbarschaftsverein der  Baugenossenschaft  durchführt. 

08.01.2015


Dr. Bernhard Vogel - erlebte Geschichte des 20.Jahrunderts im Erzählcafé

Speyer- Die Geschichte des 20.Jahrhunderts aus seiner Sicht machte Dr.Bernhard Vogel, von 1976 bis 1988 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und von 1992 bis 2003 Regierungschef von Thüringen, beim Dezember-Erzählcafé des Seniorenbüros im Historischen Rathaus an drei markanten Punkten „im Jahr des Gedenkens“ fest:  Am Beginn des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, am Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren und  am 9.November 1989, dem Tag des Mauerfalls. Hierzu erklärte der 81-jährige Speyerer Ehrenbürger: „Das hab ich nie gedacht, dass ich den erleben darf.“

Der erste Weltkrieg, den viele als „Naturkatastrophe bezeichnet“ hätten, habe die Karte Europas völlig verändert. Dankbar ist der am 19.Dezember 1932 in Göttingen geborene Politiker  dem in Großbritannien lebenden australischen Historiker Christopher Clark, der in seinem 1000 Seiten starken Bestseller „Schlafwandler“ Deutschland nicht die Alleinschuld am Kriegsausbruch  gegeben habe. Ohne Frage habe dagegen Adolf Hitler 25 Jahre später „den Zweiten Weltkrieg mutwillig vom Zaun gebrochen“. Es gab „leider nicht genug Demokraten, die die Weimarer Verfassung verteidigt haben“, weshalb Hitler „legal an die Macht gekommen“ sei. Bernhard Vogel: „Am Anfang hätte die Gefahr gebannt werden müssen.“ Höchst bedauerlich für Vogel, dass das Attentat auf Hitler am 20.Juli 1944 schiefgegangen sei. Zum Kriegsende am 8.Mai 1945 waren 50 Millionen Tote zu beklagen, war Deutschland am Boden zerstört. Dankbar zeigt sich der der einzige Landesvater zweier Bundesländer dafür, dass der für ihn damals unvorstellbare Wiederaufbau mit vereinten Kräften und Konrad Adenauer als Motor so gut gelang und er selbst später am Aufbauen der Demokratie mitwirken durfte. Besonders bemerkenswert für ihn, wie gut dabei noch rund 14 Millionen Vertriebene integriert wurden und in Deutschland eine zweite  Heimat fanden.

„Nach 25 Jahren besteht kein Zweifel daran, dass die Wiedervereinigung alles in allem gelungen ist“, stört Dr.Bernhard Vogel beispielsweise der Unterschied, dass in den West-Bundesländern die Einkommens- und Besitzverhältnisse fast doppelt so hoch sind wie in Ostdeutschland.  „Es ist in der Tat ein Wunder, dass kein Schuss gefallen und kein Tropfen Blut geflossen ist.“ Vogel zum nicht immer reibungslosen Zusammenwachsen von neuen und alten Bundesländern: „Wenn wir uns freuen, dass die Revolution unblutig verlaufen ist, dürfen wir uns auf der anderen Seite“ nicht wundern, dass hinterher alle noch da sind!“ Die drei großen Wegbereiter der deutschen Einheit waren für ihn Michail Gorbatschow. George Bush sen. und Helmut Kohl, „der Vater der Wiedervereinigung“. 1989 seien in der DDR noch 80 000 russische Soldaten stationiert gewesen. Dass der ehemalige sowjetische Staatschef nicht intervenierte, war für Vogel nicht nur ein Zeichen von Stärke, sondern auch von Schwäche – angesichts des sich abzeichnenden Zusammenbruchs der UDSSR. Nicht alle europäischen Staatschefs hätten die Wiedervereinigung begrüßt, erzählte Vogel. So habe Giulio Andreotti gesagt: „Ich liebe Deutschland so sehr, dass ich zwei davon will.“ Und Margret Thatcher habe geäußert. „Zweimal haben wir sie besiegt, jetzt sind sie schon wieder da.“

Ihm war klar, dass den Gipfelsturm-Freuden eine trockene Ebene folgen würde, der Übergang aus sozialer Planwirtschaft in eine kapitalistische Marktwirtschaft  nicht problemlos vonstattengehe. „Die Wiedervereinigung kam über Nacht!“ So gab es kein Ministerium zum Planen der Privatisierung volkseigener Betriebe und keine Zeit zum Gründen einer Kommission, erinnerte Vogel an die Schwierigkeiten beim Aneinanderfügen der beiden so lange getrennten Teile. Einen für ihn erfreulichen  Aspekt sprach Bernhard Vogel noch an. In der DDR hatte es keine frei gewählten Gemeinderäte gegeben, und es war „für mich erstaunlich“, wieviele Bürger sich bei der ersten demokratischen Wahl in Ostdeutschland für Stadt-und Gemeinderat haben aufstellen lassen.

Befragt zum Unterschied seiner beiden Amtszeiten als Ministerpräsident, meinte Vogel, dass er dank seiner Autorität in Thüringen besser zurechtgekommen sei. Außerdem hätten die vom Sozialismus geprägten Ostdeutschen „weniger widersprochen“.  Wenn er in Mainz jemanden zum Rechnungshof versetzen musste, wurde er für diesen „zum Feind für immer“.

Moderator Bernhard Linvers erinnerte daran, dass Dr.Bernhard Vogel schon immer sehr aktiv am Speyerer Leben teilgenommen und einst für den Pfarrgemeinderat von St.Joseph kandidiert habe. In seinem Dankeswort meinte der Pfarrer i.R.:„Dr. Vogel war ein Segen für Thüringen!“ Text: Werner Schilling, Foto: khj

Nächstes Erzählcafé am 6.Januar, 15 Uhr, im Historischen Ratssaal mit dem Thema: Filzfabrik Melchior Hess.

03.12.2014


Eindrucksvolle Schilderungen der 77jährigen Ordensfrau Schwester Miguela im Erzählcafé

Speyer-  Über das Institut St.Dominikus in Speyer und seinen Einsatz in Ghana berichtete Schwester Miguela 0.P.beim Erzählcafé des Speyerer Seniorenbüros. Dass die gelernte Hebamme und Krankenschwester ihre Hilfe mit Herz und Seele leistete, war ihren eindrucksvollen Schilderungen deutlich anzumerken. Bestens nachvollziehbar war für die knapp 50 Besucher im Historischen Rathaus und für Moderator Bernhard Linvers, warum die aus dem südpfälzischen Leimersheim stammende Ordensschwester für ihr Lebenswerk mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Vor drei Jahren erhielt Schwester Miguela Keller die fast 50 Jahre in Ghana wirkte, den "Millenium Excellenz Preis", eine der höchsten Ehrungen des afrikanischen Staates. Mit dem Preis werden Gruppen oder einzelne Persönlichkeiten ausgezeichnet, die „unermüdlich für Gesundheit, Menschenrechte und Seuchenkontrolle in Afrika kämpfen“.

Die für ihre 77 Jahre noch sehr rüstige und vitale Ordensfrau engagierte sich bis 2012 in Ghana als Regionalpriorin ihrer Ordensgemeinschaft besonders im Gesundheitswesen. Das Institut St. Dominikus unterhält in dem westafrikanischen Land zwei große Krankenhäuser - in Akwatia im Landesinnern sowie in Battor am Voltafluss. Beide Einrichtungen sind für die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Süden Ghanas von großer Bedeutung. Nicht zuletzt weil sie auch den Aufbau von Basisgesundheitsdiensten in entlegenen Dörfern fördern. Zu den Arbeitsschwerpunkten der Krankenhäuser zählen die Aids-Prävention und die Behandlung von Aids-Kranken. Sie arbeiten eng mit der Universitätsklinik in Accra zusammen und haben ein hoch wirksames, preiswertes Aids-Medikament auf der Basis von Naturheilmitteln entwickelt. Heute leistet das Institut in einem großen HIV/AIDS-Zentrum mit einem Flügel für Tuberkulose-Kranke wertvolle Hilfe.  Der Gesundheitsdienst kocht dreimal am Tag eine Mahlzeit für die Patienten, die nicht von Angehörigen versorgt werden oder sehr arm sind.

1957, im Jahr der Unabhängigkeit Ghanas, waren die ersten vier Schwestern vom Institut St.Dominikus ausgesandt worden Sie sollten eine Wochenstation übernehmen und eine kleine Klinik. Eine deutsche Gynäkologin hatte eine Praxis in ihrem Bungalow eröffnet. Eindrucksvoll  berichtete die engagierte Entwicklungshelferin von den schwierigen Anfängen  - „kein Strom, Wasser aus einem Tank, kein Telefon“ - und dem mühsamen Ausbau der Geburtenstation zum Allgemeinen Krankenhaus. Schwester Miguela erinnerte an Verständigungsschwierigkeiten und an Einzelschicksale, wie das einer jungen Frau: Ihr erstes  Kind  war an Malaria gestorben. Aus Angst davor, das zweite Kind auf die gleiche Weise zu verlieren, kam sie trotz Verbot des Vaters  in die Klinik gelaufen.  Die Kenntnis der Sitten und Gebräuche  sowie das Erlernen der schwierigen Sprache der Einheimischen waren für die Arbeit der Schwestern enorm wichtig, betonte die Referentin.

Am Herzen lag der Generalpriorin ab 1978 der Aufbau des Basisgesundheitsdienstes. Da es nicht genügend Krankenhäuser gab, keine befahrbaren Straßen  und keine Transportmöglichkeiten, schlossen sich die Missionshospitäler  aller Religionen zusammen zur  „Christian Health Association of Ghana“.  Die Bischöfe bestimmten, „wenn die Leute nicht zu uns kommen können, müssen wir zu ihnen gehen“. Bei den Besuchen in kleineren Dörfern ging es um die Aufklärung, die Verhütung von Krankheiten,  Schwangerenberatung und die Behandlung einfacher Krankheiten. Für die Impfung gegen Kinderkrankheiten sowie Wundstarrkrampf wurden Dorfhelfer ausgebildet. Doch oft fehlte es an Kühltaschen, Spritzen und Nadeln sowie an Impfstoffen.  Dank Unterstützung durch Misereor wurde ein Geländewagen angeschafft, mit dem die bis zu 60 Helfer starken Schwesternteams in 24 Dörfern ihres Kreises einmal im Monat  helfen konnten.

Neben ihrem Einsatz im Gesundheitswesen kümmerte sich Schwester Miguela nahezu 30 Jahre lang  zudem um die medizinische und soziale Betreuung der Häftlinge im größten Gefängnis Ghanas.  Als sie das erste Mal dorthin kam, erschrak sie: „Ich sah lebende Skelette hinter Gittern.“ Da war ihr schnell klar, dass diese armen Menschen, - überwiegend  politische Häftlinge - bisweilen Zuspruch und regelmäßig von den Mitschwestern gebackenes Brot benötigten.

Als beratendes Mitglied in der „Amazing Grace Helpline“, einer Agentur für Nächstenliebe und Entwicklung, beriet sie Witwen und Waisen in finanziellen und beruflichen Fragen. Auch der Bau von hunderten von Brunnen sowie Toiletten geht auf den Einsatz von Schwester Miguela und ihrer Mitschwestern zurück. Hierfür wurden junge Männer im Steinemachen ausgebildet. Die Versorgung mit Wasser stand neben Hygiene-Geboten  ganz oben auf der Hilfsliste von Schwester Miguela. Sie freut sich, dass die Projekte des Instituts St. Dominikus unter anderem durch Hungermärsche, Spendenaktionen von Schulen wie dem Nikolaus-von-Weis-Gymnasium Speyer, Rotary International  sowie vielen Einzelspendern besonders aus dem Bistum Speyer gefördert   werden.ws; Foto: khj

05.11.2014


Erstes Filmfestival in Speyer ein Erfolg

Speyer- „Prima, dass das Filmfestival der Generationen, der Metropolregion, jetzt auch in Speyer ist“. Diese Aussage einer 67jährigen Dame spiegelt die Meinung der Besucherinnen und Besucher. Der Zuspruch war groß. Rund 500 Interessierte kamen, um sich einen oder mehrere Filme anzusehen. Der Eintritt war kostenfrei. Die Organisation hatte das Seniorenbüro Speyer übernommen.

Schon gleich bei der Eröffnung in St. Hedwig, musste von einem Veranstaltungsraum in die Kirche umgezogen werden, weil der Platz nicht reichte. „Und wenn wir alle zusammenziehen“ gab Anstoß über neue Wohnformen nachzudenken.

Das Besondere an dem Filmfestival in Speyer war, dass für jeden Film neue Kooperationspartner gefunden werden konnten. Die Zusammenarbeit kam schnell zustande, weil alle die Idee Filmfestival in Speyer zu Themen des Älterwerdens gut fanden. Die Inhalte der sechs Filme, wie Wohnen im Alter, Soziale Beziehungen, Dialog der Generationen, Sexualität im Alter, Demenz, Musik und Kreativität im Alter, Biografiearbeit in stationären Einrichtungen, Sport und Bewegung im Alter, Altersbilder, Entwicklungsgewinne im Alter, Umgang mit Krebs, Neuanfang, Liebe im Alter, Pflege und Sterbehilfe boten Stoff zum anschließenden Austausch und zur Diskussion. Nach jedem Film wurde dieser moderierte Austausch angeboten. Es meldeten sich vor allem Angehörige zu Wort. Das zeigt, dass sie sich wohl gefühlt haben, denn nur mit einem Gefühl der Sicherheit und des sich Wohlfühlens, spricht man über Privates vor vielen Menschen.

„Das Lied des Lebens“ berührte alle Anwesenden. Immer wieder gab es spontanen Applaus, wenn gezeigt wurde, was Musik bei Menschen bewegen kann. Bernhard König der Musiker und Komponist, stand anschließend für Gespräche zur Verfügung.

„Wünsche mir, dass mir Ähnliches begegnet, wenn ich möglicherweise uralt werde“, so eine Äußerung eines Besuchers.

Der Film „Sein letztes Rennen“ wurde in der Pflegerischen Schule der Diakonissenanstalt gezeigt. Hier ist es wirklich gelungen Jung und Alt zusammenzuführen. Es waren zur Hälfte Schüler und zur Hälfte ältere Menschen, die gemeinsam den Film erlebt haben. Die Botschaft des Filmes lautete, niemals still stehen. Die Schüler hatten mit selbstgebackenem Kuchen, für die kulinarische Seite gesorgt. Die Altersspanne ging hier von 17 bis 95 Jahren.

Der Film „Die Frau, die sich traut“ wurde im Diakonissen Mutterhaus gezeigt. Die Filmauswahl sollte unterschiedliche Inhalte ansprechen. Deshalb war dieser Film so wichtig, da er den Umgang mit der Diagnose Krebs zeigte. Auch hier die zentrale Botschaft „Lebe Deinen Traum“.

Sehr bewegend war auch der Film „Anfang 80“. Die letzte Zeit des Lebens, so zu gestalten, wie man es selbst wünscht, intensiv das zu tun, was gut tut. Vor allem sein Leben selbstbestimmt gestalten bis zum Lebensende. „Gespräche nach dem Film hilfreich für die Verarbeitung der diversen Themen“ gab eine ältere Dame als Rückmeldung.

Der letzte Film „Vergiss mein nicht“ war ein Dokumentarfilm oder besser ein Liebesfilm. David Sieveking, der Regisseur nimmt in diesem Film die Zuschauer mit auf seine ganz persönliche Reise seiner Familie, seiner, Mutter, die an Demenz gestorben ist. Im Anschluss stand David Sieveking für Fragen zur Verfügung und konnte noch mehr Informationen zur Entstehung des Filmes geben.

Insgesamt eine gelungene Reihe, mit guter Stimmung und Atmosphäre. „Nächstes Jahr bitte wieder!“ lauteten Aussagen von Besuchern.

Seniorenbüro der Stadt Speyer, Presse

15.10.2014


Werner Schineller im Erzählcafé über Speyer und „Die scheene alte Zeit“

Speyer. Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Joseph von Eichendorff, Victor Hugo, Eugen Roth und Günter Grass -um nur einige zu nennen – haben eines gemeinsam: Sie alle haben irgendwann einmal in einem Gedicht, Geschichten oder Erinnerungen etwas über die Stadt Speyer geschrieben. Manchmal waren es nur ein paar Zeilen, aber bisweilen sind es auch größere Abhandlungen. Und alle Lobeshymnen und die wenigen negativen Erlebnisberichte haben der damalige Bürgermeister und spätere Oberbürgermeister Werner Schineller und Verleger Hermann G.Klein gesammelt und 1986 in einem Lesebuch herausgegeben. Nun erinnerte Schineller im Erzählcafé des Seniorenbüros auszugsweise an die unter dem Buchtitel „Macht euch auf nach Speyer“ zu Papier gebrachten Gedanken der Schriftsteller, Dichter oder Künstler und ergänzte den bemerkenswerten Literatur-Spiegel durch Äußerungen von Politikern, Kirchenleuten und Kulturschaffenden. Viele Zitate nutzte Schineller zum Aufbau seiner „einigen tausend Grußworte“.

„Durch manch wechselnden Gau, an blühenden Städten vorüber, strömt goldhaltige Flut, wälzend der herrliche Rhein. Aber so viel er bespült die Städte, der Länder, ich altes Speyer, ich werde noch stets unter die ersten gezählt. So dichtete Theodor Reysmann im Jahr 1531. In diesem Jahrhundert fanden in den Mauern der Stadt bedeutende Reichstage statt, so der von 1526 und der von 1529, der die Teilung der deutschen Nation in konfessioneller Hinsicht herbeiführte. Während die Versammlungen der Städte und Stände jeweils einige Wochen Leben in die Stadt brachten, sorgte die Anwesenheit des Reichskammergerichtes von 1527 bis 1688 für vielfältige Belebung und trug maßgeblich zum Ruhm der Stadt bei. Aus Speyer, der alten Metropole Germaniens, war der juristische Mittelpunkt des Reiches geworden. So lässt Johann Wolfgang von Goethe am Ende des zweiten Aufzugs seinen Götz von Berlichingen sagen: Macht euch auf nach Speyer, es ist Visitationszeit, zeigt’s an, sie müssen’s untersuchen und euch zu dem Eurigen helfen.“ Der ehemalige Speyerer OB, der über eine beachtliche Privat-Bibliothek verfügt, zitierte aus dieser Zeit auch den englischen Schriftsteller Thomas Coryate aus dessen Aufzeichnungen über eine Venedig- und Rheinfahrt im Jahre 1608: „Speyers Lage ist lieblich, es steht in einer fruchtbaren Ebene, durch die das Flüßchen Spira fließt, nicht weit vom Rhein, obgleich dieser seine Mauern nicht bespült. Es ist von starken Mauern umgeben mit Türmen, die so hoch sind wie unsere Kirchtürme, die höchsten Türme in einer Mauer, die ich auf meiner Reise sah. Manche derselben sind dazu noch mit sonderbaren Torbauten versehen, welche der Stadt ein stolzes Aussehen verleihen und sie weithin sichtbar machen. Viele Straßen sind bemerkenswert wegen ihrer Länge und Breite, die große Straße, die zum Dom führt, ist an beiden Enden fünfunddreißig schritte breit, ich habe dies eigens mit meinen Schritten gemessen.“

Bei dem von Karl-Heinz Jung moderierten und mit Powerpoint-Fotos unterlegten Vortrag im gut besuchten Historischen Rathaus räumte Schineller freilich den Speyerern breiten Raum ein. So zitierte er aus dem „Vermächtnis“ des in der Domstadt geborenen Malers Anselm Feuerbach (1829 bis 1880) eine passage, in der die Domstadt nicht ganz so gut wegkommt. Bildhaft umschreibt der 1839 in Speyer zur Welt gekommene Lyriker Martin Greif im Gedicht „Nähe der alten Stadt“ seinen Geburtsort: Ich zieh‘ auf stillem Wege entlang des Stromes Lauf, die alte Stadt im Nebel steigt nahe vor mir auf. Tief dringt mir in die Seele ihr wohlbekanntes Bild, scheint sie doch wie verkläret, so winkt sie friedensmild. Auch ist’s als ob die Bürde der Zeit sie abgelegt, so stolz mit ihren Türmen das Haupt empor sie trägt.“

Breiten Raum nahm in Schinellers Zitatenschatz die Dichterin Sophie de La Roche ein, die von 1780 bis 1786 in Speyer lebte und in deren Wohnhaus in der Hauptstraße gegenüber dem Rathaus auf Anregung des damaligen Oberbürgermeisters Schineller eine Gedenkstätte eingerichtet wurde. Sie schildert  in ihrer Erzählung „Die Linde im Hof“ eindrucksvoll die Schwierigkeiten, in Nähe des Domes zur Ruhe zu kommen: „Anfangs erwachte ich auch oft bey dem Zusammenläuten der Glocken des Doms, welche um fünf Uhr die Herren Geistliche in den Chor rufen.“ Zu Sophie de la Roche ist zweimal Friedrich Schiller aus Mannheim zu Besuch gekommen. Dieser schwärmt in einem Brief an Henriette von Wolzogen vom 13.November 1783  von der Speyererin mit einer köstlichen Formulierung: … „die sanfte und geistvolle Frau , die zwischen fünfzig und sechszig alt ist und das Herz eines neunzehnjährigen Mädchens hat.“ Die Besucher zum Schmunzeln brachte Schineller mit den überaus ehrlichen „Speyerer Jugenderinnerungen“ der Heimatdichterin Lina Sommer (1862 bis 1932). Diese schreibt darin ausführlich vom Friedensfest 1871 und der bis auf den Rand mit Wein gefüllten „Dummschüssel“, die unter Missachtung (heute geltender) Hygienevorschriften mit eigenen Bechern und Kaffeetassen feuchtfröhlich geleert wurde. Den Speyerer Reigen schließt der 1975 in der Domstadt geborene und in Berlin lebende Schriftsteller Thomas Lehr, dessen Roman „Fata Morgana“ 2010 beste Kritiken erhielt. 

Nach seinem Exkurs in die Politik – mit Zitaten der Kanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder sowie Kreml-Chef Michail Gorbatschow, US-Präsident George Bush und weiterer Besucher der Domstadt schloss der Ex-OB mit einem Mundartgedicht von Ludwig Hartmann über „Die scheene alte Zeit“, welche die Senioren sehr gut nachempfinden konnten. ws

Nächstes Erzählcafé am Dienstag, 4.November, 15 Uhr, Historischer Ratssaal; Schwester Miguela O.P.   spricht über Institut St.Dominikus und 55 Jahre medizinische Versorgung in Afrika. Text: ws; Foto: khj

06.10.2014


Erzählcafé informiert über Spezialschiffe auf dem Rhein …

Speyer- Neben den Passagier- und Transportschiffen stellte der langjährige Vorsitzende  des Schiffervereins, Günter Kuhn, Klapp-, Mess-, Hebe-, Bergungs- u. Fährschiffe sowie Feuerlösch- und Polizeiboote vor.

Als interessante Variante wurde mit einem Ozeanriesen auf dem Werbeplakat eingeladen. „Diese großartigen Passagierschiffe werden auf dem Rhein nicht fahren; ungenügende Wassertiefe, niedrige Brücken, zu wenige Passagiere“, so der ehemalige Berufsschiffer. Doch die Flusskreuzfahrten auf dem Rhein, der Donau und anderen europäischen Strömen nehmen zu. Wie die Mitglieder des Speyerer Schiffer-Vereins sehen, legen die KD (Köln-Düsseldorfer) und die VIKING Schiffe an mindestens drei Tagen pro Woche hier an. Die Gäste besuchen den Dom, bummeln in der Stadt, werden nach Heidelberg oder an die Weinstraße gefahren.

Keine profitable Lösung für Speyer

Günter Kuhn beobachtet die Versorgung der Schiffe mit Kühlwagen und Containern voll Lebensmittel, die aus Holland angeliefert werden( Vollverpflegung an Bord). Auch Busse mit osteuropäischen Kennzeichen werden eingesetzt. Selbst die Liegegebühren versuchen die Kapitäne zu umgehen, indem die Wartezeit durch „Ankern“ auf der „badischen Seite“ versucht wird. Hier erfolgt das Verbot durch die Wasserschutzpolizei jedoch umgehend.

„Die beiden Anlegestellen  mit  Zugang zu den Schiffen  am Speyerer Ufer liegen auf der „Prallseite“(starker Strömungsdruck durch Flusskrümmung) und bereiten besonders beim Ablegen ein kompliziertes Manöver, trotz Bug- und Seiten-Strahl-Triebwerken. Lange Zeit war die „Schleifspur“ solch eines missglückten Manövers an der Uferbefestigung zu erkennen“, so Kuhn. Die kommunale Wahlkampfforderung nach einer  weiteren  Anlegestelle  sollte unbedingt mit Fachleuten erörtert werden, denn die nahe gelegene Salierbrücke verbietet dort eine Anbringung.

Sicherheit durch Doppel-Hüllen-Schiffe und ständige Fahrrinnenkontrolle

Die neuen  Passagier- u. Transportschiffe auf dem Rhein sind „doppelwandig“, haben Satellitensteuerung, Laser-u. Radarhilfen und können so Tag und Nacht  fahren.

Lasten wie Schüttgut (Sand, Kies, Steine, Kohlen) sind in Stauräumen durch Längs- u. Querschotten (Stahlwände) gesichert. Container, in den Maschinen, Autos, Möbel usw. transportiert werden, sind mit besonderen Sicherheitssystemen befestigt. Trotzdem musste Günter Kuhn mit seinem „Hebebock“ mehrmals verlorene Container im Rhein suchen und bergen. Die Strömung verschiebt diese Container sehr schnell „zu Tal“ und sie gefährden dadurch weitere Schiffe. Taucher und Froschmänner sind bei der Suche behilflich und erledigen dabei einen lebensbedrohlichen Job.

Die Messschiffe, erkennbar an den beiden Seitenarmen mit Messpropellern, stellen mit Echograph die Breite, die  Hindernisfreiheit der Fahrrinne sicher und messen die Fließgeschwindigkeit. Wie Kuhn ausführte, setzen Kies und  Uferbefestigung dem Wasser  Reibung entgegen. In der mittleren und oberen Flusszone gibt es keine Reibung, deshalb ist hier die Abflussgeschwindigkeit höher. Bei Niedrig-,  Mittel- und Hochwasser entstehen gewaltige Unterschiede, welche der Kapitän bei der Fahrt und Navigation berücksichtigen muss. Bei Niedrigwasser sind 364m³/Sek., bei Mittlerem Hochwasser  617m³/Sek. und bei Hochwasser steigt der Wert auf 4.440m³/Sek. Die Gefahr, die dabei für den Schiffs-und Bootsverkehr entsteht, verlangt ein sofortige Einstellung der Fahrt. Die Schiffsführer sind verpflichtet, mehrmals täglich die Wasserstandsmeldungen und die damit verbundenen Werte abzufragen und die Fahrt danach auszurichten. Günter Kuhn und die Vereinsmitglieder zeigten Fotos vom Hochwasser 1955, wobei der Hochwasserpegel bei 8,76 m lag, die Altstadt „ unter Wasser setzte“ und Häuser nur über Notstiege oder mit  Booten zu erreichen waren. Im Jahre 1882 blieb der Pegel bei 8,86 m lange Zeit stehen.

Erhaltung der 92 m Fahrrinne, Kiesbeseitigung, Feuerbekämpfung

Der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein verlangt eine Sicherung der Fahrrinne durch Bojen, welche auch auf „Gefahrenquellen“ hinweisen. Das „ Kies- u. Sandgeschiebe“ schafft aber oft Hindernisse, die markiert und mit Hilfe der „Eimerbagger“ beseitigt werden. Vor den Staustufen wird der Kies aufgehalten, hinter dem Bauwerk nagt das strömende Wasser an den Fundamenten der Bauwerke. Hier hilft der Einsatz der „Klappschiffe“. Mit Kies beladen kann so ein Ausgleich auf der Flusssohle hergestellt werden, indem Kies über die Bodenklappe in den Fluss geschüttet wird. Obwohl genügend Wasser vorhanden ist, kann ein Feuer auf dem Schiff nur von Feuerlöschbooten bekämpft werden. Mit dem „Stäubesystem“ (Feuer berieseln) wird dem Feuer der Sauerstoff entzogen und somit erstickt. Die Löschboote verfügen über eine  Innen-Überdruckkabine, die  vor schädlichen Gasen schützt. Der „Schottelantrieb“ befähigt das zu Boot zu umfangreicher, schneller Positionierung.

Fragen der Zuhörer zu Schub- und Koppelungsverbänden, RoRo-(Roll ab und fahre weiter; hierbei wird der Ladeteil  eines Lkw´s auf das Schiff gebracht, während der Motorwagen neue Last herbeischafft) sowie zu Selbstfahrversuchen und Unfällen auf dem wichtigsten Strom Deutschlands.

Die Anwesenden dankten mit herzlichem Beifall für die Informationen bei Kaffee und Kuchen.

Text und Foto: Karl-Heinz Jung

06.09.2014


Erzählcafé vom 01.07.14 - Historische Rheinübergänge bei Speyer mit Rudi Höhl

Historische Rheinübergänge bei Speyer mit Rudi Höhl

Speyer-  Aus der Geschichte zeigt sich die enge Verbundenheit der Stadt Speyer und des Umlandes mit den  rechtsrheinischen Städten und Gemeinden. Die Bewohner an beiden Ufern haben sich trotz mancher Allüren von „Vater Rhein“ nie aus den Augen verloren. Beweise hierfür lieferte Hobbyhistoriker Rudi Höhl mit seinem fundierten Vortrag über die Entwicklung der Rheinübergänge bei Speyer im gut besuchten Juli-Erzählcafé des Seniorenbüros, das Moderator Karl-Heinz Jung mit einem Hinweis auf die Zeunerschen Bronzeplastiken im Domgarten und einem lauten „Fährmann, hol über!“ eröffnete.

Als der damalige Fluss  sehr breit und träge in vielen Bogenschlingen und um die je nach Wasserhöhe gebildeten Inseln  dahinfloss, nutzten die Menschen mit Floßen und Einbäumen  geschickt die verschiedenen Strömungen und ruhigere Fahrwässer um die andere Landseite zu erreichen, ging Höhl anfangs bis in die Römerzeit zurück. Um die befestigten Handelsplätze und militärischen Kastelle zu verbinden, entstanden bereits erste feste Verbindungen und Landestellen. Eine Schenkung von König Karl eines Fischer- und Bauerngehöfts nebst kleiner Kirche an den Abt Gundeland vom Kloster Lorsch um 776 lieferte unter der Bezeichnung Kezo Marca die  ersten Hinweise auf das spätere Ketsch. Stromaufwärts entstand der Weiler Luzheim. Als weitere wichtige Ansiedlung stromaufwärts ist das Dorf Husen an der Furt (Rheinhausen) urkundlich erst 1526 als im Besitz des Bischofs von Speyer bekannt.

Für Spira ergab sich eine An- und Abfahrtsstelle, eine so genannte Helle oder Lände am Gestade der Vorstadt Altspeyer über mäanderartige Schlingen des Flusses hinüber nach Ketsch (ab 1228). Das Ende dieser dem Domstift gehörenden Ablegestelle kam durch die Abtrennung des Altrheinarmes und Aufschüttung des Eselsdamms im Zuge der zweiten Dombauphase. Mit der Aufschüttung wollte Heinrich IV. den starken Strom unterhalb des Ostteils des Doms abbremsen, berichtete Rudi Höhl.  Die Abfahrtsstelle für die meist von Pferden getreidelte Fähre nach Ketsch musste zum Gehöft Spitzrhein verlegt werden. Dort blieb sie auch, bis die Tullasche Rheinregulierung 1835 dieser Verbindung das Aus bescherte.

Die zweite Fähre querte im Süden der Stadt, etwa ab 1290,  nach Lußheim, auch in die Besitzungen des Speyerer Bischofs, der in Bruchsal Stadtherr war. Urkundlich erwähnt sind ferner Fähren bei Rheinsheim (1191), Rheinhausen (1296) und Udenheim -Philippsburg (1297). Nach nur wenigen Jahren wurde  ein Fährbetrieb von Mechtersheim nach Philippsburg wegen Gebiets- und Erbstreitigkeiten aufgegeben.

Für die freie Reichsstadt Speyer waren nach der Rheinbegradigung die Lusheimer Fahr (heute Altlußheim), die husemer (Rheinhäuser)  und noch die kleiner Fähre bei Oberhausen die herausragenden Verbindungen in die rechsrheinischen Gebiete. Höhl erinnerte an regen Handel und zeigte colorierte Postkarten mit Pferdekutschen  und ersten Automobilen. Bewegt wurden die Fähren meist von vier Ruderknechten, den Fergen. Du der Fergenmeister trieb Gebühren und anfallenden Zoll ein, mal im Dienst des Klerus oder der Stadt Speyer. Streitigkeiten über Besitzrechte, kriegerische Auseinandersetzungen und Beschlagnahmungen füllen laut Historiker Höhl „ein umfangreiches Aktenmaterial“.

Eine besondere Bedeutung bekam die Rheinhäuser Fähre, als Kaiser Maximilian I. 1490  eine schnelle Postverbindung einrichtete zu seinem Sohn Philip ins belgische  Mechelen. Regen Fährverkehr brachten die Reichstage von 1526 und 1570. Die aufstrebenden Städte wie Mannheim und Karlsruhe bewirkten ab 1669 eine Abschwächung des Fährbetriebs bei Speyer.  Der kam nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 bis 1697 ganz zum Erliegen. Nachdem sich die Lage im 18. Jahrhundert normalisierte, kamen im Rhein verstärkt so genannte „fliegende Brücken“, also Gierfähren zum Einsatz.

Als 1720 Kurfürst Philip seine Residenz von Heidelberg nach Mannheim verlegte, was Mannheim wirtschaftlichen Auftrieb gab, wurde die „fliegende Brücke“ um 1835 durch eine Schiffsbrücke ersetzt. Sie brachte eine schnellere Verbindung hinüber zur Rheinschanze, dem späteren Ludwighafen. Große Veränderungen brachte der Wiener Kongreß für die Pfalz. Die überregionalen Entscheidungen wurden von München aus gesteuert  und Speyer   wurde Kreishauptstadt des Bayerischen Rheinkreises. Der Rhein  war zur Ländergrenze geworden. Da die  Schiffsbrücken für den zunehmenden  Gütertransport zum Bau von Eisenbahnen und Fabrikgebäuden zu schwach waren, wurden feste Brücken mit Bahngleisen gebaut, 1867 die Brücke von Ludwigshafen nach Mannheim. Der Speyerer Plan, bei Rheinhausen eine Eisenbahnlinie in Richtung Bruchsal zu bauen, wurde verworfen und nur eine Schiffsbrücke errichtet und 1866 eingweiht.  Dafür verlegte man die Lussheimer Gierfähre nach Rheinhausen. Schon sechs Jahre später verkaufte die Stadt Speyer die Schiffsbrücke an die Pfälzische Ludwigsbahn Gesellschaft, die eine Gleisspur einrichtete. Eine in Heidelberg gegründete Gesellschaft verfolgte den Bau einer Eisenbahnlinie über Schwetzingen zum Rhein und den Anschluss an die Speyerer Schiffsbrücke. Der Traum einer direkten Verbindung von Neustadt bis nach Würzburg war indes nicht zu verwirklichen, lediglich eine Abzweigung   vom Speyerer Bahnhof  zum Rhein und eine Schmalspurbahn Neustadt-Speyer wurden genehmigt.

Wegen des ständig steigenden Schiffsverkehrs musste die Schiffsbrücke bis zu 30 Mal am Tag geöffnet werden. Der Wunsch  des Speyerer Stadtrates  nach einer festen Rheinbrücke wurde mehrfach negativ beschieden. Erst Jahre 1929 und 1930 stellte die Regierung die Mittel bereit. Der Spatenstich für die Speyerer Rheinbrücke erfolgte am 23.September  1938, die Einweihung 1938. Nur ganze sieben Jahre hielt die tolle Verbindung „von hiwwe nach driwwe“. Am 23.März 1945 wurde sie beim Rückzug von der Wehrmacht gesprengt, die Fähren in Rheinhausen und Oberhausen wurden am badischen Ufer gesprengt und versenkt.  Schon am 31.März erbaute die französische Armee an der Stelle  der alten Speyerer Schiffsbrücke eine Pontonbrücke und erweiterte ihre militärischen Aktionen ins  Badische.

Nachdem die Westalliierten di Trizone im März 1948 schufen, war eine Verbindung ohne Passierschein von beiden Rheinseiten wieder möglich. Die Stadt Speyer nahm am 27.Oktober 1948 das Fährboot „Katharina (im Volksmund die „Zonenkattel“) und im Dezember ein zweites Boot, die „Karl Theodor“ in Dienst. So konnten Personen und Fahrräder schnell übergesetzt werden. Im Februar 1950 erwarb Speyer eine 40-Tonnen Schnellfähre „Pfalz“. Sie war dank    des revolutionären Voith-Schneider Antriebs sehr wendig und schnell.  In den sieben Jahren ihres Einsatzes beförderte sie Millionen von Fußgängern und Radfahrern sowie rund zwei Millionen Kraftfahrzeuge und Fuhrwerke.  Mit der ab 1954 erbauten und am 3.November 1956 eingeweihten Salierbrücke  und der 1974 in Betrieb genommenen Pylon-Autobahnbrücke wurden die Pfalz und Nordbaden ganz fest verbunden. Aber noch einmal kam alter Glanz zur Anlegestelle der Rheinhäuser Fähre: Die Salierbrücke wurde wegen Fahrbahnerneuerung ab 1.August 1977 für sechs Wochen komplett gesperrt. Das schwere Schwimmbrückenbataillon 880 aus Bensheim stellte für die Sanierungszeit eine 100 Tonnen schwere Flussfähre vom Typ Bodan mit großer Ladekapazität. Schon bei der ersten Überfahrt beförderte die Fähre elf Motorfahrzeuge. Erst zur 700-Jahr-Feier der historischen Fährverbindung zwischen Rheinhausen und Speyer am 11.April 1995 wurde wieder ein kleines Fährboot, zuerst die „Eberhard“, dann ab 1998 die „Neptun“ in Betrieb genommen. Sie befördert im Sommer an Wochenenden Fußgänger und Radfahrer. Im Einsatz ist auch noch die Kollerfähre über den Rhein. Sie verbindet von Frühjahr bis in den Herbst, bei Stromkilometer 410, von mittwochs bis sonntags die Gemeinde Brühl mit der linksrheinischen Kollerinsel.

Text: Schilling Foto: Karl-Heinz Jung

03.07.2014


RHEIN-PFALZ-STIFT unter neuer Leitung

Engagiertes Team: Pflegedienstleitung Rebecca Zimmermann (l.) und Heim- und Verwaltungsleiter Thorsten Fitz (2.v.r.) übernehmen die Leitungsfunktion des RHEIN-PFALZSTIFT in Waldsee. Qualitätsmanagement-Beauftragte Beata Schumann (2.v.l.) und avendi-
Regionaldirektor Thomas Gilow (r.) stehen ihnen weiterhin zur Seite Engagiertes Team: Pflegedienstleitung Rebecca Zimmermann (l.) und Heim- und Verwaltungsleiter Thorsten Fitz (2.v.r.) übernehmen die Leitungsfunktion des RHEIN-PFALZSTIFT in Waldsee. Qualitätsmanagement-Beauftragte Beata Schumann (2.v.l.) und avendi- Regionaldirektor Thomas Gilow (r.) stehen ihnen weiterhin zur Seite.

Waldsee- Zeit der Veränderung in Waldsee: Seit kurzem steht die Pflegeeinrichtung RHEIN-PFALZSTIFT unter der Leitung von Thorsten Fitz, dem neuen Heim- und Verwaltungsleiter. Als Pflegedienstleitung komplettiert Rebecca Zimmermann das erfahrene Führungsteam. Sie ist für Beata Schumann gekommen, die in ihrer eigentlichen Aufgabe als Qualitätsmanagement- Beauftragte bei avendi das RHEIN-PFALZ-STIFT weiterhin begleitet.

Heim- und Verwaltungsleiter Thorsten Fitz absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Krankenpfleger und arbeitete einige Jahre in diesem Beruf, bevor er leitende Aufgaben übernahm. Die Arbeit mit den ihm anvertrauten Menschen, das Leben und der Alltag in einer Pflegeeinrichtung liegen ihm sehr am Herzen. Als gebürtiger Mannheimer kennt er die Kurpfalzmetropole und die Umgebung natürlich bestens. Thorsten Fitz freut sich, das Rhein- Pfalz-Stift als Heim- und Verwaltungsleiter im bisherigen Stil weiterzuführen und den Bewohnern hier ein Zuhause zum Wohlfühlen zu bieten.

Rebecca Zimmermann ist seit 2004 examinierte Altenpflegerin, Leitungserfahrung hat sie seit 2007 gesammelt. Für die gebürtige Schwetzingerin, deren Schwester als Heim- und Verwaltungsleitung in der Einrichtung Service-Wohnen & Pflege PARKSTRASSE in Ketsch arbeitet, stehen das Wohlergehen der Bewohner und die Zusammenarbeit im Team an erster Stelle.

Ein derart gut aufgestelltes Führungsteam im Rhein-Pfalz-Stift erlaubt es nun auch avendi- Regionaldirektor Thomas Gilow, sich wieder seinen eigentlichen Aufgaben zu widmen. Das Haus, seine Bewohner und Waldsee seien ihm in den vergangenen Monaten, in denen er die Einrichtung interimsmäßig geleitet hat, sehr ans Herz gewachsen, resümiert er. Thomas Gilow freut sich umso mehr über das neue fachlich wie menschlich überzeugende Führungsteam Fitz/Zimmermann. Im Rahmen seiner Arbeit als Regionaldirektor wird er auch künftig regelmäßig in seinem Büro im RHEIN-PFALZ-STIFT anzutreffen sein.

Das rund 3400 Quadratmeter große Areal des RHEIN-PFALZ-STIFT erstreckt sich im Herzen von Waldsee. Die avendi Senioren Service GmbH bietet hier nicht nur eine kompetente stationäre Pflege, sondern auch eine sehr schöne Atmosphäre in einem übersichtlich strukturierten und modernst ausgestatteten Haus mit 85 komfortablen Einzelzimmern. Bewohner aller Pflegestufen werden hier liebevoll versorgt, davon können sich Interessierte beim kostenlosen Probewohnen überzeugen. Die kleinteiligen Wohngruppen und das avendi-Konzept eröffnen den Bewohnern viel Raum für die persönliche Entfaltung, das gemeinsame Erleben und die Pflege sozialer Kontakte. Bewohner aller Pflegestufen werden hier versorgt. Ergänzt wird das Angebot des Hauses um den PALLIATIV STÜTZPUNKT VORDERPFALZ und das Pflegehotel.

Die avendi Senioren Service GmbH betreibt aktuell 17 Einrichtungen und vier mobile Pflegedienste mit Schwerpunkten in der Metropolregion Rhein-Neckar, im Ortenaukreis sowie in den Regionen Rhein-Main und Dessau-Roßlau / Weißenfels. Text und Foto: avendi Senioren Service GmbH

05.06.2014


Speyer hätte Paris mehr als einen Monat mit Wein versorgen können

Speyer- Einige Senioren hatten auf ein Probier-Gläschen gehofft, wenn es schon eine gute Stunde lang rund um den Ruländerwein ging. Aber die Kehlen blieben trocken beim Vortrag von Stadtarchiv-Leiter Dr.Joachim Kemper, der sein Thema „Speyer, der Ruländer und die Weinstadt am Rhein“ mit historischen Bildern beleuchtete . Anhand einer Karte von 1821 zeigte Moderator Karl-Heinz Jung einleitend auf, wie viele Rebstöcke in dieser Zeit im Stadtgebiet standen – die meisten an Klöstern, wie dem St. Magdalena-Kloster im Hasenpfuhl. Seine Erklärung hierfür: „Der Wein war sauber, das Wasser nicht immer.“

In München, wo Kemper lange arbeitete, sind die bayerisch-pfälzischen Verbindungen im Zeichen des Weines noch lebendig, wies Kemper auf die Pfälzer Residenz–Weinstube  am Odeonsplatz hin. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet – als Versuch, die Pfalz wieder an das rechtsrheinische Bayern anzuschließen -  und gehört noch heute dem Landesverband der Pfälzer in Bayern. Die bayerische Wein-Propaganda war indes vergebens. Im Jahr 1956 erhielt das Volksbegehren  zur „Wiedervereinigung“ in der Pfalz eine klare Absage.

Über 200 Jahre zurück liegt für die Weingeschichte der Stadt wichtige „Entdeckung“ einer bis heute weit verbreiteten Weißwein-Rebsorte zurück. 1711 erkannte der Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland  in einem von ihm erworbenen Gartengrundstück den Wert und die Besonderheit zweier Rebstöcke.  Heute erinnert eine 1999 in der Marienstraße 2 angebrachte Hinweistafel in der Marienstraße 2 an den Ruländer-Entdeckungsort. Wie der Speyerer Gymnasialkonrektor Georg Litzel berichtet, soll Ruland den Traubenmost der beiden Rebstöcke separat in ein kleines Fass abgefüllt und beim Verkosten des süßen Rebensaftes im Sommer  die Wirkung des Weines im Kopf verspürt haben. Um die Mitte des 18.Jahrhunderts hatte in Speyer der Ruländer, auch „vinum bonum“ (guter Wein) genannt, den Gänsfüßer als beliebteste Rebsorte verdrängt.  Im Versuchsanbau im Staatsweingut in Neustadt-Mußbach wird der Gänsfüßer heute wieder gepflegt und kann dort auch gekauft werden, informierte der Stadtarchiv-Leiter.

Der von vielen Landesherren geförderte Ruländeranbau  sorgte für eine zunehmende Verbreitung dieser Rebsorte. Die  rötlich-rot gefärbte Ruländerrebe ist im deutschen Sprachraum  unter der Bezeichnung Grauburgunder  bekannt und zu der Zeit von Rulands „Entdeckung“ auch schon weit verbreitet gewesen. Man versteht darunter die eher trockene Variante des Weines, während die Bezeichnung „Ruländer“ in de Regel den lieblichen Ausbau der Rebsorte aus reifen und zum Teil edelfaulen Trauben meint. In Frankreich, Australien und Luxemburg, dominiert die Bezeichnung Pinot gris, in Italien heißt der Grauburgunder Pinot grigio. Die im Elsass lange gebräuchliche Sortenbezeichnung „Tokayer“ darf seit kurzem aufgrund einer Klage aus Ungarn (Weinanbaugebiet Tokajer) nicht  mehr verwendet werden, erklärte Kemper.

Im 19.Jahrhundert  in der Pfalz zeitweise fast gänzlich vom Silvaner verdrängt, kam es nach dem ersten Weltkrieg zum Wiederaufschwung der leistungsfähigen Ruländerrebe, die erheblich auf  Klimaschwankungen reagiert und anfällig ist für Rebkrankheiten und Schädlinge. Haupanbaugebiete des Ruländers sind heute die Pfalz, Rheinhessen und Baden. In Deutschland wird Grauburgunder auf 45000 Hektar angebaut, was etwa vier Prozent der Rebfläche entspricht.  Die in Speyer 1982 gegründete Ruländer-Akademie  hat sich der Dokumentierung der Herkunft und Verbreitung des Ruländers verschrieben.  Jährlich schreibt die Akademie einen Ruländer-Wettbewerb aus und prämiert je einen trocken  und einen lieblich ausgebauten Pfälzer Wein dieser Rebsorte. Seit 32 Jahren  darf sich Speyer laut Joachim Kemper ganz offiziell wieder Weinbaugemeinde nennen. Der damals neu angelegte Wingert am Tafelsbrunnen (Richtung Römerberg) umfasst elf Rebzeilen mit rund 660 Rebstöcken. Die Erntemenge liegt bei durchschnittlich 1000 Litern. Immerhin zweimal erhielt der Ruländerwein der Stadt die „Bronzene Kammerpreismünze“, ein Mal gar die Silberne. Die Trauben werden in Neustadt gekeltert und für die Stadtverwaltung in 0,7-Liter-Flaschen abgefüllt. Der Ruländer wird als  regelrechter Repräsentationswein gerne verschenkt, aber auch gerne bei feierlichen Anlässen getrunken.

Dass Wein in de Domstadt  stets große Bedeutung hatte und ein großer Umschlagsplatz war, belegte Kemper mit einem Bericht aus Frankreich nach der Stadtzerstörung 1689, in welchem beiläufig erwähnt werde,  dass man mit der Menge des in Speyer lagernden Weines eine Großstadt wie Paris mehr als einen Monat hätte versorgen können. Ws; Foto: khj

Zur Information:

Beim nächsten Erzählcafé am Dienstag, 1.Juli, 15 Uhr, im Seniorenbüro-Veranstaltungsraum im Maulbronner Hof 1 A, erinnert Hobbyhistoriker Rudi Höhl an „Historische Rheinübergänge bei Speyer“.

05.06.2014


Tag der Pflege: Diakonissen Seniorenzentren danken Mitarbeitenden

Freundlicher Empfang zur Frühschicht im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital Freundlicher Empfang zur Frühschicht im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital

Speyer- Den internationalen Tag der Pflege und bundesweiten Aktionstag der Diakonie Deutschland am 12. Mai nahmen die Diakonissen Seniorenzentren zum Anlass, sich bei den Mitarbeitenden für ihr Engagement zu bedanken.

Pünktlich zu Beginn der ersten Schicht um 6 Uhr begrüßten das Leitungsteam und Mitarbeitervertreter im Speyerer Seniorenstift Bürgerhospital Mitarbeitende persönlich mit Blumen und einem Frühstück to go. Ein kleines Dankeschön bekamen die überraschten Mitarbeitenden auch mit auf den Weg: „Wir danken damit für die tägliche Arbeit, die Freundlichkeit, die Professionalität und die Zeit, die unsere Mitarbeitenden in der Pflege, der Hauswirtschaft, Technik und Verwaltung zum Wohl unserer Bewohner einbringen“, sagt Pflegedienstleiterin Sabine Seifert, die die Idee hatte, den bundesweiten Aktionstag den Mitarbeitenden zu widmen.

Die tolle Idee haben auch andere Seniorenzentren der Diakonissen Speyer-Mannheim aufgegriffen, so begrüßten Heimleiter Klaus-Dieter Schneider und sein Führungsteam im Haus am Germansberg die Mitarbeitenden der Früh- und Spätschicht mit einem kleinen Dankeschön und einem Gutschein für ein Büffet, an dem sie sich im Laufe des Tages mit allerlei Köstlichkeiten versorgen konnten. „Es war gar nicht so einfach, die Aktion geheim zu halten, umso schöner, dass die Mitarbeitenden so positiv überrascht von dieser Form der Wertschätzung waren“, so Schneider.

Mitarbeitende des Diakonissen Seniorenzentrums Haus am Germansberg schicken ihre Wünsche nach BerlinEbenso erfreut waren die Mitarbeitenden, die Heimleiterin Sabine Rumpf-Alles und Pflegedienstleiter Dado Plavsic im Diakonissen Seniorenzentrum Wolffstift in Kirchheimbolanden jeweils zu Schichtbeginn persönlich mit einem kleinen Dankeschön in Empfang nahmen.

Neben den eigenen Aktivitäten für ihre Mitarbeitenden beteiligten sich die Diakonissen Seniorenzentren an einer bundesweiten Aktion von Diakonie Deutschland, in deren Zuge am 12. Mai in allen 3.500 Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten der Diakonie symbolisch Rettungspakete gepackt wurden. „Die Situation der Altenpflege ist kritisch, da die Zahl der pflegebedürftigen Menschen steigt, während die Arbeit der Pflegekräfte zu wenig wertgeschätzt wird und die Finanzierung von Pflege nicht ausreichend gesichert ist“, erklärt Pfarrer Dr. Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim. Daher freue er sich, dass haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende, Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörige die Gelegenheit nutzten, ihre Wünsche auf Postkarten zu formulieren, mit denen Diakonie Deutschland ihre Forderung an die Bundesregierung untermauert, ein Rettungspaket für die Altenpflege zu schnüren. Die Wünsche, die in den Diakonissen Seniorenzentren gesammelt wurden, unterscheiden sich dabei kaum von denen der Diakonie Deutschland, so geht es vor allem um mehr Anerkennung für den Berufsstand, eine gerechtere Bezahlung und eine Kürzung der bürokratischen Anforderungen im Alltag, um sich intensiver um die Pflegebedürftigen kümmern zu können.

Text und Foto: Diakonissen Speyer-Mannheim

13.05.2014


55 Jahre Städtepartnerschaft Speyer-Chartres mit Dr. Christian Roßkopf (OB i.R.) im Erzählcafé

Speyer- Am 25. Mai 1959 wurde die Urkunde von Oberbürgermeister Paulus Skopp und seinem französischen Kollegen Joseph Pichard in Chartres unterschrieben und somit die Partnerschaft zwischen beiden Städten feierlich besiegelt. „Die Urkunde beruft sich auf eine gemeinsame Tradition und beide Städte verpflichten sich mit dem  Dokument, beständige Verbindung zu pflegen, den Austausch der Bürger zu fördern und damit die europäische Bruderschaft zu stärken“(siehe Goldenes Buch der Partnerschaften).

Dr. Roßkopf, der die französische Partnerstadt oft besucht und selbst den Weg dorthin mit dem Fahrrad schon „erstrammelte“, erinnerte  zu Beginn an die wichtigen Entscheidungen des Europarates, der am gleich Tag in Wien zusammenkam, um über drohende Kriegsgefahren in der Ost-Ukraine  zu beraten. 

Weiter würdigte er die Gründung des Europarates vor nun 65 Jahren, den EWG-Vertrag zur Vergemeinschaftung von Kohle und Stahl  durch Robert Schumann, Jean Monet und Konrad Adenauer, die Väter  Europas.

Speyer erhielt von den französischen Bischöfen beim Bau der Bernhardus-Kirche eine großzügige Spende, die der Bischof von Metz damals in bar überbrachte. Auch die Einweihung mit  Robert Schumann, Francois Poncet und Konrad Adenauer stellte einen Höhepunkt der Beziehungen dar.

Gechichtliche Verbindungen beider Städte

Dr. Roßkopf stellte Speyer und Chartres als Schwesterstädte im besten Sinn des Begriffs vor. Dies bezieht sich nicht nur auf den majestätischen romanischen Dom und die weltberühmte gotische Kathedrale mit herrlichen Glasfenstern sondern auch auf die Funde  keltischen Ursprungs, die  bei Grabungen in beiden Städten immer wieder auftauchen. Beide Bischofsstädte hatten einflussreiche Domschulen; in Chartres wurde der französische Heinrich IV. gekrönt, Speyer war Stadt des Reichskammergerichts bis 1688 und erlangte große Bedeutung durch die Reichstage von 1526  und 1529. Besondere Erwähnung fand auch Bernhard von Clairveaux , der an Weihnachten 1146 den deutschen König Konrad III. im Speyerer Dom zum  Kreuzzug aufforderte. 

Der ehemalige Oberbürgermeister vergaß ebenfalls  nicht die Entstehung der Erbfeindschaft durch den 1689er Erbfolgekrieg von Ludwig XIV, die Revolutionskriege von 1700 bis 1814, den 1870/71er Krieg und die „Ehrverletzung“ der Franzosen durch die dt. Reichsgründung in Versailles. Auch der vor 100 Jahren begonnene 1. Weltkrieg  und der II. Weltkrieg von 1939-1945  mit Millionen Toten, „schlugen Wunden beim Gegner“.   

Neue Epoche nach Kriegsende 1945

Nirgendwo hat sich die Aussöhnung spontaner und überzeugender erwiesen als in der Städtepartnerschaft, die als Freundschaft wahrgenommen wurde“, so Dr. Roßkopf. Über 1000 Bürger aus Speyer und dem Umland fuhren in einem Sonderzug 1972 nach Chartres, wo bereits weitere „Chartresfreunde“ mit Pkw eingetroffen waren; 1969 waren 700 Besucher aus Chartres nach Speyer gekommen.  Die Pfingsttreffen „bewegten“ die Speyerer und die Chartrainer wechselseitig  in West- und Ostrichtung zur „Jumelage“.

Mit Hilfe der  PowerPoint-Fotos konnte der ehemalige Oberbürgermeister von  vielen neuen freundschaftlichen Verbindungen  berichten:

Kriegsveteranen trafen sich, es gab Schüleraustausch; Firmen, Verwaltungen, Baugenossenschaften, Banken und Trachtengruppen organisierten Treffen. Besonders Künstler, Sportvereine, die Feuerwehr und die Stadtgärtnereien erfanden  Freundschaftstreffen.  

„Ein umfassender Geist gegenseitiger Sympathie, Freundschaft und Verständigung hatte die Bürgerschaft von Chartres und Speyer erfasst“, wie Dr. Roßkopf anhand von Fotos beweisen konnte. Jubiläen wurden zu Volksfesten mit vielen Attraktionen in Sälen und  auf Plätzen. In den folgenden Jahren erwählte die SKG ihre Faschingsprinzessin in Chartres. Ehen wurden über Grenzen hinweg geschlossen, die Glaswerkstatt Loire baute Glasfenster in Mannheim, Berlin, im Gebets- und Andachtsraum  des Altenheims der Bürgerhospitalstiftung ein, wo noch ein Segment im Eingangsbereich des Neubaus zu bewundern ist.

Perspektiven der Städtepartnerschaft

Die besondere Bedeutung von Giscard d`Estaing, ehemaliger Präsident Frankreichs und Helmut Schmidt, früherer deutscher Bundeskanzler, erhalten  den Deutsch-Französischen Medienpreis, für den neuen Elan, den beide den deutsch-französischen Beziehungen verliehen haben. Darin wird nach Dr. Roßkopf auch die Rolle der Nachbarländer für die Einheit Europas gewürdigt. So könnten  auch die Städtepartnerschaften  nach 55 Jahren sich weitere Situationen suchen, um hilfreich das Rückgrat Europas zu stärken.  „Das Bewusstsein bleibender Zusammengehörigkeit und gleichzeitig aufgeschlossen und neugierig für weiterführende Gemeinsamkeiten sein, woraus weiterführende ASPEKTE und Anregungen zu erwarten sind; im Bereich der Stadtentwicklung, Bauen, Verkehr   und der politischen Praxis“, so der Wunsch von Herrn Dr. Roßkopf.

Der angemahnte neue Elan führte zu vielen Wortmeldungen. Für den seit 1995 bestehenden Freundeskreis lud Herr Ott die Anwesenden zu Gesprächen, Monatstreffen in die französische Bibliothek, aber besonders zu den Aktivitäten im Rahmen der 55-Jahr-Feier ein.

Vom Theologiestudium im Kriegsgefangenlager Chartres konnte Pfr. Bernhard Linvers berichten. Damals hatte Abbe Stock unter der  „schützenden Hand“ des damaligen vatikanischen Nuntius, Angelo Roncali, dem späteren Papst Johannes XXIII., theologische Vorlesungen und Prüfungen durchgeführt, die später auch in Deutschland anerkannt wurden. So konnte auch der spätere Domkapitular Johann Maria Dörr in der Kriegsgefangenschaft sein Theologiestudium ausbauen.

Auch der Frankfurter Gemeinde- und Rundfunkpfarrer Lothar Zenetti studierte  während dieser Zeit im Lager Chartres. Stefan Dreeßen, verantwortlich für die Behindertenseelsorge der Diözese Speyer, berichtete von der Unterschutzstellung der ehemaligen Lagerschuppen bei Chartres und von der eingeleiteten Seligsprechung von Abbe Stock. Alles sind positive Zeichen und muntern zum ergänzenden Erforschen von Gemeinsamkeiten beider Städte auf.

Auch  weiterführende Aspekte der Stadtentwicklung im Bereich von Innenstadt-Parkdecks, der Fußgängerzone und einer unkonventionellen Verkehrsführung mit Hilfe mächtiger „Kalksteinpoller“, konnte Architekt Carl-Dieter  Schmitt, aufzeigen.

Für die  detaillierten, umfangreichen, mit Fotos ausgestalteten Ausführungen, gewürzt mit persönlichen Erlebnissen von Dr. Christian Roßkopf, spendeten die etwa 80 Zuhörer reichlich Beifall und man war sicher, dass „Freundschaften über Grenzen hinweg Gemeinsamkeiten schaffen können,  auch über Sprachbarrieren hinweg“. Text und Foto: Karl-Heinz Jung  

08.05.2014


Vom Kirchenfürst zum Kirchenführer

Der ehemalige Kirchenpräsident Eberhard Cherdron  im Erzählcafé

Speyer- Gerne erinnert sich Eberhard Cherdron an seine Zeit als Kirchenpräsident, ist aber jetzt auch froh und glücklich, wenn er den Menschen, welche in die Dreifaltigkeitskirche  kommen, dieses Gotteshaus mit den vielen Bildern näher bringen darf. So organisiert er seit seiner Pensionierung den „Öffnungsdienst“ dieser Kirche.

Musikliebhaber Cherdron, der in der Freizeit die kleine Gamba spielt, im Chor singt und bei vielen Aufführungen in Altenheimen mitwirkt, ist gleich in seinem Element.

„ Das Deckengemälde der Barockkirche zeigt König David beim Harfenspiel. Erin großes Orchester von Engeln mit verschiedenen Instrumenten umschweben die Orgel, bis die heilige Cäcilia den Musikkreis ergänzt“, so Eberhard Cherdron. „ Der umfangreiche Bilderschmuck an den Emporen, meist eine Verbindung zwischen dem Alten und Neuen Testament, stellt einen reichen Schatz dieses Gotteshauses dar, dem man einen ganzen Erzählnachmittag widmen könnte. Die vorgesehene Restaurierung der Bilder wird viele Monate in Anspruch nehmen, damit bei der 300-Jahrfeier 2017 eine strahlende Bilderwelt zu bestaunen sein wird“, so der Kirchenpräsident in Ruhe.

Fragen der Zuhörer nach den Kosten, den Veränderungen bei der Renovierung im Kirchenraum, ergänzten die Ausführungen.

Begleitet vom schönsten Wetter,  ging die Wanderung in den Maulbronner Hof los, wo auch alle Besucher, offensichtlich von der Aussicht auf eine Tasse Kaffee gelockt, alsbald eintrafen.

Dort berichtete der  ehemalige Kirchenpräsidenten erstmals einiges über seine Bilderbuchkarriere. Nach dem Staatsexamen und einer einjährigen Ausbildung im Predigerseminar Landau trat er seine Vikariatsstelle  an. Damit war es erstmals genug mit der Theologie, es schloss sich das Studium der Volkswirtschaft in Mannheim an, das er unter anderem damit finanzierte, dass er in der Edith-Stein-Schule Religionsunterricht gab. Doch nach diesem Studium trat er seine erste Pfarrstelle für drei Jahre in Neuhofen an. Von dort berief  man ihn als Landesjugendpfarrer nach Kaiserslautern, wo er sich mit Freuden  für sieben Jahre mit Leib und Seele einbrachte.

Nach weiteren sieben Jahren übernahm  er die Leitung des Diakonischen Werkes in Speyer und kehrte  so zurück in seine Heimatstadt. Vom Diakonischen Werk aus erfolgte die Wahl zum Oberkirchenrat in der Landeskirche  und zwar arbeitete er hier zehn Jahre als Personaldezernent. 1998 erfolgte dann die Wahl zum Kirchenpräsidenten.

Die Leitung einer Kirche geschehe allein durch das Wort, es bestehe auch keine Richtlinienkompetenz, der Präsident ist im Landeskirchenrat einer unter Gleichen. Die Dezernenten seien selbstständig, ein Präsident kann nicht hineindirigieren. Beide sind der Landessynode verantwortlich, von der sie auch gewählt worden waren.  Die einzige Möglichkeit des Hineindirigierens wäre, den Dezernenten mit Zustimmung der Landessynode seine Zuständigkeiten zu verändern. Im Ganzen handele es sich um eine repräsentative Funktion, so Eberhard Cherdron.

Während des Dienstes ergeben sich viele Kontaktgespräche mit Politikern des Landes, auch mit Repräsentanten der Kirchen anderer Länder und auch Völker. Zusammen mit Pfarrer Linvers wies er auch auf die seit Jahrzehnten gute Zusammenarbeit mit den Katholiken hin, ein Verhältnis, das durch die Nähe der Sitze beider und die Übereinstimmung der Grenzen profitiere.

Auch das relativ gute Verhältnis zu den Pietisten wurde erwähnt.

Gefragt nach dem, was in seiner Amtszeit als sehr gelungen zu sehen sei, wies er auf die Restaurierung der Gedächtniskirche hin. Negativ schien ihm die Tatsache, dass es in dieser Richtung mit der Dreifaltigkeitskirche nicht richtig klappe.

Als Wunsch für seinen Nachfolger formulierte er die Hoffnung, dass ihm die bisher so positiv aufgefallene freundliche Zuwendung zu den Menschen erhalten bleibe.

Mit herzlichen Worten dankte Moderator Dr. Thomas Neubert für die umfangreichen Ausführungen in der Dreifaltigkeitskirche und im Seniorenbüro.

Text und Foto:khj

10.04.2014


Lieber von Glaser karikiert, als vom Leben gezeichnet

Speyer- Eine Gruppe Senioren, die im Rahmen der Reihe „Hören und Sehen“ des Seniorenbüros Speyer einer Einladung von Hans Günther Glaser gefolgt waren sah dies genauso und mancher Besucher lies sich karikieren.

Der stadtbekannte und beliebte Künstler porträtierte die Besucher  gegen einen kleinen Obolus und zeigte sein Karikatur-Archiv, das zur allgemeinen Erheiterung der Gäste beitrug. Hierin waren viele Speyerer Persönlichkeiten und bekannte Politiker, nicht nur aus unserer Stadt, von ihm karikiert worden.

„Das ist doch die Inge, das ist der Bernd“ wurden die Gezeichneten erkannt. Auch Details wurden genau unter die Lupe genommen, wie das Dekolleté und der Teil des Busens einer Dame. Es wurde diskutiert, ob   die dargestellte Größe den damaligen Tatsachen entsprochen hätte.

Nach zwei Stunden mit netter Unterhaltung bedankte sich Karen Plewa bei Glaser für die Einladung und benannte den nächsten Besuch bei der Künstlerin Karin Germeyer-Kiem.

Text und Foto: Pressestelle Stadt Speyer

10.04.2014


Wolfgang German, ein Künstler mit Hand und Fuß

Speyer- Anlässlich der Reihe „Hören und Sehen“ des Seniorenbüros hatte der Speyerer Künstler Wolfgang German zu einer Führung durch die außergewöhnliche Welt seines Anwesens in der Großen Pfaffengasse Nr. 7 eingeladen. Noch vor dem Betreten seines Hauses stießen die 19 Gäste auf der Eingangstreppe auf einen angeketteten Damenfuß aus Sandstein. Einen Blick auf die Hausfassade werfend, entdeckten sie noch eine Hand, ebenfalls aus rotem Sandstein.

Der Künstler empfing die Senioren und führte selbst durch seine außergewöhnliche Wohnwelt, in der er Galerie, Atelier und Wohnung faszinierend und reizvoll miteinander verbindet. Gemälde, Kunstobjekte und Dinge des alltäglichen Lebens werden zur Installation im Kunstraum. Die Betrachter wurden in Staunen, Bewunderung und Überraschung versetzt. Im Rahmen einer gemütlichen Kaffeetafel – von der Dame des Hauses liebevoll vorbereitet -  fand abschließend noch eine Gesprächsrunde statt. Ein besonders beeindruckender Nachmittag blieb damit allen Beteiligten in Erinnerung.

Pressestelle Stadt Speyer

10.04.2014


1,7 für avendi-Einrichtung Rhein-Pfalz-Stift

Ein sehr gutes Ergebnis für die Waldseer Pflegeeinrichtung der Mannheimer avendi Senioren Service GmbH

Waldsee- Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen (MDK) bewertete das Rhein-Pfalz-Stift mit der Note 1,7. „Das ist für uns ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, freut sich Thomas Gilow, Heimleiter und avendi-Regionaldirektor, über dieses Ergebnis. Die Prüfer erkannten die hohe Qualität und die guten Urteile der Bewohner an. „Es ist unser Bestreben, ein sinnenfrohes, anregendes Umfeld zu gestalten, in dem die Freude am Leben im Vordergrund steht“, so Thomas Gilow. Dennoch sei das gute Abschneiden bei der MDK-Bewertung kein Grund zum Stillstand, sondern vielmehr Ansporn: „Wir werden auch weiterhin alles daran setzen, dass sich unsere Bewohner rundum wohlfühlen und bestens versorgt sind. Bei uns steht immer der Mensch im Mittelpunkt.“ Das spiegelt sich in der Einzelnote der Befragung der Bewohner wider, die die Einrichtung mit der Spitzennote 1,1 bewerteten.

Seit 2009 prüft der MDK deutschlandweit unangekündigt Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste. Die Ergebnisse müssen bundesweit veröffentlicht werden, sind also für Pflegebedürftige, Angehörige und Interessierte ein wertvolles Instrument der Vergleichbarkeit auf dem Weg zur Entscheidung für ein Haus. Seit 1. Februar 2014 gelten für die Bewertung neue Richtlinien. Ausgelöst worden war die Überarbeitung durch Änderungen in den Pflegetransparenzvereinbarungen für die stationäre Pflege und die Überarbeitung des Pflege-Neuausrichtungsgesetz (PNG). Die Regelprüfung bezieht sich auf die Qualität der Pflege und medizinischen Betreuung, des Umgangs mit demenzkranken Bewohnern, der sozialen Betreuung und Alltagsgestaltung sowie des Wohnens, der Verpflegung und der Hauswirtschaft. Die Zufriedenheit der Bewohner einer Einrichtung wird separat ermittelt und als eigene Note dargestellt.

Das Rhein-Pfalz-Stift verfügt über 85 Pflegeplätze in Einzelzimmern. Beliebte Treffpunkte für die Bewohner und ihre Gäste sind die großzügigen Wohnküchen sowie die Cafeteria im Erdgeschoss. „In Waldsee bieten wir Pflegebedürftigen aller Pflegestufen nicht nur ein Zuhause zum Wohlfühlen“, erläutert Thomas Gilow. „Hier können Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, zudem allein oder gemeinsam mit ihren Angehörigen Urlaub machen. Im Pflegehotel sind wir darauf bestens vorbereitet. Gäste mit und ohne Pflegestufe können sich hier rundum verwöhnen lassen und so erholen.“ Darüber hinaus ist das Rhein-Pfalz-Stift durch die Kooperation mit dem Mannheimer Schmerztherapeut Dr. Stefan Schramm seit März 2014 PALLIATIV STÜTZPUNKT VORDERPFALZ. Das PALLIATIV CARE-Team steht mit spezialisierten Fachpflegekräften und Ärzten Menschen mit fortgeschrittenen und unheilbaren Krankheiten am Ende der Lebensphase zur Seite.“

Die avendi Senioren Service GmbH betreibt neben dem Rhein-Pfalz-Stift in Waldsee weitere 16 Einrichtungen mit regionalen Schwerpunkten in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt. Eine weitere Einrichtung in Bad Dürkheim ist derzeit in Planung. Das Unternehmen ging 2001 aus der Entwicklung des Geschäftsbereichs Senioren-Immobilien innerhalb der eigentümergeführten DIRINGER & SCHEIDEL Unternehmensgruppe hervor.

avendi Senioren Service GmbH, Presse

08.04.2014


Ratgeber: Wohnen im Alter - Komfort ohne Barrieren

Die Ansprüche an die eigene Wohnumgebung verändern sich im Laufe des Lebens. Ein Zuhause für die ganze Familie muss andere Anforderungen erfüllen, als für ein Leben zu zweit nach dem Auszug der Kinder. Der klassische Grundriss für Einfamilienhäuser der 1960er bis 1980er sah neben dem Keller einen abgetrennten Ess- und Küchenbereich, Garderobe, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Gästetoilette im Erdgeschoss vor sowie Kinderzimmer, Bad und Gästezimmer im Obergeschoss und einen geräumigen Dachboden, zu dem nicht selten eine Holzleiter oder schmale Wendeltreppe führte.

Nach dem Auszug der Kinder wird diese Raumaufteilung häufig für viele Jahre beibehalten. Kinder und Enkelkinder sollen weiter zu Besuch kommen oder es fehlen Ideen, wie der „verwaiste“ Wohnraum auf die veränderte Lebenssituation angepasst werden kann. Erst wenn das ständige Treppensteigen zu beschwerlich wird, der Rollstuhl nicht durch die Zimmertüren passt oder sich Haustür- und Balkonschwellen zu gefährlichen Stolperfallen entwickeln, wird die seniorengerechte Wohnraum-Anpassung in Angriff genommen. Viele Barrieren lassen sich mit relativ wenig Aufwand beseitigen. Wenn Sie jedoch aufgrund wachsender Beeinträchtigungen den gesamten Grundriss verändern oder umfassende Modernisierungsmaßnahmen durchführen möchten, können die Kosten schnell die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Das gilt insbesondere, wenn Sie nicht mehr berufstätig sind und eine vergleichsweise niedrige Rente beziehen.

Auch der Zeitfaktor kann zu einem Problem werden. Wer nach einem Unfall vorübergehend oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat kaum Zeit für einen umfassenden behindertengerechten Umbau. Auch wenn der Partner plötzlich pflegebedürftig wird, bleibt für die sorgfältige Planung einer seniorengerechten Wohnung keine Zeit. Experten raten daher, schon in jüngeren Jahren bei der Renovierung oder Modernisierung von Eigenheim und Mietwohnung auf Barrierefreiheit zu achten. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern garantiert, dass Komfort, Ästhetik und individuelle Wohnwünsche angemessen berücksichtigt werden können.

Zum Ratgeber:

 

09.03.2014


Ursula und Werner Thiele berichten im Erzählcafé

Tanzschule Thiele vor der 90-Jahr-Feier voll in Schwung…….

Speyer- Albert Krüger(1903-1975) ließ sich in der Frankfurter Ballettschule zum Lehrer für Gesellschaftstanz ausbilden und eröffnete 1925 im angemieteten Harmoniesaal des Wittelsbacher Hofes in Speyer eine Tanzschule. Während er in Krieg und Kriegsgefangenschaft ist führte  seine  Frau Hermine , geb. Bantz, die Tanzschule weiter. Mit dem Fahrrad, dem Plattenspieler im Rucksack ging es  nach Ketsch, Berghausen, Schifferstadt, Otterstadt, Dudenhofen, Harthausen, Geinsheim bis Gommersheim. Bezahlt wurden die Tanzkurse mit Naturalien wie Kartoffeln, Gemüse, Brot, Wurst oder Brennholz. Ehemann Albert munterte derweilen Kriegsgefangene mit Tanzschritten auf.  „Hungerjahre“ sind  noch in Erinnerung, so Ursula Thiele, 1937 geborene Tochter des Gründerehepaares Krüger, da sie schon als junges Mädchen zu Tanzkränzchen mit  durfte, „damit sich das Kind mal satt essen konnte“, so die Erzählerin.

Hauptinhalt bleibt die Tanzschule in Speyer und im Umkreis…

Als Vater Albert als entlassener Kriegsgefangener wieder in Speyer eintraf, ging das Tanzstundentraining umgehend in gemieteten Räumen weiter.- So ist die Tanzstundenzeit in den  Cafés  Hilzinger und Ebert, der Schwarz´schen Brauerei, dem Domnapf, Sternemoos, Gambrinus, Wittelsbacher Hof, Goldener Adler, im Katholischen Vereinshaus, bei der Rudergesellschaft, dem Wassersportverein und im Pfarrzentrum St. Otto, vielen anwesenden- Junggebliebenen in bester Erinnerung, wie in Redebeiträgen bekundet wurde. Interessant ist  auch Frau Thieles Aussage zu werten, „ dass Privatunterricht für Speyerer Prominenz im ausgeräumten Wohnzimmer der Krügers arrangiert wurde“. Sie  erzählte ganz begeistert  von ihrem Vater, der nach weiteren Prüfungen 1929 zum Mitglied der Fachprüfungskommission ernannt, mit 27 Jahren seine erste Goldmedaille für Leistungen als Fachlehrer erhielt und anerkannter Wertungsrichter mit zahlreichen Einsätzen bei repräsentativen Turnieren wurde. „Er lehrte stets das Neueste, vergaß aber nie die Vermittlung des Traditionellen. War dezenter Regisseur bei der Polonaise, lenkte mit Charme und Witz schwierige Tanzpassagen und wurde von Tanzschülern, wie bei mitbegründeten Tischtennisclub, bei Billard und Schachfreunden liebevoll - Papa Krüger - genannt“, so Ursula Thiele. Weiter berichtete  sie, dass ihr Vater mit seinen Neugründungen stets Glück hatte, so auch mit dem „ Hobbykreis Grün-Gold“, aus dem sich später der erfolgreiche Tanzsportclub entwickelte.

Ursula Krüger und Werner Thiele…..

Ursula und Werner lernten sich 1953 in  der Tanzstunde in Speyer kennen. Werner Thiele, damals wohnhaft in Ludwigshafen, hatte von seinem Opa 20 DM zur Anzahlung erbettelt und so den Weg zu seinem Lebensglück geebnet. Später raste  er jedes Wochenende mit dem Motorrad von Esslingen zu seiner Freundin.  Die  Hochzeit  wurde 1957 gefeiert, in den nächsten Jahren kamen die Kinder Ulla, Peter und Monika zur Welt. Während dieser Zeit absolvierten Ursula und Werner Thiele die Tanzlehrer- und Tanzsporttrainer-Ausbildung. Bereits 1968 übertrug „ Seniorchef Albert“ die Leitung der Tanzschule an Tochter und Schwiegersohn.

Endlich eigene Räume mit neuem Kursangebot…….

Nach einigen Schwierigkeiten konnte 1973 der Neubau in der Raiffeisenstraße in herrlicher Umgebung, mit  großem Parkplatz, viel Tageslicht, vom Stadtzentrum gut erreichbar, bezogen werden. Ballett, Gymnastik, Yoga, Jazztanz wurden von den engagierten Gisèle Santoro ( Brasilien) und Anneliese Theobald angeboten. Weitere Tanzkreise entstanden. Werner und Ursula Thiele hielten sich jahrelang bei erfolgreichen Profiturnieren (Slowfox/ Samba) für ihren Club fit. Schmunzelnd erzählte Herr Thiele vom verlorenen Unterkleid seiner Partnerin und den Problemen mit seiner „ verjüngenden“ Perücke. Als Landestrainer,  Fachbeiratsmitglieder, Übungsleiter, Wertungsrichter wurden Ehepaar Thiele verpflichtet. Ursula Thiele berichtete, dass alle drei Kinder schon früh die Liebe zum Tanzen entdeckten. Peter für Boogie und Rock`n Roll,  Monika tanzt Turnier in der lateinamerikanischen Sektion, wurde Landesmeister in der D-und C-Klasse. Ulla begeisterte sich nach der klassischen Ballettausbildung auch für Jazz-, Step-Tanz,  Rock`n Roll und gewann mehrere Landesmeisterschaften im Standard und Latein.

Europameister zu Gast in Speyer…..

René Sagarra- Rock ´n Roll Europameister  und Fred Traguth kamen zur Tanzschule Thiele. Für die Lateinschulung fand World-Cup-Siegerin Ute Streicher den Weg in die Domstadt. Pierre Dulaine  und Yvonne Marceau aus New York tanzten auf zwei Sonntagsparties hier ihre  berühmte Weltmeisterschaftsshow. Die  13-fachen  Weltmeister Bill und Bolbie Irvine sowie die Weltmeister Markus und Karen Hilton kamen zu Festbällen nach Speyer, wie Werner Thiele erzählte.

Seit 1997 gibt die dritte Generation die Tanzschritte vor…..

Nach  der Ausbildung zu Tanzlehrern bei Weltmeister Trautz und Opitz-Hädrich stiegen Ulla und Peter verstärkt an der Raiffeisenstraße ein. Ulla gründete die „ Pink Panther“, Peter organisierte eine quirlige Booggieformation, woraus Marc Stegmann und Sabine Zillmann  1993 hervorgingen, welche vor 3000 Zuschauern den 1. Platz ertanzten und Deutschland in New York vertreten durften. Mike Appelmann und Petra Fedlmeier ergänzen den Tanzlehrerkreis. „Mit Wehmut im Herzen“, so Ursula und Werner Thiehle, „ denken wir an schöne Jahre als Tanzlehrer zurück“. In besonderer Erinnerung blieben die Verleihung der Ehrennadel in Gold vom Landessportverband, die Silbermedaille des Deutschen Tanzsportverbandes und die Sportmedaille der Stadt Speyer, so die Erzähler.

Weiter Sprung in der Zeit von 1925- 2014…….

Vom Charleston zum Video-Clip-Dancing, vom Tanzkurs in gemieteten Räumen zum Tanzzentrum mit vier Sälen und einer Tanzfläche von 450 qm, wo mehr als tausend Menschen wöchentlich ihre Freizeit verbringen. Vom Ein-Mann-Unternehmen zu sieben Tanzlehrern und 20 Angestellten. Von Kleiderpflicht, Tanz und Handschuhe zu Jeans und Turnschuhen. Die Tanzschüler werden jünger, die Nervosität ist wie früher und trotzdem macht es Spaß zu tanzen, so der Tenor von  Ehepaar  Thiele und den Anwesenden. Die Gesundheitsförderung für Herz und Kreislauf hob Moderator Dr.Thomas  Neubert noch hervor und wünschte allen „frohes Tanzen“. Text und Foto: khj

08.03.2014


Speyerer Wirtschaftsgeschichten im Erzählcafé

Pfälzer Hof auf der MaximillianstrasseBiertresen wurden durch Einkaufstheken ersetzt

Speyer-  Unmöglich, in eineinhalb Stunden die enorme Lokalgeschichte der alten Speyerer Gaststätten erschöpfend und damit lückenlos in Wort und Bild darzustellen. Dipl.-Archivarin Katrin Hopstock, beim Stadtarchiv für das Kulturelle Erbe verantwortlich, hatte für das Februar-Erzählcafé des Seniorenbüros über 50 historische Fotos ausgewählt und eine Powerpoint-Präsentation für die Wirtschaftsgeschichte zusammengestellt. In dieser „Lokalrunde“  wurde den rund einhundert Gästen klar, warum Speyer sich rühmt, in Relation zur Einwohnerzahl die Stadt mit der größten Kneipendichte in Deutschland zu sein. Vor dem Mauerfall soll den Spitzenplatz West-Berlin innegehabt, Speyer auf Platz zwei gelegen haben.

Wer heute durch die Innenstadt läuft, kann es kaum glauben, dass die Domstadt so viel „Wirtschaftskraft“ vorweisen kann. Denn inzwischen sind die meisten der einst in der Maximilianstraße angesiedelten Wirtshäuser  wirklich nur noch Lokal-Geschichte und machte eine ganze Reihe von Biertresen Platz für Einkaufstheken.

Cafe Waibel am PostplatzAm heutigen Postplatz residierte einstmals eine der vielen Speyerer Brauereien. Die Brauerei  Zum Storchen gab  ums Jahr 1900 dem Areal seinen Namen „Storchenplatz“ (mit großräumiger Pferdetränke), ehe die Brauerei in ihre Neubauten  in der Oberen Langgasse umzog.  Das Abbruchmaterial verwendete die Stadt zur Jahrhundertwende zum Bau des Festplatzes.  Geschichte ist auch die Spanische Weinhalle „Zur Stadt Barcelona“, in der bereits 1862 Wein ausgeschenkt worden sein soll. Roberto Serra hat in dem früher als Gilgenstraße 3 geführten Anwesen  neben dem direkt benachbarten Bayerischen Hof (heute Schuhgeschäft) von 1914 bis Sommer 1917 eine Weinwirtschaft betrieben, dann ging das Gebäude in den Besitz von Fritz Detzner über, der es als „Weinstube Detzner“ führte. Die Gaststätte, von 1952 in „Zum Falken“ umbenannt, war noch 1996 in Familienbesitz, zuletzt nach umfangreicher Renovierung als „Bistro am Altpörtel“. Auch eine Bürgerinitiative konnte 1958 nicht den Abriss der beliebten Weinwirtschaft „Zum Rössel“ in der Gilgenstraße 7/8, Geburtshaus des Pfälzer Heimatdichters Fridrich Blaul und ein 200 Jahre altes Fachwerkhaus, verhindern. Nach Fritz Wirth stillte in den GilgenstrasseZwanziger Jahren Karl Durst  den Durst der Gäste, was ab 1939 „Schorsch“ Hornbach übernahm. Dieser war Mitbegründer der Speyerer Karnevalgesellschaft (SKG) und im Vorstand des Verkehrsvereins aktiv. Während „Landauer Tor“ und „Goldene Rose“ in der Gilgenstraße von  der Bildfläche verschwanden, haben sich der „Goldene Engel“ dort gehalten. Das Gasthaus und somit der Grundstein des heutigen Hotelkomplexes   entstand ums Jahr 1700 und zählt nach Hopstocks Recherche zu den ältesten Speyerer Gaststätten. Das Gelände erwarb um 1870 der Bäcker Michael Schäfer. Dessen Sohn Josef  nutzte 1899 bei der Neugestaltung des „Storchenplatzes“  die Gunst der Stunde und errichtete neben dem Goldenen Engel  eine weitere Gaststätte, der er den freigewordenen Namen „Zum Storchen“ gab. Als das Wirtshaus 1932  in den Besitz der Bellheimer Brauerei Silbernagel überging, wurde es in „Zum Pfalzgrafen“ umbenannt.

Sterne Moos in der KarlsgasseAuf mehr als 220 Jahre bewegte Lokalgeschichte kann auch die Weinstube „Schwarzamsel“ verweisen.  Nachdem bis 1814 zunächst eine Metzgerei  in dem Anwesen beheimatet war, errichtetete Heinrich Brinkmann um 1850 die „Restauration zum Hahnen“ ein. Um 1914 nannte Karl Schirmer  die Wirtschaft in „Schwarzamsel“ um.  Viel gab’s auch zu erzählen über das „Stermemoos“ in der Karlsgasse. In dem 1714 erbauten Haus   gründete Bierbrauer Wilhelm Hahn 1834 das Gasthaus „Zum Stern“. Um 1870 erwarb es Heinrich Moos. Da es um diese Zeit viele Familien mit Namen Moos in Speyer gab, erhielt  es den Beinamen  und schließlich die Gaststättenbezeichnung „Zum Sternemoos“. Im Frühjahr 1960  kam das aus für das Wirtshaus.

Zum Jakobsbrunnen in der HeydenreichstrasseAn  das sehr beliebte „Café Ihm“ neben dem Altpörtel und das Café-Restaurant Schwesinger“ (heute im Besitz der Deutschen Bank) am Postplatz  erinnerten sich noch viele Erzählcafe-Besucher.  Auch an „Pfälzer Hof“, „Rodensteiner“, „Domschänke“  und Pfennig-Liesel Jesters guten alten „Weidenberg“ am St.Guido-Stiftsplatz wurde erinnert. Fehlen durfte auch nicht der „Halbmond“, das beliebte Fachwerk-Fotomotiv an der Sonnenbrücke.

Pfarrer i.R. Bernhard Linvers übernahm für die kurzfristig verhinderte Archivarin Hopstock die Präsentation der Wirtschaften-Geschichte, unterstützt von „Schwanen“-Gastwirtssohn Erich Cordes. Er plauderte etwas aus dem Nähkästchen und erzählte davon, wie er ab 1956 nach dem Tod des Großvaters  im zarten Alter von neun Jahren im Lokal in der Johannesstraße (am „Schwanebuckel“)  im Lokal mit anpacken  und einmal die Woche die schweren Löwenbräu-Holzfässer vom Güterbahnhof  abholen musste. Ständiger Biergeruch und die starken Rauchschwaden im „Schwanen“  hätten ihm später an der Übernahme des Lokals gehindert, verriet Cordes. ws; Foto: Stadtarchiv Speyer

05.02.2014


95 Jahre GBS und ihre Entwicklung, spannende Geschichten im Erzählcafé

ws.Speyer- Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum ist noch heute größer als das Angebot, das die Gemeinnützige Baugenossenschaft Speyer (GBS) seinen Mitgliedern machen kann. An die Anfänge vor 95 Jahren und die Entwicklung der GBS erinnerten Aufsichtsratsvorsitzende Elke Jäckle und der frühere kaufmännische Vorstand Bernhard Mückain im Januar-Erzählcafé des Seniorenbüros. „Ich kenne keine andere gesellschaftsrechtliche Form, die dem Wohle seiner Mitglieder in ähnlicher Weise Rechnung trägt“, stellte Mückain die Speyerer Baugenossenschaft als „etwas Besonderes“ heraus. Zuvor hatte es nur in Pirmasens und Ludwigshafen Wohnungsbaugesellschaften gegeben.

„Hilfe zur Selbsthilfe" - unter diesem Motto stand die Gründung des Unternehmens im Februar 1919, als die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg enorm groß war und dringend preiswerter Wohnraum benötigt wurde. Die Initiative zur Gründung ging vom damaligen Bürgermeister Dr. Otto Moericke aus. Als erste Maßnahme wurden 39 Wohnungen in 24 Einfamilien-Reihenhäusern und drei Fünffamilienhäusern in der Peter-Drach-Straße und der Blaulstraße, der GBS-Keimzelle, gebaut. Die Baugenossenschaft hat von der Stadt das Acker- und Wiesengelände im Burgfeld in Erbbaurecht erhalten, würdigte das langjährige SPD-Ratsmitglied diese Starthilfe. Für den Quadratmeter waren damals 9 Mark zu zahlen, „im Jahr“, betonte Mückain.

Die ersten Baugenossinnen und Baugenossen haben selbst mit Hand angelegt beim Bau ihrer Häuser und Wohnungen. Es folgten Baumaßnahmen in der Schützenstraße, in der Eugen-Jäger- und der Lina-Sommer-Straße sowie in den Gartenwegen. Der Wohnungsbestand belief sich vor Beginn des Zweiten Weltkrieges auf rund 300 Wohnungen.

Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Bautätigkeit ganz. Sie nahm anschließend aber einen stürmischen Verlauf, an dessen vorläufigem Ende, im Jahre 1964, das Unternehmen einen Bestand von 1.094 Wohnungen mit 14 Läden und 72 Garagen aufwies. Die Zahl der Mitglieder war auf 2.543 angewachsen. Die Bilanzsumme überschritt damals erstmals die 5 Millionen-Euro-Grenze.

Neben dem Mietwohnungsbau kam nun noch der Bau von Eigentumswohnungen hinzu. Heute verfügt die GBS über einen Bestand von rund 6000 Mitgliedern mit 5,4 Millionen Euro Geschäftsanteilen und hat im eigenen Besitz 1.411 Wohnungen beziehungsweise gewerbliche Einheiten, 153 Reihenhäuser sowie ein Seniorenhaus. In diesem betreut die Arbeiterwohlfahrt (Awo) zurzeit 114 Bewohner. Daneben verwaltet die Baugenossenschaft rund 470 Wohnungs- und Gewerbeeinheiten. Die Bilanzsumme beläuft sich heute auf 53,6 Millionen Euro.

Dem GBS-Verwaltungsgebäude in der Burgstraße wurde vor zehn Jahren das Seniorenheim zur Seite gestellt. Mit Stolz sprach Elke Jäckle über die Aktivitäten des Nachbarschaftsvereins, der nicht nur Feste und Veranstaltungen koordiniert und Begegnungen aller Generationen und Kulturkreise ermöglicht. „Er ist für alle da, nicht nur die Baugenossen“, wies die Aufsichtsratschefin auf Aktionen zur Wohnumfeld-Verbesserung, die Vermittlung nachbarschaftlicher und professioneller Hilfeleistungen hin sowie auf Beratung bei persönlichen und sozialen Anliegen. Jäckle und Mückain nannten im Verlauf ihrer Erzählungen viele stadtbekannte Namen, die eng mit den Führungsgremien der Baugenossenschaft (Vorstand und Aufsichtsrat) verbunden sind: Ob Heinrich Ober, Franz Bögler, Josef Schmitt, Felix Rieser, August Fehn, Otto Lehr, Franz Stützel, Johannes Kirchhoch, Anton Schültke, Gustav Rindchen, Peter Kosian, Josef Sack, Heiner Brech, Jakob Weber, Hans Bachmann oder Reiner Wieland, alle haben sich über lange Zeiten für die GBS-Ziele eingesetzt.

Und viele der knapp 50 Senioren erinnerten sich gerne an die guten alten Zeiten, als sich im Gartenweg, in der Kolbstraße oder den anderen GBS-Domizilen noch viele Nachbarn auf der Straße und in Gärten zur Unterhaltung trafen, wozu Gänse im Vorbeimarsch schnatterten, Hühner gackerten, Ziegen meckerten und die Stallhasen sich über eine frische „Geelerrieb“ freuten. „Heute sind leider einige Gärten verwahrlost“, beklagte sich ein im Burgfeld aufgewachsener Erzählcafe-Besucher.

Moderator Karl-Heinz Jung macht schon Appetit auf den Februar-Termin des Erzählcafés: Am 4.Februar, ermöglicht Dipl.-Archivarin Katrin Hopstock ab 15 Uhr im Veranstaltungsraum des Seniorenbüros ein Wiedersehen mit alten Speyerer Gaststätten, wobei es ganz gewiss so manche Wirtschaftsgeschichte zu erzählen gibt. Foto: khj

10.01.2014


Erzählcafé: DreiCant-Chor stimmt im Rathaus auf Adventzeit ein

Senioren Herz erwärmt

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer-  Etwas Herzerwärmendes tut in der Adventszeit allen gut. Bei einem Erzählcafé der besonderen Art kredenzte der DreiCant-Chor der Dreifaltigkeitskirchengemeinde den rund 50 Besuchern im Historischen Ratssaal eine wohlklingende Mischung aus vorweihnachtlichen Liedern. Mit nachdenklich stimmenden und heiteren Weihnachtsgeschichten und Gedichten trugen abwechselnd Erzählcafé-Moderator Dr. Thomas Neubert und Chormitglied Hildegard Bohlender zum Gelingen des unterhaltsamen Seniorenbüro-Nachmittags bei.

Der Chor, der mittwochs mit Dirigentin Susanne May-Rohde im Haus Trinitatis probt, bereichert drei bis vier Gottesdienste im Jahr mit musikalischer Umrahmung, singt auch mal bei Hochzeiten und Geburtstagen sowie bei ökumenischen Gemeindefesten zusammen mit anderen Chören, wie etwa dem Chor der benachbarten Dompfarrei. Bei Landeskirchen- und Dekanatsmusiktagen und bei der Speyerer Kult(o)urnacht ist „DreiCant“ stets gerne mit von der Partie.

Für die Chorleiterin, die 1990 in die Pfalz kam, war der Beginn an der Dreifaltigkeitskirche zunächst ein „Kinderspiel“. May-Rohde übte anfangs Kindersingspiele für Kindergottesdienste ein. Daraus entwickelte sich ein Kinderchor, der mit über 20 Kindern- vom Vorschulalter bis hin zu Sechstklässlern, seitdem jedes Jahr im Herbst mit den Proben beginnt für den Auftritt in der Vorweihnachtszeit. Und 1999 war dann die Geburtsstunde von DreiCant, kam May-Rohde dem Wunsch nach Gründung des Erwachsenenchors nach. Geselligkeit und Gemeinschaftssinn sind bei DreiCant ebenso hoch angesiedelt wie die Freude am Singen, betrieb die Chorleiterin Werbung in eigener Sache. Besonders Männerstimmen sind sehr begehrt.

Bei der Auswahl der Chorliteratur – die Notenwerke werden ohnehin meist aus der Chorkasse finanziert – für die Gottesdienste lassen die Pfarrer der Dreifaltigkeitskirchengemeinde der Dirigentin freie Hand, freut sich Susanne May-Rohde über die künstlerische Freiheit und schneidet Lieder speziell auf den Chor zu und arrangiert sie neu. Sie sei zwar „von Haus aus Kirchenmusikerin“, doch sucht sie für ihren „DreiCant“-Chor gerne moderne, zeitgenössische Stücke aus und unternimmt auch mal Ausflüge in die folkloristische Musik. Für die Sänger besonders anspruchsvoll wird es, wenn die Chorleiterin Lieder in Fremdsprachen einstudiert, wobei es nicht immer nur englisch ist, sondern auch mal rumänisch oder griechisch sein kann. Am ersten Adventsonntag hatte der DreiCant-Chor zwei Tage vorher mit Christmas Carols beim Konzert in der Gedächtniskirche für Aufhorchen gesorgt. Fürs Erzählcafé wählte Chorleiterin May-Rohde deutschsprachiges Liedgut und nur einen Konzertbeitrag, das Glockenlang nachahmende  „God rest ye, merry gentlemen“ aus. Nach „Hört der Engel große Freud“, „Es ist ein Ros entsprungen“, „Vom Himmel hoch“ und den „Königen vom Morgenland“ lud die Chorleitern zum Abschluss alle Zuhörer ein zum Mitsingen von „O du Fröhliche“. Dieser Einladung kamen die Senioren gerne nach, und Allgemeinmediziner Dr. Thomas Neubert lachte das Herz und gab zu wissen: „Es gibt nichts Gesünderes als Singen!“

Beim ersten Erzählcafé 2014 plaudern Elke Jäckle und Brernhard Mückain am Dienstag, 7.Januar, ab 15 Uhr, im Seniorenbüro-Saal im Maulbronner Hof 1a über die Geschichte der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Speyer(GBS). Foto: khj       

05.12.2013


Lions-Club spendet Seniorenbüro 4000 Euro

v.l.: Seniorenbüroleiterin Ria Krampitz,  Reinhard Oelbermann und Bürgermeisterin Monika Kabs v.l.: Seniorenbüroleiterin Ria Krampitz, Reinhard Oelbermann und Bürgermeisterin Monika Kabs

Mit Musik Lebensqualität in stationären Einrichtungen steigern

Speyer- Der Lions-Club Speyer sorgte dieser Tage für strahlende Gesichter im Stadthaus. Dank einer Spende in Höhe von 4000 Euro ist die Finanzierung der beliebten Veranstaltungsreihe des Seniorenbüros „Konzert am Nachmittag“ für das Jahr 2014 gesichert. Erwirtschaftet wurde das Geld durch das ehrenamtliche Engagement der Serviceclubmitglieder beim Altstadtfest, informiert Reinhard Oelbermann bei der Scheckübergabe an Bürgermeisterin Monika Kabs und Seniorenbüroleiterin Ria Krampitz.

Verwendet wird das Geld zur Weiterentwicklung der Reihe, die bisher vier Konzertnachmittage pro Halbjahr im Historischen Ratssaal bietet. Dieses kulturelle Angebot soll zukünftig auch Menschen erreichen, die nicht mehr mobil sind. „Wir möchten mit Musik im stationären Hospiz, der Palliativstation und in Wohnbereichen der stationären Einrichtungen erfreuen, entspannen und ablenken“, erläutert Krampitz die Pläne, die den Lions-Club auf Anhieb überzeugten. Während bei den Konzerten im Historischen Ratssaal die eingesammelten Spenden der Besucher an die jungen Talente der Musikhochschulen Mannheim, Saarbrücken und Mainz weitergereicht werden können, ermöglicht die Lions-Spende die Honorierung der Musiker für diese stationären Auftritte, freut sich Bürgermeisterin Kabs über die Finanzierungsmöglichkeit dieser freiwilligen Leistung der Kommune.

Text und Foto: Pressestelle Stadt Speyer

11.11.2013


Speyerer Spion Johann Georg Dasch im Erzählcafé

Peter Schmidt im Gespräch mit Besucher Dieter Bahr über den Spion und sein Leben

Speyer- Wie der Speyerer Johann Georg Dasch durch seinen Verrat ans FBI im August 1942 sechs Kameraden auf den elektrischen Stuhl brachte, behandelte der Speyer Journalist und Buchautor Peter Schmidt im von Karl-Heinz Jung moderierten November-Erzählcafé des Seniorenbüros. Während zurzeit deutsche und amerikanische Geheimdienstchefs rund um Edward Snowdens Abhör-Enthüllungen über die Möglichkeiten verhandeln, politisch ihr Gesicht zu wahren, auf der anderen Seite aber auch alle gefährlichen Angriffe, etwa von weltweit operierenden Terrornetzwerken wie Al Qaida, abzuwehren, war Spionage im Dritten Reich ein schlichtes, hartes Handwerk, allerdings  oft ein sehr blutiges, wie Peter Schmidt bildhaft  darlegte.

Auf der Basis dieser wahren Spionagegeschichte entwickelte Schmidt, bis 1995 Chefredakteur der „Speyerer Tagespost“, eine Kriminal- und eine Liebesgeschichte. In dem 345 Seiten starken Taschenbuch „Lili unterm Regenbogen“ erzählt der Journalist unter dem Pseudonym Peter Biron (Familienname der Mutter) die spannende Geschichte einer jungen Frau, die 1967 auf den Spuren ihres Vaters in Amerika dessen Tod auf dem elektrischen Stuhl nachgeht. Das Buch beginnt in der so genannten „Neuen Welt“, den USA, und führt den Leser  auch ein bisschen nach Kanada. Dabei zeichnet Schmidt  anschaulich ihm bei seinem sechswöchigen USA-Besuch 1967 eingeprägte Landschaftsbilder und breitet amerikanische Lebenswelten aus. Und zwischendurch richtet der heute 75-jährige Autor immer wieder seinen Blick auf historische Ereignisse Ende der sechziger Jahre in den USA, erinnert an die damals herrschende Rassendiskriminierung oder lässt die Parolen der Hippi-Bewegung blumenreich aufblühen.

Seine Romanfigur Lili findet in Amerika nicht nur ihre große Liebe, sondern beinahe auch den Tod.  Dem entgeht Dasch, nach Schmidts Auffassung „irgendwie schizophren“, ganz  gezielt: Bereits zwei Tage nach der Landung der U-Boote verrät der als „eleganter Mann mit guten Manieren“ beschriebene Speyerer dem FBI das deutsche Vorhaben. Seine Aussage umfasste nach Schmidts Recherche 251 Schreibmaschinenseiten. Die meisten der Agenten waren amerikanische Staatsangehörige geworden und auf abenteuerliche Weise zu Beginn des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland zurückgekehrt, der NSDAP beigetreten. In den Zeiten der großen Arbeitslosigkeit war der Pfälzer 1922 ausgewandert und hatte unter dem Namen „George John Dasch“ als Kellner in New York und San Francisco seinen Lebensunterhalt verdient. Alle Saboteure wurden nach Daschs Verrat gefasst. Präsident Roosevelt hat ein Sondergericht ernannt. Sechs Mitstreiter starben einen qualvollen Tod auf dem elektrischen Stuhl. Dasch, am 7.Februar 1903 als Kind geachteter Eheleute in der Domstadt geboren, wurde zu 30 Jahren Zuchthaus verurteilt, 1948 von Präsident Truman begnadigt und nach Deutschland abgeschoben. Er blieb unverheiratet und verstarb 1991 in Ludwigshafen. Dorthin war Dasch offenbar „geflüchtet“, nachdem er im März 1951 in der Mannheimer Straße (heutige Spaldinger Straße) einen Mann namens Karl Staiger angefahren und diesem dabei tödliche Verletzungen zugefügt hatte. Über die Familie des Getöten und einen Zeitungsartikel von dem Verkehrsunfall kam Peter Schmidt dem berüchtigten Spion auf die Spur.  ws; Foto:khj

Peter Biron

„Lili unterm Regenbogen“,

354 Seiten,

erhältlich in allen Speyerer Buchhandlungen,

Preis: 14.99 Euro.

Als Download (E-Book) bei Amazon (Kindle-Edition) 9.99 Euro.

07.11.2013


Ehrenamtliche im Mittelpunkt

Die ehrenamtlich Mitarbeitenden standen Ende vergangener Woche im Mittelpunkt einer Feier im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital.

Bei einem Empfang zu ihren Ehren bedankte sich Dr. Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim, für ihr Engagement. Ehrenamtliche könnten die hauptamtliche Arbeit nicht ersetzen, seien aber eine wertvolle Ergänzung und „unverzichtbares Element in der Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner“, so Schwartz. Die ehrenamtlich Mitarbeitenden stünden damit auch in der Tradition der Diakonissen, die sich weit über die körperliche Pflege hinaus um die ihnen anvertrauten Menschen gekümmert hätten.

Auch Heimleiter Klaus-Dieter Schneider wies auf die große Bedeutung des Ehrenamtes in der Seniorenarbeit hin und freute sich, dass die ehrenamtlich Mitarbeitenden ihre ganz persönlichen Fähigkeiten und Talente einbrächten, „und damit wesentlich zum Wohlergehen unserer Bewohnerinnen und Bewohner beitragen.“ Auf das breite Spektrum der Tätigkeiten, die das Ehrenamt im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital bietet, wies Wolfgang Fischer-Oberhauser vom Sozialkulturellen Dienst hin: Die Möglichkeiten reichten vom Pfortendienst über die Rollstuhlgruppe oder Einzelbetreuung und Gedächtnistraining bis zum Kirchendienst. So sei für fast jeden, der sich einbringen wolle, eine passende Tätigkeit dabei, sagte Fischer-Oberhauser, der sich freute, beim diesjährigen Fest für die Ehrenamtlichen auch zahlreiche neue Gesichter zu sehen.

Interessenten an einem Ehrenamt im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital können sich bei Wolfgang Fischer-Oberhauser unter Tel. 06232 648-131 informieren. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

22.10.2013


„Güte, Gefasstheit und Abgeklärtheit als Zeichen für die Öffnung einer Persönlichkei für immer wieder Neues“

Prof. Dr. Andreas Kruse beim 20jährigen Jubiläum von Seniorenbeirat und Seniorenbüro in Speyer

Von Gerhard Cantzler

Speyer- Es hatte durchaus etwas von einem höchst gelungenen „Gesamtkunstwerk“, mit dem jetzt der renommierte Heidelberger Altersforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse die Ergebnisse seiner eigenen, langjährigen Untersuchungen und die der gerontologischen Forschung insgesamt im Kleinen Saal der Speyerer Stadthalle präsentierte. Anlass dieses feslichen Zusammentreffens: Das zwanzigjährige Jubiläum von Seniorenbeirat und Seniorenbüro in der Stadt.

Eingebettet in frei rezitierte, beziehungsreiche Gedichte aus Barock und Romantik sowie – quasi als Unterstützung der Vertiefungsphasen zu dem Gehörten – durch den Referenten gekonnt am Flügel dargebotene Kompositionen des großen Johann Sebastian Bach, ermutigte der studierte Philosoph, Psychologe und Musiker Prof. Dr. Kruse nämlich die zahlreichen Zuhörer dazu, bis ans Ende ihres Lebensweges offen zu bleiben für Neues. Dazu zitierte der Referent gleich zu Beginn seiner Ausführungen aus einer erst kürzlich abgeschlossenen Studie unter 85 bis 101jährigen Menschen, die es darin als „ihr zentrales Thema im Alter“ bezeichnet hatten, „etwas für die Gemeinschaft zu tun“ . Dadurch -so hätten sie in ihrer weit überwiegenden Mehrzahl erklärt – sei für sie „auch in hohem und höchsten Alter noch ein erfülltes Leben möglich“.

Prof. Dr. Kruse warnte deshalb auch davor, im Zusammenhang mit der Diskussion um das Altern immer nur die Aspekte von Krankheit, Pflege und Versorgung in den Vordergrund zu stellen. „Natürlich dürfen wir das Auftreten von Krankheiten und altersbedingten Einschränkungen nicht leugnen“, betonte der Professsor. A llerdings sollte sich die Gesellschaft darüber bewusst werden, was Menschen auch noch in hohem und höchstem Alter für sich und andere leisten könnten. Dazu aber müssten vor allem ihre noch immer vorhandenen schöpferischen Fähigkeiten und Kräfte in den Vordergrund gerückt werden.

„Das Lernvermögen der Menschen bleibt bis ins hohe Lebensalter bestehen“, stellte der Wissenschaftler fest und zitierte dazu den athenischen Staatsmann und Gelehrten Solon, der schon vor über 2.600 Jahren von sich selbst gesagt hatte: „Ich werde alt und lerne jeden Tag dazu...“ Deshalb – so Prof. Dr. Kruse – müssten die Menschen auch heute stets offen bleiben.

Nach gesicherten wissenschaftlichen Beobachtungen gehe der Alterungsprozess des Menschen mit zunehmender Selbstreflexion einher - „Menschen erlangen meist erst im Alter Klarheit darüber, was und wer sie sind“. Die besten Gespräche könnten deshalb – oft mit viel Witz und Selbstirone gewürzt - mit hochbetagten Menschen geführt werden, weil sie dann zu ihren eigenen Ursprüngen zurückkehrten. Dabei gehe es ihnen in aller Regel nicht um eine verklärte Sichtweise auf Vergangenes, sondern um die Erkenntnis, dass „in einer Sorgekultur für andere der tiefere Sinn des Lebens liegt“. Dieser „Selbstgestaltung“, wie sie der Wissenschaftler definiert, stellt Prof. Dr. Kruse die „Weltgestaltung“ gegenüber, für deren Wirkungskraft er anhand eines Gedichtes des Barock-Dichters Andreas Gryphius die ungeheuren schöpferischen Kräfte aufführte, die gealterte und durch den 30jährigen Krieg scheinbar zermürbte Menschen noch in hohem Alter entwickelt hätten. Ihnen gehe es dabei im wesentlichen darum, im Gespräch mit der nachfolgenden Generation eigene Erfahrungen an jüngere weiterzugeben. „Dabei sollten sich beide Generationen – junge und alte – immer „zugleich als Lehrende wie als Lernende“ verstehen, so Prof. Dr. Kruse.

Welche Konsequenzen eine solche generationsübergreifende Zusammenarbeit haben könne, machte der Referent auch am Beispiel generationsgemischter Teams in Unternehmen deutlich, die in aller Regel deutlich erfolgreicher arbeiteten als solche aus der gleichen Generation.

Weltgestaltung sei der Wissenschaft aber auich zum „großen Thema“ geworden, als sie sich mit den Auswirkungen des Schicksals jüdischer Menschen nach dem Ende der NS-Zeit auseinandersetzte. Bei diesen Menschen seien die Erinnerungen an diese für sie so schwere Zeit oft erst wieder im hohen Alter stärker geworden und habe sie ermutigt, damit in die Schulen zu gehen und der nachwachsenden Generation deutlich zu machen, was eine funktionierende Demokratie bedeute. Dabei hätten sie immer wieder erfahren können, dass dadurch auch das Interesse der jungen Generation an diesen Zusammenhängen deutlich gewachsen sei.

Als ein weiteres Beispiel der schöpferischen Kraft von Menschen gerade auch in hohem Alter führte er den musikalischen Genius Johann Sebastian Bach an, der nach einem von vielen Schicksalsschlägen gepägten Leben – schon mit neun Jahre war Bach Vollwaise, verlor als 35jähriger die geliebte Ehefrau und litt in hohem Alter an einer Vielzahl schwerer Erkrankungen und war schließlich sogar erblindet – dennoch kurz vor dem Ende seines Lebens seine bedeutensten Kompositionen schuf - unter anderem das großartige „Credo“ aus seiner h-moll-Messe oder die Endfassung seiner Kunst der Fuge. „Damit ist Johann Sebastian Bach ein Beispiel dafür, dass ein Mensch trotz eines schwerwiegenden körperlichen Alterungsprozesses auch weiterhin in der Lage sein kann, kraft seiner seelischen Verfassung Großartiges zu schaffen. Dies habe auch für den berühmten niedeländischen Maler Rembrandt van Rijn gegolten, der am Ende seines Lebens – bereits stark eingeschränkt -seine eindringlichsten Gemälde geschaffen habe.

In diesem Zusammenhang sprach der Referent auch von der „Gerotranszendentalen Phänomenologie“ - der Fähigkeit eines Menschen, in seiner nachfolgenden Generation weiterzuleben – getreu dem Lehrsatz: „Ich komme in eine Welt, in der vor mir schon viele Generationen lebten und gehe aus einer Welt, in der auch nach mir viele Generationen leben werden“.

Die dieser Erkenntnis innewohende Endlichkeitserfahrung könne aber bei manchen Menschen auch dazu führen, dass sie sich erst in höherem Alter – also nicht schon unmittelbar nach dem „Ausstieg“ aus dem Arbeits- und Berufsleben – dazu entschließen würden, „noch etwas für die Allgemeinheit zu leisten“.

Deshalb sei „Offenheit für Neues“ die zentrale Voraussetzung für ein „gutes Alter“, führte der Referent aus, „denn Offenheit beflügelt uns zu dem lebenslang notwendigen generationsübergreifenden Diskurs und gibt uns die Möglichkeit, uns bis ans Ende unseres Leben weiterzuentwickeln“. Diese Entwicklungsmöglichkeit gelte sogar für schwerstkranke Palliativ-Patienten, sofern für sie eine gute schmerzmedizinische Versorgung gewährleistet sei. „Dabei sind Güte, Gefasstheit und Abgeklärtheit auch immer Anzeichen dafür, in welchem Maße sich eine Persönlichkeit geöffnet zegt“, unterstrich Prof. Dr. Kruse.

Mit dem Gedicht „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff, in dem es u.a. heißt „....und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus....“.machte der Altersforscher deutlich, dass selbst bei Demenzkranken und Palliativ-Patienten am Ende ihres Lebens die Seele noch ienmal ganz weit in den Vordergrund trete.

Eine so angelegte Gerontologie brauche öffentliche Räume, in denen sich Menschen über die Grenzen der eigenen Generation hinweg begegnen könnten. „Nur im Kontakt mit anderen Menschen werden wir kreativ“, unterstrich der Wissenschaftler zum Abschluss seines Referates,, als er Speyer zu dem entsprechenden öffentlichen Raum für diese Arbeit in Seniorenbeirat und Seniorenbüro gratulierte und allen Speyerern zu einer Stadt, die auch für ihn selbst zu einer seiner Lieblingsstädte zähle, in der er gemeinsam mit seiner Frau immer wieder gerne zu Gast sei.

Zu Beginn der Veranstaltung hatte Oberbürgermeister Hansjörg Eger die Gäste mit launischen Worten begrüßt und an die verschiedenen Initiativen erinnert, die in Sachen „generationenübergreifende Arbeit“ von Speyer ausgegangen seien und die an diesem Tag in das Doppeljubiläums „Zwanzig Jahre Seniorenbeirat und Seniorenbüro Speyer“ einmünden würden. Dazu nannte er im einzelnen das aus Anlass der 2000-Jahr-Feier der Stadt 1993 gegründete Europäische Netzwerk der Mittelstädte „MECINE“ und verwies auf die frühen diesbezüglichen Forschungsarbeiten von Prof. Dr. Carl Böhret und Götz Konzendorf. Foto: gc

10.10.2013


Die Mauern der Freien Reichsstadt Speyer im Erzählcafé…

Speyer- „Speyer- ist von starken Mauern umgeben mit Türmen, die so hoch  wie unsere Kirchtürme sind, die höchsten Türme in einer Mauer, die ich auf meiner Reise sah“, so der Engländer Thomas Coryate in - Die Venedig-  und Rheinfahrt 1608.

Im allgemeinen denken wir bei dieser Aussage von Coryate an die Stadtbefestigung in Speyer, wie sie Sebastian Münster oder Matthäus Merian um 1550 im Holzschnitt darstellen ließen, hierbei sind aber die Innenstadt und die vier Vorstädte zu unterscheiden. Wann sind diese Mauern entstanden, wer hat sie erbauen lassen, wann wurden  sie zerstört? Fragen auf Fragen, so leitete der Moderator das Thema ein und stellte den 90-jährigen  Dr. Karl Rudolf Müller vor, der im 75. Lebensjahr seine langjährigen Forschungsarbeiten in seiner Promotion verarbeitete.  Müller war auch sofort in seinem Metier und erklärte den 85 interessierten Zuhörern  mit Hilfe einer Power Show  die “ römische-, ottonische-, salische- und mittelalterliche Stadtmauer“.                       

Spätrömische Stadtmauer um 375, Ottonische um 950 erbaut            

Aus  starken Sandsteinquadern mit  einer Mauerstärke von ca  2,5 m und einer geringen Höhe ohne Türme wurde um 375, als Schutz vor den angreifenden Germanenvölkern, die spätrömische Stadtmauer erbaut.  Sie begrenzte „Nemetes“, ist im Archivgarten der Landeskirche zu sehen, verlief südwärts bis zur Webergasse, im Westen zur Schrannengasse und der Nordverlauf ging etwa 20 m neben der Afrakapelle  vorbei nach Osten, Nähe Heidenturm, konnte aber den Germanenansturm um 400 nicht aufhalten.  Kaiser Otto I. bestätigte Bischof  Otger 969 die Herrschaft über Speyer, wobei die 950 gebaute Stadtmauer erwähnt wurde.

Sie begrenzte die Bischofspfalz im Bereich des Heidenturms, zog nach Süden zum Stephanspförtchen, der Großen Pfaffen- und Webergasse, „Alter Marktplatz“ und „Läutturm“, zog im Norden zur Torgasse am Hasenpfuhl, streifte die Margaretengasse und  führte zum Archivgarten. Die Einfälle der Normannen im 9.-u. der Ungarn im 10. Jh.  zeigten,  dass nur befestigte Städte widerstanden. Früh- und spätsalische Erweiterung.  Um 1050 ließ Bischof Sigibodos die frühsalische Stadtmauer bis zur Ludwigstraße, dem Altpörtel (Westpforte mit zwei Stockwerken), über die Greifengasse zur bestehenden Mauer weiterführen. Die spätsalische rechteckige Norderweiterung umschloss das Johannes-/ St. Guidostift, wurde durch  Bischof Johannes I.-Neffe Kaiser Heinrich IV. -(1090-1100) erbaut und ließ die Belagerung durch Erzbischof  Adalbert von Mainz 1116 scheitern. Der rote Turm an der Nordflanke und das Weidentor waren Ergänzungen.

Rundgang um die innere Stadtmauer  

Dr. Müller erläuterte  mit Hilfe der Fotoshow die  noch sichtbaren Teile  der Stadtmauer mit  Ausgangspunkt   Altpörtel.   Am höchsten Torturm Deutschlands (1197 erstmals erwähnt, 1230 erneuert, 1512/1514 aufgestockt)  sind Mauervertiefungen (Holzgatter), Auflagen der Wehrbrüstung, Gefängniszelle im Tordurchgang und „Musterelle“ zu erkennen. Hinter der „Postgalerie“ steht am Klipfelstor  ein Mauerzeugnis aus roten Kleinsandsteinquadern. Im Café  daneben ist  ein Rundbogenscheitel als Wasserpforte der spätsalischen Erweiterungsmauer versteckt. Mit Sträuchern ist der „Postgraben“(ehemals Tiergraben) zugewachsen. Zur Bahnhofstraße hin sieht man das einzige erhaltene Grabenprofil mit der besonderen  Bauweise der „Kontereskarpe“- und „Bermenmauer“(Vorschutzmauern), wie Dr. Müller anhand einer  Skizze erklärte.  Ein Foto zeigt den Windmühlturm(Runder Turm), der an der Rützhaubstraße  stand und weiter nördlich den Roten Turm .  Am  ehemals 10 m  tiefen Hirschgraben mit der Außenfuttermauer am Alten Friedhof(Adenauerpark),  sind  die spätsalische Mauer, das stauferzeitliche  Haus mit rotem Kleinquadermauerwerk,  Zinnen, Wurfscharten, Schießscharten und zwei  gotische Zierfenster(1200) am Wehrgang zu erkennen. Die Stadtmauer ist hier 1,2 m dick und 8m hoch, war oft umkämpft, diente als Zugang zum Eiskeller, später zum Luftschutzbunker und hält heute noch stand. Durch Straßenbegradigung  um 1810 entstand der St.-Guido-Stifts-Platz, wo sich das Weidentor  als einziges Nordtor   befand.  Am  N eubau  der Petschengasse 1 steht  eine Infotafel mit Detailplan der Stadtmauern, direkt daneben die  erhaltene  spät salische  Hauptmauer.

Dr. Müller  führte die Zuhörer zum Maulbronner Hof,  wo ein 170 m  langes Mauerstück aus roten Kleinquadern mit  romanischen  Wurfscharten(1100)  als Hauswände der Lauergassenhäuser  mit einmaligem Erhaltungsgrad  zu sehen ist.  Romanische Zinnen stehen in 1,5 m Höhe,  Schartenbänke sind  durch Aufmauerung zugesetzt. Nördlich stand der Pulverturm,  ein um 1330 erstellter Backsteinbau.  Zum Fischmarkt hin  ist die Mauerkrone in 6 m Höhe noch erhalten,  während Zwischenteile im  „Mörsch“ abgesackt sind.  Weiter wurde vom Erzähler die Stapelplatzmauer an der Häuserrückfront der Pistoreigasse (zwischen Mittelsteg und Stuhlbrudergasse)  erklärt,  wobei  das Backsteinwerk auf  einem Sockel von kleinen roten Sandsteinquadern  mit 12 Zinnen ruht. Vorbei an der Nikolaustreppe gingen  die Erklärungen,  zum  ehemaligen „Uten-oder Pfalzturm“,  dem Heidenturm,  wo drei Mauern parallel  laufen.  Die Hochmauerreste  mit den fünf Wehrgangsbögen  sind  die einzige  Stelle,  die ungefähr zeigen kann,  wie seit 1260 die Stadtmauer  rings um die Innenstadt  aussah. Vom Salierdenkmal führt der ottonisch-römische Mauerzug  zum Archivgarten.

Vom Armbrusterturm( südöstl. Museumsturm) z. Karmelitergraben Entlang der Steingasse , ab  Gymnasium, sieht man die Mauer als Häuserrückseite der Großen Pfaffengasse. Der Neubau kurz vor dem „Weißen Tor“ lässt im Hofbereich noch eine schmale  Furt  den  Blick auf die  frühsalische-  und ottonische Mauerlinie von 1050 zu.  Hinter der Tankstelle zwischen Linden- u. Zeppelinstraße  stand einst der mächtige gotische Schmied/Heiligenturm, dessen  gelbe  Quader seiner Nordostecke zu sehen sind;  seitlich versetzt  seit  dem 20. Jh. als Sonnenburg umfunktioniert.  Der frühsalische Mauerdurchbruch an der Feuerbachstraße  verlief  auf der Außenfuttermauer  des Alexgrabens ( St. Alexius-Kapelle). Der Mauerrücksprung verrät die Auflage des frühromanischen hölzernen Wehrgangs.  Zwischen dem  Neupörtel(Ludwigstraße) und dem Altpörtel war die frühsalische Mauer  durch gotische Wehrgangsbögen verstärkt.  Die  Hausbreite von 6,7 m entspricht  dem Maß eines Bogens.  In der Karmeliterstraße( 37/29) ist die Brüstung der äußeren Grabenfuttermauer (15.Jh.)  mit alten Abdecksteinen (bespickt mit Glasscherben)  zu sehen, die den tiefen  Graben  zur Stadtmauer hin verdeckt.  Die Stadtmauer dahinter  besteht bis zur Stockwerkshöhe  aus 1 m starkem  Quaderwerk. .An der  frühgotischen Ziegelsteinaufmauerung  der Wehrgangsbrüstung  sind noch drei  große Steinkugeln in der Wand zu erkennen „. Die vierte  gibt  in einer Kellerbar ihre  Erinnerungen  an weinfröhliche Zecher weiter“, so Dr. Müller.

Die vier  Vorstadtmauern  von  Speyer

In einem Kurz-Durchgang stellte der Buchautor Müller noch die Vorstadtmauern vor, welche im 14. Jh. entstanden sind.  Die im Jahre 1111 von Kaiser Heinrich V . an Speyerer Bürger verliehenen  Privilegien,  die 1198  von Herzog Philipp von Schwaben übergebene Selbstverwaltung und der  1294 übertragene  Status einer Freien Reichsstadt,  boten persönliche Freiheit  im Stadtgebiet und förderten die wirtschaftliche Entwicklung, so dass Vorstädte immer größer und nun  auch durch Schutzmauern Sicherung erhielten.  Um 1325 wurde  in der Ägidien  Vorstadt  entlang des Gilgengrabens  eine Mauer mit 19 Rundtürmen in Ziegelwerk aufgebaut.  Vom  Drachenturm ist nur das offene Untergeschoß vorhanden,  den  Taubenturm  in 50 m Abstand ziert noch ein Kegeldach, der Turm zum Bock besteht noch als Mauerstumpf und hat als einziger Turm dieser Stadtmauer keinen Vogelnamen.  Die Vorstadt über dem Hasenpfuhl  wurde 1335 durch eine Mauer geschützt und hatte vier Türme . Beim  Oberen Bachriegel  mit zwei Rundbögen auf schweren Quaderpfeilern und einer  Wehrgangsbrüstung mit einer Zinne  war die Vorstadtmauer an den innerstädtischen Lauerzwinger angeschlossen.  Einige Meter südlich des Riegelbogens  sieht man untere Gewändeteile  der  Allmendpforte,  die für Töpfer offen blieb, damit sie zu ihren Tonlagern  gelangen konnten.  Vom Bärenturm  ragt noch die äußere Hälfte als Stumpf in den Graben;  am Klostergarten zu St. Magdalena steht der Löwenturm,  vom Widderturm sind noch Mauerreste   zu finden. .Der Farrenturm  stand auf der Stadtmauerecke, wurde einem Garten-  später einem Bauernhaus einverleibt,  das im Kindergartenbereich zu erkennen ist. Das Küh-, später  Rheintor,  verschwand um 1860 im Durchbruch der Hasenpfuhlstraße .  Am Brauhaus des Gasthofs zum Anker ist noch ein Teil der Vorstadtmauer zu erkennen,  daneben stand der Gackturm  mit  schwerem Gatter als Unterer Mauerriegel.  Die Markus-Vorstadt  wurde 1360  durch eine Mauer geschützt,  die ab dem Dreißigjährigen Krieg verschwunden war. Der Graben nach Osten war vom Fischertor ab durch den Marxendamm vom Altrheingelände(Festplatz) abgetrennt. Seit Mitte des 20.Jh. füllt ihn die Karl-Leiling-Allee aus.  Mauerreste sind noch am Rot-Kreuz-Haus zu sehen.  Das St. Marxentor  war eines der drei wichtigsten Stadttore und führte zur Rheinhäuser Fähre,  wie Dr. Müller mit Fotos beweisen konnte.  Die Vorstadt  Altspeyer  erhielt erst  um 1380 eine  Stadtmauer,  obwohl das Dorf „ Spira“ dort seit dem 6. Jahrhundert  neben einem Judenviertel  bestand. Nur die Westmauer ( 1502 ) am Alten Friedhof (Bahnhofstraße) blieb übrig.  Bis zur Villa Velten( vor der Araltankstelle) zogen  sich bis 1830 die Stadtmauerflucht und der schmale“ Judensand“(Friedhof)  zum Birkenturm(Siechenturm) hin.  Der Speyerbach-Woog  vor der Dietbrücke,  der Diebsturm und das Heiliggrabtor standen im Bereich des Rauschenden Wassers an der jetzigen Wormser Straßenbrücke.

Viele spezielle  Fragen  der Zuhörer zur Stadtmauer, der Zerstörung durch verschiedene  Belagerungen und Kriege,   erklärte der bald  91-jährige  Buchautor  bevor er mit  bewunderungswürdigem  Beifall verabschiedet wurde. Er erklärte sich  für  weitere Erzähltermine bereit.  Alle Achtung.!! 

Text und Foto: Karl-Heinz Jung

08.10.2013


Emma Ott feiert 100. Geburtstag

(v. r.): Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Vorsteher Pfarrer Dr. Werner Schwartz gratulieren Emma Ott zum 100. Geburtstag

Ihren 100. Geburtstag feierte Emma Ott am 17. Juli im Diakonissen Seniorenstift Haus am Germansberg.

Ihrem Hobby, dem Tanzen, kann die Jubilarin nicht mehr nachgehen, zahlreiche Fotos zeugen aber davon, dass sie ihre Leidenschaft ihrer Enkelin vererbt hat. Die Tochter des einzigen Sohnes ist im Turniertanzsport aktiv und besucht die Oma regelmäßig, zum 100. Geburtstag gemeinsam mit Urenkel Kevin und zahlreichen weiteren Verwandten.

Beim Tanzen lernte Emma Ott, die acht Jahre die Speyerer Klosterschule besucht hat, ihren Ehemann Franz kennen, den sie 1936 in der Josephskirche heiratete und später bei Büroarbeiten in seiner Schreinerei unterstützte.

Seit 2007 lebt die Jubilarin im Diakonissen Seniorenzentrum Haus am Germansberg, wo sie an ihrem Ehrentag die Glückwünsche von Vorsteher Pfarrer Dr. Werner Schwartz und Oberbürgermeister Hansjörg Eger entgegennahm, der auch Grüße von Ministerpräsidentin Malu Dreyer überbrachte. Sie habe keine Laster und ihr Leben lang viel Bewegung gehabt, verriet die Seniorin ihr Erfolgsrezept für ihr hohes Alter. Davon, dass auch eine gehörige Portion Humor dazugehört, konnten sich Oberbürgermeister Eger und Dr. Werner Schwartz überzeugen, bevor Emma Ott mit Verwandten, Bekannten und Mitbewohnern bei Kaffee, Kuchen und einem Glas Sekt den runden Geburtstag feierte. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

17.07.2013


Mit 86 Jahren sportlich aktiv

Team alla hopp!: Erstes Mitglied Laci Legenstein ermutigt zu mehr Bewegung

Metropolregion Rhein-Neckar- Ladislav Legenstein, 86 Jahre alt, lächelt verschmitzt, wenn er wieder einmal gefragt wird, was das Geheimrezept für seine Fitness ist. „Ich habe keines“, antwortet Legenstein, den alle beim Spitznamen „Laci“ nennen. Nur dieses: Er habe sein ganzes Leben lang Sport getrieben. Und noch immer trifft sich Legenstein jeden Montag mit seiner Seniorengruppe zum Tennisspielen und ist auch regelmäßig auf dem Golfplatz anzutreffen. Als erstes Mitglied im Team alla hopp! ermutigt Legenstein andere dazu, Sport und Bewegung für sich zu entdecken.

Legensteins eigener Weg zum Sport war quasi vorgezeichnet. Er wuchs in Cakovec (Tschakathurn) im heutigen Kroatien auf. Beide Eltern waren erfolgreiche Tischtennisspieler. „In Cakovec, damals ein 3.000-Einwohner-Örtchen, war der Sport die einzige Möglichkeit der Freizeitgestaltung.“ Legenstein spielte wie seine Eltern zunächst Tischtennis, bald war er auch im Fußball und Volleyball erfolgreich. Schließlich entdeckte er Tennis für sich: „Es gab einen Platz in der Nähe meiner Schule, da durften meine Freunde und ich die Bälle einsammeln. Und wenn die Herrschaften eine Pause machten, durften wir ein paar Bälle übers Netz schlagen.“

Beim Golfspielen so gut wie im Tennis

Als Legenstein zum Studium nach Zagreb ging, konzentrierte er sich fortan ganz aufs Tennis. 1955 kehrte er seinem Heimatland den Rücken und nahm die österreichische Staatsbürgerschaft an, die ihm die Alpenrepublik aufgrund der Herkunft seines Vaters anbot. Später ging der junge Sportler für Österreich im Davis Cup an den Start. Mit Anfang 30 startete Legenstein durch: 1959 besiegte er bei den French Open in Paris den Australier Rod Laver, der später vier Mal in Wimbledon gewinnen sollte. Ein Jahr später triumphierte er bei den Canadian Open in Toronto.

In die Rhein-Neckar-Region kam Legenstein Mitte der 1960er Jahre. Er nahm einen Trainerjob beim Heidelberger TC an, für den er auch aktiv spielte. Auf der Anlage des HTC lieferte er sich packende Trainingspartien mit der jungen Steffi Graf. Anfang der 1970er Jahre begann er, nebenbei auf dem Golfplatz an seinem Handicap zu arbeiten, das zwischenzeitlich bei 9 lag. Bis 2007, da war er 80 Jahre alt, sammelte er 16 Welt- sowie 85 Europameistertitel in der Senioren-Altersklasse. Seitdem tritt er nicht mehr bei Turnieren an, jagt aber weiterhin Filzkugeln über das Netz und schlägt Bälle auf dem Golfplatz.

Gerne mal ein Glas Wein

Was tut er sonst noch für seine Fitness? Beim Essen eher wenig, gesteht Laci Legenstein mit einem Augenzwinkern: „Ich habe immer das gegessen, worauf ich Lust hatte, kein Gemüse, kein Fisch, dazu gerne mal ein Glas Wein.“ Beim Rauchen hingegen bleibt er strikt: „Keine Zigaretten!“, betont der 86-Jährige.

Fitness ist nach seiner Erfahrung nicht vom Alter abhängig und es braucht dazu auch keine Profilaufbahn. Wichtig sei nur eins: dass es Spaß macht. Deshalb sieht Laci Legenstein in alla hopp! ein hervorragendes Angebot für alle Generationen. Auf seine Jugendtage blickt er gerne, wenn auch mit etwas Wehmut zurück. „Es war eine schöne Zeit, aber wir hatten viel geringere Entfaltungsmöglichkeiten. So etwas wie einen kostenlosen Bewegungsparcours gab es damals nicht. Ich freue mich darauf, bald einen solchen Parcours in der Rhein-Neckar-Region zu testen“, sagt Legenstein.

Steckbrief Laci Legenstein

Name: Ladislav („Laci“) Legenstein
Geburtsort: Cakovec (Jugoslawien, heute Kroatien)
Geburtsdatum: 19. November 1926
Sportarten: Tennis, Golf
Meine Motivation: „Von meiner Fitness profitiere ich körperlich und geistig.“

Kurzprofil Team alla hopp!

Bewegung und Begegnung der Generationen ist die Devise der Aktion alla hopp! der Dietmar Hopp Stiftung. Das Team alla hopp! steht stellvertretend für alle aktiven Bürger der Metropolregion Rhein-Neckar. Bewegung befördert die körperliche und geistige Fitness. Gemeinsames Sporttreiben macht Spaß und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Zum Team alla hopp!, das nach und nach vorgestellt wird, gehören Menschen aller Generationen. Die Team-Mitglieder haben Vorbildcharakter und spornen zur Bewegung an. Sie berichten, welche Bedeutung Sport für ihr eigenes Leben hat und woraus sie ihre Motivation für Bewegung schöpfen. Mehr Informationen über die Teammitglieder: www.alla-hopp.de

Kurzprofil alla hopp!

Die Aktion alla hopp! ist ein Angebot für alle und verbindet Jung und Alt durch die Freude an der Bewegung. Die Dietmar Hopp Stiftung errichtet dazu 18 generationsübergreifende Bewegungs- und Begegnungsräume. Das ganzheitliche Konzept zur Bewegungsförderung wurde gemeinsam mit Experten erarbeitet. Die 290 Kommunen der Metropolregion Rhein-Neckar können sich bis 30. September 2013 bewerben. Die alla hopp!-Anlagen bestehen aus drei bis vier Modulen. Empfohlen wird eine Grundstücksgröße von rund 5.000 Quadratmetern. Im Bewegungsparcours bieten sich für alle Generationen verschiedenste Möglichkeiten, Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht, Beweglichkeit und Koordination in unterschiedlichen Anforderungsgraden zu trainieren. Ein Kinderspielplatz hält Spielmöglichkeiten bereit, die die Motorik und die Kognition der Kleinsten ansprechen. Der Spiel- und Bewegungsplatz für Kinder im Schulalter lädt zum Mitgestalten und Austoben ein. Bei ausreichend großer und geeigneter Fläche, kann optional ein Parcours für jugendliche Sportler angeschlossen werden. Die Anlagen bieten Nutzungsmöglichkeiten für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehhilfe. Mit der Aktion alla hopp! schlägt die Dietmar Hopp Stiftung eine Brücke zwischen ihren vier Förderbereichen Sport, Medizin, Soziales und Bildung. Für die auf mehrere Jahre angelegte Aktion alla hopp! plant die Dietmar Hopp Stiftung einen Betrag in Höhe von 40 Millionen Euro ein.

Weitere Informationen unter www.alla-hopp.de. Text und Foto: Dietmar Hopp Stiftung

12.07.2013


Sommerfest im Seniorenstift

Sommerfest im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital: auch ein Fest der Generationen Sommerfest im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital: auch ein Fest der Generationen

Zahlreiche Gäste kamen am 6. Juli bei herrlichem Sommerwetter zum Sommerfest im Diakonissen Seniorenstift Bürgerhospital

Nach einem ökumenischen Gottesdienst, gestaltet von Pfarrerin Christine Gölzer von der Dreifaltigkeitskirche und Sigrid Sandmeier von der Dom-Pfarrei, genossen Bewohner, Angehörige und Gäste das vielfältige Programm, das mit einem Mittagessen begann, das von den Rhythmen der Stadtjugendkapelle Speyer begleitet wurde. „Die Kapelle hat sich trotz ihres eigenen Sommerfestes Zeit für uns genommen“, freute sich Wolfgang Fischer-Oberhauser vom sozialkulturellen Dienst des Seniorenstifts.

Begeistert verfolgten die Besucher anschließend die Auftritte der Speyerer Squaredance-Gruppe Tupsy Turtles und von Kindertanzgruppen des TSV Speyer, die bereits Tradition beim Sommerfest am Mausbergweg haben. Bereits seit Jahrzehnten begleitet die Ottersheimer Blaskapelle die jährliche Feier und sorgte auch in diesem Jahr für Stimmung.

Publikumsmagneten waren außerdem das von Speyerer Gärtnereien prachtvoll bestückte Blumenrad oder die Tombola mit 1000 Preisen, darunter ein hochwertiger Gasgrill und ein Damenfahrrad, sowie das Angebot des Bistro-Cafés am Mausbergweg.

„Mit einer Mischung aus traditionellen und modernen Angeboten war wieder für jeden Geschmack etwas dabei und wir freuen uns schon aufs Sommerfest im nächsten Jahr“, so Fischer-Oberhauser. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse



 

09.07.2013


Robbe Anna zieht am Germansberg ein

Tobias Bachmann, der die Robben in Deutschland vertreibt und Mitarbeiter coacht, begleitete Annas ersten Besuch im Haus am Germansberg. Tobias Bachmann, der die Robben in Deutschland vertreibt und Mitarbeiter coacht, begleitete Annas ersten Besuch im Haus am Germansberg.

„Ist die süß“ und „Wie heißt sie“ schallte es aus allen Richtungen, als Robbe Anna letzte Woche im Diakonissen Seniorenzentrum Haus am Germansberg einzog.

Anna kommt allerdings nicht aus der Nordsee, sondern ist eine japanische Erfindung, die in rund 50 Seniorenzentren in Deutschland zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird. Der plüschige Roboter PARO ist dem Baby einer Sattelrobbe nachempfunden und wird in der Seniorenarbeit eingesetzt, da sie die soziale Interaktion fördert und eine positive Wirkung auf die Stimmung der Menschen hat.

Dass Anna, die auf Berührungen und Geräusche reagiert, darüber hinaus als zur Kommunikation anregt, konnten Heimleiter Klaus-Dieter Schneider und sein Team beobachten, als sie das erste Mal im Haus am Germansberg zum Einsatz kam. Nicht nur die Betreuungsassistenten, die die Bewohnerinnen und Bewohner mit der Robbe besuchen, kamen schnell ins Gespräch, Anna sorgte auch unter den Senioren für reichlich Gelächter und Gesprächsstoff.

Untersuchungen belegen, dass der Kontakt zu Tieren aktivierende und fördernde Effekte auf Menschen haben. „Die Roboter-Robbe hat Studien zufolge einen ähnlich positiven Einfluss, ist aber flexibler und kurzfristiger einsetzbar“, freut sich Katharina Kieselhorst vom Sozialkulturellen Dienst darüber, dass die Anschaffung durch eine Spende der Thor Stiftung möglich war. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

08.07.2013


Wiederaufbau der Rheinschifffahrt spannend interessierten Senioren erzählt

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer- Bei Kriegsende im März 1945 war wegen der zerstörten Rheinbrücken Maxau, Germersheim, Speyer und Ludwigshafen sowie der Schiffsbrücke bei Germersheim  kein Schiffsverkehr auf dem Rhein mehr möglich. Zudem lagen in der pfälzisch-badischen Rheinstrecke in der Zeit 375 Schiffseinheiten gesprengt oder durch Luftangriffe versenkt im Strom. Dem Wiederaufbau der Rheinschifffahrt in der Nachkriegszeit  widmete sich Günter Kuhn im Erzählcafé des Seniorenbüros Speyer, zu dem rund 50 interessierte  Senioren ins Zelt des Schiffbauer-, Schiffer- und Fischervereins (SSFV) gekommen waren. Kuhn, seit 2010 SSFV-Ehrenvorsitzender, führte den Verein 24 Jahre lang und war maßgeblich beteiligt am Aufbau des Museums in der Klipfelsau wenige Meter vorm Flaggenmast an der Rheinpromenade. In den 46 Jahren seiner Arbeit beim Wasser- und Schifffahrtsamt Mannheim bestimmte das Leben auf dem Rhein  Kuhns Tagewerk. Bei seinen Erzählungen spüren die Besucher,  dass der Schifffahrtexperte seinen Beruf mit Leidenschaft und Herz ausübte und mit dem Rhein auch im Ruhestand noch fest verankert ist.

Sofort im April 1945 begannen die amerikanischen und französischen Truppen mit der Errichtung behelfsmäßiger Übersetzstellen, um den Armeenachschub nach der rechten Rheinseite sicherzustellen. Bis Juli dauerte der Bau der  amerikanischen Noteisenbahnbrücke 50 Meter unterhalb der zerstörten Rheinbrücke Mannheim-Ludwigshafen. Außerdem stellten die Truppen ab April  Pontonbrücken mit wechselnden Standorten bei Speyer, Rheinhausen, Germersheim und Maximiliansau auf, berichtete Kuhn von den Schwierigkeiten, an die andere Uferseite zu kommen. Im Juli begannen die Amerikaner   damit, in den  zerstörten Brücken Schifffahrtsöffnungen herzustellen. Die gesprengten oder zertrümmerten Konstruktionsteile sind aber nicht gehoben, sondern im Flussbett belassen worden, wo sie sich in die Sohle verlagerten und teilweise rasch einkiesten. Diese Arbeitsweise erschwerte die späteren Räumungsarbeiten durch deutsche Stellen erheblich.  Die von den Besatzungsmächten geschaffenen Durchfahrtsöffnungen waren für den im September 1945 freigegebenen Schiffsverkehr „sehr ungünstig und gefahrvoll“, erinnerte der SSFV-Ehrenvorsitzende. Die Brückenstellen waren nur äußerst schwer zu passieren. Die Speyerer  Stelle war besonders schwierig zu befahren, da hier in der starken Rheinbiegung laut Kuhn nur eine 48 Meter breite Schifahrtsöffnung zur Verfügung stand. In den folgenden Jahren seien alle für den Rhein zuständigen Stellen  damit beschäftigt gewesen, die im Strom liegenden Fahrzeugwracks und restlichen Brückenteile zu heben und aus der Fahrrinne zu räumen.

Breiten Raum widmete der Rheinfachmann der in dieser Zeit üblichen Schleppschifffahrt. Meist mehr als einen Kilometer lang war ein Schleppzug auf der Oberrheinstrecke bis Sondernheim. Ein Seitenradschlepper hatte bei einer Bergfahrt sechs bis acht Anhänge (mit einer Gesamttonnage bis zu 10 000 Tonnen, die wegen der Manövrierfähigkeit und des „Losschmeißens“ in den Zielhafen jeweils mindestens 80 Meter Abstand voneinander haben mussten. Die großen Motorschlepper stammten meist von Schweizer Schiffbauern (Uri, Unterwalden) und hatten die gleiche Anzahl von Schiffen im Schlepp wie die Räderboote.

Nun kam die große Zeit der Werften. Dort wurden nicht nur neue Schiffe mit erheblich größerer Tragfähigkeit (bis zu 1200 Tonnen) und Tanker  gebaut. Da die Schleppschifffahrt (zwölf Mann  pro Schleppschiff) auch wegen der meist langen Liegezeiten und hohen Schleppkosten zu teuer geworden war, kam für sie in den 60er Jahren das Aus. Nahezu die gesamte Schlepp-Rheinflotte wurde in Werften zu Selbstfahrern umgebaut. Die letzten Radschlepper gingen für immer vor Anker, um verschrottet zu werden  oder wurden umgebaut zu Kabinenschiffen. Dadurch wurde der nach dem Krieg fast ausgestorbene Schiffsverkehr zu neuem Leben erweckt Mit der Einführung des Radars waren nun auch Nachttransporte möglich geworden. Die gelben Bojen 70 Meter vor und hinter der Speyerer Salierbrücke weisen die Schiffigen des Nachts auf die vom Radar sonst nicht erkannten Brückenpfeiler hin, rechtzeitig zum Umschiffen, erklärte Kuhn auf Nachfrage eines Erzählcafé-Gastes. Durch umfangreiche wasserbauliche Maßnahmen wurden Verbesserungen in der Fahrwassertiefe erreicht, die jetzt ab der Neckarmündung stromaufwärts bei 2,10 Metern liegt. Dort, wo die Fahrwasserbreite weniger als 92 Meter beträgt, sind rote oder grüne Fahrwassertonnen ausgelegt.

Inzwischen hat sich das frühere Schleppen häufig in ein Schieben umgewandelt.  Schon 1957  hatte die erste Schubeinheit  „Wasserbüffel“ die Fahrt auf dem Rhein aufgenommen. Aus diesen frühen Versuchen haben sich dann Schubeinheiten herausgebildet. Die rasante Entwicklung dieser aus den USA übernommenen und für den Rheinverkehr angepassten Schifffahrt hat „selbst Förderer und Befürworter überrascht“, kommentiert Kuhn. In der badisch-pfälzischen  Rheinstrecke können in jüngster Zeit immer mehr leistungsstarke  Schubboote mit vier Schubleichtern (Gesamttonnage bis zu 12000 Tonnen) beobachtet werden. Foto: khj

04.07.2013


„100 Jahre Flugplatz Speyer“ Thema des Erzählcafés

Speyer-  Es begann 1912 mit einer Wiese, auf der die ersten Flugzeuge starten und landen durften. Ein Jahr später wurde gleich nebenan der Grundstein gelegt für den Flugzeugbau, die heutige Pfalz-Flugzeugwerke GmbH. Die 100-jährige Flug-Geschichte war Anlass für ein Seniorenbüro-Erzählcafe. Der Geschäftsführer der Flugplatz Speyer-Ludwigshafen GmbH (FSL), Roland Kern, erzählte den knapp 50 Besuchern im neuen Flugtower locker vom Hocker alles rund um den Speyerer Flugplatz, die Erweiterung und seine Zukunftsgedanken. Pfarrer i.R. Bernhard Linvers, der sich viele Jahre im mit Erfolg für den  Erhalt der einst 2500 Arbeitsplätze und das Speyerer Werk eingesetzt hatte, konnte als Moderator einiges zur wechselvollen Geschichte des Unternehmens   (von Heinkel über VFW Fokker, MBB und DASA bis zur 1997 erfolgten Umwandlung in die PFW Aerospace AG) beisteuern.

Die Gründung der Pfalz-Flugzeugwerke GmbH wurde am 3. Juni 1913 in Neustadt/W. beurkundet und am 12. Juli 1913 in das Handelsregister beim Amtsgericht Ludwigshafen eingetragen. Im Handelsregister stand: „Gegenstand des Unternehmens ist der Bau von Flugzeugen und die Ausbildung von Flugzeugführern sowie die Betätigung aller Geschäfte, die geeignet sind, das Unternehmen zu fördern." Als Geschäftsführer wurden Alfred Eversbusch und Richard Kahn eingesetzt. Das Kapital betrug 50.000 Mark, davon waren 20.000 Mark reine Sacheinlagen. Die Sacheinlagen bestanden aus einer Flugmaschine, einem Flugzeugschuppen, einem Opel-Flugmotor sowie verschiedenen Werkzeugen und Zeichnungen. Die Flugmaschine brachten die Gebrüder Eversbusch mit, vermutlich eine Eigenkonstruktion, die 1912/13 in Neustadt entstand. Flugversuche führten mindestens Anfang 1913 zu einem leichten Flugunfall von Alfred Eversbusch, der sich demnach anfangs auch als Pilot versuchte.

Kaum jemandem sei bewusst, dass der Speyerer Platz eines der ältesten Fluggelände in Deutschland ist, betonte Kern. Um diese Zeit seien in Deutschland bis zu 20 Flugplätze gegründet worden. Der Speyerer sei mit der erste gewesen. Bereits 1912 landete eine Rumpler-Taube auf den Wiesen am Rhein. Die Taube war vor dem Ersten Weltkrieg einer der erfolgreichsten Motorflugzeugtypen.

Schon früh - noch vor der Gründung der Pfalz-Flugzeugwerke - bemühte sich Eversbusch um die Pachtung eines Geländes an dem neu geschaffenen Speyerer Flugplatz. Bereits im März 1913 erhielt er einen Vertragsentwurf für die Verpachtung. Denn die Stadt Speyer war damals sehr an dem neuen Wirtschaftszweig „Flugzeugbau" interessiert. Schließlich konnten 2000 Quadratmeter zu 10 Pfennigen pro m² erworben werden. Zudem wurde der Schuppen des Flugvereins für 50 Pf. pro Tag verpachtet, und die in der Nähe stehende Festhalle konnte sogar kostenlos genutzt werden. Im gemieteten Schuppen auf dem Flugplatz wurden hauptsächlich technisch klare bzw. flugbereite Flugzeuge der PFW abgestellt.

In den beiden Weltkriegen wurde Kriegsflugzeug in Speyer gebaut und repariert. 1914 landete und startete unter anderem der „Rote Baron“ Manfred von Richthofen seinen Jagdflieger in der Domstadt.

Seit den späten achtziger Jahren dient der Speyerer Platz mehr als zwanzig Unternehmen als Basis für ihren Geschäftsreiseverkehr. Eine grundlegend neue Situation brachte die Ankündigung der DASA, dass sie den Platz künftig nicht mehr braucht und damit den Flugbetrieb in Speyer einstellen möchte. Die Regierung des Landes Rheinland-Pfalz und der Speyerer Stadtrat stimmten 1994 den Plänen zum Kauf des Verkehrslandeplatzes zu. Noch im selben Jahr wurden die Grundstücksgesellschaft FSG, die Betreibergesellschaft FSL gegründet und der Kaufvertrag abgeschlossen. Damals habe es geheißen, „das Werk kann nur gerettet werden, wenn jedes Jahr ein Airbus gebaut wird“, erinnerte Linvers an die Arbeitskämpfe. Heute werden jährlich rund 300 Airbus-Maschinen produziert, berichtete Kern, der als früherer Wirtschaftsförderer und Beigeordneter der Stadt bereits in den 90er Jahren mit der Weiterentwicklung des Verkehrslandeplatzes im Zuge der Umstrukturierung des früheren DASA-Konzerns befasst und vorübergehend auch als Geschäftsführer für die FSL GmbH tätig war und nun seit 2012 wieder FSL-Geschäftsführer ist.

„Wir hatten nie vorgehabt einen Verkehrsflughafen zu bauen“, erinnerte Kern an die Proteste der Bündnisgrünen und von Anwohnern in Speyer-Süd gegen die Erweiterung der Landebahn für den Speyerer Flugplatz, der heute ein 17 Hektar großes Gelände umfasst. „Schauen sie, der Auwald ist immer noch da“, verteidigte Kern stets die Erweiterung der Landebahn auf 1400 Meter, womit eine Pistenlänge von   1667 Metern erreicht wurde. Hierfür hatten auf rund 200 Meter breiter Front Baumspitzen gekappt werden müssen. Den Flugplatzgegnern hielt  der FSL-Geschäftsführer eindrucksvolle Argumente vor: Die Gemeinde Heßheim bringe mit ihrer Sonderabfalldeponie ihren Beitrag ein für die Metropolregion Rhein-Neckar, die Stadt Ludwigshafen betreibe die Müllverbrennungsanlage. Mit der  Bereitstellung eines den EU-Normen gerecht werdenden Flugplatzes leiste die Stadt Speyer ihren Teil für die Infrastruktur der Wirtschaftsregion. Von den im Jahr rund 30000 Flugbewegungen (im Schnitt 50 Starts oder Landungen am Tag) seien der überwiegende Teil für private Flüge (Ultraleichtflugzeuge, Segelflieger, Heißluftballons) und lediglich 3000 für Geschäftsflüge. Aber nur so könnten globale Unternehmen, wie BASF, Heberger, Südzucker oder  SAP und Verantwortliche kleinerer Firmen ihre Geschäfte vor Ort machen und ihren Standort in der Region halten. Hierfür können in der Domstadt  auch bei zwei Gesellschaften einer von sechs Jets angemietet werden. Den Zeitvorteil lassen sich die Geschäftsleute  dann 1500 Euro pro Stunde kosten. Kern machte deutlich. „Wenn wir starke Unternehmen im Rhein-Neckar-Raum haben wollen, müssen wir dafür sorgen, dass die Entscheider ihren Standort in der Metropolregion halten und auch dort erreicht werden können.“

06.06.2013


Einwurf

Gemeinsam für eine seniorengerechtere Umwelt – Plädoyer fürs Aufspüren und Beseitigen von Mängeln, die älteren Menschen „das Leben schwer machen“.

Von Gerhard Cantzler

Es sind die vielen Kleinigkeiten, die älteren Menschen das Leben im Alltag oft schwer machen, oder die – stellt man sie ab – ihnen das Leben bedeutend erleichtern können. Jede für sich vielleicht nur eine Kleinigkeit, eine Bagatelle, die abzustellen nur wenige hundert Euro und manchmal vielleicht sogar noch weniger kosten würde. Eine fehlende Hausnummer anzubringen, ein Hinweisschild umzustellen, die Phase einer Fußgängerampel so zu verlängern, dass Senioren nicht gleich in Stress geraten müssen, wenn sie es während einer Grünphase nicht „packen“, rechtzeitig über die Strasse zu kommen - alles Dinge, die ohne übermäßigen Aufwand umzusetzen wären. Die prominente Altersforscherin Prof. Dr. Ursula Lehr hat bei ihrem Auftritt in Speyer unzählige Beispiele dafür aufgezeigt, wo Verbesserungen ohne übermäßig großen Aufwand zu erzielen wären.

 

Was an vielen Stellen auch in Speyer aber halt immer noch fehlt, ist das Bewußtsein für solche Mängel - ist am Ende aber vielleicht dann auch doch wieder das Geld, denn wenn auch jede Einzelmaßnahme für sich genommen kaum ins Gewicht fallen würde, so addiert sich doch das Umsetzen all der von der früheren Familienministerin aufgeführten Veränderungen zu einem „stattlichen Sümmchen“.

 

Speyer hat derzeit gerade zwei zweifelsohne bedeutsame Massnahmen in der „Mache“: Die Neugestaltung des Berliner Platzes, dessen Fertigstellung am vergangenen Sonntag gerade zu Recht gefeiert wurde und die Renaturierung des Woogbachtales, die derzeit in ihre Endphase eintritt. 1,8 Mio. Euro für den Berliner Platz , 1,3 Mio. für das Woogbachtal, Massnahmen, die sich Bund und Land gemeinsam 75% der Aufwendungen kosten lassen. Da bleibt halt, so scheint's, für das viele, nicht weniger notwendige „Kleinzeug“, wie es jetzt die Forscherin beispielhaft aufgezeigt hat, kein Geld mehr übrig.

 

Wie wäre es da, wenn Bund und Länder ein Finanzierungsprogramm auf den Weg bringen würden, das es den Kommunen erlaubt, all die Kleinigkeiten abzustellen, die Senioren – und dazu wird, wie wir spätestens seit dem Auftritt von Prof. Dr. Lehr in Speyer wissen - zukünftig ein immer größerer Teil unsrerer Bevölkerung zählen – bei ihren alltäglichen Bewegungen im öffentlichen Verkehrsraum behindern? Natürlich gibt es da noch immer das sogenannte „Kooperationsverbot“, das es dem Bund verbietet, an den Ländern vorbei die Kommunen direkt mit Finanzmitteln zu bedenken. Doch auch dieses „Kooperationsverbot“ ist irgendwannd einmal von Menschen erfunden und von Parlamenten verabschiedet worden. Und deshalb sollte es für einen solchen Zweck auch wieder von Parlamenten geändert werden können.

 

Aber auch den privaten Betreibern von Geschäften in unseren Städten möchte man zurufen: Richtet Euch auf die neuen Zeiten ein, wenn immer mehr „Alte“ in Eure Geschäfte kommen. Seniorengerecht eingerichtet zu sein, seine Waren den Bedürfnissen der älteren Generation entsprechend zu präsentieren zu können, das wird zukünftig für den Handel ein absoluter Wettbewerbsvorteil sein.

 

Die Altersforschein Prof. Ursula Lehr hat dazu Beispiele „en masse“ aufgezeigt und der SPEYER-KURIER hat in den letzten Tagen versucht, einen Teil davon in seiner dreiteiligen Artikelserie widerzugeben.

 

Jetzt ist es vor allem aber auch an den Sernioren selbst, mit Selbstbewußtsein auf all das hinzuweisen, was sie im Alltag behindert. Der Seniorenbeirat sollte eine gute Adresse dafür sein, um solche Hinweise zu sammeln und zu kanalisieren - die politischen Repräsentanten auf allen Ebenen aber sollten schleunigst nach Wegen suchen, wie die Beseitigung der in einem solchen Prozess zu Tage tretenden Mängel in unserem unmittelbaren Umfeld finanziert werden kann.

Gegen die „kleinen“ Probleme des Alltags, die älteren Menschen oft das Leben erschweren

Prof. Dr. Ursula Lehr ruft Senioren zur aktiven Mitwirkung an einer „präventiven Umweltgestaltung“ auf. (Teil 3/3)

cr. Speyer. Mit offenen Augen durch die Stadt gehen – Stolpersteine und Barrieren erkennen und ausräumen – das möchte die Altersforschein Prof.Dr. Ursula Lehr und ruft deshalb Senioren auch in Speyer dazu auf, zu einer „präventiven Umweltgestaltung“ beizutragen, indem sie alltägliche Missstände aufdecken, sie ihrem Seniorenbeirat zur Kenntnis bringen, damit dieser dann für Abhilfe sorgen kann.

Es sind zahllose, zum Teil kleine, oft scheint's banale Probleme – unbedacht zumeist in eine Baumassnahme eingebracht - die Senioren das Bewegen in einer nicht „seniorengerechten“ Stadt erschweren. Sind die Straßenübergänge an der richtigen Stelle? Gibt es visiuelle und akustische Signale, die die Übergänge sicherer machen? Sind die Querungszeiten an Ampeln ausreichend lang? Alles Fragen, die am besten im Selbstversuch von Senioren für Senioren beantwortet werden können.

Kopfsteinpflaster – in historischen Altstädten oft ein schmückendes Muss - für Senioren aber oft ein „gefährliches Pflaster“, wenn ein bewegungseingeschränkter Mensch auf einem allzu unebenen Untergrund zu Fall kommt. Ein mindestens 1,20 Meter breiter, geglätteter Weg mit aufgerauter Oberfläche, so Prof. Dr. Lehr, gibt Sicherheit und hilft, Stürze zu vermeiden.

Straßenbeleuchtungen – sind sie hell genug?

Treppen – verfügen sie über Handläufe auf beiden Seiten und sind die Stufen deutlich genug markiert?

Wie ist es um die Erreichbarkeit von Arztpraxen bestellt – insbesondere in Fußgängerzonen?

Straßenschilder – ist ihre Beschriftung groß genug und sind die Kontraste ausreichend?

Hausnummern – sind überhaupt welche vorhanden - sind sie groß genug und gut lesbar?

Sitzbänke – haben sie die richtige Höhe und verfügen sie über Armlehnen?

Gibt es ausreichend Hinweisschilder auf öffentliche Toiletten?

Fahradwege – gerade auch in Speyer derzeit in der Diskussion – sind sie ausreichend gesichert? Fragen über Fragen, die mit wenigen Blicken beantwortet werden können.

Und noch eine dringende Bitte der Professorin an die entsrpechenden Akteure: Verzichten Sie auf die heute so gerne benutzten „denglischen“ Begriffe: Shoppping Center, Meeting Point, Ticket Shop, Business Lounge und Event Center sind für viele Senioren „Böhmische Dörfer“ und dienen mehr der Irritation als der Information – von den Fahrkartenautomaten auf den Bahnhöfen ganz zu schweigen, die nicht nur für viele ältere Menschen ein „Buch mit sieben Siegeln“ sind.

Gläserne und deshalb transparente Übergänge sind architektonisch sicher attraktiv – im Alltag vieler, insbesondere älterer Menschen aber lösen sie Verunsicherung und sogar Ängste aus. Gleiches gilt auch für breite Freitreppenanlagen, wenn keine Handläufe in sie integriert sind.

Dann kam Prof. Dr.Lehr auch auf die Gestaltung von kulturellen Einrichtungen zu sprechen: Theater und Kinos, wo zu breite Sitzreihen das Erreichen des Sitzplatzes in der Mitte der Reihe erschweren.Hier könnten Zwischengänge in angemessenen Abständen Abhilfe schaffen.

Beschriftungen und Legenden an Exponaten in Museen und Ausstellungen, die zu hoch oder zu tief angebracht, die zu klein – um nicht zu sagen zu winzig – geschrieben sind und wo eine graue Schrift auf grauem Untergrund zwar ein chices Design erkennen lässt, die aber ganz klar zu Lasten der Lesbarkeit gehen.

Bei den Bahnhöfen beklagt Prof. Dr. Lehr, dass Bahnsteige immer noch viel zu oft nur über Treppen erreichbar sind, weil Aufzüge fehlen. Züge müssen oft über viel zu hohe Stufen bestiegen werden, in Regionalbahnen ist der Zwang zur Benutzung von Stufen bauarttypisch. Auch hier seien die Reservierungen meist unleserlich, weil zu klein geschrieben, ebenso wie die Fahrpläne, die zudem auch noch oft zu hoch aufgehängt sind.

Im Straßenverkehr benötigen ältere Autofahrer klare und eindeutige Informationen. Dazu müssen Straßenschilder groß und Verkehrszeichen gut leserlich und richtig platziert sein. Klare Schriften in Kontrastfarben tragen ebenso zur richtigen Orientierung bei wie rechtzeitige Hinweise aufs Abbiegen oder Einordnen. Alles Hilfen, die wie eine helle Beleuchtung für viele ältere Autofahrer unabdingbar sind zu einer sicheren Teilnahme am Straßenverkehr, die aber auch jüngeren das Fahren erleichtern.

Der demografische Wandel, so ist sich Prof. Dr. Lehr sicher, werde auch dazu führen, dass Tankstellen wieder verstärkt einen Bedienservice anbieten müssten, um älteren Kunden das beschwerliche Aussteigen zu ersparen.

Um die sich aus einer solchen Mängelaufnahme ableitenden Probleme für die Zukunft wenn schon nicht ganz zu vermeiden, so doch wenigstens zu reduzieren, müssten neue Konzepte der Stadtplanung und der Stadtentwicklung erarbeitet werden. Dies gelte insbesondere auch für öffentliche Gebäude, für Sportanlagen und Veranstaltungszentren, die für den Freizeitwert einer Stadt und damit auch für Senioren von Bedeutung seien. Hier müsste der Zunahme von Rollstuhlfahrern und Benutzern von Rollatoren im Straßenverkehr durch die Einbeziehung entsprechender baulicher Pinzipien entsprochen werden, die auch die schwindende Seh- und Hörfähigkeit sowie den Verlust der Sensibilität in den Fingerkuppen, der Gelenkigkeit und der Fingerfertigkeit berücksichtige.

Um Menschen im fortgeschrittenen Alter den Alltag zu erleichtern, spricht sich die Professorin auch nachdrücklich für den Ausbau einer wohnortnahnen Versorgung aus: Lebensmittelgeschäft, Post, Sparkasse, Apotheke und medizinische Versorgung müssten wohnungsnah erreichbar sein. Hol- und Bringdienste müssten den Menschen auch zum Besuch von sportlichen, kulturellen und sozialen Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Auch an die Gestaltung von Ladengeschäften stellt Prof. Dr. Lehr geänderte Anforderungen: Sie sollten leicht erreicchbar sein und über gute Parkmöglcihkeiten mit breiten Parkplätzen verfügen, die es auch Menschen z.B. mit Knieproblemen überhaupt erst möglich machten, ihr Fahrzeug schmerzfrei zu verlassen. Bei den Zugängen sollte auf die Beschaffenheit von Stufen, auf eventuell fehlende Handläufe oder zu schwere Türen geachtet werden, die einen zu hohen Kraftaufwand erforderten. Auf glatte Fussböden und auch hier sollte auf Glasböden ganz verzichtet werden. Treppen sollten generell nicht offen und dadurch durchsichtig sein, weil dies Unsicherheit auslöst, Handläufe sollten rund und gut zu umgreifen und auch an Rolltreppen sollten gut zu greifende Handläufe montiert sein. Die Gänge in den Ladengeschäften sollten zudem so breit sein, dass auch mit dem Rollator bequem zu befahren sind.

Praktische Tipps der Professorin, die nicht nur „Älteren“ zugute kommen: Einkaufswagen sollten auch als Gehstütze nutzbar sein und mit Ablagen für Taschen und Gehstock sowie mit einer Klemmvorrichtung für den Einkaufszettel ausgerüstet sein.

Für Senioren oft unerreichbar: Waren, die zu hoch oder zu niedrig in den Regalen einsortiert sind und die deshalb nur schwer oder überhaupt nicht „gegriffen“ werden können. Informationen darüber, wo was zu finden ist, sollten in großen und gut lesbaren Buchstaben angebracht sein - für das Lesen von Preisettiketten und Inhaltsangaben empfiehlt die Expertin das Anbringen fixierter Lupen an den Regalen oder am besten gleich an den Einkaufswagen. Die sollten auch an den riesigen Tiefkühltruhen verfügbar sein, die für viele Senioren oft viel zu breit und vor allem viel zu tief sind, als dass sie die darin befindlichen Waren problemlos „greifen“ könnten. Überhaupt kritisiert Prof. Dr. Lehr, dass noch immer viel zu wenige Lebensmittel in Gebindegrössen angeboten werden, die für Ein-Personen-Haushalte geeignet sind.

Schließlich die Werbung für die unteschiedlichen Waren: Sie sollte nicht mit Laufschriften oder in anderen bewegten Formen auf die Kunden „losgelassen“ werden, weil dies nach einschlägigen Untersuchungen nicht nur für viele Senioren irritierend und verwirrend sei.

Am Ende eine Einkaufstour durch den Grooßmarkt schließlich empfiehlt die Altersforscherin auch an den Kassen dringend Verbesserungen: Ablagemöglichkeiten für Handtaschen und eventuell eine Klemmvorrichtung für den Gehstock sollten angebracht werden, um zu vermeiden, dass der Stock zu Boden fällt und unter großen Mühen wieder aufgehoben werden muss. An den Kassen sollten große und deshalb gut ablesbare Zahlen die Rechnungssumme anzeigen, um auch Sehbehinderten gerecht zu werden, leicht geschwungene Schalen helfen zudem, das Aufnehmen von Münzgeld zu erleichtern.

Gerade Lebensmittelgeschäfte sollten sich darauf einstellen, zukünftig verstärkt mit Senioren zu tun zu bekommen. Ihnen den Einkauf zu erleichtern, führt zu Kundenzufriedenheit und zu Kundenbindung.

Auch in der häuslichen Umgebung könnte eine „dritte“ Hand Senioren oft helfen, ihren Alltag leichter zu bewältigen, wenn ihr schwindendes Sensorium das Greifvermögen einschränkt. Dann fällt es älteren Menschen oft schwer, ein Marmeladenglas zu öffnen, einen Korken aus einer Flasche zu ziehen, vakuumverpackte Wurst, Schinken oder Käse aus der Folie zu holen oder einfach nur eine defekte Glühbirne auszutauschen.

Um hier Abhilfe zu schaffen und um Senioren vor einer ungewollten Abhängigkeit von Dritten zu bewahren, empfiehlt die Wissenschaftlerin in diesem Zusammenhang dringend eine generelle Überprüfung aller Verpackungen von Alltagsprodukten. So könnten auch Verschlüsse von Dosen und anderen Behältnissen leichter zu öffnen sein – die komplizierten Verschlüsse von Putzmitteln, aber auch von manchen Medikamenten-Packungen gehören dazu. Dann aber auch die Minaeralwasserflaschen mit Plastikverschluss, Laschen an Vakuumverpackungen, die von älteren Händen oft nicht mehr „zu fassen“ sind – alles kleine Hürden im Alltag, die leicht zu beseitigen wären.

Und nicht zuletzt sind da auch die heute unvermeidlichen Fernbedienungen für Fernsehgeräte, Radios und viele andere Gerätschaften mehr, die zwar das oft beschwerliche Aufstehen vom Sessel ersparen, die aber oft so winzig klein beschriftet oder mit so kleinen Tasten ausgestattet sind, dass „Senior“ sie eigentlich nicht gebrauchen kann.

Dem Grunde nach eigentlich alles „Kleinigkeiten“, lappalien, die ohne großen Aufwand und Mühe zu verändern wären, würden sich Designer und Marketing-Verantwortliche für einen Moment in die Lebenssituation von Senioren versetzen. Wenn sie sich vergegenwärtigen würden, dass heute bereits nur noch ein Prozent aller über 70jährigen über seine uneingeschränkte Sehkraft verfügt, dann würden sie vielleicht darauf achten, dass Beipackzettel von Medikamenten oder Bedienungsanleitungen von Geräten ausreichend groß gedruckt sind, dass darauf verzichtet wird, aus Design-Gründen graue Schriften auf einen grauen Untergrund zu drucken oder dass verschnörkelte und deshalb kaum leserliche Schriftarten verwendet werden.

„Sieht vielleicht schön aus – ist aber extrem Senioren-unfreundlich“, kritisiert die Altersforscherrin viele Produkte und rät Herstellern, die auch ältere Menschen erreichen wollen, sich der in der Wissenschaft heute schon längst zum Standard gehörenden „Age Explorer“ zu bedienen, eines Versuchsanzuges, der künstlich die Bewegungsfähigkeit seines Trägers einschränkt. „Dann werden sie rasch am eigenen Leib erfahren, was zu ändern ist“,

Abschließend rief die Wissenschaftlerin nicht nur die Senioren dazu auf, all solche Misstände ihrem Seniorenbeirat zu melden, damit dieser für Abhilfe sorgen kann, aber auch direkt – durch Interventionen bei Verbraucherzentralen und letztlich auch bei den Herstellern selbst – auf Abhilfe zu drängen.

Nur durch eigenes Engagement könnten Fehler in der eigenen Umweltgetaltung aufgedeckt und letztlich auch abgestellt werden. Die Senioren seien eine zunehemd große „Macht“ in unserer Gesllschaft, die vieles bewegen könnten, wenn sie es nur wollten und wenn sie nicht vor jedem Problem sofort kapitulierten, ermunterte die Professorin ihr Auditorium. Denn wie schloss die Expertin ihr höchst instruktives Referat? „Der Optimist macht aus jedem Problem eine Aufgabe, die es zu lösen hilt! Der Pessimist macht aus jeder Aufgabe ein Problem, dem er sich hilflos ausgeliefert sieht - Lassen Sie uns deshalb Optimisten sein“, rief sie ihren dankbat-begeisteten Zuhörern zu. Foto: Aus dem Vortrag von Prof. Dr. Ursula Lehr, mit freundlicher Genehmigung

29.05.2013


Prof. Dr. Lehr fordert Förderung des freiwilligen Engagements der Senioren:

„Es darf aber kein 'soziales Pflichtjahr für Ältere' daraus werden“ - Tipps für Möglichkeiten, sich für andere einzubringen. (Teil 2/3)

cr. Speyer. Auf zahlreiche Möglichkeiten für Senioren, sich mit ihren Erfahrungen und ihrem Engagement zugunsten der Gesellschaft und einzelner ihrer Mitglieder einzubringen, ging die Altersforscherin und frühere Bundesministerin Prof. Dr. Ursula Lehr im zweiten Teil ihres Referates beim Treffen des Landes-Seniorenrates Rheinland-Pfalz ein (der SPEYER-KURIER berichtete in seiner Ausgabe am 27. Mai 2013). Zugleich ermutigte sie die Zuhörer im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer, mit offenen Augen durch ihre Stadt zu gehen und dabei auf gerade für ältere Menschen behindernde Umstände zu achten. Auch hierzu gab sie zahlreiche praktische Hinweise - worauf zu achten sei und was zu tun ist. Dazu mehr im 3. Teil unserer Berichterstattung über den Vortrag der Altersforscherin, der morgen im SPEYER-KURIER erscheint.

„Weiß ich doch längst“ mag der eine oder andere gedacht haben, als die Professorin auf die vielfältigen Möglichkeiten zu sprechen kam, wie Senioren ihren weniger mobilen Altersgenossen behilflich sein könnte. Denn gerade auch hier gilt der Satz von Erich Ksätner, „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“. Und deshalb war es sicher mehr als nur hilfreich, an diesem Nachmittag komprimiert über mögliche Aktivitäten informiert zu werden.

Die reichten von der ehrenamtlichen Mitarbeit in Sportvereinen – gerade für lebenslang sportlich aktiven Senioren meist jetzt schon ein „Muss“. Die Möglichkeit jedoch, durch den stundenweisen ehrenamtlichen Einsatz von Senioren die Öffnungszeiten z.B. in (Pfarr)biliotheken oder in Schwimmbädern zu verlängern, wie es Prof. Dr. Lehr vorschlägt, scheint jedoch innovativ und erwägenswert.

Für junge Eltern wäre es oft eine unschätzbar wertvolle Hilfe, wenn ein älterer Mensch – aus vielerlei Gründen kann dies oft genug nicht die eigene Oma oder der Opa sein – ein Kind aus der Nachbarschaft, einen Schulanfänger vielleicht, frühmorgens zum Unterricht begleiten und es zum Schulschluss dort wieder abholen würde.

„Großelterndienste“ hält die Wissenschaftlerin aber auch in anderer Form für hilfreich: Senioren, die mit ihrem Erfahrungshorizont und ihren wertvollen Kontakten in der Gesellschaft in Schulen in einer Form von ergänzendem Unterricht über „ihren“ früheren Beruf berichten und die Schulabgänger als „Paten“ bei der Berufswahl und der Ausbildungsplatzsuche unterstützen können – besonders wichtig gerade auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund, denen Senioren auch bei der Optimierung ihrer Lese-, Sprach- und Schreibkompetenzen helfen könnten – andere aber auch, die als „neutrale Dritte“ helfen können, Konflikte in den Schulen zu entschärfen.

Besuchsdienste im Krankenhaus – z.B. in Form der bewährten „grünen Damen“ - tragen dazu bei, die Kommunikation der Patienten nach außen aufrecht zu erhalten und kleine Besorgungen für die Patienten zu erledigen. Besuchs- und Begleitdienste in Altenheimen ermöglichen es aber auch unsicheren und immobilen Menschen, ohne Angst vor Stürzen oder anderen Problemen auf dem Weg einen Arzt aufzusuchen oder auch einmal ein Museum oder eine Theatervorstellung zu besuchen.

Senioren leisten „Hilfe den Helfenden“ - lösen pflegende Angehörige stundenweise in ihrem oft überaus belastenden Dienst ab oder nehmen sich – mit besonderer Ausbildung – der Unterstützung in der Hospizarbeit an. Hier wünscht sich Prof. Dr. Lehr allerdings eine Verbesserung der Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft und den Kirchen.

Für viele Senioren mit Sehstörungen oder mit altersbedingten motorischen Störungen sicher auch eine gute Idee der Ex-Ministerin, wenn sie Altersgenossen dazu aufruft, in der Bank, der Sparkasse oder der Postbank in der Nachbarschaft wöchtenlich für ein paar Stunden bereit zu stehen, um beim Ausfüllen von Formularen behilflichzu sein, was bei dem zunehmenden Umfang von IBAN-Zahlen-Buchstaben-Verbindungen selbst für Menschen mit „guten Augen“ immer schwieriger wird.

Senioren seien heute schon im Rahmen des SES, des „Senior Expert Serrvices“ begehrte Berater in den Entwicklungsländern, so Prof. Dr. Lehr – zuhause aber könnten sie Gleichaltrige z.B. in die „Geheimnisse“ von PC, Internet und vielen anderen technischen Geräten einführen.

Dabei, so die Professorin, brauche auch das Ehrenamt quasi eine „berufsbegleitende“ Weiterbildung durch gegenseitige Aussprache, Erfahrungsaustausch, aber auch durch gegenseitige Ermutigung. „Wir wollen das freiwillige Engagement der Senioren fördern, es darf aber kein „soziales Pflichtjahr für Ältere“ daraus werden“, stellte die Wissenschaftlerin klar. Auch die Stärkung der Motivation und das Ergründen und Beseitigen von Barrieren gehöre zu den Herausforderungen an die Seniorenbeiräte. Dazu gehöre die Schaffung und die Verbesserung geeigneter Rahmenbedingungen für diese Arbeit, z.B. durch die Einrichtung von Seniorenbüros und Mehrgenerationenhäuser – soweit nicht schon vorhanden – sowie durch den Ausbau einer ihr Engagement fördernden Infrastruktur.

Für die Senioren, die sich in solche Dienste einbrächten, gelte es aber auch, Versicherungsleistungen in Un-fällen zu klären und die Erstattung von Unkosten bzw. den Ersatz von Auslagen sicherzustellen.

Und was Prof. Dr. Ursula Lehr unter „präventiver Umweltgestaltung“ versteht, und was jeder einzelne Bürger dazu beitragen kann, eine solche Umwelt zu erreichen, das wird der SPEYER-KURIER morgen im 3. Teil seiner Berichterstattung über den interssanten Vortrag der Alterforscherin darstellen – denn wir alle werden – hoffentlich – Senioren – der eine früher, der andere später. Foto: gc

28.05.2013


Geistig und körperlich aktiv bleiben für ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter

BAGSO-Vorsitzende und Altersforscherin Prof. Dr. Lehr zu Gast bei der LandesSeniorenVertretung Rheinland-Pfalz

cr. Speyer. Es waren durchaus beeindruckende, in mancherlei Hinsicht vielleicht sogar Besorgnis erregende Perspektiven, die heute die frühere Bundesministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit und Leiterin des Instituts für Gereontologie an der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Ursula Lehr, beim Treffen des Landes-Seniorenrates im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer aufzeigte. Sicher, das von ihr aufbereitete Zahlenmaterial über die demographische Entwicklung in den kommenden Jahren – über Bevölkerungszu- und abnahmen in den unterschiedlichen Erdteilen und Regionen der Welt – war nicht unbedingt neu. In dieser Dichte aber und heruntergebrochen auf die Ebenen der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Rheinland-Pfalz und letztlich auch der Stadt Speyer machte es doch augenfällig: Unsere Gesellschaft wird „weniger, bunter und vor allem älter“, wie es die Professorin auf einen kurzen Nenner brachte.

Lebten im Jahr 2000 in Europa noch insgesamt ca. 727,3 Millionen Menschen mit einem Durchschnittsalter von 37,7 Jahren, so werden dies nach den Prognosen der UN im Jahr 2050 nur noch 603,3 Millionen sein – dann allerdings mit einem Durchschnittsalter von 49,5 Jahren. In Deutschland werde sich diese Zahl von 81,7 Millionen Einwohner im Jahr 2000 mit einem Durchschnittsalter von 42,4 Jahren auf 70,8 Millionen Einwohner im Jahr 2050 mit einem durchschnittlichen Alter von 51,4 Jahren reduzieren.

Interessant dabei: Während die Einwohnerzahlen in Europa bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts kontinuierlich absinken, werden sie auf allen anderen Kontinenten der Welt ansteigen: Bis ins Jahr 2050 in Afrika von 793 Mio. im Jahr 2000 um fast das dreifache auf 2 Milliarden in 2050 - in Lateinamerika von 518 auf 805 Millionen - in Nordamerika von 314 auf 438 Mio und in Asien gar von 3,672 Milliarden Einwohner auf 5.428 Milliarden im Jahr 2050. Europa und damit auch Deutschland werden schrumpfen, werden verlieren – zumindest nach der Zahl seiner Einwohner – und an Bedeutung in der Welt.

Auch für Rheinland-Pfalz und für Speyer hatte Prof. Dr. Lehr Zahlen mitgebracht: Während das Land von 2009 bis 2030 4,5% seiner Einwohner verlieren soll, sagt der Bertelsmann Demografie-Atlas von 2010 der Stadt Speyer in diesem Zeitraum noch ein zumindest leichtes Wachstum von 0,1% seiner Bevölkerung voraus. Nur einige wenige weitere kommunale Gebietskörperschaften, zumeist entlang der Rheinschiene - Mainz, Worms, Neustadt/Weinstraße und Landau - und dazu Trier, wohl wegen seiner Lage im Zentrum des Saar-Lorr-Lux-Raumes, können sich gleichfalls auf weiteren Zuwachs freuen.

Noch dramatischer die Verschiebungen im Altersaufbau in der sich derart verändernden Bevölkerungsstruktur: Wird sich der Anteil der über 60jährigen in Deutschland vom Jahr 2000 bis 2025 von 23,2% auf 33,2% und 25 Jahre weiter auf 38.1% erhöhen, so wird der Anteil der über 80jährigen von 3,6% im Jahr 2000 bis 2050 gar auf 13,2% und die Zahl der über 90jährigen von 10.000 noch im Jahr 2000 auf 44.000 im Jahr 2020 und bis 2050 auf 114.700 klettern. Dann wird sich auch die Zahl der Höchstbetagten, die statistisch gesehen 105 Jahre und älter sind, und deren Zahl von 1970 bis 2009 von 7 auf 447 Fälle gestiegen ist, sich entscheidend weiter nach oben entwickeln.

Familien, in denen gleich drei Generationen eine Altersrente beziehen, werden dann keine Seltenheit mehr sein, Fälle, in denen - so Prof. Dr. Lehr schmunzelnd - eine 100jährige Bewohnerin eines Seniorenheimes mit dem Bemerken „Für diesen Laden bin ich noch ncht reif“ dort wieder auszieht und in die eigene Wohnung zurückkehrt, werden dann kaum noch Schlagzeilen machen – das Bild von dem „kompetenten, weisen und älteren Menschen, der noch im hohen Alter alleine seinen Alltag meistert“, werde dann wohl zum Alltag gehören.

Denn Alter, so betonte die Referentin, die selbst in wenigen Tagen ihren 83. Geburtstag feiert, dürfe schon längst nicht mehr mit 'Pflegebedürftigkeit' gleichgesetzt werden. Lediglich die steigende Zahl der demenziell Erkrankten werfe einen Schatten auf diese ansonsten eher positive Entwicklung, lasse sich doch durch entsprechende körperliche und geistige Aktivitäten der Alterungsprozess doch entscheidend verzögern.

Dass aber parallel zur Steigerung der Lebenserwartung der Menschen die Zahl der Geburten immer weiter zurückgeht, verschärft diese Entwicklung noch zusätzlich. Für Rheinland-Pfalz rechnet die Bertelmann-Stiftung für die Zeit von 2009 bis 2030 mit 10,6% weniger Geburten, für Speyer mit 7,8%. Doch auch hierzu gibt es weitaus bedenklichere Zahlen aus anderen Ländern und Regionen: Für Sachsen-Anhalt erwartet die Statistik ein Minus von 36,3%, für Thüringen eines von 33,9% und für Mecklenburg-Vorpommern von 32,7% - in Städten in Rheinland-Pfalz soll die Geburtenrate z.B. in Pirmasens um 28,4%, in Bad Ems um 18,5%, in Neuwied um 18,9% und auch in Germersheim um 20,0% zurückgehen.

Habe ein klasssiches Familienbild früher ein Großelternpaar porträtiert, umgeben von mehreren Kindern und einer Schar von Enkeln, so zeige es immer öfter den „Einzelenkel“, umgeben von vier Großeltern, 2 Urgroßeltern und zusätzlich oft genug auch noch von einigen „Stiefgroßeltern“. Die Tendenz vom 3-Generationen-Haushalt zum 1-Personen-Haushalt verstärke sich immer mehr, so die Altersforscherin, die erst kürzlich in ihrem Amt als Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen BAGSO bestätigt wurde.

Drei- und Mehrpersonenhaushalte würden immer mehr abnehmen, berichtete Prof. Dr. Lehr, die Zahl der Ein- und Zwei-Personenhaushalte dagegen nehme immer mehr zu. In Städten mit über 500.000 Einwohnern seinen heute bereits mehr als die Hälfte der Haushalte Single-Haushalte. Und da bei den über 80 jährigen Frauen bereits 87,4% Singles seien – bei den Männern sind es immerhin noch 34,9% - werde rasch klar, dass eine Familienpflege im Pflegefall rasch an ihre Grenzen stosse. Und da eine Pflegebedürftigkeit in immer höherem Alter auftrete - dementsprechend sei auch das Alter der potentiell pflegenden Angehörigen höher – da viele Ältere überhaupt keine Kinder hätten und – wenn Kinder da seien – ihre Zahl so gering sei, dass die früher übliche Aufteilung der Pflege kaum mehr möglich sei und da die Kinder immer seltener in der Nähe des Wohnorts ihrer Eltern lebten, würde in der Zukunft mehr professionelle Hilfe durch den Ausbau der Pflege- und Versogungsdienste gebraucht, so Prof. Lehr. „Solidarität zwischen den Generationen und innerhalb der eigenen Generation ist deshalb das Gebot der Stunde“, rief deshalb die Expertin auf.

Um die aus diesem demografischen Wandel notwendigen richtigen Konsequenzen ziehen zu können, blickte Prof. Dr. Lehr noch einmal auf die Entwicklung des Sozialsystems in Deutschland zurück. Als Bismarck im Jahr 1889 die gesetzliche Alters- und Krankenversicherung einführte, habe die mittlere Lebenserwartung noch bei 45 Jahren gelegen. Der Berufsanfang erfolgte damals mit 15 Jahren, die Altersrente wurde mit 70 Jahrn gewährt. Im Jahr 2000 habe die Lebenswerwartung bereits etwa 80 Jahre betragen und sei inzwischen weiter gestiegen, der Beufseinstieg erfolgt heute mit 25 Jahren, das Berufsende mit 60, seit kurzem mit durchschnittlich 63 Jahren. „Wer heute in Rente geht, der hat noch mehr als ein Viertel seines Lebens vor sich“, unterstrich die Altersforscherin. Noch vor 50 Jahren sei die Pensionierung mit 65 Jahren von den Menschen als „Anfang vom Ende“ erlebt und von den meisten auch befürchtet worden – heute werde er als Beginn einer neuen aktiven Lebensphase gesehen und von vielen geradezu „herbeigesehnt“.

Die Herausforderungen an eine immer älter werdende Gesellschaft lauteten deshalb, „gesund und kompetent alt zu werden“ – Selbstständigkeit und Unabhägigkeit möglichst lange zu erhalten und dadurch eine möglichst hohe Lebensqualität auch in der letzten Lebensphase zu sichern – kurz: ein würdevolles Alter zu gestalten.

Gerade ältere Menschen müssten deshalb konsquent daran arbeiten, durch eine selbstverantwortliche und selbstständige Lebensführung ihre Gesundheit zu bewahren. „Die meisten Krankheiten im Alter sind keine Alterskrankheiten, sonder 'alternde Krankheiten', die ihre Ursachen bereits in früheren Lebensjahren hätten“, ermahnte die Wissenschaftlerin die jüngere Generation. Körperliche, geistige und soziale Aktivität sowie eine gesunde Ernährung seien die wesentlichen Voraussetzungen für ein gesundes und kompetentes Älterwerden. „Was rastet, das rostet“, rief sie aus - Funktionen, die nicht gebraucht würden, verkümmerten. Prof. Dr. Lehr empfahl deshalb Senioren ein konsequentes „Muskelkraftaufbau-Training“, das unter dem Motto „Fit für 100“ auch Hochaltrige beweglich halte und so ihre Lebensqualität erhöhe.

Gleiches gelte auch für die geistigen Aktivitäten. „Wir müssen ein Leben lang mehr lernen und „anders“ lernen als unsere Vorfahren“, betonte die Referentin. Dies würden die Veränderungen unserer Umwelt mit immer größerer Beschleunigung ebenso erzwingen wie die technischen Entwicklungen, die zu einer Erleichterung der Kommunikation und einer Stärkung der Sozialkontakte geführt habe.

Prof. Dr. Lehr rief die Senioren dazu auf, sich durch soziale Aktivitäten den Herausforderungen in dieser „Gesellschaft des Wandels und des langen Lebens“ zu stellen. „Machen Sie die gewonnenen Jahre zu erfüllten Jahren – übernehmen Sie Verantwortung“, appellierte sie. Das gelte für jeden einzelnen, der etwas für sich selbst tun müsse, das gelte aber auch für andere, die etwas für andere tun und die Mitverantwortung für die Gesellschaft übernehmen müssten.Ende der 50er Jahre habe die Seniorenarbeit mit der Frage begonnen „Was kann die Gesellschaft für die Senioren tun? - Heute habe sich diese Frage gedreht und laute: „Was können die Senioren für die Gesellschaft tun?“.

Heute seien 60% der über 65jährigen ehrenamtlich tätig. Für die meisten der zahlreichen Gäste, die zu dieser ungewöhnlichen Zeit in den alten Ratssal gekommen waren, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Vertreter unterschiedlichster Senioreninitiativen in der Stadt waren gekommen – dazu die Sozialdezernentin, Bürgermeisterin Monika Kabs, die die prominante Wissenschaftlerin eingangs begrüßte, sodann der u.a. für das Ehrenamt zuständige Städtische Beigeordnete Dr. Wolf Böhm und die Leiterin des Seniorenbüros, Ria Krampitz. Eröffnet hatte den hochinteressanten Nachmittag als Sprecher der LandesSeniorenVertretung deren Vorstandmitglied Horst Weller, der der Referentin für ihre Bereitschaft dankte, mit diesem Referat nun schon zum zweiten Male nach Rheinland-Pfalz gekommen zu sein.

Am Ende gab es noch Geschenke für die lebhaft und höchst humorvoll agierende Wissenschaftlerin – den neuen Bildband über die Stadt Speyer und dazu – aus der Hand von Monika Kabs - etwas, was man nirgends kaufen kann: Zwei Flaschen Ruländer-Wein aus dem Städtischen Weinberg am Tafelsbrunnen.

Zuvor hatte Prof. Dr. Lehr die Arbeit der Seniorenbeiräte landauf, landab gewürdigt und ihrem AuditoriumTipps und Hinweise auf Hilfs- und Verbesserungsmöglichkeiten gegeben.

„Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihre Stadt“, rief sie den Zuhörern zu, „und melden Sie Ihrem Speyerer Seniorenbeirat, wenn Ihnen etwas auffällt, damit es abgestellt werden kann“.

Worauf die Senioren dabei achten sollten, darüber berichtet der SPEYER-KURIER in seiner morgigen Ausgabe. Foto: gc

27.05.2013


Bunte Kunststoffboote und außergewöhnlich schöne Holzboote mit Eskimopaddel

Erzählcafé beim Kanuclub…

Etwa 450 Mitglieder, gute Jugendausbildung, Segelabteilung, größter und aktivster Verein im Pfälzischen Kanu Verband.

Hans Spies und Hans-Peter Schäfer stellten den Verein im schmucken Clubhaus am Leinpfad vor.

Versteckt hinter Sträuchern und Bäumen, direkt am Rhein bei Stromkilometer 399,7 , unmittelbar vor der Rheinbrücke am linken Rheinufer, liegt das Clubgelände. Für Wasserwanderer somit eine ideale Anlaufstelle zum Zelten und Übernachten für „ eine Nacht“, so die Vereinsnachrichten. Vereinsmitglieder haben dort ihre Boote gelagert, treffen sich zum Training, planen Wander- und Wildwasserfahrten, finden sich aber auch am Sonntag bei „selbst gebackenem Kuchen“ zur Kaffeezeit dort ein.

Gründung des Vereins 1925

Wie Hans Spies ausführte, trafen sich vor genau 88 Jahren sieben Anhänger des Faltbootsports in einem kleinen Musikpavillon einer Rheinwirtschaft, wo die Boote untergebracht waren. Bereits vier Jahre später wurde das erste Bootshaus in der Nähe der heutigen Hafeneinfahrt mit eigenen Mitteln errichtet. Beim Bau der Eisenbahnbrücke stand es im Weg, so dass ein Neubau im Nahbereich der Schiffswerft Braun am Westufer des Ölhafens erstellt wurde. Bei der „Überführung in den Verein für Leibeserziehung“ 1938 blieb die Abteilung Kanusport erhalten.

Nach dem 2. Weltkrieg waren die meisten Boote zerstört, das Bootshaus beschlagnahmt. Doch schon 1950 wurde der Verein mit 20 Mitgliedern „ wiedererweckt“. Unter dem rührigen Vorsitzenden Karl Jung entstand um 1955 das heutige Bootshaus, wurde erweitert und ergänzt. Das Clubhaus mit Wirtschaftsbetrieb kostete 75000 DM, wurde unter Mithilfe der Mitglieder errichtet und 1965 eingeweiht.. Damals waren viele Austritte zu verzeichnen, „weil die Haftung der Schulden von den Mitgliedern erwartet wurde“, so Hans Spies.

Ende der Faltboote u. Beginn der Kunststoffboote, Rennkajaks, Transportprobleme

Mit einem kurzen Rundgang in der Bootshalle erklärte Hans-Peter Schäfer die verschiedenen Bootstypen, den Aufbau, die Handhabung beim Rennen, Wartung und Pflege. So wurden Wander-, Zweier-, Wildwasserkajaks, Faltboote, Kanu Kanadier, Familien-, Rennboote und die großen Vereinskanadier bestaunt und erklärt. Wie Schäfer ausführte, waren die 50er/60er Jahre die Erfolgsjahre des KC Speyer mit Erfolgen bei Regatten und Meisterschaften in Süddeutschland. Hans Spies, Hans-Peter Schäfer, Peter Schubert, Peter Fleischbein führten die Vereinsfarben zu Siegen und brachten Pokale heim. Probleme gab es beim Transport der Boote. Oft half der „ Opel-Blitz vom „Kohlen-Seidel“, der Fahrschulwagen von Emil Oppinger oder die „Doppelkabine“ von Waldi Löser, versehen mit Dachträgern oder Anhängern die Boote ans Ziel zu bringen.

Noch in guter Erinnerung waren Spies und Schäfer die Deutsche Meisterschaft am Chiemsee

Schon die Anfahrt mit den Freunden aus Frankenthal, deren Bootsanhänger defekt wurde, so dass eine Nachtfahrt erforderlich war. Am Chiemsee, frühmorgens angelangt, musste zuerst im überschwemmten Gelände ein Zeltplatz gefunden werden. Die 10.000 m Regatta selbst führte bei der ersten Wende zu einer „Bolzsituation“, wobei viele Bootsspitzen zerbrachen.

Beim Rundgang warf Norbert Schwarz einen wehmütigen Blick hinauf zu seinem „69er Pfalzzweier in Langversion“, den er gerne wieder einmal auf seine Schnelligkeit testen möchte. In Gedanken waren auch die „Altkanuten“ beim früheren Vorsitzenden Pfr. Herbert Slach, Leiter des St. Josef- Konfikts = „Seppelskaschde“, der bei einer Wildwasserfahrt im Zillertal tödlich verunglückte.

Segelabteilung, Zeltlager, Freizeiten in Huttenheim mit Jakob und Liesel Schäfer

In der Zeit von 1972 bis 1993 war Jakob Schäfer Vorsitzender des Vereins. Der heute 95jährige hatte sich eigentlich vorgenommen, sein Lebensweg und die Aktivitäten des Vereins vorzustellen. Durch Krankheit bedingt war dies leider nicht möglich.

In seiner „Amtszeit“ entstand die „Segelabteilung“ am Otterstadter Altrhein. Ein urwüchsiges Stück Auwald wurde in Eigenarbeit für die Ausübung des Segelsports hergerichtet. An einer einfachen Steganlage und an Land wurde 1973 Platz für 30 Boote geschaffen. Nach einer Erweiterung 1975 bietet die Steganlage mit 58 m Länge neun Liegeplätze für Segelyachten. Auf einer Pachtfläche von 20x40 m können Jollen abgestellt werden.

Die Begeisterung Jugendlicher für den Wassersport und das Erleben der Gemeinschaft

Besonders Liesel Schäfer, die Frau des Vorsitzenden, sah dies als wichtige Aufgabe an. So waren die „Sommerlager“ in Huttenheim für viele Jugendliche aus Speyer sehr erlebnisreich am Wasser, erfüllt von Gemeinschaftserlebnissen, Lieder- und Grillabenden, die noch heute Gesprächsabende füllen. Die folgenden Vorsitzenden Klaus Bohn, Manfred Kauer und Rainer Spies verwendeten auch viel Energie zum Erhalt und Ausbau der Kanu-Gemeinschaft.

Ausbildung in Wasserkunde, Rheinschifffahrtsordnung und Bootsbeherrschung, Naturschutz

Die Ausbildung der Jugendlichen nimmt im Club eine bedeutende Stelle ein, wie H.-P. Schäfer erklärte. Die Anfängerschulung ist für Kinder und Erwachsene vorgesehen. Jeder Teilnehmer muss schwimmen können, entsprechende Kleidung, Schuhwerk, Regenjacke, warme Wechselkleidung mitbringen und die Kursgebühr von 30,00 Euro ( für Jugendliche) bezahlt haben. Frankreich verlangt, dass die Schwimmweste immer getragen wird. Ausgebildet wird in stehendem Gewässer, wobei das Boot, seine Bewegungsabläufe, der Einfluss von Paddel u. Wellen, erklärt und die Beherrschung trainiert wird. Viel Geschick und Übung verlangt die „Eskimorolle“ „.Die Berufsschifffahrt hat immer Vorfahrt“, so Schäfer, denn die heutigen Steuerleute schauen von erhöhtem Standort und können die kleinen Boote im „toten Winkel“ nicht erkennen. „Immer deutlichen Kurs fahren und kein Risiko eingehen“, empfiehlt Spies.

Der Kanusportler muss Landschaftsschützer sein, damit sich auch andere Zeitgenossen an der einzigartigen Natur erfreuen können, so lautet die Vorgabe des Vereinsvorsitzen Andreas Heilmann seines Vorstandes und der 450 Vereinsmitglieder. Text und Foto: Karl-Heinz Jung

15.05.2013


Vom Lindemann´schen Wasserwerk um 1883 zur heutigen und zukünftigen Wasserversorgung von Speyer im Erzählcafé…

-Die Vereinten Nationen erklären Wasser zum Menschenrecht-

-884 Mio Menschen haben nicht genügend sauberes Wasser-

-täglich sterben 5000 Kinder an Durchfallerkrankungen aufgrund verseuchten Wassers-

-So sterben mehr Menschen als durch Malaria, Masern u. HIV-

-1855 und 1873 wüteten in Speyer Typhus- bzw. Cholera-Epidemien-

-etwa 63 Pumpbrunnen versorgten Speyer mit Trinkwasser-


Königliche Anweisung aus München fordert den Stadtrat von Speyer auf „umgehend für sauberes Wasser Sorge zu tragen“.

Gerd Flaschenträger, ehemaliger Fachbereichsleiter der SWS, berichtete vom ersten Wasserwerk im Waldgebiet „ Jägerrast“ an der Iggelheimer Straße.

Nachdem Regierungspräsident Paul von Braun und Hygieniker Dr. Max von Pettenkofer den Speyerer Stadtrat zu einer „sauberen Wasserversorgung“ geradezu bedrängt hatten, wurde die Offerte des Ingenieurs Adolf Friedrich Lindemann angenommen. Er wollte die Stadt auf eigene Rechnung und Gefahr mit gutem Trinkwasser versorgen. Am 2. August 1881 erteilte der Stadtrat Lindemann die Konzession zur „Herstellung und zum Betrieb eines Wasserwerkes in Speyer“. Der Stadt blieb das Recht ihre Pumpbrunnen zu erhalten. Um 1882 begannen rings um das Stadtgebiet Versuchsbohrungen, diese hatten in der Gewanne „Jägerrast“( Iggelheimer Straße) Erfolg.

Rohrverlegungsarbeiten wurden ab Juli 1882 von der Ludwigstraße, Himmelsgasse, Dom, Richtung St. Guidostiftsplatz begonnen. Im Oktober wurde an der 2,5 km entfernten „Jägerrast“ der Brunnenschacht ( 5,00x 5,00 m) und einer Tiefe von 4,00 m ausgehoben. Weiter mussten zwei Brunnenrohre von 80 cm Durchmesser 18,30 m tief eingebracht, das Maschinenund Kesselhaus errichtet werden. Heute wohnt in diesem stabil erbauten Haus Familie Werner, zwischenzeitlich waren dort eine Schützen- und Kegel-Gesellschaft untergebracht. Die Gaststätte „Waldeslust“ steht heute im Bereich des Maschinistenhauses.

Wasserturm zum Festpreis von 52.000 Mark von Bauunternehmer Fritz Felder aus Hilden in vier Monaten erbaut…

Nach Flaschenträger, lieferten Fa. Steiger aus Harthausen die Ziegelsteine und Holzmann aus Frankfurt die Verbundsteine. Das Bauwasser pumpte Jakob Steiner (Sägemüller) aus dem Speyerbach zur Baustelle. Frost behinderte im Dezember 1882 die Bauarbeiten.

Mit Hilfe von verbundenen Holzbottichen war am 31.3.1883 die Aufnahme des Betriebs möglich. Anschließend wurde das Reservoir mit sechs zusammen genieteten Ringen aus acht- bis zehn Millimeter starkem Stahlblech der Firma Kühnle aus Frankenthal eingesetzt. Der Durchmesser des Behälters beträgt 10,00 m und hat eine Höhe von 6,00 m. Er fasst 460 cbm, wiegt 24 Tonnen und steht im 5. OG, 25 m über dem Terrain. Der denkmalgeschützte Wasserturm hat eine Gesamthöhe von 36,86 m ist noch voll funktionsfähig, wird aber in Zukunft nur noch als Messstelle benutzt.

Umwandlung der Wasserwerksgesellschaft in „The Speyer Waterworks Company, Limited“ am 31.Januar 1883

Lindemanns Eigentum an der Gesellschaft wurde mit 440 000 Mark, Eastons Anteil auf 350.000 Mark bewertet. Die Umwandlung hatte Bankier J.F. Haid aus Speyer vorgenommen. Er offerierte dem Stadtrat Speyer ein Aktienpaket im Wert von 50 000 Mark, was jedoch abgelehnt wurde.

Im Juni 1883 war das Wasserwerk vollendet, das Rohrnetz war 18,4 km lang, 135 Hydranten; 150 Häuser und 22 Großkonsumenten( überwiegend Brauereien) waren angeschlossen.

Eine großartige Eröffnungsfeier mit Staatsrat, Exzellenz Paul von Braun, weiteren Ehrengästen, einem abwechslungsreichen Programm mit Hydrantenprobe, Besichtigung der Pumpstation, bengalischer Beleuchtung, Festbowle und „ Umstandsbrötchen“, wie die Speyerer Zeitung berichtete.

Klagen über schlechtes Trinkwasser und neues Wasserwerk am Tafelsbrunnen…

Erst wurde von manganspeziellen Mikroorganismen gesprochen; später kam Hofrat Prof. Dr. R. Fresenius aus Wiesbaden zum niederschmetternden Urteil, „das Wasser entspricht nicht den Anforderungen, das gutes Trinkwasser haben muss“. 294 Wasserinteressenten schickten eine Resolution nach London.Von dort traf ein Geologe in Speyer ein um bessere Brunnen zu erkunden.

Am Tafelsbrunnen( Straße nach Berghausen) wurde Wasser „zur rückhaltlosen Zufriedenheit“ gefunden. In sieben Monaten wurde durch Speyerer Unternehmen bis Oktober 1891 für 120 000 Mark Wasserwerk II gebaut. Werk I wurde geschlossen.

Flaschenträger erwähnte, dass Wasserwerk II- Tafelbrunnen- auch nach 130 Jahren, ergänzt durch moderne Technik und Tiefenbrunnen, beste Wasserqualität liefert. Wie Teilnehmer Walter Erhard im Gespräch darstellte, habe die gute Wasserqualität immer positiven Einfluss auf das von Braumeister Franz Müller gebraute „Domhofbier“.

Heiligenstein wurde 1892 mit Speyerer Wasser versorgt, Berghausen kam 1898, Mechtersheim 1903 und Dudenhofen 1919 dazu. Nach den Kriegswirren erwarb die Stadt Speyer das Wasserwerk.

Distrikpolizeiliche Vorschrift zum Schutze von öffentlichen Brunnen und Quellen…

Diese Verordnung aus der „bayerischen Zeit“ besagt, „dass im Umkreis von 500m keine Anlagen errichtet, noch Handlungen vorgenommen werden, welche eine Verunreinigung des Grundwassers bewirken könnte“. Dies war die erste „Schutzzone“ auch für das Wasserwerk Speyer, so Gerd Flaschenträger. Lindemann hatte bereits vorgesorgt und sämtliche Grundstücke, auf denen Brunnen gebohrt wurden, erworben oder durch einen Pachtauflösungsvertrag mit Abfindung den Besitz gesichert.

Durch die Verordnung der Bezirksregierung von Rheinhessen-Pfalz aus dem Jahre 1973 wird die Schutzzone in drei Bereiche eingeteilt:

  1. Wassererfassungsbereich- Verbot sämtlicher Bearbeitung, Schädlings-, Unkrautbekämpfung und Düngung

  1. Engere Schutzzone- Keine Wohnbebauung, keine Stall-,Weidetiere, Abwässer

  2. Weitere Schutzzone- Keine Heizöl- oder Chemikalientransporte

Das Wasserschutzgebiet am Wasserwerk Tafelsbrunnen reicht vom „ Fernblick“ bis zum Rhein und hat eine Fläche von 1,68qkm.

Umstellung auf elektrische Energie, Wasserförderung, Wasserwerk-Nord…

In den 50iger Jahren wurde durch den damaligen Direktor der Stadtwerke, Richard Schindler, sowie durch den Betriebsleiter des Wasserwerkes, Josef Naab, eine grundlegende Modernisierung eingeleitet. Weiter erfolgte der Bau neuer Gewinnungsanlagen, Rohrfilterbrunnen, Sammelschachtvergrößerung, „Heberleitungen“ mit 700 mm Durchmesser und effektiveren Motorpumpen.

Von 1967-71 entstanden fünf Tiefbrunnen mit 100-140m, die täglich bis 10 000 cbm Wasser fördern können. Weitere Aufbereitungsanlagen zur Entmanganung und Enteisung wurden für das Tiefenwasser erforderlich.

Seit 1975 stehen an der Iggelheimer Straße im Waldbereich, gegenüber dem ersten Wasserwerk von 1883, eine Wasserspeicheranlage mit zwei Erdbehältern von je 2500 cbm und ein Netzdruckpumpwerk. Gleichzeitig wurden Tiefbrunnen bis auf 180m gebohrt. Im angrenzenden Wasserschutzgebiet Nord können pro Jahr rund 3 Mio cbm Wasser entnommen werden. Zur Sicherheit bei Stromausfall schalten sich Notstromaggregate mit 720 PS automatisch ein.

Heute spricht man vom „ Wasserwerk Süd“ (Tafelbrunnen) und vom Wasserwerk Nord (Iggelheimer Straße/ Holzlagerplatz). Mit dem „Trinkwasserverbund Bründelsberg“ haben die SWS und Germersheim einen übergreifenden Trinkwasserverbund gegründet, so dass auch in schwierigen Lagen für mehr als 75. 000 Menschen sauberes, natürliches Trink- und Brauchwasser zur Verfügung steht.

Zukünftige Trinkwasserversorgung im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft, Abwendung von Grundwasserverschmutzung…

Der Geschäftsführer der SWS, Wolfgang Bühring, Vorsitzender der Kommunalen Arbeitgeber-Vereinigung von Rheinland Pfalz, erläuterte die von der EU angestrebte Liberalisierung der europäischen Wasserversorgung.

Die Ausschreibung und folgende Vergabe von Wasserwerken würde dann europa- und weltweit operierenden Unternehmen anvertraut, die „Profitstreben“ und nicht die Grundversorgung aller Menschen mit dem lebensnotwendigen „Grundnahrungsmittel Wasser“ als Ziel anstreben. Auf die Wasserrechnung hat dann kein Stadtrat mehr Einfluss.

Um dies zu verhindern, forderte Bühring auf, die Bürgerinitiative „ Wasser ist Menschenrecht“ durch Unterschrift zu unterstützen.

Geschäftsführer Bühring zeigte auf, dass:

-allen Bürgern/ Innen ein Recht auf Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung zusteht

-Die Trinkwasserversorgung und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen dürfen nicht den Binnenmarktregeln unterworfen werden-

-Die Wasserwirtschaft ist von der Liberalisierungsagenda abzukoppeln.

Die Teilnehmer kamen durch Ausfüllen der „Bürgerinitiativlisten Wasser ist Leben“ Bührings Aufruf nach und wollten weitere Bürger davon überzeugen. Weiter erklärte der Geschäftsführer Maßnahmen der SWS um eine Grundwasserverschmutzung zu verhindern.

Roland Hauck aus Harthausen warb noch für die Benefizveranstaltung „Brunnen für Togo“ die am 27. April in der Festhalle Harthausen stattfindet. Aus Solidarität zum Heimatland eines Mitbürgers möchte man in Togo mit einem Brunnen den Zugang zu sauberem Trinkwasser erreichen. Khj

05.04.2013


Erstes eisernes Schiff gebaut

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer-  Mit dem Schiffbau stählerner Schiffe  ist  die Firmenhistorie der Schiffswerft Braun in Speyer eng verknüpft. 1901 gründete der Eisenbahnschlosser Josef Braun das Unternehmen im Alten Floßhafen. Brauns Schwiegersohn Arthur Hebel kam 1927 als junger Ingenieur in die Werft, führte moderne Arbeitsmethoden ein, siedelte sie 1928 in den neuen Rheinhafen um. Sein Sohn Peter Hebel trat 1967 in die Geschäftsführung ein, unter seiner Regie fand die Umsiedlung auf die andere Uferseite des Hafens statt. Dass sich die Schiffswerft Braun über eine so lange Zeit so gut im Markt behaupten konnte, lag zum Großteil an dem richtigen Riecher und dem unermüdlichen Einsatz des Inhabers und  umtriebigen Geschäftsführers Peter Hebel, der mit seinen inzwischen immerhin 81 Jahren noch täglich in seiner  Werft nach dem Rechten schaut und jetzt im Erzählcafé des  Seniorenbüros, moderiert von Karl-Heinz Jung,  aus seiner Sicht vor rund 150 Besuchern über das Thema Schiffbau in Speyer sprach.

Im 19.Jahrhundert waren am Floßhafen die Werftbetriebe von Johann, Friedrich und Wilhelm Hasselberger, Markus Weis, Franz Ganninger und Michael Miller mit dem Bau ausschließlich hölzerner Schiffe beschäftigt. Um die Jahrhundertwende wurde der Holzschiffbau vom Stahlschiffbau verdrängt. „Das erste eiserne Schiff baute mein Großvater Josef Braun auf der Werft am Floßhafen“, erzählte Hebel vom Stapellauf 1902 und über die Anfänge der Speyerer Werft. Sein Opa war  als Schlossermeister bei der Königlich-Bayrischen Eisenbahn beschäftigt und bei Gleisarbeiten gelegentlich auf die mobile Schiffsbrücke bei Speyer gekommen. Der Handwerker  interessierte sich so sehr für die Schiffe, dass er kurzerhand seine Stelle bei der Bahn aufgab und 1897 bei der Schiffswerft Bärenklau in Zabern den Bau eiserner Schiffe studierte. Josef Braun wollte damals in Speyer einen Werftplatz schaffen und hatte schon in Zabern einen Kunden gefunden. Der Schiffer Keck aus Freistett wünschte, dass Braun ihm ein Peniche, ein 38,50 Meter langes Kanalschiff mit 320 Registertonnen Tragfähigkeit baut. Zu seinem Leidwesen verwehrte ihm die Dedibank jedoch einen Kredit für Werft und Material. Aber in Speyer hatte es sich schnell herumgesprochen, dass „de Braune Seppel“ ein Schiff bauen wollte, es aber mangels Kapital nicht konnte. Der Speyerer Eisenhändler Gerd Blum räumte ihm zur Firmengründung einen „Credit von 9000.- Mark courant“ ein. Dem Bau des ersten eisernen Kanalschiffes folgten Fähren, Buchtnachen und  Schokker (Fischkutter) sowie alle Arten schwimmender Wasserfahrzeuge – ausnahmslos in genieteter Konstruktionsbauweise. So stammt auch der heute an der Rheinpromenade zu besichtigende Aalschokker „Paul“ aus der Schiffswerft Braun. Diese blieb bis 1926 am Floßhafen und wurde dann an das Ostufer des zwischen 1920 und 1924 gebauten „neuen Hafens“ verlegt. Über diesen neuen Hafen wusste Peter Hebel eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Der im Rahmen einer Notstandsmaßnahme von Arbeitslosen errichtete Hafen sollte am Westufer eigentlich eine Binnenschiffsgroßwerft der Familie Ewersbusch aufnehmen. Den Besitzern der ersten Speyerer Flugzeugwerke war nach dem verlorenen Weltkrieg in dem von den Siegermächten diktierten Versailler Vertrag der Flugzeugbau verboten worden. Sie glaubten durch den nicht verbotenen Binnenschiffsbau ihren nach dem Krieg verlorenen industriellen Rang wieder gewinnen zu können. Der Plan misslang vermutlich wegen Kapitalmangels und einer Fehleinschätzung der Erfolgsaussichten für den Binnenschifffahrtsbau. Vor Betriebsaufnahme der Großwerft musste das viel zu groß angelegte Unternehmen aufgegeben werden. Hebel wies darauf hin, dass die Pfalz-Flugzeugwerke PFW heute noch Hallen, Bürogebäude und das Kraftwerk der unvollendeten Werftanlage nutzt.

Als  Braun 1928 knapp 50-jährig verstorben ist, übernahm sein Schwiegersohn Arthur Hebel die Leitung der Werft und wurde später von seinem Schwager Josef Braun jr. unterstützt. Nach dem Umzug wurden 67 Meter lange Standardschiffe (940 tons Tragfähigkeit), Sonderfahrzeuge, Schwimmbagger und  Schlepper gebaut. Nun wurde die laute  Handnietung durch Druckluftnietung ersetzt. Während des Krieges zählte die Schiffswerft Braun zeitweise 250 Mitarbeiter Nach dem Krieg, von 1945 bis 1950 war das Unternehmen von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und ausnahmslos zur Reparatur von im Krieg versunkenen Schiffen eingesetzt. Daneben wurden bis 1960 viele neuen Binnenschiffe, Trockenfrachter, Tanker, Eisbrecher, Feuerlöschboote, Polizeiboote und Hafenboote sowie Siloschiffe für deutsche und ausländische Kunden gebaut.

1967 übergab Arthur Hebel nach 40 Jahren Geschäftsführung die Werftleitung an seinen Sohn Peter weiter. Der musste bis 1975 einen schrittweisen Rückgang der Neubauten konstatieren. Wegen der Erweiterung der ELF-Raffinerie wurde die Werft 1968 mit allen Anlagen an das Westufer eines neu geschaffenen Hafenbeckens verlegt. Auf dem fünf Hektar großen Gelände auf der Halbinsel im neuen Hafen waren nach und nach alle für den Schiffsbau nötigen Gewerke vertreten, Elektroschweißung, Maschinenbau, Spenglerei und Schreinerei. Dementsprechend viele Gerätschaften und Spezialwerkzeuge stehen auf dem Werftgelände weiterhin zur Verfügung. „Aber Neubauten gibt es heute bei uns praktisch nicht mehr“, bedauert der Speyerer Schiffbauexperte die Entwicklung. Inzwischen würden schon Binnenschiffe guter Qualität für europäische Reeder in Shanghai gebaut.  Und die seien selbst nach dem Transport nach Rotterdam noch billiger. Vor rund 20 Jahren (1983 und 1984) verließ der bislang letzte Neubau eines Motorschiffs, die „MS Karl Krieger“, die Speyerer Werft, erzählte Hebel wehmütig. Seine Erklärung: „Die Binnenschifffahrt, die seit der Wirtschaftskrise 2008 unter dem Rückgang an Frachtaufträgen, unzureichenden Preisen bei Steigerung ihrer Betriebskosten leidet, verdient nichts mehr und investiert nur noch das Notwendigste. Die neuen Schiffe drängen auf den übersättigten Markt und fahren zu jedem Preis. Dies hat zur bisher schwersten Marktstörung in der Binnenschifffahrt geführt.“

In der offenen Gesprächsrunde, in der Peter Hebel einige Kostproben seines urwüchsigen Humors lieferte, wurde an den Treidelverkehr (bis Mitte des 19.Jahrhunderts  zogen beim "Treideln" Pferde und Menschen die Schiffe im Strom auf dem eigens hierzu angelegten Leinpfad an bis zu zwei Zoll dicken Hanfseilen stromaufwärts und auch daran erinnert, dass auf die Hafenhalbinsel neben dem jetzigen Werft-Standort im September 1971 beim Openair-Festival rund 25.000 Rockmusikfans für Aufhorchen und Aufsehen gesorgt hatten und 2004 das Hausboot der Kelly Familiy in der Werft auf seinen letzten Ankerplatz im Technik Museum vorbereitet wurde. Foto: kj

07.03.2013


Geschäftsführer Alfred Böhmer stellt im Erzählcafé die GEWO vor

Als Darlehensgeber für bauwillige Siedler gegründet und nun zur größten Wohnungsbaugesellschaft Speyers entwickelt….

Obwohl während des 2. Weltkriegs nur 3 % der Bestandswohnungen der Stadt nicht bewohnbar waren, mussten bald nach Kriegsende 1000 Familien eine neue Wohnung suchen. Der Stadtrat beschloss im April 1948 die „ Ausweisung von Gelände für Siedlungen der Stadt“, das dann zur Beseitigung der Wohnungsnot von der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Speyer ( GBS) bebaut werden sollte.

Am 16. Juni 1948 wurde die Gründung einer „ Grundstückserwerbs-, Wohnbau- und Siedlungsgesellschaft mbH“ (GEWO) Speyer mit einem Stammkapital von 4,5 Mio Reichsmark beschlossen. Mitgesellschafter waren die stadteigene Bürgerhospital- und Waisenhausstiftung. Damit sollte die Wohnungsnot beseitigt und ein Teil des städtischen Vermögens vor der Währungsreform gerettet werden. Bis 1953 stellte die GEWO bauwilligen Siedlern 282.000 DM zur Verfügung.

Wohnungen für Flüchtlinge

Nachdem die französische Besatzung das Zuzugsverbot aufgehoben hatte strömten ab 1950 Flüchtlinge in die Stadt. Für 1550 Familien, die im Osten alles verloren hatten, mussten Wohnungen gebaut werden. Zur Kostenreduzierung baute man mehrgeschossige Wohnblocks auf Grundstücken der Stadt und der Stiftungen. Bereits 1951 konnten die ersten Wohnungen für den Bezug freigegeben werden.

Gemeinnützigkeit und Umstrukturierung

Anfang 1950 versuchte die Gesellschaft erstmals die „ Gemeinnützigkeit“ zu erreichen. Dies gestaltete sich schwierig, da die GBS und das katholische Siedlungswerk bereits als gemeinnützig anerkannt waren. Im Oktober 1953 wurde Stadtrat Carl-Heinz Josse hauptamtlicher Geschäftsführer. Er erreichte bald die Namensänderung in „ Gemeinnützige Wohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft mbH“= GEWO und die Aufnahme in den Verband der Südwestdeutschen Wohnungsunternehmen.

Entwicklung und Organisation

Bis 1950 hatte die GEWO keine Mitarbeiter. Die Gesellschaft wurde von städtischen Beamten und Angestellten betreut. Robert Nuber war der erste Verantwortliche der Stadt.

Ab 1954 waren Karl Kornmann und Christel Sohn (1954-1997) für die kaufmännische – u. verwaltungstechnische Betreuung zuständig. Das Bauamt der Stadt trug bis 1959 die technische Verantwortung. Bereits ein Jahr später hatte die GEWO 18 Mitarbeiter; heute sind es 43.

Büros und Verwaltungsgebäude

Bis 1954 waren die Büros im alten Stadthaus untergebracht, wo heute die Touristinformation wirkt. Anschließend baute man in der Sophie-de-la-Roche-Straße eine Wohnung zum Büro um. 1959 wurde das Bürogebäude in der Lessingstraße gemeinsam mit der Sparkassen- Zweigstelle erbaut; erweitert wurde 1982. Seit 2002 ist die Verwaltung in der ehemaligen Cite de France ( bis 1997 Wohnungen für französische Offiziersfamilien) zu erreichen.

Lebensraum für Alle und Wohnquartiere

Heute verwaltet die GEWO 2800 eigene Wohnungen, 900 Garagen und 30 div. Gewerbe und soziale Einheiten. Bis 1971 wurden etwa 24% aller neu geschaffenen Wohnungen in Speyer durch die Gesellschaft errichtet. Wie Alfred Böhmer ausführte, wohnt jeder Fünfte Speyerer bei der GEWO. Die Wohnquartiere liegen in Speyer-West im Schatten der St. Hedwigskirche und westlich der Theodor-Heuss- Straße, in der Waldsiedlung Speyer-Nord( westlich der Spaldinger Straße), Speyer- Süd ( ehemalige Cite de France) und am Fischmarkt.

Zur Finanzierung der Bautätigkeit dienten anfangs die Darlehen der Stadt und der Stiftungen. Ab 1971 war die Finanz- und Ertragslage der GEWO so stabil, dass eine jährliche Dividende an die Stadt ausbezahlt werden konnte.

Bis 1980 flossen in Baumaßnahmen der GEWO 11,3 Mio DM als Darlehen, 25 Mio DM an Fördermitteln des Bundes sowie von Rheinland-Pfalz und 24 Mio DM an Eigenkapital der Gesellschaft. Der Aufsichtsrat gab als Zielsetzung vor, „ die Mieten bei positiven Jahresergebnissen niedrig zu halten und keine Gewinnmaximierung zu betreiben“.

„Durch die hohe Markpräsens der GEWO in Speyer, diente dieses Verhalten insbesondere dazu, das Gesamtmietniveau in erträglichem Bereich zu halten“, so Böhmer.

Konzepte für heute und morgen

Bereits in den 70er Jahren wurden seniorengerechte Wohnungen in der Danziger- u. Uhland- Straße gebaut. Mit den „ altenheimverbundenen Wohnungen“ am Mausbergweg wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach und nach werden Barrieren in Wohnungen abgebaut.

Heute sind etwa 14% aller Wohnungen barrierefrei/arm.

Durch ein Pilotprojekt des Bundes von 2009-2012 wurde die GEWO zu einem der 16 ausgewählten Unternehmen in Deutschland. Mit Hilfe von Zuschüssen des Bundes und Darlehen der KFW- Bank( Kreditbank für Wiederaufbau) sollten barrierefreie Wohnungen im Bestand geschaffen werden, Zur Zeit laufen die Umbauarbeiten von vier Geschoßwohnungen in sechs barrierefreie Wohnungen in der Albert-Einstein-Straße.

Weiter wurde die Quartiersmensa geschaffen, zur Begegnung von Jung und Alt, wo frühere Räume der Kirchengemeinde St. Hedwig waren. Etwa 40- 60 Mittagessen werden dort täglich serviert und daneben entstanden Ausbildungsplätze für Jugendliche. Auch das Familienzentrum „ KEKS“ , weitere Beratungs- u. Besprechungsmöglichkeiten sind dort zu finden. „Mit dem in Bau befindlichen Einkaufszentrum wird dann aus dem GEWO Schlafstadtbereich wieder eine lebendige Wohnsiedlung“, so der Geschäftsführer Böhmer.

Ende der Gemeinnützigkeit und neue Tochtergesellschaft

Ab 1990 wurde allen Wohnungsunternehmen der Status der „Gemeinnützigkeit“ entzogen. Somit unterliegt die GEWO der Steuerpflicht. Weitere Einschränkungen brachte die Prüfung der Gesellschaft durch den Rechnungshof des Landes. Nach Beschluss des Aufsichtsrats wird

die Gesellschaft nun den Namen „ GEWO Wohnen GmbH“ tragen. Weiter werden das Mehrgenerationen Haus in Sp.-Nord, die Quartiersmensa ( Q+H = Quartiersmensa u. St. Hedwig) sowie zukünftige Sozialprojekte gebündelt und transparent dargestellt mit dem Namen“ GEWO Leben gGmbH“.

Alfred Böhmer ist seit 1995 Geschäftsführer und folgte auf Karl Kornmann, Gerhard Klemke, Ludwig Schön. Carl-Heinz Jossé und den ehrenamtlichen Robert Nuber.

Moderator Bernhard Linvers, vorher Pfarrer von St. Hedwig, schilderte die Not und das Elend der Flüchtlinge, die aber mit Hilfe der GEWO eine neue Heimat fanden.. Karl-Heinz Jung-Khj-

17.02.2013


Ganzes Dorf hilft Leben retten

Autorenlesung: Hanna Schotts Biografie über französisches Ehepaar Trocmé

Von unserem Mitarbeiter Werner Schilling

Speyer- Die große Liebe zweier Menschen und deren Zivilcourage bringt Licht in einen dunklen Abschnitt der Geschichte. Wie die Lehrerin Magda und der protestantische Pfarrer André Trocmé in der tiefsten französischen Provinz das auf einem Hochplateau gelegene Dorf Le Chambon-sur-Lignon ab dem 22.Juni 1940 zu einem zentralen Ort des Widerstands gemacht und damit zwischen 3500 und 5000 Juden vor den Nationalsozialisten gerettet haben, zeigt die Autorin Hanna Schott in ihrer 240 Seiten starken Biografie „Von Liebe und Widerstand“ eindrucksvoll auf. Sie habe schon viele Biografien geschrieben, aber keine habe sie so sehr fasziniert wie die über das französisch-deutsch-italienische Ehepaar, erklärte die in Augsburg geborene und nun in Haan/Rheinland lebende Redakteurin, Übersetzerin und Lektorin bei der Autorenlesung im Seniorenbüro der Stadt Speyer.

Dort leitet die in Schwegenheim wohnhafte Französin Nicole von Rekowski seit 1994 einen Konversationskurs in Französisch. Und sie und ihr Mann haben in den 50er Jahren das Ehepaar Trocmé kennen gelernt und pflegten danach noch eine feste Freundschaft mit den beiden 1901 geborenen Widerstandskämpfern. Der Pfarrer verstarb 1971 nach einem ärztlichen Kunstfehler, seine Frau Magda wurde 95 Jahre alt. Als Einstieg in die Biografie wählte sie das Kennenlernen der beiden an einem Aprilabend 1926 in New York. Auch dass der 25-jährige Student der attraktiven Italienerin unumwunden erklärte, er wolle protestantischer Pfarrer werden und in Armut leben, tat ihrer tiefen Zuneigung keinen Abbruch. André Trocmé, dessen Mutter eine Deutsche war, hatte schon als Heranwachsender beschlossen, er werde den Kriegsdienst verweigern, wolle „Mittler zwischen Deutschen und Franzosen“ sein und nie eine Waffe in die Hand nehmen müssen. Trocmés Vater, zum Geldadel zählender Industrieller, schaffte es, dass die beiden nach der Verlobung in den Vereinigten Staaten in Frankreich heirateten und sein Sohn dort Pasteur wurde. Da seine vier Kinder fast alle Lungenprobleme hatten, bekam der Seelsorger seine zweite Pfarrstelle in dem abgelegenen Luftkurort im Zentralmassiv. Magda Trocmé beschloss früh, in dem von einfachem Landleben geprägten Le Chambon-sur-Lignon eine weiterführende Schule zu gründen, um den Wegzug junger Familien zu verhindern. Als deutsche Truppen am 24.Juni 1940 Frankreich besetzten, eröffneten sich dem Ehepaar ungeahnte Möglichkeiten, weil es „am Ende der Welt“ lebte. Mit der Aufnahme einer jungen deutschen Jüdin im Pfarrhaus begann die gewaltige Hilfsaktion, die den unscheinbaren Luftkurort zu einem zentralen Ort des Widerstands werden ließ. Immer mehr verfolgte Juden, überwiegend Kinder und Frauen, fanden Zuflucht bei den Bauernfamilien, erhielten gefälschte Ausweispapiere.

Überaus einfühlsam lässt Hanna Schott das Rettungsszenario, das beeindruckende Miteinander eines ganzen Dorfes vor dem Auge des Lesers abspielen. Beim bildhaften Schreiben helfen ihr die vielen „Zitate“, die ihr von Zeitzeugen vor Ort, oft aus Tagebüchern, zur Hand gegeben wurden. Da weniger hilfsbereite Mitbürger die Aktivitäten der französischen Resistance ins Quartier der Gestapo im nahen Le Puy-en-Velay meldeten, wurde Pfarrer Trocmé im Februar 1943 gefangen genommen, wobei das halbe Dorf gegen den Zugriff der Polizei protestierte, indem die Chambonnais sangen: „C’est un rempart que notre Dieu – ein feste Burg ist unser Gott.“ Schon nach drei Wochen wurden Pasteur Trocmé und der ebenso inhaftierte Schulrektor Edouard Theis aus dem Internierungslager Saint-Paul d’Eyjeaux auf Anweisung von Ministerpräsident Laval freigelassen. Am Sonntag nach seiner Rückkehr nach Le Chambon wurden die Befreiten in der voll besetzten Kirche regelrecht gefeiert.

i: Hanna Schott, „Von Liebe und Widerstand“, Neufeld-Verlag, 240 Seiten mit s/w-fotos, ISBN 978-3-86256-017-2. Weitere Infos unter www.hanna-schott.de

26.01.2013


Ehrenamt unverzichtbar: Haus am Germansberg dankt für Engagement

Irma Zund (mit Heimleiter Klaus-Dieter Schneider) bedankte sich im Namen der Bewohner für das ehrenamtliche EngagementMit einem Empfang zu Jahresbeginn bedankte sich das Diakonissen Seniorenzentrum Haus am Germansberg am 15. Januar bei seinen 64 ehrenamtlich Mitarbeitenden für ihr beständiges Engagement.

800 Stunden ihrer Zeit hätten die Ehrenamtlichen den Bewohnerinnen und Bewohnern im vergangenen Jahr geschenkt, so Heimleiter Klaus-Dieter Schneider: „Sie genießen einen ganz besonderen Stellenwert in unserem Haus“, sagte Schneider und betonte, dass auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter einen großen Anteil an Auszeichnungen wie dem Grünen Haken für Lebensqualität oder der MDK-Note von 1,0 haben.

Mit elf Angeboten in der Woche, die von Kreativ- über Rolli- bis zu Musik- und Gottesdienstgruppen reichen, helfen die ehrenamtlich Mitarbeitenden, „dass Menschen, die hier leben ein Stück Heimat gefunden haben“, unterstrich Pfarrer Dr. Werner Schwartz, der den Dank des Vorstandes der Diakonissen Speyer-Mannheim überbrachte. Wie zahlreich die ehrenamtlichen Angebote für die Bewohner sind wurde in der Ansprache der 92jährigen Heimbeiratsvorsitzenden Irma Zund deutlich. „Wir werden geradezu verwöhnt“ schwärmte sie im Namen ihrer Mitbewohner. Es sei ein Geschenk, wenn zum Beispiel über Reisen berichtet werde, „die wir selbst nicht mehr machen können“, wenn ein offenes Ohr geliehen oder Neues aus dem Internet berichtet werde, bedankte sie sich „für den beliebten und geachteten Einsatz.“

Leon Zimmermann erfreute die Gäste mit einem Klavierkonzert.Die Bedeutung des Ehrenamts in der Gesellschaft hob auch Pfarrer Hubert Ehrmantraut hervor, der den Dank der katholischen Gemeinden überbrachte: „Ohne Ehrenamt wäre Seelsorge so wie wir sie leisten möchten, heute fast nicht mehr möglich“, zeigte er sich überzeugt.

Bevor Katharina Kieselhorst vom sozialkulturellen Dienst und Pfarrerin Daniela Körber kleine Präsente überreichten und ein gemeinsames Abendessen wartete, beschenkte das Haus am Germansberg noch mit einer besonderen Überraschung: Der Neunjährige Leon Zimmermann, der bereits nationale und internationale Preise gewonnen hat, gab in einem kleinen Konzert eine Kostprobe von seinem Können am Klavier.

Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich zu engagieren kann sich im Haus am Germansberg an Katharina Kieselhorst wenden, Tel. 06232 22-1244 oder 22-1738. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

16.01.2013


Historie und Ausblick der Rudergesellschaft im Erzählcafé

Speyer- Aus berufenem Munde wurden die rund 50 Besucher des Erzählcafes zum Jahresauftakt im Veranstaltungssaal des Seniorenbüros im Maulbronner Hof über die traditionsreiche Vereinsgeschichte der 1883 gegründeten Rudergesellschaft Speyer (RGS) informiert: Ehrenvorsitzender Hans-Gustav „Hagu“ Schug und Alfred Zimmermann, seit 2009 RGS-Vorsitzender und seit 42 Jahren in verschiedenen Funktionen vorwiegend für die Vereinsfinanzen mit maßgebend, erinnerten an die Anfangszeit, den Bau des RGS-Domizils an der Hafenspitze und informierten über den nun im Reffenthal geplanten Bau eines neuen Bootshauses. Wegen der beengten Verhältnisse im Hafen müssen die Ruderer zum Leistungsporttraining schon seit 1971 ins Reffenthal unter der Obhut der dort stationierten Bundeswehr ausweichen. Deshalb hat der in Speyer meist als Ruderclub titulierte Verein bereits vor drei Jahren ein größeres Grundstück auf dem Bundeswehrgelände gekauft. „Unser jetziges Domizil im Hafen bleibt jedoch Kernpunkt der RGS“, beruhigte Schug all jene, die vielleicht Angst davor haben, dass der „Ruderclub“ komplett in Richtung Otterstadt abwandert.

„Die Rudergesellschaft ist meine zweite Heimat geworden“, erzählte Schug, dass sein Vater ihn bereits 1942 bei der RGS angemeldet hat und er somit seit 70 Jahren Mitglied ist. Der 82-jährige Speyerer hatte auch unzählige Funktionen im Landesverband und im Deutschen Ruderverband inne, unter anderem auch als Obmann des internationalen Schiedsrichterwesens. Mit der RGS-Gründung am 3.August 1883 in der „Alten Pfalz“ in der Wormser Straße wurde die traditionsreiche Geschichte der Rheinschifffahrt fortgeschrieben, der Rhein von da an erstmals für sportliche Zwecke genutzt. Die Ruderer, die ihre Boote im ersten Vereinsschuppen auf dem Niemand‘schen Gelände neben dem Cafe (heute Standort der Villa Hollidt) lagerten, mussten anfangs ihre breiten, kiellosen Fahrzeuge (mit festen Dollen) über das Ufergeröll zum Wasser schleppen und beim Rudern auf die oft sieben Lastkähne starken Radschlepperverbände aufpassen. Alfred Zimmermann erinnerte sich, dass er und sein Bruder Günter als Jungruderer erst lange Zeit „trocken rudern“ mussten, ehe sie mit aufs Wasser durften. Schon ein Jahr nach der Vereinsgründung fuhren Speyerer Sportler, stets im weißen Dress mit rotem Brustring, erste Siege ein. Von damals bis heute treffen sich Ruderer jeden Donnerstagabend zum Gedankenaustausch über Vereinsneuigkeiten, zum Plausch über Erfolge von Rennruderern oder Erlebnisse vom Wanderrudern. Die in der ganzen Stadt bekannten und in Terminkalendern berücksichtigten Vereinsabende stärken zudem das Zusammengehörigkeitsgefühl, sind sich Schug und Zimmermann sicher.

Erste Pläne für das neue Bootshaus auf dem Hafengelände stammen vom August 1889. Es entstand im Sommer 1900 an seinem heutigen Platz und bestand zunächst aus einer großen Bootshalle. Eine zweite und dritte Halle mit großem Saal kamen später hinzu. Das zunächst in Eigenregie bewirtschaftete (und als Zuschussbetrieb geführte) Vereinsdomizil ist seit längerem an einen soliden Gastwirt verpachtet und bringt so sicheres Geld in die Vereinskasse. Dass der Blick vom RGS-Bootshaus auf die wunderschöne Rheinschleife überhaupt möglich ist, verdanken die Speyerer den damaligen Stadtoberen, die gegen Tullas Begradigungspläne Einspruch eingelegt hatten, erzählte Schug, „sonst würde heute der Rhein bei Schwetzingen verlaufen“.

Von den heute rund 330 Mitgliedern sind rund ein Drittel weiblichen Geschlechts. Erst 1905 genehmigte die Vorstandschaft der bis dahin vornehmlich aus Herren aus besseren Kreisen bestehenden Rudergesellschaft die Gründung einer Damenabteilung.

Im Zweiten Weltkrieg war der Ruderbetrieb fast zum Erliegen gekommen, in den Anfangsjahren lediglich von Schülern, Jugendlichen und Frauen aufrecht erhalten worden. 1940 fügte ein schwerer Sturm dem für ein Flakkommando der Wehrmacht umgerüsteten Bootshaus schwere Schäden zu. Ab 1944 waren sämtliche oberen Räume des RGS-Vereinshauses beschlagnahmt. Mit dem Kriegsende und der Auflösung aller sportlichen Organisationen hatte auch die RGS praktisch aufgehört zu bestehen. Die wenigen Getreuen, die in der Heimat zurückgeblieben oder bereits heimgekehrt waren, luden nach langwierigen Verhandlungen mit der französischen Militärregierung zur Wiedergründungsversammlung der RGS in den „Domnapf“ ein. Am 22.Juni 1946 wurde Josef Weckbach von 27 Mitgliedern zum Vorsitzenden gewählt. Das Vereinsleben beschränkte sich lange Zeit auf die Donnerstagabende im „Domnapf“. Am 1.September 1946 durften die Ruderer, die während des Krieges Boote in den Räumen der Kegelgesellschaft und bei der Holzhandlung Schwind ausgelagert hatten, ihre Holzbaracke auf dem RGS-Gelände beziehen. Bis zum Start ins neue Ruderjahr 1947 wuchs die Zahl der Mitglieder wieder auf 72 an und verdoppelte sich im Laufe des Jahres.

Wie eng die Stadtgeschichte mit der RGS-Führungsspitze verbunden ist, zeigte Schug an einer Reihe Mitglieder auf, von Dr.Otto Baer, Goswin Ney, Karl Becker, Rudolf Zechner, Dr.Emil Mohr, Adolf Mühlberger, Walter Lieser, Erich Stopka über Heinz Regel und Dr.Peter Nahstoll bis hin zu Dr.Harald Schwager. Und erfolgreich sind die RGS-Sportler auch seit Jahrzehnten, stellten mehrfach Sportlerin und Sportler des Jahres. Im vergangenen Jahr, berichtete Zimmermann, fuhren Speyers Rudererer stolze 89 Regattasiege ein. Zimmermann ging auch auf die stets gut besuchten Hafenfeste und auf die nun seit einigen Jahren für jedermann/frau veranstalteten Kirchbootrennen ein. An die tollen Rosenmontagsbälle im RGS-Domizil erinnerte Karin Ruppert. ws

10.01.2013


Sein Leben war ein Cocktail, bunt gemischt

Harry Dettmann im ErzählcafeSpeyer- Wo sollte Harry Dettmann anfangen, beim Koch, Sänger oder Entertainer? Vor diesem Problem stand der 1976 in Speyer und Mechtersheim gelandete Weltenbummler bei seinem Vortrag im Seniorenbüro-Erzählcafe. Dettmann löste die Aufgabe mit Bravour, fesselte die über 100 Besucher (unter ihnen der 93-jährige Hans Gruber) im Vortragssaal der Villa Ecarius mit seinen von köstlichen Anekdoten gezeichneten Erzählungen und reicherte diese mit vier Liedern aus seinem reichhaltigen Repertoire an, am E-Piano begleitet von Rudi Schimpf. Moderator Karl-Heinz Jung hatte zusammen mit dem Lebenskünstler eine Powerpoint-Präsentation mit unzähligen Bildern zu den vielen Stationen Dettmanns zusammengestellt und dabei aufgezeigt, welchen prominenten Musik- und Sportgrößen der singende Koch oder kochende Sänger im Laufe seines Berufswegs begegnet war – an der Spitze sein großes Idol Freddy Quinn. Dessen Erfolgsschlager „Heimweh“, den Dettmann als Heranwachsender auf dem Volksempfänger hörte, löste bei ihm früh die Lust auf diese Musik aus.

Mit dem Titel „Grüß mir alle meine Freunde“ zog Dettmann singend in den Saal ein. Und Freunde sammelte der in Dessau geborene und mit zwei Brüdern in Süddeutschland (Kirrlach, Karlsruhe und Lahr/Schwarzwald) aufgewachsene Sänger mit seiner mehr an der Waterkant und am Seemannslied orientierten Musik in den drei Jahrzehnten in der Tat reichlich, wie der Absatz seiner LPs und CDs bewies. Mit der Koch-Lehre im von einem Brand zerstörten Hotel Rad in Tettnang und darauf im Flughafen-Restaurant in München-Riem hatte alles angefangen. Hier hatte Dettmann seine erste „großartige“ Begegnung mit Freddy, aber auch mit Heinz Rühmann, den Rolling Stones und Franz-Josef Strauß. Nach Feierabend griff der Koch-Lehrling häufiger zur Gitarre. Einmal machte einer seiner Freunde heimlich Tonbandaufnahmen. Auf diese Weise kam Dettmann, wie er es formulierte, „mit dem Musikvirus in Verbindung“. Am 28.Dezember 1965 hatte der singende Koch seinen ersten öffentlichen Auftritt in der Rumba-Bar, unter anderem mit Titeln wie „Lass mich noch einmal in die Ferne“, „Heimweh nach St.Pauli“ und „Junge komm bald wieder“. Der 66-Jährige interpretierte: „Endlich stand ich auf den Brettern, die die Welt bedeuten, so hatte ich das Gefühl.“ Nach einem zweiten und einem ersten Platz bei Wettbewerben unterschrieb das Sangestalent seinen ersten Musikvertrag bei Teddy Parker, der mit seinem Nachtexpress nach St.Tropez“ einen Tophit gelandet hatte. Dann sang Dettmann erstmals vor 1500 Gästen im Malteser Festsaal, begleitet vom Orchester Hugo Strasser, der ihm später auch einen Titel schrieb.

Kurz darauf tauschte Eberhard „Harry“ Dettmann „die Kochmütze gegen den Stahlhelm ein“. Nach gesundheitlichen Rückschlägen, die auch einen Wechsel zur Polizei verhinderten und einen ersten Fernsehauftritt platzen ließen, griff der leidenschaftliche Sänger wieder zum Kochlöffel und leitete drei Jahre lang in Germersheim Kochkurse für Promis und Hausfrauen. Aber Harry Dettmann sang auch in dieser Zeit weiter, trat in Mannheim, Karlsruhe, Kaiserslautern und Nürnberg auf. An diesem Punkt passte sein Song „Hundert Mann und ein Befehl“ hervorragend. Das war der Titel seiner ersten Schallplatte nach seinem Sieg beim Wettsingen in der Bonner Beethovenhalle.

Trotz seines Plattenvertrags kehrte er in die Küche des Münchener Flughafenrestaurants zurück. Nach diesem Intermezzo (Krankheitsbedingt) verschlug es ihn nach Mannheim, wo er nach neuen Jobs in der Musikszene suchte. So sang Dettmann bei der Feier des 100-jährigen Bestehens der Feuerwehr Germersheim. Bei von ihm selbst organisierten Benefizveranstaltungen brachte es der Alleinunterhalter auf über 10 000 Mark für die „Aktion Sorgenkind“, woran den Mann mit dem sozialen Seemannsherzen heute noch ein Autogramm von Wim Thoelke erinnert. Mit Erfolg sang Dettmann nun auch beim Karnevalverein in Mechtersheim. Im Gasthaus „Zum Stern“ funkte es zwischen ihm und Monika Göck, die er 1976 heiratete. Bei einer Fasnachtssitzung in Germersheim lernte der Sympathieträger Hans Gruber kennen. Der SKG-Aktive holte Dettmann zusammen mit Chefdekorateur Dieter Wenger zum 10.Geburtstag des Speyerer Kaufhofs. 1970 wurde der Sänger eingeholt von seinen Kochkünsten und wurde zum Küchenchef in die Kurpfalzkaserne Speyer berufen. Nach zehn Jahren Kasernenarbeit war die Zeit reif für seine erste große Auslandstournee nach Kanada, zusammen mit den „Rondos“. Der Neuspeyerer genoss damals die Auftritte vor 10 000 Besuchern in einer jeden Abend ausverkauften Halle. Mit dieser erfolgreichen Tournee wurden Komponist Lothar Olias und Produzent Hajo Blasig auf den beliebten Sangeskünstler aufmerksam. „Seemann wovon träumst du?“ lautete der Titel für seiner ersten eigenen Platte. Immer mehr Produktionen folgten. Hans Gruber stellte Dettmanns erste Langspielplatte „Das große Hafenwunschkonzert“ im Kaufhof vor. Nun war der Sänger aus Süddeutschland bestens im Geschäft und mimte bei vielen Hafenkonzerten in Hamburg herzergreifend den erfahrenen Seebär. Bei Rundfunksendungen stand Dettmann - einmal mit einem zweistündigen Programm mit Harald Juhnke – ebenso seinen Seemann wie bei einer Disco-Tournee des Saarländischen Rundfunks mit Moderator Manfred Sexauer. In der Domstadt gewann ihn der damalige Beigeordnete Stefan Scherpf für erste Konzerte an der Rheinuferpromenade, die stets über 800 Besucher begeisterten. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere sang Harry Dettmann bei insgesamt 14 Tourneen mit über 210 Veranstaltungen durch die USA sowie bei Schiffstourneen im Mittelmeerraum und einer Reise auf der „MS Finnstar“ ans Nordkap. Dettmann trug aber immer mal wieder die Kochmütze, so als Leiter eines Ludwigshafener Kochstudios oder für den Partyservice „Tischlein deck dich“ der Metzgerei Göck.

Nach knapp zwei Stunden lebendiger Erzählung wurde dem Stargast die Zeit zu knapp, um noch mehr über die vielen Erlebnisse bei Tourneen und Showauftritten oder über seine Autobiographie, die er 1987 vor allem für seine Frau Monika, mit der nun bereits 36 Jahre „immer noch glücklich verheiratet“ ist, und Tochter Alexandra auf 250 Seiten niederschrieb. Aber die Zeit reichte noch, um Moderator Jung zu verraten, dass er zusammen mit der Stadtverwaltung eine jährliche Rheinpromenade-Matinee plant. ws; Foto: khj

13.12.2012


Dr. No’s Bande sorgt für Weihnachtsstimmung im Diakonissen Seniorenzentrum

Mit einem Adventskonzert erfreuten junge Musiker am 9. Dezember die Bewohnerinnen und Bewohner des Diakonissen Seniorenzentrums Haus am Germansberg.

Das Ensemble „Dr. No’s Bande“ der Städtischen Musikschule unterhielt mit Solo- und Ensembledarbietungen ältere Bewohner und jüngere Gäste. Die jungen Musikerinnen und Musiker boten unter Leitung von Margarethe Hoffer ein buntes Programm, das von traditionellen Weihnachtsliedern wie „Oh du fröhliche“ über Popmusik wie „Last Christmas“ bis zu klassischen Stücken von Vivaldi, Portnoff und Schmitz reichte.

Die Begeisterung des Publikums war so groß, dass Gesangssolistin Miriam Galm mit einer Zugabe von „Oh du fröhliche“ die Zuhörer zum Mitsingen bewegte. „Wir freuen uns, dass das Ensemble unseren Bewohnern und Gästen durch das ehrenamtliche Konzert wieder eine Adventsfreude bereitet hat“, bedankte sich Katharina Kieselhorst vom Sozialkulturellen Dienst bei den Mitwirkenden und dem Leiter der Musikschule Bernhard Sperrfechter. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

13.12.2012


Sitz der einzigen deutschen "Verwaltungshochschule" macht die Domstadt in aller Welt bekannt

Speyer- Einem der bedeutendsten Speyerer Einrichtungen widmete das Erzählcafe des Seniorenbüros ihre November-Veranstaltung. Pfarrer i.R. Bernhard Linvers, 18 Jahre lang als Seelsorger bei der Verwaltungshochschule mindestens einmal wöchentlich bei der morgendlichen „Frühschicht“ zugast, begrüßte als versierten Referenten Dr. Heinrich Reinermann, einer der inzwischen 15 entpflichteten Universitätsprofessoren. Der Kaiserdom ist gemeinhin Speyers größter Werbeträger. Aber nicht alle wissen, dass der Name der Domstadt in aller Welt bekannt ist, weil hier der Sitz der einzigen deutschen Verwaltungshochschule, seit einigen Monaten sogar Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, ist. Hunderte hochrangiger Verwaltungsbeamter in Korea, China, Togo oder Kasachstan haben als Hörer sehr oft zwei Jahre lang in Speyer alles gelernt, was zu einer öffentlichen Verwaltung gehört.

Ausführlich zeichnete der langjährige Lehrstuhlinhaber für Verwaltungswissenschaften und Informatik die Entwicklung der am 11.Januar 1947 (just am 10.Geburtstag Reinermanns) gegründeten „Höheren Verwaltungsakademie“ nach. Diese Verwaltungshochschule sei von den Franzosen in ihrer Besatzungszone (Baden, Rheinland-Pfalz, Württemberg-Hohenzollern) verfügt worden mit der „Entpreußung von Verwaltung und Kultur“, zur „Wiedergeburt des demokratischen Geistes“ als Beweggrund. Warum in Speyer? In der damaligen Hauptstadt des achten bayerischen Bezirks gab es viele hochrangige Beamte, unter andrem bei der in Speyer beheimateten Reichsbahn und Reichspost. Eine Art „Gründervater“ war Charles de Gaulle, der bereits im Oktober 1945 in Paris mit der ENA (Ecole nationale d‘administration) eine Eliteeinrichtung für die Beamten ins Leben gerufen hatte. Schon in den damaligen Statuten der „Höheren Verwaltungsakademie“ seien „Universtitätsprofessoren“ als Lehrende verankert gewesen, wies Reinermann auf die ebenso in jener Zeit gegründeten Unis in Mainz und Saarbrücken hin, die Speyer als Konkurrenz angesehen“ und gerne als „zu schmale“ Hochschule (ohne Vollstudium) abgestuft hätten.

Am 15. Mai 1947 wurde – schon unter dem zweiten Namen die „Staatliche Akademie für Verwaltungswissenschaften“ in der früheren Lehrerakademie (heutiges Finanzamt) eröffnet. In diesem Komplex war damals auch die dem Auswärtigen Amt zugehörende „Diplomatenschule“ untergebracht.

Die Fünfziger Jahre begannen mit der Übernahme durch das Land Rheinland-Pfalz und endeten mit dem Neubau an der Dudenhofer Straße. Das Land habe sich zunächst gesträubt und die Reform-und Sparkommission des Landtages Anfang 1949 die Akademie gar schließen wollen, weil die Behörden jetzt wieder funktionierten und man die Sonderausbildung der Referendare in Speyer nicht mehr benötige, erzählte der emeritierte Universitätsprofessor weiter. Es kam dann doch zum Errichtungsgesetz vom 30.August 1950 und da schon unter dem dritten Namen „Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer“.

Zur Unterstützung der Einrichtung hatte Buchhändler Wolfgang Oelbermann schon am 21.November 1949 mit der Gründung der „Hochschulvereinigung“ ein Zeichen gesetzt. Das erste Hilfspaket bestand aus 70 Pfund Weizenmehl, erinnerte Reinermann und bedauerte zugleich, dass die bundesweit für seine hervorragende Arbeit gerühmte Einrichtung trotz der Aktivitäten ihrer Freunde und Förderer in der Domstadt nicht ausreichend bekannt sei.

Der von Bund und Ländern beschlossene und vom Land Rheinland-Pfalz mit 5,5 Millionen Mark finanzierte Neubau wurde am 14.September 1960 von Ministerpräsident Peter Altmeier und Bundespräsident Heinrich Lübke feierlich übergeben. In den Folgejahren bestimmten die Verwaltungsreformen, Bildungsreformen und die von Bund und Länndern gemeinsam getragene Forschungsförderung das Leben an der Speyerer Hochschule. Dieser Reformprozess warf viele Fragen auf in puncto Wissensschöpfung für die Verwaltungshochschule. Ministerpräsident Helmut Kohl setzte sich im Verwaltungsrat für den Ausbau der Speyerer Einrichtung ein. In der Sitzung im Oktober 1969 wurde beschlossen, entsprechend dem Ansatz „Staats- und Kameralwissenschaften“ die Lehrstühle von acht auf 20 (gilt heute noch) auszubauen. Auch der Forschungsförderung wurde mehr Freiraum gewidmet.

Wiedervereinigung 1989 und Hauptstadtbeschluss vom 20.Juni 1991 brachten für die Speyerer laut Reinermann „die letzte Klippe“: Sollte die Verwaltungshochschule auch für die „neuen Bundesländer“ zuständig sein? Schon in der allersten gemeinsamen Sitzung der Ministerpräsidenten aller 16 Bundesländer am 12.Oktober 1990 wurde der Weg geebnet. Folgerichtig gab es die vierte Umbenennung – in „Deutsche“ Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Auf den „Bologna-Prozess“ mit der Qualitätssicherung und Internatinalisierung der Hochschulstudiengänge“ reagierte die Uni Speyer (fünfter Name) mit drei neuen Masterstudiengängen, darunter der Master für Öffentliche Wirtschaft, ein zweijähriger Vollzeit-Präsenz-Studiengang. Als einen Vorteil der Speyerer Universität stellte Reinermann deren Überschaubarkeit mit durchschnittlich 400 Studierenden pro Semester heraus, was bei rund 120 Dozenten (20 Lehrstühle und rund 100 Lehrbeauftragte) ein Betreuungsverhältnis von 1:4 ergebe. Zu den Honorarprofessoren und Privatdozenten zählten unter anderen die ehemaligen Bundespräsidenten Carl Carstens und Roman Herzog, Dr.Jürgen Strube, Dr.Bernhard Vogel und Josef Stingl. Auch Thilo Sarrazin kommt wöchentlich zur Vorlesung nach Speyer. ws; Foto: khj

08.11.2012


Speyerer Familiengeschichte von Villmann bis Schumacher-

von Flößern, Braumeistern, Gastwirten, dem Ziegeleidirektor bis zum Bauunternehmer im Erzählcafé

Die Stationen der Villmann- Familie und ihrer Nachfahren wurden von Frau Dr. Gislinde Seybert mit einer Power Point Serie bildhaft dargestellt.

Villmann im „ Halbmond“, der „Alten Pfalz“,“ Neuen Pfalz“, dem „ Burgtor“

Wo heute das Restaurant „Halbmond“ seine Gäste bewirtet, stand vor dem „großen Brand“ von 1689 das Haus Villmann, wie Nachforschungen von Frau Seybert ergaben. Als Flößer und Schiffer waren die Vorfahren tätig.

Mit Foto konnte Andreas Villmann, bis 1919 Brauereibesitzer und Wirt der „Alten Pfalz“, Maximilianstraße 6 (heute Polizei), vorgestellt werden. Wie die „Pfälzer Zeitung“ von 1852 und 1870 berichtet, war im Wirtshaus für 500 Gäste, neben dem Wirtschaftsbetrieb oft auch Gelegenheit „Patent- Waschmaschinen“ oder „Holzschneidemühlen“ zu betrachten und zu bestellen.

Das Reisebuch für das Königreich Bayern von 1870 empfiehlt die „ Alte Pfalz“ mit dem herrlichen Biergarten in Domnähe und dem großen Eiskeller, welcher 900 Wagen Natureis zur Kühlung lagern konnte. Im „Burgtor“ wurde eine weitere Gastwirtschaft und ein Bierkeller eingerichtet. Weiter floss Villmann-Bier in der „ Neuen Pfalz“, Ecke Wormser/Rützhaubstraße.

Nach dem 1. Weltkrieg verkaufte Villmann den Besitz, da auch die „Goldmark-Kriegsanleihen“ verloren waren. Der Caritasverband richtete später in der „ Alten Pfalz“ das „ Heim Nazareth“ ein, das den katholischen Vereinen zur Verfügung stand. Im „harten Winter“ von 1929, der Rhein war zugefroren, wurde eine „Wärmestube“ für Speyerer hier eingerichtet; danach war das Wehrbezirks- Kommando dort tätig, heute die Polizei.

Direktor der Ziegelwerke, Baustoff-, Tabakgroßhändler Paul Seybert, 1918 Direktor der Vereinigten Speyerer Ziegelwerke, wohnte mit seiner Ehefrau Marie geb. Villmann in der Direktorenvilla an der Hafenstraße.

Ein schöner Keramik- Kachelofen der Villa wärmt noch heute Gislinde Seybert in ihrem Familienbesitz, Rützhaubstraße 9 ( Rützhaub-1689 bis 1708 Speyerer Bürgermeister) und erinnert an Bratäpfel und schöne Kinderzeit.

Auch Vater Paul musste nach dem Krieg umplanen, wurde Baustoffhändler, Freund der Baumeister Friedrich /Johann Graf und half so, weitere herrliche Backsteinbauten zu errichten. Johann Striebinger, Tabakgroßhändler, durch Heirat mit Familie Seybert verbunden, ließ sein Haus Nr. 44 in der Bahnhofstraße von Graf bauen. Ein Backsteinbau mit Sandsteingliederung im Stile der Neurenaissance.

Gebäude der Bahnhofstraße als Zeugnis der Wirtschaftsentwicklung

Nachdem 1846 in Speyer der erste repräsentative Bahnhof der Pfalz entstanden war, obwohl ab 1847 die „Ludwigsbahn“ Speyer „ links liegen ließ“(Verlauf: Ludwigshafen, Schifferstadt, Neustadt), begann im Umkreis eine große Bautätigkeit.(Der Bahnhof wurde am 16.3.1945 durch Bomben zerstört).

Reichtum durch Ziegelproduktion, kaufmännisches Geschick und Unternehmermut erlaubten dem Gründer der Vereinigten Ziegelwerke Speyer, Georg Gund, den Bau hervorragender Häuser, die wir heute noch bewundern.

Seine Villa am St.-Guido-Stifts-Platz 6, ein spätbarockes Schlösschen, wurde 1868 von Baumeister Heinrich Jester errichtet. “ Die zurückgesetzte Balustrade, Bildhauerarbeiten an Tür- und Fensterleibung, prachtvoller Eingangsbereich mit Keramik-Trinkbrunnen in der Diele sind Zeugnisse der Gründerzeit“, wie Frau Hopstock erklärte.

Auch für seine Töchter ( oder Schwestern) ließ Gund die Doppelvilla Bahnhofstraße Nr. 54/56 erbauen( heute VHS/Villa Ecarius=Schwiegersohn von Gund). Ziegel-, Deko- Elemente und Bauausführung wurden sicher auch im Sinne eines „Musterhauses“ dargeboten.

Wie Frau Dr. Seybert erläuterte, war die Bahnhofstraße bevorzugte Wohngegend. August Schwarz, Direktor der Kammer der Finanzen, wohnte im Haus Nr.38, Max Mayer, Besitzer der Kaffeerösterei in Nr. 40, ( später die Deutsche Reichsbank). In Nr. 42 lebte der Direktor der Sonnenbrauerei Heinrich Raso und in Haus 46 Geheimrat Max Forthuber.

Johann Schumacher Gründungsmitglied der Baugenossenschaft

Die Familiengeschichte Villmann/ Seybert wurde durch Einheirat von Johann Schumacher erweitert, wie Seybert ausführte. So wurde das Baugewerbe weitergetragen, denn Schumacher war Mitglied der Baugenossenschaft und bei der Erstellung der Woogbach-, Burgfeldsiedlung beteiligt. Die Söhne Max und Eugen führten ebenfalls ein Baugeschäft, waren vor Kriegsbeginn 1937/ 38 auch für die Organisation Todt tätig, wobei sie im Krieg die gesamten Baumaschinen verloren.

Die interessante Familiengeschichte mit allen Höhen und Tiefen gab Anregung zu Gesprächen, Ergänzungen, Erklärungen und stellte die Bahnhofstraße und ihre damaligen Bewohner in einer neuen Sichtweise vor.

Dafür dankte Moderator Karl-Heinz Jung, Frau Dr. Gislinde Seybert, die nach ihrer Tätigkeit an der Universität Hannover nun wieder im Hause der Familie das kulturelle Leben der Stadt mit gestalten wird. Karl-Heinz Jung

17.10.2012


Rheinschifffahrt im Erzählcafé….

Das Erzählcafé im Schifferzelt, gut unterhalten und bestens bedient mit Kaffee und Kuchen-

Über 60 interessierte Senioren/ Innen lauschten den Ausführungen von Günter Kuhn ( Ehrenvorsitzender des Schiffer-u. Fischer Vereins) über die Dampfschifffahrt von 1816 bis 1945.

Betrachten eines Filmausschnitts über die Dampfschifffahrt und Berichte von selbst Erlebtes( Baden am Rhein) in Erinnerung gebracht…..

Der Seitenraddampfer eröffnete 1816 ein neues Zeitalter der Schifffahrt auf dem Rhein

Am 8.Juni1816 legte der aus Holz gebaute Seitenraddampfer „ Prinz von Oranien“ von England kommend in Rotterdam ab und erreichte vier Tage später Frankfurt. Mit Pferdehilfe war die Weiterfahrt nach Koblenz möglich. Bereits ein Jahr später fuhr der Sohn von James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine, als Kapitän seines 50 PS starken Dampf-Motor-Schiffs mit beiderseitigen Schaufelrädern auch bis Koblenz; diesmal ohne Pferdehilfe.

In den folgenden Jahren, so Günter Kuhn, boten die mit  120 Personen besetzten „ abscheulich lauten Schiffe“ jeweils ein Schauspiel zwischen Köln und Bacharach. Die Zuschauer am Ufer rauften sich   oft die „ Haare“ und riefen vor „ Angst und Schreck“ zum Gebet auf.

Das Zeitalter ohne Schlepphilfe durch „ Mensch oder Pferd“ hatte begonnen und verschaffte dem Reiseverkehr einen überraschenden Aufschwung. Im Umfeld des Stromes wurden Unterkünfte, Herbergen und Hotels für die Reisenden gebaut.

Am 19.September 1825. so Kuhn, passierte das erste Seiten-Rad-Dampf – Schiff ( SRDS) unsere Stadt. Noch im gleichen Jahr wurde damit der Rhein bis Straßburg befahren.

Schiffbauer Röntgen plante das erste „ eiserne Schiff“..

Natürlich wurde Röntgen ausgelacht, denn ein „ Schiff aus Eisen war doch nicht schwimmfähig“, so seine Kritiker.

Im Jahre 1841 war es aber soweit. Der erste „eiserne Kahn“ fuhr  mit einer Tragfähigkeit von 250 Tonnen auf dem Rhein. Vor Baubeginn dieser Schiffe mussten genaue Pläne erstellt werden. Wasserdichte Schotten, flacher Schiffsboden, spitz zulaufender Bug und stumpfes Heck mussten genau berechnet werden. Mehr als 100 000 Nieten wurden geglüht, gesetzt und breitgeschlagen. Die erkalteten Nieten zogen sich zusammen und schufen so die erforderliche Dichte der „ Stahl- Schiffshaut“. Bereits nach 40 Tagen war ein Kahn gebaut. Mit den „ eisernen Kähnen“ begann der Transport der Massen- und Schüttgüter auf dem Rhein.

Dampfschlepper mit 400 PS Motorleistung konnten bis zu tausend Tonnen Schüttgut ( Sand, Split, Kies, Erde, Steine) in 6-8 Schleppkähnen auch „ zu Berg „ ziehen. Allerdings waren auf einem Schnell-Rad- Dampf-Schiff auch ca. 14 Mann damit beschäftigt, der Dampfmaschine die erforderlichen Kohlen „ in den Rachen“ zu schaufeln, um entsprechende Leistung zu erzielen.

Ketten- und Seilschleppfahrt ab 1873

Die lohnaufwendige Dampfschifffahrt wurde ab 1873 von der Ketten- und Seiltechnik weitgehend abgelöst. Von Rotterdam bis Köln legte man Ketten in den Rhein, an denen sich die Schleppkähne „bergwärts hochzogen“. Ein 200 PS Kettendampfer konnte nun mit der halben Kraft die Schüttgutmenge von 1000 Tonnen transportieren. In  der Folgezeit wurde zwischen Bad Godesberg und St. Goar ein 42 mm dickes Stahlseil als Zugseil in den Rhein gelegt. Gefährlich wurde es, wenn das Seil riss, wobei oft Unfalltode- und Verletzte  zu beklagen waren. Die Reparatur dauerte Monate und behinderte die Schifffahrt.

Etwa um 1905 endete die sogenannte „ Hexen- Ketten- Schleppfahrt“.

Der Dieselmotor verhilft der Güter- Motor- Schifffahrt zum Durchbruch…

Ab 1912 begann der Siegeszug der Gütermotorschiffe mit Hilfe des Dieselmotors. Der Platz für den Heizkessel, der Kohlenbunker, die Heizmannschaft wurden entbehrlich. Bald waren auf dem Rhein 32 dieser Schiffe mit 787 PS und rund 4200 Tonnen Tragfähigkeit in Betrieb. Der zunehmende Schiffsverkehr auf dem Strom brauchte auf der gefährlichen Rheinstrecke St. Goar bis Bingen erfahrene Lotsen welche die Schiffe lenkten. Ein“ Vorschaudienst“ mit landseitigen Fahnensignalen regulierten den Schiffsverkehr an Engstellen. Eine Begrenzung auf vier Kähne pro Schleppzug wurde angeordnet, weil auch bei „ Bergfahrt“ im „Binger Loch“ Vorspanndienste erforderlich waren. Das Anlegen des Lotsenbootes musste bei Raddampfern vor dem Radkasten erfolgen, ein gewagtes Manöver, wie Kuhn mit Hilfe der Filmdarstellung erläuterte.

Die Mannheimer Rhein- Schifffahrts- Akte und Problemzone Basel

Nach der Schifffahrtsakte wurde die „ ungehinderte“ Fahrt auf dem Rhein erlaubt. Die Personen-Schifffahrt von Basel bis Frankfurt lief ab 1831. Erst 1903 versuchte der Schlepper „ Justitia“ mit 180 PS „alleinfahrend“ ( ohne Vorspannhilfe) Basel zu erreichen. Es misslang. Der 32-jährige Johann Kirchgässer aus Oberwesel startete 1904 mit seinem Kahn“ Christine“ und 300 Tonnen Kohlen Basel anzulaufen. Kurz nach Straßburg, an der „ Neuenburger Brücke“, ging

es nicht weiter. Mit Sicherungsseilen und Ankerwinden schafften die Schiffsleute Zentimeter um Zentimeter Bergauffahrt. Nachdem die „Isteiner- Schwelle“ mit aller Mühe überwunden war erreichte die „ Christine“ am 2. Juni 1904 Basel – St. Johann und wurde mit Böllerschüssen  begrüßt. Die Freude wurde jedoch bei der Rückfahrt  mit 300 Tonnen Split getrübt; die Uferböschung wurde gerammt, das Schleppseil riss, “Christine“ trieb führerlos talwärts, schlug an die „Eisabweiser“ (Schutzbalken gegen Treibeis) der „Hünninger“ Schiffsbrücke und versank.

Rheinausbau durch Max Honsel

Zwischen 1907 bis 1925 baute Honsel Leitwerke und Buhnen in den Rhein  wodurch die Schifffahrt wesentlich leichter wurde. Tulla hatte den Rhein reguliert um die Anliegerdörfer vor Hochwasser zu schützen.

Durch Honsels Regulierungseingriffe konnten nun große Kähne und Gütermotorschiffe riesige Transporte erledigen. In der Vorkriegszeit wurde Kies für Neubauten, Autobahn, Westwall mit Schiffen in die Häfen geschafft. Eine umfangreiche Aufstellung des „ Wasser- und Schifffahrts- Amts“ Speyer, über die Transportvolumina jener Zeit,  konnte Kuhn aufzeigen. Doch ab 1939 wurde die Schifffahrt durch Fliegerangriffe, Treibminen, gesunkene Schiffe erschwert.

Kurz vor Kriegsende fielen die gesprengten Brückenteile in den Strom. Über 375 zerstörte Schiffseinheiten lagen nach 1945 an der pfälzisch-badischen Rheinstrecke.

Speyerer Bürger und der Rhein

Mit Erlebnissen ihres Vaters konnte Eleonore Winkler  aus der Rheintorstraße die Ausführungen ergänzen. Schmiedemeister  Winkler war bei den Schiffsleuten gefragt. Ein neuer Anker wurde geschmiedet, die Ankerkette feuergeschweißt verbunden, neue „ Kuhmäuler“ ( Schäkel zum Befestigen von Seilen) hergestellt, Schäden am Schiffskörper behoben.  

Wie Frau Winkler erzählte, waren es interessante Schiffersleute, die abends  bis weit unterhalb der Ziegelei anlegten, denn eine Nachtfahrt war noch nicht möglich. Speyerer Handwerker, Schiffer, Kaufleute und besonders die Wirte ( Gasthaus Dulda) hatten so gutes Einkommen. Zwei Versorgungsboote für Lebensmittel etc. von Hammer und Brech, liefen die Schiffe an. Die Signalstation (Einfahrtsregelung) auf einem kleinen Boot  lag unterhalb der Ziegelei

in Ufernähe. Für Schiffer war dies eine „ Tankstelle“; beim Sonntagsspaziergang zum „Bootsche“ gab es für die Kinder Brause,

wenn die Familie im Bootsgärtchen saß.

Badeerlebnisse am Rhein

Rudi Höhl konnte auch ausgiebig seine Erlebnisse schildern. Das „Anschwimmen“ der Schleppkähne war „Bubensache“, die aber auch

oft tödlich endete. Lustig  war der Streit mit den Schiffsleuten, wenn der „Rettungsnachen“(am Seil hinter dem Schiff hergezogen)  von den Schwimmern erreicht wurde. Freude über die „ Eroberung“, Schaukeln, Wellen, ließen den Nachen oft voll Wasser laufen; die Ruder trieben davon. Die Schiffer warfen mit Kohlen, Schrauben nach den Burschen, um sie vom Rettungsnachen zu vertreiben. Nicht gerne

erinnert sich Höhl an den „ Menning- Schiffer“. Dieser schüttete einen Eimer Rostfarbe über die Rücken der „ Kahneroberer“. Beschämt, den Rücken bis zum Hinterteil mit Menningfarbe beschmiert, schwammen sie zum Ufer und wurden noch lange Zeit als „ Menningärsche“ gehänselt.

Noch viele Begebenheiten vom „ Kohlebock“( Kohlenlager), dem badischen Apfelklau ließen Erlebnisse aus der Kinder- und Jugendzeit wach werden, so dass die Zeit wie im Flug verging.

Herzlichen Dank übermittelte Moderator Dr. Thomas Neubert dem Ehrenvorsitzenden Günter Kuhn, seinem Helferteam für die Kaffeespende sowie der Spenderin für den leckeren Kuchen. Bild und Text: Karl-Heinz Jung

18.09.2012


Qualität und Kontinuität

Klaus-Dieter Schneider, Silvia Bauer, Sabine Seifert, Dr. Werner Schwartz (v. l.)

Die Speyerer Seniorenzentren der Diakonissen Speyer-Mannheim erhielten im Juli wieder Bestnoten vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK).

Mit Gesamtnoten von 1,0 im Haus am Germansberg und 1,2 im Seniorenstift Bürgerhospital liegen die Einrichtungen überm Landesdurchschnitt von 1,5. „Das Prüfungsergebnis des MDK spiegelt die Zufriedenheit unserer Bewohner und ihrer Angehörigen wider“, hebt Heimleiter Klaus-Dieter Schneider hervor, warum seine Mitarbeitenden beständig an sich und der Betreuungsqualität arbeiten: „Die Menschen, die hier leben, sollen sich wohlfühlen.“ Dass das so ist, zeigt sich in den Einzelergebnissen der Überprüfung: Die Häuser erhielten nicht nur in den Bereichen Pflege und medizinische Betreuung, Wohnen, Verpflegung und Hygiene, Umgang mit Demenzangehörigen sowie Soziale Betreuung sehr gute Noten. Bei der Bewohnerbefragung, die nicht in die Gesamtnote einfließt, erhielten sie die Bestnote 1,0 bzw. eine 1,1.

„Die große Zufriedenheit der Menschen zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Sabine Seifert, Pflegedienstleiterin im Seniorenstift Bürgerhospital. Die sehr gute Bewertung ermutige sie und ihre Kollegen, die Bemühungen um das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner stetig weiterzuentwickeln. Das sieht ihre Kollegin im Haus am Germansberg, Silvia Bauer, genauso. Sie ist außerdem überzeugt, dass die geringe Fluktuation unter den Mitarbeitenden ein Baustein des Erfolgs ist.

Die Bedeutung der Mitarbeitenden unterstreicht auch Dr. Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim: „Wir sind stolz auf die Mitarbeitenden, die einen nicht nachlassenden Einsatz zeigen und für die beständig gute Betreuung in unseren Seniorenzentren sorgen und dafür, dass sich die Menschen bei uns individuell wahrgenommen und geborgen fühlen.“

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) führt im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen jährlich unangemeldet Qualitätsprüfungen in Pflegeeinrichtungen durch, um für Transparenz und Vergleichbarkeit der Pflegeangebote zu sorgen. Diakonissen Speyer-Mannheim, Pressse

03.08.2012


Entstehung und Aufbau der VdK- Siedlung im Erzählcafé

Aus der Not der Nachkriegszeit geboren, vom damaligen VdK- Vorsitzenden Otto Winter ins Leben gerufen, zur größten Kriegsopfer-Siedlung Deutschlands herangewachsen, eine  Vorbildfunktion für Frankfurt am Main, gemeinsam Häuser gebaut…..

Prof. Dr. Otto Roller, Hans Winter, Emil Magin und viele Teilnehmer berichten von der gemeinsamen Arbeit in der während der Planungs-und Bauphase.

In Zeiten großer Wohnungsnot treffen sich  Kriegsbehinderte, Spätheimkehrer und Flüchtlingsfamilien auf dem Baugebiet zwischen Woogbach und „Ehrlichweg“  und bilden eine gute Gemeinschaft.

Dr. Roller zeigt an vielen Beispielen die Notsituation Speyerer Familien in den 50er Jahren auf, welche die Nachkriegsprobleme meistern mussten, wie auch heute noch in Kriegs- u. Konfliktgebieten zu beobachten ist. „Wir hatten Glück, so Dr. Roller, „ dass sich die politischen Verhältnisse innerhalb der Bundesrepublik mit Hilfe der Besatzungsmächte ( USA, England, Frankreich) positiv veränderten“.

Wirtschaftliche Hilfe des „Marshallplans“( Vorschlag von US-Außenminister C. Marshall), Gesundheitsmaßnahmen aus Schweden, der Schweiz und Lebensmittelhilfen durch religiöse Gruppen aus Amerika gaben den Menschen hier wieder Mut.

Nun musste auch die Selbsthilfe den „ geschlagenen Körper“ wieder aufrichten und Selbstvertrauen vermitteln.

Otto Winter und der VdK suchen Lösungswege

1952 begann der damalige VdK-Vorsitzende nac h Wegen zu suchen, wie den Kriegsbeschädigten, Witwen und Kriegswaisen Wohnungen zu  beschaffen seien.

Bei der Grundstücksbeschaffung ging die Verwaltung unter Oberbürgermeister Dr. Paulus Skopp und den Ratsfraktionen unbürokratisch und zügig vor. Zwischen Woogbach und „Ehrlichweg“ wurde ein Baugebiet ausgewiesen. Pro Quadratmeter musste 1.- DM bezahlt werden. Die Finanzierung organisierte die staatliche Treuhandstelle „ Heimstätte Rheinland-Pfalz“ aus Mainz.

Wie aus dem Bauvertrag von Brigitte Dannelke zu entnehmen,  „erstellt die Fördergesellschaft  für Montagebau ( FFM) für den Verband der kriegsbeschädigten-, kriegshinterbliebenen Siedlergemeinschaft in Speyer im I./ II. Bauabschnitt 31 schlüsselfertige Einfamilienhäuser“.

1. Spatenstich im April 1954 durch den Kriegsblinden Karl Stahl

Hans Winter zitiert aus den Aufzeichnungen seines Vaters, der bei Problemen bis nach Bonn zu Bundeskanzler Konrad Adenauer gefahren war, damit das Siedlungswerk vollendet werden konnte.

Vor Baubeginn musste die Finanzierung geklärt werden. Dazu wurde ein Teil der Rente abgetreten, ein Eigenkapital war vorzuweisen, Banken gaben Darlehen, das Notprogramm des Bundes ergänzte und schließlich wurde die „ Muskelhypothek“ (Eigenleistung durch Ausheben der Baugrube,- Kanalschächte, -Gartenanlage usw.) eingesetzt.“ Selbsthilfe und Gemeinschaftsarbeit werden bei den Siedlern im Speyerer Westen groß geschrieben“, titelten die Zeitungen. Zuhörer berichten, dass sich nach getaner  Berufsarbeit die Baustelle belebte.  Es wurde gemeinsame gearbeitet, alle halfen sich gegenseitig, so dass Haus um Haus heranwuchs.

Die Häuser hatten eine Wohnfläche von 82 qm. Es gab Kellerräume mit Waschküche, das Erdgeschoß mit Diele, Küche, WC und zwei kleine Wohnräume. Das Elterschlafzimmer, zwei Kinderzimmer und ein Bad waren im Dachgeschoß untergebracht. Der Garten war 300qm groß.

Aufgrund der durchdachten Bauplanung der FFM kostete ein Haus 23.307 DM. An monatlichen Tilgungsraten waren 51,29 - 100,70 DM zu zahlen.

Weihnachten mit Tränen und der beschwerliche Weg zur Schule

Hans Winter erinnert sich noch gut an den Einzug am 10. Dez. 1956 in das unverputzte Haus. Das erste  Weihnachtsfest im eigenen Haus brachte Freudentränen über das Erreichte hervor; es flossen aber auch Tränen der Trauer um die im Krieg gebliebenen Familienmitglieder, so Winter.

Auch Frau Petereit war mit ihren Töchtern aus dem zuvor überschwemmten Hasenpfuhl voller Freude in das neue Haus gezogen, auch wenn die Toilette noch nicht sicher funktionierte.

Gerne erinnern sich Zuhörer an Veranstaltungen, die im Rahmen von Mitgliederversammlungen stattfanden und wobei auch die Häuser verlost wurden. Frau Roller hatte damals das Los für Haus Nummer 1  gezogen und die gesamte siebenköpfige Familie war darüber sehr erfreut. Der Quizzmaster stellte dem Ehemann aber so „ schwierige „ Fragen, dass plötzlich das gesamte „Rollersche Kulturwissen“ eingefroren war; die Familie hatte aber ein neues Zuhause.

Der Schulweg war voller Matsch und wenn man einer Pfütze ausweichen wollte, trat man in die andere hinein, so Hans Winter.

Von der  Friedrich- Graf- Straße wurde am dunklen Wintermorgen die Straßenlaterne bei der Kolbstraße anvisiert und darauf zumarschiert.

Danach ging es hinunter ins Woogbachtal und über die Fußgängerbrücke Richtung Steingleis, ein Bahnübergang nördlich des Bahnhofs. Dann aber auf der Wormser- Straße durch die  Innenstadt zur „ Zeppelinschule“ .Oft entstanden dabei aber  auch „Schulfreundschaften“, an die man noch heute gerne denkt.  Die „Woogbachbrücke“ wurde erst im Spätherbst 1960 eingeweiht und verkürzt so den Weg zur Stadt erheblich.

Versorgungssituation mit Lebensmitteln, Obst, Gemüse und IV. Bauabschnitt

In nur wenigen Jahren waren die Häuser der Ernst- Reuter, Friedrich-Graf-, Hans -Boeckler-, Hermann-Ehlers-, Graf-Stauffenberg-, Friedrich-Profit-, Carl-Goerdeler-, Paul-Neumann-, Julius-Leber-Straße bewohnt. Das kleine Milchgeschäft von „ Gauweiler“ wurde durch den „ Magin-Markt“ mit Fleischwaren, Bäckereiprodukten, einem umfangreichen Lebensmitteldepot und täglich mit frischem Gemüse und Obst aus den Nachbardörfern ergänzt. Die „ Siedler“ schätzten die Nähe und gute Versorgungsmöglichkeit bei Emil und Gertrud Magin.

Oft wurden auch „finanziell schwere Zeiten“ mit gegenseitigem Vertrauen überbrückt. Ab dem Jahre 1962 wurde ein weiterer Bauabschnitt zwischen Pulvermühlweg und Iggelheimer Straße begonnen,  oft schon mit Balkonen. Die Straßen wurden nach Ärzten und Naturheilkundlern, wie Dr.-Robert-Koch, Virchow, Röntgen, Felke benannt.

Durch Umbaumaßnahmen entstehen schmucke Häuser und wunderschöne Gärten

Heute sind nur noch wenige Häuser im ursprünglichen Charakter vorzufinden.

Die Besitzer bauen im Rahmen der Baurichtlinien um, setzen Solarzellen auf das Dach, verbessern die energetische Struktur, bauen Balkone und Garagen an und schaffen aus dem „ Gemüsegarten“ eine Wohlfühloase mit Wintergarten. Die Nähe zum Stadtwald im Westen, dem Naturschutzgebiet „ Speyerer Sandalpen“, dem Woogbachtal, das durch seine Umgestaltung weitere Naturräume erhält, Haus Pannonia, Radwege bis zur Haardt und weiter, bringen den Bewohnern einen hohen Freizeitwert. Die urprüngliche „ Otto-Winter-Siedlung“ o.ä.  wie Teilnehmer das Wohngebiet gerne benannt hätten, leidet aber auch unter dem Lärm der Umgehungsstraße, seit „mautflüchtige Brummis“ die B9 als Ausweichstrecke benutzen. Vielleicht ringt sich Rheinland-Pfalz wenigstens  zu einem „lärmreduzierenden Straßenbelag durch , so dass auch die Bewohner hier einen erholsamen Schlaf genießen können.

Organisator Otto Winter hatte zwei Wünsche, die sein Sohn Hans nochmals vortrug: 

1. So vielen Menschen wie möglich zu einem eigenen Haus zu verhelfen, die in einer guten Gemeinschaft zusammenleben.

2.Dass der VdK eines Tages nicht mehr für Kriegsopfer gebraucht würde. Text und Foto: Khj

23.07.2012


„Grüner Haken“ wurde der Senioren- Residenz Sankt Sebastian zum dritten Mal bestätigt!

Die Senioren- Residenz Sankt Sebastian wurde erneut mit dem Grünen Haken der BIVA für eine hohe Lebensqualität und ausgewiesene Verbraucherfreundlichkeit ausgezeichnet, denn, hier fühlen sich  Seniorinnen und Senioren wohl und können ihr Leben selbst bestimmen.

Am 06. Juni 2012  fand  die Wiederholungszertifizierung durch die Bundesinteressenvertretung, genannt BIVA in der Senioren Residenz Sankt Sebastian statt.

Die BIVA ist ein unabhängiger Selbsthilfeverband, der sich bundesweit für die Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Wohn- und Pflegeeinrichtungen einsetzt.Gütesiegel, Zertifikate, Noten, Bewertungen für Alten- und Pflegeheime gibt es viele.

Das besondere am „Grünen Haken“:

Hier steht die Lebensqualität unserer Bewohnerinnen und Bewohner im Mittelpunkt.

Herr Horst Müller ( Gutachter von der BIVA) hatte einen ganzen Tag wieder hinter die Kulissen geschaut und konnte bei einem gemeinsamen Mittagessen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern beobachten, wie der  Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gepflegt wird. Zudem richtete er wiederum 160 Fragen an die Einrichtungs- und Pflegedienstleitung. Nach einem Rundgang durch die Einrichtung fand eine Befragung der  Interessenvertretung der Bewohnerinnen und Bewohner statt, bei der die gute Zusammenarbeit mit den Leitungskräften hervorgehoben wurde.

Weitere Informationen  und  Detailergebnisse zur Prüfung finden sie unter : www.heimverzeichnis.de Senioren-Residenz Dudenhofen GmbH, Presse

28.06.2012


Tabakanbau in der Pfalz - Geschichten um die Heilpflanze im Erzählcafe

Speyer- Viele Tabakschuppen zwischen Rhein und Pfälzerwald zeugen noch davon, dass der Anbau und die Vermarktung von Tabak in der Pfalz lange Zeit eine bedeutende wirtschaftliche Rolle spielten. Wie sich der Tabakbau entwickelt und was sich in den vergangenen rund 100 Jahren  alles geändert hat, das zeigten drei Fachmänner Günter Hechler, Klaus Mayrhofer und Töns Wellensiek im Juni-Erzählcafe des Seniorenbüros auf. Zum Abschluss des von Dr.Thomas Neubert moderierten Erzählnachmittag im Vortragssaal der Villia Ecarius bekamen die annähernd 100 Besucher zudem von Alma Gehrlein aus Hördt vorgeführt, wie Zigarren gewickelt werden. Und wer wollte, konnte sich vom langjährigen Tabakbausachverständigen Günter Hechler zum Preis von 4 Euro eine frisch gewickelte Zigarre „verpassen“ lassen.

Das Ursprungsland der Tabakpflanze ist Amerika. Schon bei seiner ersten Amerikareise 1492 berichtete Christoph Columbus von Eingeborenen auf den Westindischen Inseln (Karibik), die ein in Maisblätter gerolltes Kraut rauchten. Sie nannten es Tobacco, berichtete Hechler (von 1989 bis 2004 Geschäftsführer und Tabakbausachverständiger des Landesverbandes rheinland-pfälzischer Tabakpflanzer). Schon bald ist der Tabak nach Europa gelangt, wo er zunächst als Heilmittel galt. Ein Diplomat in Diensten Frankreichs namens Jean Nicot beschäftigte sich in Lissabon mit der Heilwirkung des Tabaks und schickte im Jahr 1561 Tabaksamen an den französischen Hof, was zur frühen Verbreitung des Tabaks in Frankreich führte. Der französische Botaniker Jacques Daléchamps gab der Pflanze deshalb 1586 den endgültigen Namen herba nicotiana. 1828 isolierten die Heidelberger Chemiker Karl Ludwig Reimann und Christian Wilhelm Posselt erstmals das in der Tabakpflanze wirksame Alkaloid und gaben ihm, Jean Nicot zu Ehren, den Namen Nicotin.

In der Pfalz begann im Jahre 1573 der deutsche Tabakbau. Der Hatzenbühler Pfarrer Anselm Anselmann züchtete in seinem Kirchgarten die ersten Tabakpflanzen Deutschlands. Zunächst nur als blühende Zier- und als Heilpflanze benutzt, kam laut Hechler „erst um das Jahr 1600 der Genuss dazu“ In dieser Zeit habe in Speyer als erster Johann Joachim Becher zum Tabak Stellung genommen. Zum Gebrauch „von Toback und Brandtewein“ habe Becher erklärt: „Dieser soll nicht allezeit, sondern nur als eine Arzeney bey kalten Wetter, bösen Nebeln und unverdaulicher Kost gebrauchet werden. Um 1700 begann der Siegeszug des Tabaks in seiner heutigen Anwendung. Der britische Seefahrer und weltmännische Pfeifenraucher Sir Walter Raleigh machte das Rauchen hoffähig.

Der Tabakanbau hatte in der Pfalz vor über 100 Jahren seine größte Ausbreitung. 1880 waren in Deutschland über 200 000 Pflanzer mit dem Anbau auf mehr als 30 000 Hektar beschäftigt. Um gute Preise für qualitativ gute Ware zu erhalten, vereinbarten die Tabakbauer Qualitätsrichtlinien, die noch heute gelten. Auch der Amtssitz des erstmals1916 von der Regierung eingesetztenTabakbausachverständigen (heute durch Bezirksverband Pfalz) ist nach wie vor Speyer (seit 2004 Egon Fink). Linksrheinisch waren in dieser Zeit nach Auskunft Hechlers rund 40000 Menschen im Tabakbau beschäftigt. 66 Betriebe in Speyer bauten im Jahr 1916 auf einer Gesamtfläche von 21 Hektar Tabak an. Das Tabakdorf Harthausen lag damals mit 207 registrierten Pflanzern und einer Fläche von 61,3 Hektar im Hauptzollamtsbezirk Ludwigshafen auf Platz zwei hinter Iggelheim mit 291 Betrieben und 45,4 Hektar Anbaufläche.

Aufgrund des für Tabakanbau idealen Klimas und der optimalen Bodenverhältnisse ernten die heute noch 60 Pfälzer Pflanzer leichten und milden, aber dennoch aromatischen Tabak der Sorten Geudertheimer, Burley und Virgin, berichtete Töns Wellensiek, Nachkomme einer großen Speyerer Zigarrenfabrik. Carl Schalk, in Neuwied geborener Kaufmann gründete zusammen mit dem technisch versierteren Hermann Wellensiek, Großvater von Töns Wellensiek, die Zigarrenfabrik, die mit 1882 mit zwölf Arbeitern die Produktion aufnahm. 1906 stand die Firma Wellensiek & Schalk, die sehr sozial eingestellt war und eine eigene Krankenkasse betrieb, mit 2000 Beschäftigten in voller Blüte. Im Wellensiekschen Verwaltungsgebäude in der Johannesstraße sind heute das Sozialamt und das Stadtarchiv beheimatetet.

Damit die Mischung für die Tabake (40 Prozent des Tabaks musste aus Deutschland stammen) stets den gleichen Geschmack hatte, beschäftigten die Produktionsbetriebe für Zigarillos, Zigaretten und Pfeifentabake Proberaucher, berichtete Klaus Mayrhofer, Rohtabakkaufmann und bis 2001 Verkaufsleiter der Heintz van Landewyck GmbH in Trier und Urenkel von Tabakgroßhändler Albert Göpfert, auch über die einstige Verkaufsbörse, die so genannte „Tabakauflage“ bei Liesel Jester im „Weidenberg“ und über die verschiedenen Möglichkeiten der Fermentation. Den größten Fermentationsbetrieb rund um Speyer hatte einst die Firma Ringwald in Schifferstadt. ws; Foto: K-H Jung

Lesen Sie hierzu auch unserren Bericht über die "Reanimierung" des Tabakanbaues in der Südpfalz 

07.06.2012


Das Erzählcafé im Becherhaus in Speyer……

Der Universalgelehrte Johann Joachim Becher, in Speyer geboren, an vielen Fürstenhöfen  Europas als Berater tätig. Mediziner, Mathematiker, Begründer der Politischen Ökonomie, plante Kanäle, Schleusen, verbesserte die Technik der Wassermühlen, wollte Kolonien in Guyana aufbauen, um Rohstoffe zu erhalten, stellte im „ Werkhaus“ das Zusammenwirken von Bildung, Produktion und  Gemeinwesen als zukunfttragendes Konzept vor. Er wurde geehrt und geachtet, aber auch „gemobbt“ und starb mit  48 Jahren fern seiner geliebten Heimat in London.

Prof. Dr. Carl Böhret und Dipl. Ing. Willi Philippe stellten den Universalgelehrten aus Speyer vor

Es ist ein Glücksfall, so Prof Böhret, dass die Universität Rostock den handschriftlichen Nachlass von J.J. Becher für Forschungszwecke zur Verfügung stellt.

Am 6.Mai 1635 wurde Becher in der Großen Himmelsgasse  von  Speyer geboren. Von Stockholm, wohin die Familie mit dem Stiefvater zieht, gerät der Wissbegierige  über Würzburg nach Mainz, wo er Medizin studiert, promoviert, die Tochter von Prof. Ludwig Hornik heiratet und schon bald dessen Lehrstuhl übernimmt.

Es war die Zeit des 30-jährigen Krieges. In Deutschland lebten noch etwa 10 Mio Menschen, die den Frieden und den Neuaufbau herbeisehnten. Nach einer Ordnung der Aufklärung, der Reformation, einem Aufbruch zu einer Übergangsgesellschaft wurde gesucht.

Als“ Hofmedicus“ und Berater mit einem „ Merkantilistischen Programm“ von 1664 -1670 bei Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern

Den unruhigen Becher zog es nach Bayern. Der Kurfürst stellte ihn besonders als okonomisch- technischen Helfer, Projektemacher und Politik-Berater an, wie Prof. Böhret ausführte.

Ab 1664 entwickelte Becher für den Fürsten sein „ Politökonomisches Programm mit 15 Reguln und Axiomato“. Diese waren das Skelett des merkantilistischen Grundlagenwerkes

„Politischer Diskurs“. Die Kurzfassung wurde interessiert verfolgt u. diskutiert:

-Das Geld im Lande halten und es mehren

-Belastung von Luxusgütern- Exporte- mit Steuern ( Reichensteuer)

-Waren möglichst vom Erzeuger beziehen ( kein Zwischenhandel/ Regionale Produkte)

-Rohstoffe einführen und im Lande verarbeiten ( Deutschland = wenige Bodenschätze)

-Erzeugnisse des Landes vor Importe stellen ( Nahrungsmittel, Kleidung)

-Förderung von Mittelreichen- gegen den Reichtum in einer Hand (Mittelstand)

-Ausgewogenheit von Produktion und Konsumtion anstreben( Export- Eigenkonsum)

-Handwerk, Manufakturen etablieren u. deren Investitionskraft fördern( Ausbildung)

-Unterstützung des Kaufhandels u. Zulassung von Mindestgewinnen

-Öffentliches Interesse hat Vorrang vor dem privaten (Gemeinwohl)

-Monopole, Zünfte, Sozietäten sind nicht zu unterstützen

-Beständige Ordnung, Sprache, Geld, Glaube, Herrschaft stärken das optimale Land

-Gute Verbindung von Handel und innerer Ordnung( policey) sind erstrebenswert

-Häuser, Unterkünfte und viele Arbeitskräfte bewirken die Blüte des Gemeinwesens

-Zum Nutzen einer Stadt dienen eine wohlbestellte „Müntz“, ein freies Kaufhaus, ein  Werkhaus und eine reiche Bank

Der ordnende und steuernde Staat mit einer inneren Entwicklungspolitik, der Arbeits-, Gesundheitsförderung und einer Bevölkerung mit Zuwanderung und Integration sollten aufgebaut werden.

In Ergänzung baute JJ. Becher immer die „Bildung für alle, auch für Mädchen“ in seine Überlegungen ein. Weiter war sein Ziel „ Wissen umsetzen und technisch ausbauen“.

Bei Fahrten nach Holland und London studierte er die Kanaltechniken, die Energiegewinnung durch Wasserkraft und Wind ( Wasser-.u. Windmühlen). Seine Vorschläge  zur Windenergie werden in unserer Zeit durch den „ Rhein-Main-Donau Kanal und „Off-shore Parks“ verwirklicht.

Beauftragter und Berater bei Kaiser Leopold I. und das Werkhausprojekt in Wien

Wie Prof. Böhret darstellte und am Modell erläuterte konnte Becher sein merkantilistisches Programm im berühmten „Wiener Werkhaus“ umsetzten, das Kaiser Leopold I. förderte.

Hier wurde die Verbindung von mehreren Produktionen (Synergie- Effekte) praktisch umgesetzt( zusammenfassen und zusammenwirken). Techniken wurden weiterentwickelt.

Hier ergänzte Diplom Ingenieur Willi Philippe, langjähriger Leiter von Grünzweig& Hartmann Speyer und „ Modellbauchef der Becher-Gesellschaft“:

Destillier- u. Schmelzöfen, Hammerwerke, Schleifmaschinen, Pumpwerke arbeiteten in einem abgestimmten Verbund. Die erforderliche Energie( es gab auf dem Tabor keinen Fluss) wurde mit Hilfe der „ oberschlächtigen Mühle“( Schrauben/ Radsystem zum Wassertransport) erzielt. Die Laboratorien analysierten die Erzeugnisse. Eine in der modernen Industrieproduktion notwendige Grundlage des Erfolges, wie Philippe mit Erfahrungsberichten belegte.

Im Werkhaus waren Beschäftigungs- und Ausbildungsprogramme für Langzeitarbeitslose und Lehrlinge vorgesehen. Eine Art „Gewerbelehranstalt“; heute Berufsbildende Schule.

Eine „Arbeiterbörse“mit  Vermittlung und Verteilung von Arbeit , Arbeitsbücher, Lohntafeln (Vorläufer der Tarifverträge) regelten Vergütungen und Arbeitsbedingungen für die verschiedenen Gruppen von Beschäftigten. Auf „ ausreichendes Einkommen“ zur Ernährung und Erziehung der Familie wurde geachtet. Weiter durften die Lebensmittel nicht zu teuer sein.

Wirkmächtige „Artzeney“ und Entwicklungspolitik in Guyana als „Hanauisch-Indien/Neu Deutschland“ geplant

Als Hofmedicus in München wird Becher von den Hofdamen nach einem Mittel für die Beschwerden des Alltags gefragt. Er wählt nichts“ Chymisches von Metallen oder Mineralien nur balsamische Säfte u. sonstige Stoffe, welche die Stärkung der Natur unterstützen“. Die Polycrest- Pillen sind in den Vitrinen anzusehen und erzielten, den Berichten zufolge, nach einigen Tagen ihre Wirkung.

Für Graf Friedrich  Casimir von Hessen Nassau arbeitete Becher einen Vertrag über ein „ erbliches Lehen über 3000 Quadratmeilen zwischen dem Orinoco und dem Amazonas mit vielen ökonomischen Vorteilen aus. Zucker, Reis Tabak, Baumwolle und Specereien( Gewürze, Öle usw). Auswanderung von Handwerkern, Bauern, Tierzüchtern wurde empfohlen, aber auch moralische Grundregeln für den Umgang mit Einheimischen erlassen. Die Pläne waren der Zeit voraus und wurden auch aus finanziellen Gründen nicht verwirklicht.

Johann Joachim Becher als Prototyp des Multigelehrten, sein Verhältnis zu G.W. Leibnitz und seine Anerkennung

Johann Joachim Becher gilt  als „ Prototyp jener erfindungsreichen, auf vielen Gebieten agierenden, gelegentlich auch scheiternden Impulsgeber und umtriebiger Projektemacher.

Manch gute Vorschläge scheiterten, weil die Rahmenbedingungen noch nicht stimmten. Das von Becher entdeckte Leuchtgas wurde erst gebraucht als die Frühindustrialisierung begann, so Böhret.

Die Zuhörer konnten sich noch an das Leuchtgas in der Nachkriegszeit erinnern, wo Wohnungen, später Wanderhütten, damit ausgeleuchtet wurden. Auch die auf der Schiffswerft Braun im Vorjahr entstandene „Schiffsmühle“ wurde von den Teilnehmern nun besser verstanden.

Der „ Erfolgsmensch“ Becher hatte aber auch ein lebenslanges Duell mit seinem Widersacher Leibnitz auszutragen, was ihn sehr belastete.

Doch über allem Streit, so Prof. Böhret, leuchtet das Sternbild von Johann Joachim Becher am abendlichen Himmel, erinnert an einen „Multigelehrten“, der in Speyer das Licht der Welt erblickte und nun auch in der „Becher-Gesellschaft“ ehrend und fordernd die Zeit und Gemeinschaft weiterhin mitgestaltet. Karl-Heinz Jung

31.05.2012


Berlin-Fahrt von ehrenamtlich akltiven Pfälzer Senioren

Die Speyerer Reisegruppe in Berlin

Speyer-  Sie lernen überall dazu: Im Bundestag, Bundesrat, im Kanzleramt und im Bundespresseamt erfahren die knapp 50 ehrenamtlich in der Seniorenarbeit engagierten Pfälzer an drei langen Tagen in Berlin, was die Regierung der Bundesrepublik Deutschland und die 622 Bundestagsabgeordneten in der Hauptstadt politisch bewegen, was ihre Aufgaben und Zielvorstellungen sind. Wie er im Finanzausschuss und im Energiegremium kräftig und engagiert seit 1996 mit am Polit-Rad dreht und was er über Christian Wulffs Rückzug und Joachim Gaucks Wahl zum Bundespräsidenten hält, erzählt CDU-Bundestagsabgeordneter Norbert Schindler den Besuchern aus seinem Wahlkreis (aus Speyer, Schifferstadt, Haßloch und Forst) bei einem Abendessen im Lokal „Zur Kneipe“ recht freimütig, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Auf Einladung Schindlers können die Senioren überhaupt die Berlin-Reise machen. Dort stehen überaus interessante Einblicke in die Politik im Mittelpunkt des Mammutprogramms, welches das Bundespresseamt zusammengestellt hat.

Offen und bürgernah präsentiert sich das Parlamentsviertel. Großzügig ausgelegt ist das Grün des Platzes der Republik an der Westseite des Reichstages – nur wenige hundert Meter entfernt vom neuen Berliner Hauptbahnhof. Der eindrucksvolle Blick über die deutsche Hauptstadt belohnt die Besucher, die nach der Führung im Plenarsaal des Deutschen Bundestages bis auf die Plattform in der gläsernen Reichstagskuppel hinauf laufen. Den Besuchern wird dargelegt, warum der Bundestag auf eine effektive Verwaltung angewiesen ist und insgesamt 5000 Menschen den Abgeordneten zuarbeiten. Nach flugplatz-tauglichem Sicherheitscheck dürfen die vom Speyerer Seniorenbeirats-Vize Karl-Heinz Jung angeführten Pfälzer am Tag darauf im großzügigen Bundeskanzleramt hinter sonst verschlossene Türen blicken. Nächste Station ist der Bundesrat. Im stilvoll runderneuerten Gebäude des ehemaligen Preußischen Herrenhauses kümmert sich der Bundesrat seit dem Jahr 2000 um die Belange der 16 Bundesländer. Was Regierung, Abgeordnete und führende Ministerialbeamte alles für Landwirtschaft, Ernährung und Verbraucherschutz besprechen und regulieren, erfahren die Berlinreisenden im hierfür zuständigen Ministerium, das in den vergangenen drei Jahren auf 850 Bedienstete reduziert wurde. Als ein Diplom-Agraringenieur die Besucher über Sinn und Unsinn von Mindesthaltbarkeitsdaten aufzuklären versucht, hat der bekannteste Mitreisende seinen großen Auftritt: Der mit Norbert Schindler befreundete Paul Tremmel bittet den Referierenden ums Mikro und liest seine Gedanken zum Thema Haltbarkeit vor, die der Mundartdichter aus Forst schon vor 20 Jahren in Reim gefasst hat. Zum Nachlesen schenkt Tremmel dem Ministerialbeamten ein Bändchen.

Bei einer zweistündigen Stadtrundfahrt wird Halt gemacht am Brandenburger Tor und an dem erhaltenen und von Künstlern neu bemalten Reststück der Berliner Mauer, die im Stadtteil Friedrichshain von der Oberbaumbrücke bis zum Ostbahnhof 1,3 Kilometer entlang der Spree verläuft. In die Heimfahrt integriert ist ein Besuch des ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Potsdam, wo die Pfälzer Senioren bei der Führung von zwei einst dort inhaftierten Regimegegnern aus berufenem Munde über die unmenschlichen Verhör- und Bespitzelungsmethoden der Stasi-Mitarbeiter informiert wurden. Wie viele DDR-Bürger diese Stasi-Bespitzelung zu spüren bekamen, wird den Pfälzer Senioren bereits am zweiten Besuchstag im Bildungszentrum des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, unweit des einstigen Grenzübergangs „Checkpoint Charlie“, vor Augen geführt. Unter den rund 39 Millionen Karteikarten befinden sich unter anderem auch Bespitzelungsblätter über den ehemaligen Speyerer Caritasdirektor Ludwig Staufer und den damaligen Speyerer Oberbürgermeister Dr. Paulus Skopp, wird den Besuchern bei der Museumsführung mitgeteilt. ws; Foto: privat

29.04.2012


„Gott zur Ehr- dem Nächsten zur Wehr…..“

Entstehung, Wirken der Feuerwehr von Speyer in Kriegs- u. Notzeiten im Erzählcafé….

Friedel Flörchinger, Eleonore Winkler, Willi Seither und interessierte, engagierte  Mitbürger berichten über die Speyerer Feuerwehr.

Die Kriegszeit von 1939 - 1945 ist den meisten Zuhörern  in schlechter Erinnerung. Fliegerangriffe, Bomben, Tote, Zerstörung und Willkür zwangen zu ständigen Einsätzen der Feuerwehr.

Polizei- und Feuerwehrkommandanten retteten Speyer vor größerem Schaden.

Entwicklung der Feuerwehr in Speyer

Die älteste, noch handgeschriebene Feuerlöschordnung der Stadt stammt von 1512, dieser folgte 1728 die „ Zweite Speyerer Feuerordnung“, dann in gedruckter Ausgabe.

Am 2.August 1848 kam es zur formellen Konstituierung des „ Freiwilligen Löschvereins“, oft als “ Turnerfeuerwehr „ bezeichnet.( Öffentliche Vorstellung einer Spritze mit Rettungswagen durch eine Turnermannschaft ). Kommandant war Georg Peter Süß, der bis 1852 im Amt war.

Louis Gilardone bildete mit der neuen Feuerlöschordnung die „Allgemeine städtische Feuerwehr“, bis ihn 1860 Ludwig Heydenreich ablöste.

Unter dem Bürgermeister und Feuerwehrkommandant Heydenreich, kam es zur Gründung des „ Veteranencorps“, für ausgeschiedene, ehrenwerte Mitglieder. Auch eine „ Kranken- Unterstützungs- Anstalt“ für arme Wehrleute entstand.

Weiter wurde der „Pfälzische- Feuerwehr- Verband“ aufgebaut; Stadthaus, Altpörtel, Kaserne und Läutturm durch „Feuertelegrafen“ verbunden.

Nach 24 Jahren gab Heydenreich sein Amt auf, schuf aber mit der Vollendung der Wasserleitung 1883 auch 116 Hydranten zur Wasserentnahme.

Von 1884 bis 1919 waren die Kommandanten Friedrich Voelcker,  Philipp Bechtluft,  Ernst Knabe,  Christian Rücker,  Jean May und Franz Stützel aktiv.

Wie Friedel Flörchinger ausführte, bildete Stützel einen eigenen Löschzug für kleine Brände und modernisierte die Alarmierung  durch eine „Läutewerkeinrichtung“, die in Aktion „ alle Menschen aus dem Haus donnerte“, so Flörchinger.  Die erprobte Sturmglocke auf dem Altpörtel wurde erstmals durch eine Sirene ersetzt.

Opel Motorspritze und erstes motorisiertes Löschfahrzeug

Der von 1919- 1939 amtierende Kommandant Friedrich Schlamp beschaffte sich für die Großübung an der Hauptpost anlässlich des 20. Pfälzer Kreisfeuerwehrtages bei den Flugzeugwerken eine Opel Motorspritze und wurde  wegen der enormen Wirkung von den Kollegen beneidet. Das erste motorisierte

Löschfahrzeug der Wehr wurde 1927 bei der Firma Balcke in Frankenthal gekauft. Vierzehn Wehrleute saßen auf dem Fahrzeug, während die Benzin- Motorspritze als Anhänger mitgezogen wurde  (Folienbild).

Die rüstige 88jährige Eleonore Winkler, Tochter des damaligen stellvertretenden Wehrführers Fritz Vogt, berichtete, wie ihr Vater zu Übungen „ausrückte“.

„ Strahlend polierter Messinghelm, glänzend geputzte Stiefel, daran musste ich oft stundenlang polieren“, so Frau Winkler.

Sie erzählte auch vom großen Brand in der Celluloidfabrik 1933, der zwei Tage dauerte und neun Todesopfer forderte.  Auch an das 1938 erlassene Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen mit der Neuorganisation zur „ Feuerlöschpolizei“, die dem Reichsführer der SS und Chef der Polizei unterstellt wurde, erinnert sie sich  noch gut, „ denn mein Vater trug nun bei der Feuerwehr eine Polizeiuniform“, so Frau Winkler.

Harte, problemreiche Kriegsjahre erwarten ab 1.7. 1939 Anton Dengler

„Schlossermeister mit eigenem Betrieb, Lehrlingswart, Obermeister, Kreishandwerkermeister und Stadtrat, das waren Erfahrungsbereiche, die der neue Feuerwehrkommandant mitbrachte“, so Friedel Flörchinger.

Bereits am 4./ 5. September 1939 wurde die „ Verdunkelung“ (Vorhänge, Läden an Fenstern und Türen schließen, so dass kein Licht nach außen dringen konnte) und ein „ Blinder Fliegeralarm“ angekündigt. Luftschutzsirenen in den Stadtteilen informierten die Menschen über bevorstehende Gefahren. Schutzbunker waren in Speyer kaum vorhanden. Brauerreikeller an der Dudenhofer Straße und die Domkrypta wurden bei Fliegeralarm aufgesucht.

Für die Feuerwehr in Speyer begann die „ ruhelose“ Kriegszeit.

Die Festhalle brannte 1940 vollständig ab., 6 Spreng- und 5 Brandbomben schlugen am „ Waldschlössel“ (Ausflugslokal) ein, 50 Brandbomben am Rinkenberger Hof. Am 20.Juni zerstörten drei Sprengbomben das Dachgeschoß der LVA- heute Stadthaus Maximilianstraße 100.

Während  1941 die Spreng- und Brandbomben meist die Speyerer Randbezirke trafen wurden  1942/43 Ludwigshafen. Mainz, Karlsruhe, Philippsburg durch Großangriffe zerstört. Die Feuerwehr aus Speyer war  dort im Einsatz.

Das Jahr 1944 blieb bei  vielen  Zuhörern mit Schrecken im Gedächtnis haften und die Schilderungen wollten kein Ende nehmen: Absturz eines englischen Fliegers im Salmengrund, die Bombardierung der Flugzeugwerke im Oktober,

Hochwasser bis zum Pegelstand von 8.45 m im November, der Jagdbomberangriff am 1. Dez. auf den Bahnhof , die Rheinbrücke, Bahnstrecke nach Schifferstadt.

Weibliche Feuerwehrgruppe von 28  Frauen gebildet und das Kriegsende…

Die Frauen ersetzten die wehrdienstfähigen Feuerwehrleute, die an der „ Front“ waren. Die Ausbildung an Geräten,  Maschinen und ihr Einsatz half der Wehr ihrer Aufgabe nachzukommen. Bei den gezeigten Fotos wussten viele Zuhörer/Innen die „ Mädchennamen“ der Feuerwehrfrauen. Bei der 150-Jahrfeier waren die Frauen eingeladen und erhielten von Kommandant Kaiser eine  Erinnerungsmedaille überreicht.

Ohne diese Frauen hätte die Wehr ihre Aufgabe nicht erfüllen können.

Gerade im Frühjahr 1945 verstärkten die Alliierten die Fliegerangriffe; dabei waren  am 8. Januar 11 Tote, Verletzte und Verschüttete im Bereich der Goethe- straße zu beklagen. Im März kam der Rückstrom der Heeresverbände an der letzten Rheinbrücke der Region wegen Stau fasst zum Erliegen. Am 23. März wurde diese Brücke gesprengt.

Polizeichef Richard Seither und Feuerwehrkommandant Anton Dengler retten unter höchster Lebensgefahr Speyer vor der Zerstörung……..

Wie Willi Seither berichtete, sei er bei der Erstellung seiner „Familiengeschichte“ auf „ Verwandtschaftsbeziehungen“ zu Richard Seither aus Ottersheim bei Landau gestoßen. Er verlas einen Zeitungsbericht, in dem das Geschehen am Tag vor dem Einmarsch geschildert wird. Danach hat Polizeichef Seither für die Stadt große Verantwortung übernommen und durch kluges Handeln die Stadt vor weiterer Zerstörung gerettet. Oberbürgermeister Trampler war bereits über den Rhein geflohen; die Heeres- Kreisleitung hatte die Verteidigung befohlen und um ständige Information zum Bunker an der Rheinhäuser Straße aufgefordert.

Richard Seither schickte die Polizisten, Feuerwehrleute und Helfer nach Hause,ließ auf dem Altpörtel ein weiße Fahne (Zeichen der friedlichen Übergabe) aufziehen.

Anton Dengler hatte sich am Tag vor dem Einmarsch bei der Kreisleitung „missliebig“ gemacht. Er hatte gegen den Barrikadenbau an der Wormser Straße/ Hirschgraben  Bedenken eingelegt. Deshalb verurteilte ihn der Kampfkommandant zum Tode. Sein Leben verdankte Dengler OB Rudolf Trampler , der eine Möglichkeit zum Untertauchen verschaffte.

Richard Seithers Tochter lebt hochbetagt in Frankenthal; Anton Denglers Tochter, Frau Spiekermann,  in Speyer.

Mit einer Panzergranate wurde am nächsten Tag ein “Maschinengewehrstand“ durch die Amerikaner beseitigt, dann fuhren die Panzer vor dem Rathaus vor und verlangten eine Besprechungsdelegation im Rathaus,  wie dem Bericht von  Willi Seither zu entnehmen ist.

Neuaufbau der Feuerwehr nach dem II. Weltkrieg

Die französische Besatzungsbehörde beauftragte Anton Dengler mit dem Neuaufbau der Feuerwehr in Speyer.

Die ersten Feuerwehrmänner trugen Armbinden mit der Aufschrift  “Pompier“ (franz. f. Feuerwehr). Gerätschaften wurden freigegeben, mussten von der grünen Tarnfarbe befreit  und  erhielten wieder die rote Farbe.

Moderne Feuerwehr mit vielfältigem Aufgabengebiet……

Nach Karl Jester (1954-67) diente Friedel Flörchinger 25 Jahre der Stadt als Feuerwehrkommandant. Während seiner Dienstzeit wurde die Feuerwache an der Industriestraße gebaut und mit erweitertem Schutzbereich versehen (Chemie-, Oel-, Gefahrgut- und Verkehrsunfälle verlangen von der Feuerwehr immer weitere Ausbildungsgänge).

Nach Peter Kaiser (1992-2005) hat nun Michael Hopp das“ Sagen“ bei der Wehr in Speyer.

Während 1946 vier Fahrzeuge verfügbar waren, sind es heute 20 technisch-hochwertige Einsatzobjekte zur  Brand- u. Schadensbekämpfung. 2011 gab es 106 Brände, 223 Technische Hilfeleistungen, 31 Sicherheitswachen und 98-mal Fehlalarm. Dem hauptamtlichen Michael Hopp stehen zehn Angestellte  zur Fahrzeug- und Gerätewartung zur Seite. 117 freiwillige Feuerwehrleute sind blitzschnell im Einsatz, wenn „ Gefahr für Mensch und Material“  besteht.  Karl-Heinz Jung / khj

09.04.2012


Altbischof Dr. Anton Schlembach im Erzählcafé…

Geistreich,schlagfertig, humorvoll, mit tiefsinnigen Anekdoten versehen, stellte der  80-jährige  emeritierte Bischof die  Berufung zum“ Speyerer Bischof“, sein Leben und Wirken dar.

Aufgewachsen im unterfränkischen Großwenkheim in der Diözese Würzburg, Studium von 1950- 56 in Rom, von Kardinal König aus Wien 1956 zum Priester geweiht, warteten auf ihn verantwortungsvolle Aufgaben in seiner Heimatdiözese.

Jeweils drei Jahre war er Direktor des Studienseminars Aschaffenburg und Regens des Priesterseminars Würzburg. Zwölf Jahre erteilte er Religionsunterricht am Gymnasium in Hammelburg, bevor er zum Domkapitular und Generalvikar des Bistums ernannt wurde. Sprachlos war , so Dr. Schlembach, als ihn der päpstliche Nuntius (Botschafter des Vatikans in Deutschland) im Kloster Himmelspforte eröffnete:  Der Papst hat ihn zum Bischof von Speyer ernannt und bittet um baldige Annahme und Einwilligung .Schlembachs Bedenken, dass er in Speyer kaum Menschen kenne, wurden von Nuntius Del Mestri entkräftet, dass auch Papst Paul II. als Bischof von Krakau in Rom vor der Papstwahl wenige kannte. Mit der schriftlichen  Zusage begann der Weg durch die Instanzen.

Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland verlangten eine Unbedenklichkeitserklärung ( Teil der Diözese Speyer liegt im Saarland). Der Eid auf die Verfassung beider Länder wurde abgelegt, Zeugnisse überprüft und beglaubigt. Die Veröffentlichung erfolgt am 29.August 1983. Mit Bischof Dr. Wetter und Weihbischof Ernst Gutting wurde der Weihetag terminiert, Talare, Mitren, Ring, Bischofsstab angefertigt und das Motto „ Deus Salus“- Gott ist das Haus gewählt.

Bischofsweihe am Sonntag, 16. Oktober 1983 im Dom zu Speyer durch den Amtsvorgänger Erzbischof Dr. Friedrich Wetter aus München.

Bei der Weihe unterlief dem assistierenden Pfr. Wilhelm ein Versprecher, denn er bat mit kräftiger Stimme, Dr. Anton Schelmbach zum Bischof von Speyer zu weihen. Wie der Erzähler berichtet erschrak  er zunächst, dachte auch noch an das schlechte Wetter, dann wurde aber mit dem Spruch:“ Man muss Gott für alles danken, auch für einen Unterfranken“ die Spannung gelöst und Beifall kam auf.

Der Festakt mit vielen prominenten Gästen und die Domnapffüllung wurden wegen des schlechten Wetters in die Domvorhalle verlegt; dort begrüßten die Gläubigen ihren neuen Bischof sehr herzlich.

Aktivierung der Gemeinden, Erarbeitung eines Pastoralplanes, Vorbereitung auf das Christus-Jubiläum im Jahre 2000, ökumenische Hospizhilfe, Stiftung für Mutter und Kind waren Arbeitsschwerpunkte.

Bei der Zusammenkunft mit der Diözesanleitung gab Bischof Schlembach bekannt, dass er keine Bischofserfahrung habe, von Experimenten abrate, die vorhandene gute Struktur weiterführen wolle, wobei er um umfassende Kooperation bat.

Mit tieftonigem Lachen ergänzte der Altbischof, „ dass ja der Hl. Vater durch seine Berufung sicher seine segnende Hände über Speyer halten werde“. Von der Diözesanleitung wurde entgegnet,  dass die 94-namentlich bekannten Vorgänger ein angenehmes Christenvolk betreuten und die bereits Verstorbenen einen natürlichen Tod hatten. Außerdem hätte es ihn als Franken schlechter treffen können. Bayern und Pfalz gehörten doch lange Zeit zusammen.

Dr. Schlembach führte nun seine Arbeitsbereiche wie Dekanatsbesuche, Firmungen, Katholikentag in Johanniskreuz mit je 5000-10000 Besuchern, Wallfahrten nach Maria Rosenberg, Blieskastel, die Hungermärsche mit über 1,4 Mill. DM als Spenden für Hilfsprojekte, die Sternsingeraktionen mit dem höchsten deutschen Spendenergebnis an. Auch die Städtepartnerschaften mit Chartres, Ravenna, Gnesen und Kursk, die Dr. Schlembach als Bischof begleitete und schuf  so europaweite Kontakte für die Kirche.

Papstbesuch am 4. Mai 1987 auf Einladung von Bischof Schlembach

Bei der Bischofskonferenz 1986 wurde bekannt, dass Papst Johannes Paul II. seinen  zweiten Deutschlandbesuch plane. Dabei sollte in Köln Edith Stein seliggesprochen werden. Der Hl. Vater wird die Diözese besuchen, die ihn einladen wird, so die Ansage. Nach der Zustimmung des Domkapitels schrieb der Speyerer Bischof an den persönlichen Sekretär des Papstes, telefonierte mit Kardinal Höffner und erhielt bald die Zusage, dass der Papst nach Speyer kommt und von dort  Deutschland verlassen wird.

Das tolle Ergebnis wurde auch dem Protestantischen Kirchenpräsidenten mit der Bemerkung mitgeteilt, „ der Papst kommt nach Speyer, will die Protestanten nicht zu Katholiken machen, wir freuen uns auf den Besuch, freut euch doch auch mit uns“.  Das erfolgte auch so. Oberbürgermeister Dr. Rosskopf  sah bei der Ankündigung, „ dass Speyer schwarz von Menschen werde“, freute sich und bot die Mithilfe bei der Organisation an.

Papstbesuch als größtes Ereignis

Am kalten 4. Mai 1987 wurden ab 6.00 Uhr entlang der Maximilianstraße mit Klappstühlen die besten Plätze besetzt.

Nach einer Schleife über dem Dom landete der Hubschrauber um 13.00 Uhr in der Kurpfalzkaserne. Der Papst erlebte einen einmaligen Einzug über die Via Triumphalis, vorbei an ca.60.000 Menschen, ging die Fahrt zum Bischofshaus. Dort erhielt ein behinderter Jugendlicher vom Papst den Segen, bevor er an der Tür Mutter Schlembach begrüßt und fragte,  ob sie noch ohne Stock gehen könne? In der Hauskapelle kniete er auf dem Betstuhl, auf dem die nun selige Edith Stein einst das Firmsakrament empfangen hatte.

Das Mittagessen wurde  von Gastronom Graf zubereitet und aus Sicherheitsgründen im 1. Obergeschoss eingenommen. Der  Hl. Vater sprach an den Kaisergräbern den Totenpsalm und schaffte so eine späte Aussöhnung zwischen Kaiser- und Papsttum.

Beim anschließenden Gottesdienst mit einer Papstpredigt über Europa,“ war ich“, so Dr. Schlembach, „ über zwei Stunden lang neben dem Papst, der 2. Mann der katholischen Kirche.“( Dieses Amt fällt dem Ortsbischof zu, er steht dabei direkt rechts vom Papst). Die Kardinäle Ratzinger, Döpfner Höffner und Casaroli ergänzten die Zelebranten. Nach der Messfeier sprach der Papst in deutscher Sprache zu den frierenden  Gläubigen u.a., „ aber die Liebe ist wärmer“.

Hohe Staatsgäste als Besucher im Dom empfangen….

Ausschließlich Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl verdankte der Altbischof  die Besuche der zwölf Staatsgäste, die mit dem Ministerpräsidenten  der Volksrepublik China Zhao Zigang 1985 begannen und 1997 mit dem spanischen König Juan Carlos I. mit seiner Frau Sophia endeten.

Ganz unprotokollarisch rief Helmut Kohl bei Dr. Schlembach an.

„ Herr Bischof , es steht hoher Besuch ins Haus“. Name wurde genannt, Zeit und Ablauf, (immer gleich), festgelegt und stets eingehalten.

Die Begrüßung fand vor dem Dom statt.“ Als Hausherr erklärte ich

1. Den Dom als einzigartiges Bauwerk- größter romanischer Dom- einst größtes Gotteshaus der Christenheit.

2. Den Dom als Haus Europas-

    Von Domhütten aus Ganz Europa geplant und gebaut;

    Ort vieler Reichstage mit europäischen Politikinhalten;

    Grablege von Kaisern und Königen.

3. Den Dom als Architektur im christlichen Credo

    Spricht von Gott, von Jesus, von der Kirche Gottes“, so Dr.Schlembach.

Domorganist Leo Krämer intonierte die Fuge d-moll von Johann Sebastian  Bach, während  Apsis, Afrakapelle und die Kaisergräber besucht wurden. Neben den Gästen waren nur der Bischof, Weihbischof, Generalvikar, Domkustos , Kirchenpräsident, Oberbürgermeister, Bürgermeister mit Ehefrau sowie Protokollchef Guido Nonn zugegen. Die Presse war nicht zugelassen.

Großen Eindruck beim Besuch machten Michael Gorbatschow und Georg Busch sen. mit ihren Frauen Reissa und Barbara, die damals mächtigsten Männer der Welt.

Tief bewegt war Bischof Dr. Schlembach von Roman Herzog, der gerade das Amt des Bundespräsidenten an Johannes Rau übergeben hatte auf dem Weg von Bonn nach Landshut, in Speyer den Dom besuchte. Er schrieb folgenden Text ins Goldene Buch: „ Meine Amtszeit als Bundespräsident habe ich hier beendet, im Herzen des christlichen Europa. Ich bin unendlich dankbar“.

„Welch wunderbarer Inhalt wurde hier zu Papier gebracht“, so Bischof Schlembach.

Viele Fragen musste  der Altbischof  noch beantworten.

So beschrieb er auch die wunderbaren Wanderungen vom Heldenstein zum Taubensuhl, wobei der Wald “ihm als Freund  zuhörte, nicht widersprach und eine innere Ruhe einstellen half“.

Moderator Pfarrer Bernhard Linvers hatte eingangs den Werdegang unseres Altbischofs vorgestellt und danach viele Fragen zum Kirchenamt und zur Pastoral erklärt.

Mit  herzlichem Applaus wurde der erste Bischof verabschiedete, der nach seiner Emeritierung  in Speyer wohnen bleibt. Karl-Heinz Jung   (khj)

09.03.2012


Tag der offenen Tür im Seniorenzentrum

Das Haus am Germansberg präsentiert sich am Samstag, dem 10. März, von 14 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür.

Das Seniorenzentrum der Diakonissen Speyer-Mannheim in der Speyerer Else-Krieg-Straße 2 informiert über Wohn- und Betreuungsangebote für Senioren im Pflegebereich und in betreuten Wohnungen. Außerdem stehen die Pflegestützpunkte und der hauseigene ambulante Dienst für Fragen zur Verfügung. Kaffee und Kuchen runden das Angebot ab, für musikalische Begleitung sorgt das Duo Miteinander unter Leitung von Johanna Lenßen.

Tag der offenen Tür im Diakonissen Seniorenzentrum Haus am Germansberg, Else-Krieg-Straße 2, 67346 Speyer am Samstag, 10.3.2012, 14.00-17.00 Uhr
Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse

02.03.2012


Individuelle Computerhilfe

Der Internet-Treff des Seniorenbüros FairNet, in der Ludwigstraße 15 b bietet am ersten Dienstag im Monat, 6. März 2012, von 10 bis 12 Uhr individuelle Computerhilfe an. In dieser persönlichen Einzelberatung stehen die Tutoren des Internet-Treffs zur Beantwortung und Lösung spezieller Fragen und Computerproblemen zur Verfügung. Dazu können die Interessierten ihren eigenen Laptop mitbringen. Seniorenbüro Speyer, Presse

Langjähriger Chefredakteur Werner Hill spricht im Erzählcafe über „Geschichte der Speyerer Zeitung“

Wanderung durch den „Blätterwald“

„Hätte Johannes Gutenberg 1460 nicht das Drucken mit beweglichen Lettern erfunden, würden wir heute noch vielleicht alle Informationen nur aus dem Fernseher bekommen“, würzte Journalist Werner Hill den Einstieg in seine Ausführungen über die „Geschichte der Speyerer Zeitung“ mit dem ihm eigenen Humor. Im voll besetzten Saal des Seniorenbüros lud der langjährige Zeitungsredakteur und e9instige Chefredakteur der „Speyerer Tagespost“, von Moderator Dr. Thomas Neubert begrüßt, die Erzählcafe-Gäste zu einem Spaziergang durch den 290 Jahre alten Speyerer „Blätterwald“.

Es dauerte nach Gutenbergs Erfindung mehr als 200 Jahre, bis Jakob Christian Kolb (Vater von Georg Friedrich Kolb) im September 1783 die erste „Speierische Wochenschrift“ herausbrachte. Kolb war es auch, der von 1816 bis 1818 die „Neue Speierer Zeitung“ verlegte und druckte. Von 1817 bis 1868 informierte dann die Familie Kranzbühler mit Anzeige-Blättern über das Geschehen in und um die Kreishauptstadt. Julius Kranzbühler übernahm  1905 den  von L. Gilardone bereits 1869 ins Leben gerufenen „Speierer Anzeiger“ und baute diesen zur „Speyerer Zeitung“ und zum „Generalanzeiger für Schifferstadt“ aus.  Die zuletzt von Chefredakteur Dr. Richard Mandler geführte und populäre „Spyerer Zeitung“ wurde ebenso 1936 eingestellt wie die parallel dazu 1934 von der Jagerischen Buchdruckrei in Speyer gedruckte und herausgegebene „Pfälzer Zeitung“. Deren Verlagerung zur Südpfälzischen Verlagsanstalt Landau-Speyer verhalf der „Pfälzer Zeitung“ noch zu zwei weiteren Jahren. Von 1907 bis 1933 verlegte noch die Jaegerische Buchdruckerei in Speyer das „Rheinische Volksblatt“. Das amtliche Organ für den Amtsgerichtsbezirk Speyer war besonders unter der Bezeichnung „Schwarz-Kattel“ bekannt. Die Einstellungen der Publikationen im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wurden nach Angaben Hills meist mit Papiermangel begründet. Von 1931 bis 1939 setzte sich die NSZ-Rheinfront (Verlage in Kaiserslautern und Neustadt) durch, von 1940 bis 1945 erschienen nur die NSZ-Westmark, die amtliche Tageszeitung der NSDAP für den Gau Westmark, Ausgabe Landau-Speyer, 1943 und 1944 in Ludwigshafen zusätzlich die NAZ (Neue Abendzeitung für den Gau Westmark, Bezirksausgabe Pfalz.

Waren die in Speyer vor dem Zweiten Weltkrieg herausgebrachten Publikationen nicht periodisch, also täglich oder zu festen Zeiten wöchentlich, und meist nur aus besonderen Anlässen erschienen, begann danach die Zeit der Abonnementzeitungen und der Boulevardpresse. Gleich 1946 kam in Ludwigshafen die „Rheinpfalz“ auf den Markt, anfänglich mit nur drei Ausgaben pro Woche. Die Lizenzzeitung, die von den Siegermächten die Lizenz erhalten hatte, schuf das System der Lokalausgaben mit einem Mantelteil (überregionale Berichterstattung aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Zeitgeschehen und Sport) und erscheint seit der Währungsreform 1948 täglich. Erst 1952 gab der Klambt-Verlag mit der „Speyerer Tagespost“ in der Domstadt eine Konkurrenzblatt heraus. Der zunächst für den Mantel der „Tapo“ herangezogene Materndienst (mit andernorts vorgefertigten Druckvorlagen) wurde 1970 eingestellt und fortan der Mantelteil vom „Mannheimer Morgen“ bezogen. Nach 47 Jahren verkaufte Klambt die „Tapo“ an die Mannheimer Mediengruppe Haas, die den „MM“ herausgibt. Zum 31.Dezember 2002 wurde die beliebte Lokalzeitung mit zuletzt rund 5000 Abonnenten eingestellt. Die seit 2003 erscheinende „Speyerer Morgenpost“ des Viernheimer Verlegers Wolfgang Martin hat mit der einstigen „Tapo“ nichts zu tun und profitierte lediglich vom Stamm der Abonnenten, klärte Hill auf. Auch die zur Haas-Gruppe gehörende „Schwetzinger Zeitung“, vom letzten Tagespost-Chefredakteur Jürgen Gruler geleitet, ist seitdem mit Speyerer Lokalnachrichten auch linksrheinisch auf dem Markt.

Der Speyerer Redakteur ließ nicht unerwähnt, dass von 1953 bis 1965 der SPD-Verlag Neustadt „Die Freiheit“ herausgab, mit der späteren Bundestagsabgeordneten Luise Herklotz als Ressortleiterin, und von 1951 bis 1962 noch „Der Pfälzer“ als Wochenzeitung für christliche Politik und Kultur herauskam. Wöchentlich erscheinen die in Speyer beheimaten Kirchenzeitungen „Der Pilger“ und der „Kirchenbote“. Großer Beliebtheit erfreue sich auch die Wochenzeitung „Durchblick“, in weiten Teilen auch online nachzulesen unter www.speyer-aktuell.de. Und nur im Internet abrufbar sei Lokales unter www.speyer-kurier.de

In der nachfolgenden Gesprächsrunde auf die Zukunft der Tageszeitung befragt, wies Hill auf die Veränderungen der Medienwelt und die dadurch für Abonnementzeitungen entstehenden Schwierigkeiten und Umdenkungsprozesse bezüglich der nachwachsenden Leserschaft hin. Der erfahrene Zeitungsmann malte die Zukunft für die gedruckte Information nicht zu düster und schloss mit Goethe: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ ws

08.02.2012


Im Alter „sicher fit unterwegs“

Vortragsreihe gibt Senioren Tipps und Informationen über richtiges Verhalten zu Hause und unterwegs / Landesweit einzigartiges Kooperationsprojekt von Landesverkehrswacht, Polizei und Apotheken

Wie bei der Veranstaltung „Senioren sicher im Internet“ 2011 versprochen, bietet das Generationenbüro der Stadt Schwetzingen erneut eine interessante und informative Schulung für die „Generation 60+“ kostenlos an. „sicher fit unterwegs“ nennt sich die dreiteilige Veranstaltungsreihe, die den Erhalt sicherer Mobilität für Senioren zur gemeinsamen Aufgabe hat. In drei Vortragsveranstaltungen, für die nur eine einmalige Anmeldung erforderlich ist, informieren die Kooperationspartner zu ihren Themenbereichen im Palais Hirsch am Schwetzinger Schlossplatz.

Der Landesapothekerverband informiert über die Risiken von Arzneimitteln im Straßenverkehr. Die Generation 65 plus nimmt 63 Prozent der Arzneimittel ein – gleichzeitig stellen die Senioren nur 19 Prozent der Bevölkerung. Viele nehmen mehr als fünf Medikamente täglich ein. Bei dieser Anzahl von Arzneimitteln sind Neben- und Wechselwirkungen nicht kontrollierbar. Gleichzeitig ermöglicht die regelmäßige Einnahme von Medikamenten vielen Älteren (bei Bluthochdruck- oder Diabetes-Patienten) erst die Teilnahme am Straßenverkehr. Ist der Patient unsicher, sollte er sich in der Apotheke individuell beraten lassen.

Bei ihrem Vortrag gibt die Polizei Tipps für das Verhalten im Straßenverkehr. Ob als Radfahrer, Fußgänger oder Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln: Senioren sind bei tödlichen Verkehrsunfällen mit einem Anteil von 25 Prozent überproportional vertreten. Weiterhin warnt sie die älteren Mitbürger vor den alltäglichen Gefahren, die an der Haustür oder auf der Straße lauern. So zum Beispiel vor Trickbetrügern, unseriösen Hausierern oder Handtaschendieben. Dabei werden Senioren nicht häufiger Opfer von Straftaten als andere Altersgruppen, sie fühlen sich aber deutlich unsicherer. Die Veranstaltung gibt Tipps, wie solche Situationen der Unsicherheit gemeistert werden können.

Die Landesverkehrswacht bietet zum Thema: sicheres Bewegen in der Öffentlichkeit ihren Vortrag an. Hier werden Kenntnisse zu Verkehrsregeln aufgefrischt und über Änderungen informiert. Auch technische Hilfsmittel im Auto wie die Einparkhilfe oder der Rückspiegel, der Einblicke in den „toten Winkel“ ermöglicht, sind Themen dieses Teils. Ziel ist, die Senioren nicht aus der Übung kommen zu lassen, damit sie möglichst lange aktiv und selbstständig bleiben.

Die Termine sind am 23. März vom Landesapothekerverband, am 30. März von der Polizei und am13. April von der Landesverkehrswacht, immer im Palais Hirsch am Schlossplatz ab 14:30 Uhr. Die Vorträge können nur im Zusammenhang besucht werden, eine Einzelanmeldung für nur eine Veranstaltung ist nicht möglich. Eine vorherige Anmeldung ist aber unbedingt erforderlich. Örtliche Seniorenclubs, Vereine oder Seniorentreffs werden über die Veranstaltungsreihe schriftlich informiert.

Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, bittet das Generationenbüro der Stadt Schwetzingen um eine verbindliche Anmeldung unter der Telefonnummer 06202/95067-93/94 oder per E-Mail: generationenbuero@schwetzingen.de. Personen ohne vorherige Anmeldung können leider nicht eingelassen werden. Informationen zur Vortragsreihe "sicher - fit - unterwegs" und weitere Tipps für Senioren erhalten Sie im Generationenbüro, Schlossplatz 4 oder im Internet unter www.schwetzingen.de, www.sicherfit-unterwegs.de, www.lvw-bw.de , www.polizei-bw.de oder www.apotheker.de. Stadtverwaltung Schwetzingen, Presse

30.01.2012


10-jähriges Jubiläum Seniorenresidenz Sankt-Sebastian Dudenhofen am 14.1.2012

Am 14.1.2012 wurde in der Senioren-Residenz Sankt-Sebastian das 10jährige Jubiläum gefeiert. Zu diesem Festtag waren sehr viele geladene Gäste, Bewohner, Angehörige und Freunde des Hauses gekommen. Der festlich dekorierte Speisesaal war voll besetzt.

Zu Beginn der Festveranstaltung sang Frau Körner-sie wurde am Klavier von Frau Karin Schellenberger begleitet- ein Lied von Mozart vor.

Frau Ehrhardt-Steck begrüßte im Anschluß  alle Festgäste und bedankte sich in ihrer Ansprache bei Ihren Mitarbeitern für den vorbildlichen Einsatz und die geleistete Arbeit und betonte, dass  ohne einem gut funktionierendem Team eine erfolgreiche Arbeit  nicht zu schaffen ist.

Herr Bochem-Geschäftsführer der Incura-Gruppe gratulierte Frau Ehrhardt-Steck zum Jubiläum und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit.

Danach trug Frau Körner mit ihrer Begleitung ein weiteres Lied vor und begeisterte mit ihrer Sopranstimme das Publikum. Einige Gäste, die das Lied kannten, summten im Hintergrund mit.

Nun sprach Landrat Clemens Körner ein paar Grußworte und berichtete über den Weg, wie es zu der Errichtung der Seniorenresidenz in Dudenhofen unter seiner Tätigkeit als Orts- und Verbandbürgermeister gekommen ist und welche Hürden zu überwinden waren. Er bedankte sich auch bei den vielen ehrenamtlichen Helfern, die viele Stunden mit den Senioren verbringen und mit dazu beitragen, dass sich die Bewohner heimisch in der Senioren-Residenz  fühlen.

Herr Bürgermeister Eberhardt richtete noch Grüsse der Orts-und Verbandsgemeinde aus und bedankte sich für die gute Zusammenarbeit auch mit den Vereinen in der Ortsgemeinde, die gerne auch hier in der Senioren-Residenz gastieren und den Bewohner eine Freude bereiten.

Einige Mitarbeiter(Frau Heim-Ullrich, Herr Stein,Frau Dix, Frau Dobberstein, Frau Schütz, Frau Hook, Frau Schäfer) sind schon von Beginn an dabei und feierten ihr 10jähriges Dienstjubiläum und wurden von Frau Ehrhardt-Steck geehrt.

Auch drei ehrenamtliche Mitarbeiterinnen, Frau Lutz, Frau Malmer, Frau Nord unterstützen die Betreuung von Anfang an.

Herr Patzer von der Offenen Selbsthilfegruppe bedankte sich in seiner Grußrede bei seinen vielen Helfern und erinnerte auch nochmal an den Gründer der Selbsthilfegruppe Herr Roman Patzer, der leider im vorletzten Jahr verstorben ist

Zum Abschluß des Festprogramms trat die Volkstanzgruppe Mutterstadt in einer schönen, traditionellen  Tracht auf und brachte auch ihre guten Wünsche zum Jubiläum mit vier volkstümlichen Tänzen.

Nun lud Frau Ehrhardt-Steck noch zum Sektempfang und einem kleinen Imbiß ein, den unser Küchenchef mit seinem Team anbot. Es wurde noch bis in den Abend viel geredet und Erfahrungen und Ideen ausgetauscht.

Im Speisesaal war ein grundiertes Mosaik-Bild aufgehängt und die Festgäste hatten die Gelegenheit ein Teilbild zu malen und viele beteiligten sich mit ihrer Malkunst. Dieses Bild ist eine bleibende Erinnerung an die schöne und erfolgreiche Jubiläumsfeier. Julia Schütz

19.01.2012


Weiberbratenverein im Erzählcafé…

Vor genau 306 Jahren wurde das brennende Gutleuthaus in Speyer von Milchfrauen aus Berghausen gelöscht……

Durch das beherzte Eingreifen von 59 Berghäuser Milchfrauen wurden die Lebrakranken und ihr Gutleuthaus gerettet.

Wie in der Gutleuthaus-Allmosenrechnung  Anno 1716 vermerkt ist, erhalten die Frauen von Berghausen für die „rettende Tat“ jedes Jahr ein Legat von 14 Pfund (7kg) Ochsen und 14 Pfund Schweinefleisch.

Dramatiker Martin Greif, Volkskundler Dr. Albert Becker und viele andere loben die Hilfsbereitschaft der Frauen in Gedichten, Berichten und Liedern. Alle fünf Jahre wird in Berghausen das „ Weiberbratenfest“ gefeiert.

Den zeitgeschichtlichen Hintergrund zeigte der ehemalige Beigeordnete Richard Entzminger anhand einer Foto-Show und Gebietskarten aus dem 16. Jahrhundert auf.

Das brennende Speyer von 1689 infolge des „Pfälzischen Erbfolgekrieges“(Erbe v Lieselotte von der Pfalz wurde von Ludwig XIV. verlangt). Weiter brachte der „Spanische Erbfolgekrieg“ Zerstörung, große Not und furchtbares Elend über unsere Heimat, so Entzminger.

Gruppenfotos von Weiberbratenfesttagen ab 1901 mit bis zu 300 Frauen verdeutlichten die Bedeutung des Festes. Die Oberbürgermeister Dr. Christian Rosskopf, Werner Schineller und Hansjörg Eger überbrachten jeweils das Legat der Stadt Speyer.

Ingrid Simon, Edith Gegenhuber, Margarete Kögel und Inge Walburg in  historischer Winterkleidung mit Milchkübeln aus Holz, stellten die Verbindung zu 1706 her…..

Wie Frau Simon unterhaltsam erzählte, stand das „ Gutleuthaus“ ( für Menschen mit ansteckenden Krankheiten z.B. Lebra) an der heutigen „Germersheimer Straße“, die bis ins 18. Jh. „ Gutleutweg“ hieß. (Bei der Neutrassierung der Lstr. 507/ B9/B39 wurden Mauerreste und Gräber gefunden).

Im eiskalten Januar 1706, alle Bäche waren gefroren , gingen 59 Milchfrauen nach Speyer um dort Milch zu verkaufen. Als die Frauen Rauch und Flammen am „Gutleuthaus“ sahen, handelten sie schnell, indem sie mit der Milch das Feuer löschten. Bewohner und Haus wurden gerettet. Dafür erhielten sie immer am 6. Januar die besagte Fleischmenge mit einem „Trunck“ Wein im Gesamtwert von ca. 5 Gulden, so die Gutleut- Allmosenrechnung von 1716. Der „Braten für die Weiber“ wurde dann von Berghäuser Frauen verspeist.

In den französischen Revolutionsjahren ( 1794- 1814) war das Legat ausgeblieben. Die Frauen  schrieben an das königliche Landkommissariat,“ dass die Regierung das Hospital (Bürgerhospital als Träger der Gesundheitsfürsorge) zur Entrichtung der Gratification veranlassen solle“.

Im Jahre 1799, so Simon, wurde von der franz. Verwaltung angeordnet, das Legat „ solle in Geld von der Bürgerhospital-Stiftung“ ausbezahlt werden.

Seit 1949 wird der jeweilige Oberbürgermeister von Speyer zum Festakt eingeladen, wobei das „Legat“ mit der Bemerkung,“ ohne Anerkennung einer Rechtspflicht“, übergeben wird.

Berghäuser Milchfrauen in Medien des 19/20. Jahrhunderts…

Wie Edith Gegenhuber ausführte, wird über die Taten der „Berghäuser Weiber“in vielfacher Weise berichtet. Über ein halbes Dutzend Gedichte „lobpreisen die Hilfeleistungen für Notleidende“.

Bereits 1844 verfasste Christian Heinrich Gilardone „Die Weiber von Berghausen“.

Die bekannteste Fassung schuf der 1834 in der Webergasse zu Speyer geborene Dramatiker

Friedrich Hermann Frey, der sich ab 1882 den Künstlernamen Martin Greif zulegte ( Im April 2011 wurde in der Pfaffengasse eine Martin- Greif- Stube eingerichtet).

„ Die Frauen von Berghausen“ von Frey, stammt wohl aus der 2. Hälfte des 19. Jhd., wurde erstmals in dem Berliner Familienblatt „Die Gartenlaube“ veröffentlicht und 1902 in der „Neue Lieder und Mähren“ Sammlung Frey´s  abgedruckt.

In vielen Schulbüchern war das Gedicht vorzufinden, zu lernen und kann noch heute von den 60-70-jährigen mit allen Versen  rezitiert werden. Frau Gegenhuber konnte beim Vortrag den strengen Winter 1706, das entschlossene Handeln der Milchweiber den Zuhörern anschaulich vermitteln.

Der Weiberbraten in unserer Zeit…..

Wie Margarete Völcker erklärte, dürfen nur verheiratete Frauen am Festmahl teilnehmen. Danach geht es mit Musik durch das Dorf, um besonderen Persönlichkeiten eine Aufwartung zu machen. Den Zuschauern wird als „ Milchersatz“ Narrenberger-Wein (Flurnamen) angeboten.

Aus bayrischer- und französischer Zeit bestehen noch Teilnehmerlisten, denn das hohe königlich-bayrische Bezirksamt genehmigte das „ Weiberfest“ erst, nachdem die Namen der Frauen mit Unterschrift vorlagen. Fünf-Markzwanzig kostete die Genehmigung.

Am Abend durften auch die Männer beim Festball mittanzen. Die „ Tanzlustbarkeit war bis Sonntag 6.00 Uhr beschränkt“, so Völcker.

Von 1911- 1921 und während des II. Weltkriegs fielen die Feste aus. Seit 1949 wird alle fünf Jahre wieder kräftig gefeiert, die Fahne geweiht, Kleidung geschneidert und auf Vorschlag von Bürgermeister Kögel am 22.8.1969 der „Weiberbratenverein“ gegründet.

Feste feiern wie sie fallen…..

So berichtete die Vorsitzende Inge Walburg, welche die Vorstandstradition der Straub/ Walburg Familien fortsetzt.

Für Berghausen war die 300-Jahrfeier 2006 der Höhepunkt. Bei herrlichem Sonnenschein zog ein umfangreicher Festzug durch das Dorf. Angeführt von den „Jubiläumsschärpen“und der neuen Samtfahne mit Silberfadenstickerei. Dabei Bürgermeister Manfred Scharfenberger mit Gattin im edlen Gewand des Fürstenpaares Thurn und Taxis, die einst als hohe Gäste dem Fest beiwohnten. Königsbesuch aus Edenkoben, alte Hochzeitszüge mit schwarzen Brautkleidern, junge Nachwuchskräfte im „Milchkannenlook“, das Gutleuthaus- Modell und der Speyerer- Festwagen; letzterer als Dank für die jährliche Teilnahme am Brezelfestumzug.

Inge Walburg und ihr Team unterstützen soziale Aufgaben, spenden für  krebskranke-, strahlengeschädigte Kinder und seit der Gründung die „Lebenshilfe“.

Karin Ruppert lobte die damalige und heutige Tätigkeit der Weiberbratenfrauen. Sie trug ihr Weiberbratengedicht in Pfälzer–Mundart vor, in dem der enttäuschte Mann einer Milchfrau von 1706 beruhigt wird.

Herzlich bedankte sich Moderator Karl-Heinz Jung beim Weiberbratenteam, lobte die Vorbildfunktion, die auch für die Mitmenschen immer Bestand haben sollte.

05.01.2012


„Wir freuen uns auf viel Leben im Haus“

Im Rhein-Pfalz-Stift ist der Alltag eingekehrt / Kunterbunter Veranstaltungskalender

Der Jahreswechsel ist vielerorts die Zeit der Besinnung und der Rückschau – so auch im Rhein-Pfalz-Stift, das im September in Waldsee eröffnet hat. Die neue Pflegeeinrichtung im Neubaugebiet Lausbühl bietet 85 vollstationäre und Kurzzeitpflegeplätze. Die Einzelzimmer sind ebenso wie die großzügigen Gemeinschaftsräume hell und freundlich gestaltet, das moderne Hausgemeinschaftskonzept sorgt für reges Leben innerhalb des Hauses. Wir haben mit der Heimleiterin Angelika Kortyka gesprochen.

Frau Kortyka, haben Sie sich bereits in Waldsee eingelebt?

Angelika Kortyka: Ja, auf alle Fälle! Wir wurden hier so freundlich in der Gemeinde aufgenommen. Viele Vereine kamen schon zu uns ins Haus und haben uns und die Bewohner besucht oder nutzen unsere Räumlichkeiten für Veranstaltungen. Wir freuen uns schon auf die kommenden Monate – unser Veranstaltungskalender ist prall gefüllt und wir hoffen, dass wir viele Gäste im Rhein-Pfalz-Stift begrüßen dürfen. Darüber hinaus gibt es bereits Pläne für regelmäßige Angebote für Groß und Klein.

Und die Bewohner fühlen sich wohl im Rhein-Pfalz-Stift?

Angelika Kortyka: Natürlich ist der Umzug von den eigenen Wänden in eine Pflegeeinrichtung immer ein großer und sehr emotionaler Schritt. Doch unsere Bewohner leben sich hier wirklich schnell ein und fühlen sich sichtlich wohl. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass die Zimmer ganz nach eigenem Geschmack eingerichtet und gestaltet werden können. Wir bieten eine Grundmöblierung an – bis auf das Pflegebett ist aber alles individuell veränderbar. Zum anderen liegt das sicher an unserem hochmotivierten Team. Alle Kollegen sorgen sehr liebevoll dafür, dass sich unsere Bewohner hier wohlfühlen – wie in einer großen Familie.

Haben Sie denn noch Platz für Neuaufnahmen?Und wie sieht es aus mit dem Verkauf der Pflegeapartments?

Angelika Kortyka: Wir haben natürlich langsam angefangen – das Haus war neu, das Team war neu, da musste sich erstmal alles zusammenfinden. Und für die Bewohner ist es hilfreich, wenn sie ganz in Ruhe einziehen und alles erkunden können. Das braucht Zeit – und die geben wir unseren Bewohnern genauso wie uns. Deshalb haben wir durchaus noch Kapazitäten frei und freuen uns auf noch mehr Leben im Haus. Die Pflegeapartments sind binnen kurzer Zeit verkauft gewesen – sehr zur Freude des Investors.

Was bieten Sie denn überhaupt alles an im Rhein-Pfalz-Stift?

Angelika Kortyka: Neben der klassischen vollstationäre Pflege nehmen wir auch Gäste in Kurzzeitpflege auf, eventuell werden wir unser Angebot noch um Tages- und Nachtpflege erweitern – hier kommt es auf die Nachfrage an. Und natürlich überlassen wir unsere Cafeteria oder andere Gemeinschaftsräume gerne für Veranstaltungen aller Art. Das Rhein-Pfalz-Stift ist ein offenes Haus, eine Begegnungsstätte für Jung und Alt.

 

Kontakt:

Rhein-Pfalz-Stift

Sophie-Scholl-Str. 1

67165 Waldsee

Telefon 06 236 / 44 94-0

E-Mail rheinpfalzstift@dus.de

www.avendi-Senioren.de

 

 

29.12.2011


Jung erfreut Alt mit Adventskonzert

Mit einer besonderen Form des ehrenamtlichen Engagements erfreuten junge Musiker am 17. Dezember die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Haus am Germansberg.

Das Ensemble „Dr. No’s Bande“ der Städtischen Musikschule verbreitete mit Solo- und Ensembledarbietungen besinnliche Weihnachtsstimmung. Die 40 jungen Musikerinnen und Musiker boten unter Leitung von Margarethe Hoffer ein buntes Programm, das von traditionellen Weihnachtsliedern wie „Oh du fröhliche“ über die „Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski bis zum ersten Satz von Vivaldis Konzert in G-Dur reichte.

„Der Nachmittag hat unseren Bewohnerinnen und Bewohnern viel Freude gemacht“, sagt Heimleiter Klaus-Dieter Schneider, der neben dem musikalischen Genuss vor allem die Bedeutung der Begegnung zwischen Jung und Alt im Rahmen des Konzerts hervorhebt. „Vier Ensemble-Mitglieder haben sich sogar bereit erklärt, eine Stationsweihnachtsfeier musikalisch zu begleiten“, freut sich auch Katharina Kieselhorst vom Sozialkulturellen Dienst über den freiwilligen Einsatz der jungen Leute. Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

20.12.2011


Halbjahresprogramm des Erzählcafés 2012

Halbjahresprogramm des Erzählcafés 2012 mit mutigen, reaktionsschnellen Frauen, dem Universalgelehrten J.J. Becher aus Speyer, der Speyerer Zeitungsgeschichte,  Erlebnisse und Erfahrungen unseres Altbischofs Dr. Anton Schlemmbach,  Feuerwehraktionen, Tabakanbau und der Zigarrenproduktion sowie  Bau der VdK- Siedlung als Hilfe zur Selbsthilfe……..

Am 3. Januar 2012, 15.00 Uhr werden die „ Weiberbratenfrauen“ von Berghausen berichten, wie im Jahre 1706 durch mutiges, beherztes Eingreifen der Marktfrauen die Flammen des Speyerer- Gutleuthauses gelöscht wurden und warum noch heute das „Weiberbratenfest“ gefeiert wird.

Am 7. Februar, 15. Uhr wird der ehemalige Chefredakteur Werner Hill im Maulbronner Hof die Geschichte der „ Speyerer Zeitung“ vorstellen. Hierbei werden auch das „ Hambacher Fest“ und die  Speyerer Kämpfer für die Freiheit des Wortes gewürdigt.

Die Erfahrungen und Erlebnisse, die Altbischof Dr. Anton Schlemmbach in den 25 Jahren seiner Bischofstätigkeit als „ Franke“ in Speyer hatte, werden am 6. März, 15.00 Uhr im Maulbronner Hof  viele interessierte Zuhörer finden.

Am 3. April 15.00 Uhr wird der langjährige Speyerer Feuerwehrkommandant Friedel Flörchinger über  Aktionen  Feuerwehr in „Kriegs-, Notzeiten und im Alltag“, im Historischen Ratssaal berichten.

Den Bogen der Geschichte zum Universalgelehrten Johann Joachim Becher, der 1635 in Speyer geboren wurde,“ hochgelobt und viel geschmäht“, der viele praktikable Vorschläge zu Ordnungs-, Wachstums-, Bevölkerungs- und Bildungspolitik aufzeigte, werden Prof. Dr. Carl Böhret und Dipl. Ing. Willi Philippe am 8. Mai 14.30 und 16.00 Uhr im Becherhaus schlagen.

Vom wichtigen „Tabakanbau und der Zigarrenproduktion in Speyer“ werden Firmennachkomme Töns Wellensiek, der Zigarrensachverständige mit Brasilien- Erfahrung Günter Hechler und Tabakverkaufsleiter Klaus Mayrhofer am 5. Juni 15.00 Uhr in der Villa Ecarius erzählen.

„Die VdK- Siedlung in Speyer-West,- eine Hilfe zur Selbsthilfe“ von Stadtrat Otto Winter einst organisiert, verhalf vielen Menschen zu Haus und Garten. Hans Winter (Sohn), Prof. Dr. Otto Roller, Emil Magin u.a. werden am 3. Juli 15.00 Uhr im Haus Pannonia, Friedrich-Ebert-Str. 106 darüber sprechen.

15.12.2011


Weihnachtsgebäck, Musik und Geschichten im Erzählcafe

Speyer-  Köstliches Weihnachtsgebäck, wohlklingende Adventsmusik und in die Vorweihnachtszeit passende Gedichte und Geschichten ließen das Dezember-Erzählcafe im voll besetzten Veranstaltungsraum des Seniorenbüros im Maulbronner Hof für die Besucher zu einem stimmungsvollen Nachmittag werden. Mit Erinnerungen aus seiner Kindheit in Mitteldeutschland (bei Magdeburg) bereicherte   Dr.Thomas Neubert als einfühlsamer Moderator die adventliche Kaffeestunde, die obendrein noch einen Ausflug in eine fremde Kultur brachte. Denn das Römerberger Ehepaar Hermann und Wilma Kögel, das 1997 im Selbstverlag ein (aufgrund der eigenen Rezepturen  leider völlig vergriffenes) Backbuch herausgebracht hatte, lebte lange Zeit in Schweden und hat im Seniorenbüro-Saal nun erzählt über das Luciafest, das in dem nordeuropäischen Land am 13.Dezember gefeiert wird. Traditionell gibt es zur Lucia-Feier rund um die längste Nacht des Jahres  hauchdünne Pfefferkuchen und goldgelbe „Luciakatzen“ (kleine Hefeteigfiguren mit viel Safran). Körbchen mit Kostproben von beidem hat die leidenschaftliche Hobbybäckerin Wilma Kögel zum Kaffee herumreichen lassen. Hermann Kögel brachte fürs Seniorenbüro ein von ihm gemaltes Bild mit. Es zeigt drei junge Frauen, von denen eine eine Lucia-Krone (Kopfleuchter mit Kerzen) trägt. An vielen schwedischen Schulen werden junge Mädchen jedes Jahr zu einer Lucia gewählt.

Ursula Wörn (am Klavier) sorgte im Einklang mit Inge Wettmann (Geige)  nicht nur für musikalische Untermalung, sondern kredenzte den Besuchern das Weihnachtsgebäck, mit dem sie vor zwei Jahren bei einem Wettbewerb der „Rheinpfalz“ den zweiten Preis belegt hatte. Ihre schmackhaften Haferflockenplätzchen waren schnell in aller Munde. Und die mit Texten versorgten Senioren sangen begeistert mit bei „Lasst uns froh und munter sein“ und „Sankta Lucia“.

Mit einem Gedicht über den Wandel des Weihnachtsfestes trug Ilse Schall zum besinnlichen Teil des Nachmittags bei. Hermann Vögeli erinnerte an die überwiegend traurigen Weihnachtstage von 1943 bis 1950, als die meisten Familien nicht einmal etwas zu essen hatten, von Weihnachtsgebäck und Geschenken ganz zu schweigen. Zum Erzählcafe-Abschluss spielten Inge Wettmann und Ursula Wörn vierhändig auf dem Klavier „Peterchens Schlittenfahrt“.  

Für alle, die sich gerne selbst einmal an den  leckeren „Gebäcksel“ versuchen möchten, haben Wilma Kögel und Ursula Wörn ihre Rezepte zur Verfügung gestellt.

Schwedische Pfefferkuchen

Zutaten:

300 g Butter, 150 g Rübensirup, 300 g Zucker, 1 EL Zimt, 1 EL Ingwer, ¼ TL gem. Nelken, 150 g Wasser, 800 g Mehl, 1 EL Natron

Zubereitung:

Butter erwärmen, Sirup, Zucker und Gewürze zugeben und das Wasser unterrühren. Mehl mit Natron vermischt unterarbeiten und den Teig einige Stunden ruhen lassen, bis er formbar ist. Stangen oder Rollen formen von ca. 4 bis 6 cm Durchmesser, ca. 3 Stunden ins Gefrierfach geben, mit der Brotschneidemaschine in dünne Scheiben schneiden und bei 175 Grad wenige Minuten backen.

 

Haferflockenplätzchen

Zutaten:

250 g kernige Haferflocken, 200 g Butter, 100 g Mehl, 1 ge-strichener TL Backpulver, 180 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Ei, Haselnüsse

Zubereitung:

Haferflocken mit kochender Butter übergießen, verrühren, erkalten lassen. Danach Mehl/Backpulvergemisch dazugeben, dann Zucker, dann das Ei. Den krümeligen Teig gut durchmischen. Kleine Häufchen auf ein Blech, belegt mit Backpapier, geben. Auf jedes Häufchen eine Haselnuss setzen. 15 bis 20 Minuten bei 200 Grad backen. ws; Foto:k-h-j

08.12.2011


Seniorenbeirat mit umfangreicher Tagesordnung berät in der Villa Ecarius….

Barrierefreiheit, Seniorenservice, Nachlese, Vorschau der Beiratsarbeit, Berichte der Arbeitskreise Kultur und Verkehr, Überlegungen über „ Leitpfade“ waren die Themen.

Der Leiter der VHS Ewald Gaden begrüßte den Seniorenbeirat, stellte die Bildungs -einrichtungen wie Musik-, Volkshochschule, die Stadtbücherei vor und konnte von steigenden Angeboten und Nutzungen berichten.

Vorsitzender Ludwig Schultheis bedankte sich bei Gaden und hieß Bürgermeisterin Monika Kabs, Frau Krampitz und Herrn  Herrling willkommen. In einem kurzen Statement stellte Kabs die  Überarbeitung einer Info-Broschüre für Senioren unter Mitarbeit des Seniorenbeirats in Aussicht.

Frau Birgit Welke von der städtischen Wirtschaftsförderung besprach verschiedenen Seniorenservice und Barrierefreiheit, wie Wohn-, Freizeit- Leben- bzw. barrierefreies Einkaufen für die Generation 50+,wodurch ein selbstständiges Leben auf Dauer und nachhaltig zu gestalten sei. Bauliche Standards, Servicegrundlagen wie Hauswirtschaftsleistungen, Essen auf Rädern, Einkaufen, Fahrdienste sind darunter zu verstehen.

Wohnen in der eigenen Wohnung könne so lange gewährleistet werden. Wohnen im Mehrgenerationenhaus , der Wohngemeinschaft von Senioren sowie Alten- u. Pflegeheime wurden vorgestellt und mit Beispielen aus Speyer ergänzt. Der Freizeitservice, organisiert von 90 Ehrenamtlichen, lädt zu Tages-, Mehrtagesfahrten, Stadtführungen, Internetttreff, Sprach- Handarbeitsstunden, zum Erzählcafé ein und erfreut sich in Speyer reger Teilnahme.

Frau Welge stellte einen umfangreichen Katalog vor, wie Geschäfte durch Umbaumaßnahmen Barrierefreiheit ermöglichen.

Als neues Projekt wurde „Die nette Toilette“ besprochen. Hierbei wird mit städtischer Hilfe ein flächendeckendes Netz  von frei zugänglichen Toiletten in Gaststätten geschaffen und mit einem Logo darauf hingewiesen. Klärungsfragen stehen noch an, während in 90 Städten dies bereits Standard ist.

Über den Aktionsplan der Landesregierung „Gut Leben im Alter“ berichtete Vorsitzender Schultheis. Im Bericht wurden auch die Gespräche mit Oberbürgermeister Hansjörg Eger, Bürgermeisterin Kabs und dem Seniorenbeirat erwähnt, wobei es um die Erhaltung des Seniorenbüros und der Mitarbeiter ging.

Als Vorschau wird ein Aktionstag 2012 angedacht,  worüber  in der Februarsitzung diskutiert werden soll.

Helma Rieser, vom Arbeitskreis Kultur, berichtete von gut besuchten Museums- u. Ausstellungsführungen (Salier, Judaica etc).Eine Führung durch die „Speyerer Synagoge“ ist für 2012 vorgesehen.

Herr Thomas Zander und Herr Uwe Rudingsdorfer stellten im Arbeitskreis Verkehr den jetzigen Stand des Verkehr-Entwicklungs-Plans vor, wie Karl-Heinz Jung ausführte.

Der Arbeitskreis gab den aufgeschlossenen „Städtischen“ Forderungen der Senioren/Innen mit auf den Planungsweg:

Zügige Barrierefreiheit durch Randsteinabsenkung schaffen,

-          Kreuzungsbereiche überschaubarer  gestalten( Schumacher- Iggelheimer Straße),

-          Radwegbeschilderung bzw. Radweg- nur in zwingenden Fällen entfernen,

-          Linienpläne des  ÖPNV an neue Wohngebiete, bzw. Zentren schaffen,

-          Haltemöglichkeit am Ärztezentrum für „Frischoperierte“ ermöglichen,

-          Linienpläne seniorengerecht gestalten (Anbringung, Schrift),

-          Sitzbänke im Innenstadtbereich und in Freizeitzonen auch in „Sitzhöhe“ für Senioren bereitstellen.

Wie Jung berichtet, wird Thomas Zander in der März/April Sitzung des Beirates den VEP im Seniorenbeirat vorstellen. Die Stadtteilveranstaltungen, bei denen der  VEP erklärt wird, sollten zur Information besucht werden.

Unter „Verschiedenes“ stellte Klaus Bohn „Leitpfade“ für Seniorenbeauftragte vor, die in einer Frühjahrssitzung diskutiert werden können. Karl-Heinz Jung

01.12.2011


Trickdiebstahl im Seniorenheim

(Ludwigshafen) – Am Dienstag, 22.11.2011, gegen 10.30 Uhr, erschien ein bislang unbekannter Mann an der Wohnung eines 78-jährigen Seniors in einem Seniorenheim in der Pranckhstraße. Der Unbekannte gab vor, nach dem Fernseher des 78-Jährigen schauen zu wollen, weil das Gerät auf das digitale Programm umgestellt werden solle. Daraufhin ließ der Senior den Unbekannten in die Wohnung, der dann wohl einen unbeobachteten Moment nutzte um mehrere hundert Euro Bargeld aus der Jackentasche des Wohnungsinhabers zu entwenden.

Der Geschädigte war kurz vor der Tat bei seiner Bank und hatte sich einen größeren Bargeldbetrag am Schalter auszahlen lassen. Im Nachhinein erinnerte er sich an eine junge Frau in der Bank, die ganz in der Nähe gestanden war und ihn möglicherweise dabei beobachtet hatte.

Täterbeschreibung:

Ca. 19 Jahre alt, ca. 175 cm groß, schlank, osteuropäisches Aussehen, sprach mit osteuropäischem Akzent, dunkle Jacke, Pullover, Jeans, blaue Turnschuhe.

Hinweise an die Kriminalinspektion Ludwigshafen, Tel. 0621 963-1163.

24.11.2011


Alpenverein im Erzählcafe

Speyer- Dass die Sektion Speyer im Deutschen Alpenverein (DAV) mit über 1200 Mitgliedern zu den größten Vereinen der Domstadt zählt, wissen die wenigsten. Und sie ist sehr aktiv: Es gibt eine große Wandergruppe, andere klettern gemeinsam, und es gibt natürlich auch viele „Älpler“, die richtig Berge besteigen. Und das nicht immer nur in den Alpen, wie der langjährige Vorsitzende (1983 bis 97) und heutige Ehrenvorsitzende Emil Nord beim Erzählcafe des Seniorenbüros eindrucksvoll schilderte. Im Mittelpunkt seiner Erzählungen über das Vereinsleben  im größten und ältesten Naturschutzverein Deutschlands stand eine einmonatige Expedition im Jahre 1993, die Nord zusammen mit 17 weiteren Alpenfreunden zum so genannten  „Dach der Welt“, zum Bergsteigen ins zentralasiatische  Pamirgebirge, führte.  

Mit herrlichen Aufnahmen der Berge in den Alpen führte Moderator Karl-Heinz Jung die Erzählcafe-Besucher in das Thema ein, ehe Nord zunächst in die Geschichte des Alpenvereins und der Sektion Speyer einführte. Der Alpenverein wurde 1869 in München gegründet, als privater Klub zur Förderung des Fremdenverkehrs in den verarmten Alpenregionen Bayerns und Oesterreichs. Nach dem Krieg 1951 wiedergegründet, wuchs die Mitgliederzahl ständig an. 1974 gehörten bereits 287 326 Mitglieder  aus 248 Sektionen mit 248 Hütten dem DAV an, heute sind es rund 893000 Mitglieder in 353 regionalen Vereinen, beim Alpenverein Sektionen genannt. DER DAV betreut mittlerweile 326 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten in den Alpen und deutschen Mittelgebirgen. Jährlich werden dort über zwei Millionen Tagesgäste gezählt und 800000 Übernachtungen registriert. Zudem unterhält der DAV 200 Kletteranlagen und zählt 30 000 Besucher im Haus des Alpinismus auf der Münchner Praterinsel. Der Speyerer Ehrenvorsitzende würdigte auch die Arbeit der ca. 12 200 vom DAV ausgebildeten ehrenamtlichen Kursleiter für alle Formen des Bergsports und derr Familien-, Kinder- und Jugendarbeit.

Die Sektion Speyer wurde 1899 in der Gaststätte „Zur Sonne“ (später Wienerwald, dann McDonalds, jetzt Gerry Weber) gegründet und war laut Nord zunächst „ein elitärer Verein“(mit Kgl.Bayerischem Major, Bankdirektor, und kgl. Regierungskommissär) . Für die Aufnahme brauchten Interessenten zwei Bürgen. Nach einem Film von Luis Trenker von der Bergwelt fasziniert, wollte Nord 1950 als 17-Jähriger in den Alpenverein eintreten. Da habe ihn der damalige Vorsitzende gefragt, was er denn alles schon gemacht und somit vorzuweisen habe. Nord verbildlichte diese Nachfrage: „Das ist so, wie wenn man zum Klavierlehrer kommt und der fragt, wo man schon überall gespielt hat.“ Wenn dieser Vorsitzende wüsste, dass der junge Bergfreund später 14 Jahre lang den Verein führte und inzwischen sein Ehrenvorsitzender ist, „würde er sich wohl im Grab rumdrehen“, meinte Nord. Besonders aktiv ist heute in der Sektion Speyer neben der engagierten Jugendgruppe die von Helga und Reinhard Gruner geleitete Seniorengruppe, bei der sich nicht alles nur  ums Wandern und Bergthemen dreht, sondern auch „Kultur angesagt ist“.

1991 beschlossen Nord und andere „Älpler“, dass sie sich auf die Spuren des deutschen Forschers Rieckmer-Rieckmers, der 1928 das Pamirgebirge erkundete und die Erstbesteigung des 7 134 Meter hohen Pik Lenin leitete, begeben wollten. Auf diese Idee brachten sie Sportler aus der Partnerstadt Kursk, die beim Kanuclub zu Gast waren und über Rudi Unser  nachfragen ließen, ob Speyerer Alpinisten nicht Lust hätten, die Berge in der heutigen GUS zu besteigen. Es war von Tien Shan, Kaukasus und Pamir die Rede, erinnerte Nord. Über die Kursker kam der Alpenverein in Kontakt mit einem Sportclub aus Odessa, der Berrgsteigertouren organisiert. Da Nord und sein Sohn Stefan als ausgebildete Führungskräfte schon immer vom Bergsteigen an den hohen Pamir-Bergen träumten, wurde die Forschungsreise beschlossen. Welche Hindernisse in der  nahezu zwei Jahre dauernden Vorplanung zu überwinden waren, schilderte Emil Nord mit nachempfindbarer Begeisterung. Erstes Problem war die Größe der Gruppe.

Je mehr Teilnehmer es waren, desto niedriger konnte der Preis kalkuliert werden.  Je größer die Gruppe werden würde, desto geringer war die Chance, alle Bergsteiger bis zu den Gipfeln zu bekommen. Nicht gerechnet hatte Nord mit der enorm großen Zahl der Interessenten aus ganz Deutschland. So erfolgte die Auswahl nach der Reihenfolge der Anmeldung. Von den letztlich 18 Pamir-Fahrern kamen vier aus der Sektion Speyer und die anderen aus der gesamten Pfalz. Dank einiger Sponsoren konnte der Preis für die gewaltige Bergtour auf rund 3000 Mark kalkuliert werde. Zusammenstellen der Ausrüstung, Besorgen der Visa und Überprüfen der Sportlichkeit aller Pamir-Freunde schilderte der damalige Vereinschef  ebenso eindrucksvoll wie das Problem mit der rund eine Tonne schweren Gesamtausrüstung (Schlafsäcke, Zelte, Kocher, Kleidung, Spezialschuhe) und das Verstauen der Fracht auf dem Frankfurter Flughafen. Am 16.Juli 1993 ging endlich der Flieger Richtung Kiew. Zur Überraschung der Pfälzer  hatte sich die Gruppe aus Odessa mittlerweile aufgelöst und wurde die Betreuung der Deutschen von einem Moskauer Klub übernommen, „was vielleicht unser Glück war“, kommentierte Nord. Überaus abenteuerlich am nächsten Tag der Weiterflug in einem zweimotorigen Propeller-Frachtflugzeug Antonow 26B. Zwischen ihrem Gepäck sitzend landete das Alpenvereinteam (nach Zwischenlandung auf Wüstenflugplatz Krasnovodsk in Turkmenistan) mitten in der Nacht in Duschambe. Am nächsten Tag ging’s dann mit Lkw und Kleinbussen hinauf  in die Berge ins über 4200 Meter hoch gelegene Basislager Moskwin zum Pik Korschenewskkaja/Pik Kommunismus, wo’s zur Begrüßung einen ausgezeichneten Natur-Pfefferminztee gab.

Da es für eine gemeinsame Tour zu viele Teilnehmer waren, ging es in den nächsten Tagen gruppenweise mit drei bis fünf Bergsteigern nach oben. Details von den doch schwierigen Aufstiegen trug nun auch Pamir-Teilnehmer Manfred Sydow bei, der es ebenso am Pik Korschenewskaja auf über 7105 Meter Höhe schaffte und einräumte, „die letzten Meter waren oft schwer zu bewältigen“.

Zum Abschluss der Pamir-Tour erstatteten  die Bergsteiger noch dem Kreml in Moskau einen Besuch ab, ehe es nach den vier Abenteuer-Wochen wieder nach Hause zu den besorgten Familien ging.

Der Deutsche Alpenverein brachte zur Forschungsreise ein 80-seitiges Heftchen  mit Erlebnisberichten von allen Teilnehmern  mit dem Titel „Pamir „93“ heraus. Text:ws, Fotos:khj

05.12.2011


„Über diesen Facharzt hört man nur Gutes, er ist ein anerkannter Psychopath.“

Speyer. „Keine Stadt in Deutschland weist ein so altes Klinikwesen auf wie Speyer“, behauptet Dr.Adalbert Orth. Der Sanitätsrat war in vielen Funktionen als Mediziner ehrenamtlich engagiert und stand unter anderem 25 Jahre lang an der Spitze der Ärztlichen Kreisvereinigung Speyer und plauderte nun im von Karl-Heinz Jung moderierten „Ezählcafe“ des Seniorenbüros im gut besuchten Versammlungsraum des Maulbronner Hofs über die medizinische Versorgung von Speyer und freimütig aus dem Nähkästchen, sprich: aus der Praxis. Und da kam einiges zusammen. Schließlich haben sich ja schon Großvater Daniel und Onkel Bernhard Orth in Speyer als Ärzte einen Namen gemacht. Und Tochter Anna-Marie setzt die Orthsche Tradition fort.

Die Geschichte Speyers beginnt nach Orths Dafürhalten mit einem Frauenkopf. Im Jahr 1974 wurde im Binsfeld der Schädel einer Frau geborgen, die nach den Forschungsergebnissen bereits vor 22000 Jahren hier gelebt haben soll.

Bereits vor dem 13.Jahrhundert bestand bei der zum Germansstift gehörenden St.Stefanskapelle das alte Domstiftische Spital. 1220 übergab Bischof Konrad von Metz und Speyer die an den Bischofssitzen zu Speyer gelegene, dem Dom als stiftisches Spital zugehörige Anstalt den Deutschordensbrüdern. Möglicherweise befand sich eine Krankenpflegegenossenschaft von 1239 im Leprosenspital St.Nikolaus zu Speyer, blickte der Arzt weiter in die medizinische Stadtgeschichte zurück.

1261 wurde in Speyer eine Dreierpflegeschaft für das St.Georgen-Spital festgelegt. Selten hatten die Spitäler damals eigene Ärzte. Der Stadtmedicus versorgte die Kranken. Ihm wurden ein „Apothekersknecht“ und eine Doktorsmagd“ zugebilligt, erzählte Orth weiter. Die „Spitäler“ seien auch Stätten medizinischer Pflege gewesen. Mitte des 12.Jahrhunderts wurde das Spital bei der Ägidienkirche, ein Jahrhundert später das Spital bei St.Stefan und ebenfalls Mitte des 13.Jahrhunderts das Spital bei St.Georg gegründet, auf welches nach Orths Recherche das heutige Stiftungskrankenhaus zurückgeht.

Bekanntlich ist die Heidelberger Universität die älteste auf deutschem Boden. Aber schon lange vor ihrer Gründung waren in den rheinischen Städten Heilkundige anzutreffen, die den Titel medicus oder physicus führten und demnach als studierte Ärzte anzusehen waren. In Deutschland wurde damals die Arzneikunde nur in Klostern und Domschulen gepflegt. Es ist anzunehmen, so denkt Orth, dass an der Speyerer Domschule Medizin gelehrt wurde, längst bevor die erste deutsche medizinische Fakultät, 1390 an der Universität Heidelberg gegründet, Medizin vermittelte.

Mitte des 15.Jahrhunderts blühte die Medizin in der Pfalz besonders, was einerseits mit der Förderung durch die Speyerer Bischöfe und andererseits mit dem Aufschwung der Buchdruckerkunst zwischen Mainz und Straßburg zusammenhing. Ende des 15.Jahrhunderts wurde in Speyer wegen Seuchen und ansteckender Krankheiten ein Stadtarzt angestellt. 1533 wurde die Domstadt von der Lues heimgesucht. Im Oktober brach ein großes Sterben über die Stadt herein, und erst im Juni 1540 klang die Seuche ab. Die Stadtväter und der Stadtarzt beschlossen  im 16.Jahrhundert eine Verordnung, die Weisheit und für die damalige Zeit erstaunliche medizinische Kenntnisse verriet. Auch dass alle, auch die Ärmsten, mit Nahrung und Medikamenten zu versorgen sind, war verordnet worden.

Desweiteren erinnerte Dr.Orth an den Speyerer „Artztneien-Docktor“ Johann Joachim Becher, der von 1635 bis 1682 lebte und bei Erzbischof Johann Phillip von Mainz das Amt eines Mathematicus und Medicus versah.

In der Gegenwart angekommen, würdigte der engagierte Mediziner „die medizinische Großtat“, die dem Speyerer Hals-, Nasen-Ohrenarzt Dr.Reinhard Seithel gelang. Der Sanitätsrat entwickelte eine Methode, mit der man mittels der Neuraltherapie auf die Rachendachhypophyse heilend einwirken kann. Orth erläuterte, dass hierdurch das im gesamten Hormonsystem des Menschen übergeordnete Organ, das Bindeglied zwischen Gehirn und Drüsensystem, beeinflusst werden kann. Speyer ist seitdem auch Sitz der Akademie für Neuraltherapie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, diese Heilmethode in die Lehrmedizin zu integrieren. Die Akademie, in der sich auch Dr.Orth einbrachte, hat schon sehr viel deutsche und ausländische Ärzte „in dieser äußerst nebenwirkungsarmen, aber auch sehr effektiven Heilmethode ausgebildet“.

Heute sei die Domstadt medizinisch bestens mit Krankenhäusern, über das Ärztenetz PRAVO (Praxisnetz Vorderpfalz), Ökumenischer Sozialstation, Ärztlichen Notfalldienst, mit einem rührigen Kneipp-Verein  sowie guten Physio- und Ergotherapeuten versorgt. Auch das Hospiz im Wilhelminenstift und das Sterntaler-Kinderhospiz leisten segensreiche Arbeit, betonte Orth .

Auch auf die veränderten Arbeitsbedingungen und Verkehrsverhältnisse ging Orth ebenso ein. Sein Großvater Daniel, Chefarzt am Stiftungskrankenhaus, sei jeden Morgen von Bellheim nach Speyer gelaufen. Er selbst habe sich in seiner Funktion als Vorsitzender der Ärztlichen Kreisvereinigung mit Nachdruck und vielen Leserbriefen für den Bau der Umgehung eingesetzt, da Ärzte und Rettungsfahrzeuge sehr häufig in Ludwigstraße oder Johannesstraße in Staus steckengeblieben seien.

Geschickt  würzte der Referent seinen Vortrag über die medizinische Versorgung in der Domstadt mit ein paar amüsanten Anekdoten und spaßigen Verwechslungen aus seinem langjährigen Berufsleben, wie etwa diesen gut gemeinten Ratschlag einer Patientin: „Über diesen Facharzt hört man nur Gutes, er ist ein anerkannter Psychopath.“ Sein Onkel Bernhard Orth habe oftmals nachts im Krankenhaus operiert und sei erst morgens heimgekommen und habe ein Mal angesichts der Schlange vor seiner Praxis Stühle vor die Tür getragen und gesagt: „Schee, dass ihr all do seid, do bin ich nedd so alläh.“  ws Foto: khj

05.10.2011


Wohl der Mitarbeitenden auch zum Wohl der Bewohner

Kfm. Vorstand Friedhelm Reith, Oberbürgermeister Hansjörg Eger, Vorsteher Dr. Werner Schwartz und Heimleiter Klaus-Dieter Schneider (vordere Reihe v. l.) bei der Ergebnispräsentation

Das Seniorenstift Bürgerhospital hat in einem 18monatigen Projekt seine Arbeitsabläufe in der Altenpflege analysiert und verbessert. Am 31. August wurden die Ergebnisse in von al.i.d.a in Anwesenheit von Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Bürgermeisterin Monika Kabs in Speyer vorgestellt.

al.i.d.a steht für Arbeitslogistik in der Altenpflege und hat zum Ziel, dass Mitarbeitende in der Pflege entspannt, in angemessener Zeit und somit gesundheitsförderlich ihre Arbeit erledigen können. „Nur mit motivierten, zufriedenen und gesunden Mitarbeitenden können wir die hohe Betreuungsqualität für unsere Bewohner sichern“, begründet Heimleiter Klaus-Dieter Schneider, warum sich die Einrichtung an dem Projekt der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) beteiligt hat. Starke soziale Sachzwänge und ein hoher Zeitdruck seien charakteristisch in der Pflege, erklärte auch Pflegedienstleiterin Sabine Seifert am Mittwoch in Speyer: „Wenn dadurch das Wohlbefinden der Mitarbeitenden beeinträchtigt wird und die psychischen Anforderungen steigen, kann das zu Krankheiten der Mitarbeitenden und zu einer sinkenden Betreuungsqualität führen“, sagte sie. Eine weitere Folge könne eine hohe Fluktuation in den Pflegeberufen sein, so Manfred Erkelenz, Technischer Aufsichtsbeamter der BGW Bezirksstelle Mainz, der erläuterte, warum die Berufsgenossenschaft ein solches Projekt ins Leben gerufen habe: „Unser Ziel ist, arbeitsschutzgerechtes und gesundheitsförderliches Arbeiten in den Pflegealltag zu integrieren.“

An diesem Ziel hat das Seniorenstift Bürgerhospital, geleitet von einem externen Moderator, eineinhalb Jahre gearbeitet: Zunächst wurden mit einem anonymen Fragebogen Mitarbeitende zu ihrer Tätigkeit befragt und die Pflegetätigkeiten digital erfasst. Die daraus gewonnen Erkenntnisse über Arbeitsabläufe und Schwachstellen flossen in der Folge in Arbeitsgruppen ein, die sich mit Einzelfragen befassten und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeiteten. „Sehr wichtig war, dass das Projekt von Anfang an transparent war. Wir haben die Mitarbeitenden von Beginn an eingebunden, so dass sie sich sehr engagiert beteiligt haben“, freut sich Sabine Seifert über die gemeinsame Arbeit am Projekt. „Nun müssen wir darauf achten, dass wir die gewonnen Erkenntnisse und Ergebnisse auch in Zukunft in unserem Alltag berücksichtigen, um uns auch weiter optimal um unsere Bewohner kümmern zu können.“ Dem schloss sich auch Pfarrer Dr. Werner Schwartz, Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim, an. Er gratulierte dem Seniorenstift zu der erfolgreichen Durchführung des Projektes und betonte: „Die Mitarbeitenden sind für uns ein hohes Gut. Sie sorgen dafür, dass alte, kranke und behinderte Menschen sowie Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen der Diakonissen Speyer-Mannheim Betreuung und Unterstützung finden.“ Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dr. Katja Jewski

Foto-2: Pflegedienstleitung Sabine Seifert (rechts) erläutert Ergebnisse einer Arbeitsgruppe

01.09.2011


Rauch wabert durch den Raum - Feuerwehr in vier Minuten vor Ort

Während dem Abendessen im Wohnbereich „Lausbühl“ wabert plötzlich Rauch durch den Raum, binnen kürzester Zeit breitet er sich aus; das Zimmer einer bettlägerigen Bewohnerin ist völlig verqualmt. Schnell erfolgt der Anruf bei der örtlichen Feuerwehr, und nur 4 Minuten später biegt das Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn um die Ecke - ein Szenario, das so hoffentlich niemals Realität wird. Im RHEIN-PFALZ-STIFT in Waldsee wurde kurz vor der Eröffnung der Ernstfall geprobt. Die „Bewohner“ werden von den Mitarbeitern der stationären Pflegeeinrichtung dargestellt, fürs Abendessen sorgt Heimleiterin Angelika Kortyka. Und bei Pizza stimmen sich die Kollegen auf ihre Rollen ein, haben sichtlich Spaß.

Doch dann wird es ernst. Im dichten Rauch ist die Hand vor Augen nicht mehr zu sehen. Erzeugt wird er von einer Nebelmaschine, die in regelmäßigen Abständen für Nachschub sorgt, so dass der komplette Wohnbereich binnen kürzester Zeit eingenebelt ist. Wie die Hobby-Schauspieler schnell feststellen, ist es doch beängstigend, hier auszuharren, bis die Feuerwehrleute mit Atemschutzgerät endlich zu ihnen vorgedrungen sind.

Im Einsatz sind heute die Wehren aus Altrip und Neuhofen – einige Einsatzkräfte aus Waldsee, die die Rettung per Drehleiter vom Dach üben wollten, werden schon kurz nach dem Eintreffen wieder abgezogen: Ein echter Einsatz hat Vorrang.

Nach und nach werden die „verletzten Bewohner“ aus der Wohnküche geborgen, zu Fuß oder auf Tragen ins Freie geschafft. Alle treffen sich am Sammelfahrzeug, wo sie mit Decken und Getränken versorgt werden – inzwischen hat es angefangen zu regnen, die wärmenden Umhänge kommen also gerade recht. Um die Ecke biegt ein Notarztwagen, in dem ein bewusstloser „Bewohner“ und die „Verletzten“ versorgt werden. Am Sammelpunkt wird derweil kontrolliert, ob alle „Bewohner“ geborgen sind, auf Listen werden die Namen notiert sowie der Ort, wo sie aufgefunden wurden. Dann der Schreck: Zwei „Bewohner“ fehlen. Schnell machen sich die Einsatzkräfte auf die Suche, nachdem die Lage im Haus unter Kontrolle ist. Auch die beiden Damen sind bald in Sicherheit.

Der Regen und der Temperatursturz zieht die Mitarbeiter des RHEIN-PFALZ-STIFT bald ins Haus. Hier wird noch fleißig Hand angelegt, bis alles wieder verstaut ist, Schläuche eingerollt und Tragen oder Leitern eingepackt sind. Beim anschließenden gemeinsamen Umtrunk sind sich alle einig: Die Übung hilft, um auf einen eventuellen Ernstfall besser vorbereitet zu sein. Und auch für das junge Team der Pflegeeinrichtung war der schauspielerische Einsatz eine tolle Erfahrung – „das macht einen schon nachdenklich“, „gut, dass wir das mal so erlebt haben, wie es ist, in so einem verqualmten Raum zu sein“ und „man hat überhaupt nichts gesehen, da kann man schon in Panik geraten“ war im Anschluss an die Übung zu vernehmen. „Das hat uns sicher auch noch mehr zusammengeschweißt“, ist sich Einrichtungsleiterin Angelika Kortyka sicher und blickt zuversichtlich in die Zukunft des RHEIN-PFALZ-STIFT, in das Anfang September mit den ersten Bewohnern Leben einziehen wird.Susanne Frank Fotos:sim

01.09.2011


Sommerfest 2011 mit mexikanischem Flair in der Senioren - Residenz Sankt Sebastian

Am zweiten Augustwochenende fand in der Senioren - Residenz Sankt Sebastian das diesjährige Sommerfest statt, das unter dem Motto Mexiko gefeiert wurde.

Der Speisesaal war in den Farben der mexikanischen Flagge (grün-weiß-rot ) bunt geschmückt, auf jedem Tisch stand ein Topf mit Chilischoten und mexikanischem Fähnchen, die Bühne war mit selbst gebastelten Kakteen und Sombreros dekoriert und an der Decke hingen bunte Girlanden mit „mexikanischen“ Dingen, wie Maiskolben und Chili –selbst gebastelt in der Kreativgruppe mit Frau Lutz.

Frau Ehrhardt-Steck eröffnete gegen 14.30 Uhr das Fest und begrüßte die vielen Bewohner und auch die vielen Gäste - darunter Herrn Peter Eberhardt, Ortsbürgermeister und Verbandsbürgermeister CDU, Herrn Clemens Körner Landrat CDU, Herr Lardon FDP, Herr Dudenhöfer FWG und Frau Ball, Ortsbeigeordnete CDU.

Nach dem Kaffeetrinken begann das Programm, durch das Frau Schütz vom Betreuungsdienst führte mit peppiger Unterhaltungsmusik der „Sorgenbrecher“.

Die erste Tanzrunde wurde eröffnet und alsbald war die Tanzfläche gut gefüllt.

Danach trat die mexikanische Tanzgruppe vom deutsch-mexikanischem Kulturkreis Amistad Speyer auf. Diese erfreuten alle in ihren wunderschönen mexikanischen Kleider mit Volkstänzen aus Mexiko und animierten so den ein oder anderen zum Mittanzen und Mitbewegen.

Draußen im Garten  und auch im Speisesaal waren verschiedene Stände aufgebaut. So gab es zwei Stände mit Schmuck (Frau Damarau / KreativWerkstatt und Frau LindeFath-Weinkämmerer), einen Verkaufstand mit Hausgemachte Konfitüren, Gelees und Chutneys (von Frau Sabine Haas-Grundhöfer – Schwegenheim), einen Stand der Blumen, Dekoartikel und Präsentgalerie Dickerhof (aus Lingenfeld).

Außerdem konnte man am Stand der Offenen Selbsthilfegruppe ein Gläschen Sekt genießen, am Glücksrad drehen oder ein Los für die Tombola mit vielen, schönen Sachspenden der Sebastianus-Apotheke Harthausen, Volksbank und Kreissparkasse Dudenhofen, der Löwen- und Schillerapotheke Dudenhofen, der Rheinpfalz und von privaten Personen kaufen. Frau Hook vom Betreuungsdienst bot noch einen Bücherflohmarkt an. Für den Getränkeausschank waren Herr Koger und Herr Löffler von der Freiwilligen Feuerwehr Dudenhofen zuständig, die uns schon das neunte Jahr unterstützen.

Gegen 17 Uhr gab es dann Grillspezialitäten mit verschiedenen Salaten und Chili con Carne - vom Küchenteam der Senioren-Residenz gegrillt/gekocht.

Nach dem reichhaltigen Büffet zog es noch einige Bewohner auf die Tanzfläche zur Abschluss -Tanzrunde und dann war das Sommerfest auch schon wieder zu Ende.

Ein herzliches Dankeschön geht auch noch mal an alle Ehrenamtlichen und alle Mitarbeiter die mitgeholfen haben, dass das Sommerfest ein großer Erfolg wurde. Julia Schütz

23.08.2011


Sommerfest im Haus am Germansberg

Buntes Treiben beim Sommerfest im Haus am Germansberg

Mit Fanfaren des Fanfarenzugs Rot-Weiß Speyer begrüßte das Seniorenzentrum Haus am Germansberg am 13. August zahlreiche Gäste zum Sommerfest.

Das bunte Programm lockte wieder zahlreiche Besucher in die Einrichtung in der Else-Kreig-Straße. Die Gäste ließen sich im Wellnesspavillon mit Maniküren und Massagen verwöhnen oder stöberten auf dem Bücherflohmarkt der Grünen Damen und im Angebot des Weltladens. Die Ludwigapotheke überprüfte den Blutzucker der Besucher während das Hörzentrum Speyer Hörtests durchführte.

Bei Gegrilltem und Kaffee und Kuchen sorgten Kindertanzgruppen des TSV Speyer unter Leitung von Renate Behm und die Speyerer Spätlese für Unterhaltung, bevor die Squaredancegruppe Tupsy Turtles Lust zum Mitmachen machte und die Speyerer Brezelkracher die Stimmung zum Kochen brachten.

Von den vielen Auftritten angesteckt, sangen Bewohner und Besucher zum Abschluss mit dem Chor der Marinekameradschaft Speyer zünftige Seemannslieder, bevor sie ihre attraktiven Gewinne aus der Tombola nach Hause brachten. Er freue sich über die Unterstützung, die das Fest auch in diesem Jahr wieder erfahren habe, so Einrichtungsleiter Klaus-Dieter Schneider: „Besonders zu danken ist den zahlreichen Spendern für unsere Tombola und den vielen ehrenamtlichen Helfern, die zum Gelingend es Festes beigetragen haben.“ Diakonissen Speyer-Mannheim, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit www.diakonissen.de

16.08.2011


Alltag an Bord der „Gorch Fock“

Fregattenkapitän d. R. Martin Schoof im Seniorenzentrum

Böhl-Iggelheim: Christian Schramm, der stellvertretende Leiter des Seniorenzentrums konnte in der Cafeteria des Betreuten Wohnens ca. 30 Seniorinnen und Senioren begrüßen. Sein besonderer Willkommensgruß galt Martin Schoof, Fregattenkapitän d. R. aus Haßloch. Marin Schoof ist bei den Senioren kein Unbekannter.  Schon 2010  hatte er eindrucksvoll über das Thema „Die Zeit der großen Windjammer“ referiert.

Über den Alltag an Bord des Segelschulschiffes der Deutschen Bundesmarine, Gorch Fock“, berichtete Martin Schoof in einer anschaulichen Power Point Präsentation mit bestechenden Bildern über und unter Deck. Ein kurzer Film, gedreht während einer Umrundung von Kap Horn, vervollständigte das visuelle Anschauungsmaterial. Fregattenkapitän  Schoof war während seiner seemännischen Ausbildung selbst auf der „Gorch Fock“  gefahren und kennt das Leben an Bord aus eigener Erfahrung. Durch den tödlichen Unfall am 07. November 2010 war die „Gorch Fock“ ja ins Fadenkreuz vieler Kritik und in die politische Diskussion geraten.

An Hand seiner eigenen Logbucheitragungen und die der „Gorch Fock“ die Schoof einsehen konnte, erläuterte der Fregattenkapitän i. R. den gesamten Dienst- und Tagesablauf. Ein Dienst der der sechzig- bis siebzigköpfigen Stammbesatzung und den 120 Auszubildenden an Bord Alles abverlangt. Die Zeit vom Wecken bis zum Schlafengehen ist minutiös geregelt. Das Zusammenleben auf engstem Raum, ohne persönliche Rückzugsmöglichkeiten, ist die schwerste Bewährungsprobe, wie Schoof erklärte. „Das WIR und in der Gruppe agieren zu können ist das Wichtigste“ betonte der Kapitän. Eine Tatsache die gerade in der heutigen Zeit, in der bei den Kinder schon der Individualismus sehr ausgeprägt ist, bei den jungen Kadetten eines ganz großen Lernprozesses bedarf.  Ein Lernprozess, der aber gerade für die Offiziersanwärter nach Schoofs Meinung für ihre berufliche Führungsverantwortung bei der Marine ungemein wichtig ist. „Denn führen heißt nicht befehlen“ betonte Schoof.

Beeindruckend für die Zuhörer einige technische Daten des Seglers. Die „Gorch Fock“ wurde 1958 bei der Werft Bloom und Foss gebaut. Es ist die „Gorch Fock“ 2, nachdem des erste Schiff diese Namens gesunken war. Es besitzt drei Masten mit 23 Segeln deren Fläche ein halbes Fußballfeld bedecken würde. Es befindet sich eine eigene Trinkwasseraufbereitungsanlage an Bord und die eigene biologische Kläranlage sorgt für Sauberkeit. Moderne Sanitäranlagen und eine Ausgabeküche sind im Gegensatz  zu der Zeit als Schoof auf der „Gorch Fock“ fuhr  heute vorhanden. Unter Segel erreicht das Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von 16 Knoten, das entspricht 30 Stundenkilometer.

Natürlich klammerte der Kapitän die in Zusammenhang mit dem Unfall seinerzeit erhobenen Vorwürfe wie sexuelle Nötigung, abartige Rituale oder wilde Saufgelage nicht aus. Nach seiner Meinung war es mehr als unangemessen, nachdem am 07. November der schreckliche Unfall geschehen war, am 11. November einen großen Ausbildungsumtrunk – Kadetten,  Ausbilder- abzuhalten. Offensichtlich wurden auch Ausbilder nicht nachhaltig und sorgfältig kontrolliert. Eine Kontrolle, die gerade bei längeren Ausbildungsfahrten unerlässlich erscheint, wie Schoof eindringlich betonte.

Die angeprangerten Rituale, z. B. bei der sogenannten „Äquatortaufe“, sind seit alters her seemännische Tradition und auf der „Gorch Fock“  seit jeher freiwillig. Keine Kadettin oder Kadett wird gezwungen sich daran zu beteiligen.

Konsequenzen wurden mittlerweile dahingehend gezogen, dass die „Gorch Fock“ nach Flensburg verlegt wurde. Die Kadetten werden erst nach 6 Monaten, nicht schon nach 6 Wochen, endgültig zur „Gorch Fock“ kommandiert und die Segelmanöver werden schon im Hafen trainiert um sich so einen Eindruck über die praktische Tauglichkeit der Offiziersanwärterinnen und Offiziersanwärter zu verschaffen. Zudem wird es einen eigenen Offizier für die Belange der Kadetten geben, der keinen Vorgesetztenstatus gegenüber den Kadetten hat, und nur für deren Sorgen und Nöte da ist.

Fregattenkapitän i. R. Martin Schoof bezeichnet das bekannte Segelschulschiff der Bundesmarine als einen anerkannten Botschafter  Deutschland in der Welt und wünscht ihm allzeit „Gute Fahrt“.

Der nächste Vortrag Schoof´s über seemännische Redensarten ist schon fast fertig. Vielleicht gastiert Martin Schoof, der Mitglied in der Marinekameradschaft Haßloch ist und im dortigen Shanty-Chor singt, auch mit diesem Klangkörper demnächst im Seniorenzentrum in Böhl-Iggelheim. Eine Abwechslung über die Bewohner der Einrichtung und viele Gäste bestimmt sehr dankbar wären. Wort und Bild kajef    

27.07.2011


Kunstausstellung Pfälzer Maler in der Seniorenresidenz

von links: Leo Weiland, Angelika Schwarz, Robert Rissel

Seit Anfang Juli können bei uns in der Seniorenresidenz Sankt Sebastian Kunstwerke von drei Künstlern aus der Region bewundert werden.

Es werden Bilder von Herrn Robert Rissel, Frau Angelika Schwarz und Herrn Leo Weiland gezeigt.

Herr Rissel-Künstler aus Hassloch- wählt viele Motive aus der Natur, lässt sich aber auch von Ereignissen und Gebäuden aus seiner Heimat inspirieren.

Eines von seinen schönen Bildern hat er der Seniorenresidenz Sankt Sebastian als Geschenk überlassen.

Frau Angelika Schwarz aus Schifferstadt malt seit 15 Jahren-Ölmalerei und Acrylbilder und Herr Leo Weiland –aus Rülzheim,83 Jahre alt- bezeichnet sich selbst als Hobbymaler und malt in allen Techniken(Öl,Acryl,Aquarell und Monotophie.

Alle drei Künstler  sind außerdem Mitglieder in der Vereinigung der „Pfälzer Maler e. V.“ und haben in diesem Rahmen schon häufig sowohl bei Einzel- als auch bei Gruppenausstellungen ihre Werke ausgestellt.

Bis Ende August können die Bilder in der Seniorenresidenz Sankt Sebastian in der Zeit von 9 Uhr bis 16 Uhr besichtigt werden. J.Schütz, Betreuungsdienst

14.07.2011


Brunnenfest in der Senioren- Residenz Sankt Sebastian in Dudenhofen

Am zweiten Juli-Wochenende fand in der Senioren- Residenz Sankt Sebastian in Dudenhofen ein Brunnenfest statt. Eingeladen hierzu hatte die Offene Selbsthilfegruppe unter Vorsitz von Herrn Peter Patzer. Nach einer kurzen Begrüßung der Ehrengäste Frau Evi Ehrhardt-Steck( Einrichtungsleitung), Herrn Ortsbürgermeister Herr Peter Eberhardt und den beiden katholischen Pfarrern Herr Hary und Herr Dörzapf wurde der neu gestaltete Brunnenplatz vor dem Eingang der Senioren- Residenz eingeweiht und von Pfarrer Hary gesegnet. Dieser Platz dient einmal als Erinnerungsort für unseren leider viel zu verstorbenen Mitarbeiter und Gründer der OSHG Herr Roman Eggert .Außerdem haben- so Frau Ehrhardt-Steck -Bewohner und Besucher die Möglichkeit, Ruhe, ein wenig Besinnlichkeit, aber auch Fröhlichkeit zu genießen.

Das neu geschaffene Plätzchen ist eine Bereicherung für die Senioren- Residenz und stellt zusammen mit dem mediterranen Staudenbeet, dass vor 2 Jahren im Rahmen des Projektes“ Wir schaffen was gemeinsam“ angelegt wurde und weitere optischen Attraktion dar.

Bei der Gestaltung des Brunnenplatzes wurde Herr Patzer (OSHG) von Herrn  Dennis Becker und Herrn Dieter Stein tatkräftig unterstützt. Musikalisch gestaltet wurde die kleine Feier vom Fanfarenzug Dirmstein, der auch ein Lied Roman Eggert –dem Gründer der Selbsthilfegruppe  widmete. Herr Patzer bedankte sich herzlichst bei allen Mitwirkenden. Im Anschluss gab es im Speisesaal Unterhaltungsmusik mit Hans Lützel. Der eine oder andere nutzte die geliebte Schlagermusik für eine kleine Tanzrunde. Das Küchenteam der Senioren - Residenz verwöhnte die Gäste mit Pfälzer Spezialitäten und so wurde noch bis 18 Uhr fröhlich gefeiert. Julia Schütz

15.07.2011


„Demenz und Kommune“: Konzepte – Erfahrungen – Impulse

Demenz – eine Begleiterscheinung moderner Gesellschaften? Was hat Demenz mit Kommune zu tun?

Familienfreundlich, kinderfreundlich, nun sollen unsere Städte und Gemeinden auch noch demenzfreundlich werden? Fragen, die bei einer Veranstaltung im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis am 29. Juni 2011, im Rahmen der Reihe „Mittendrin - Dazugehören – auf dem Weg zu einer demenzfreundlichen Kommune“ im Mittelpunkt standen.

Irmgard Behler, Dezernentin für Recht und Ordnung im Landratsamt Rhein- Neckar-Kreis, hob in ihrer Begrüßung hervor: „Zur Wahrung der Würde von Demenzerkrankten, zum Leben und sterben in Würde eines jeden von uns, ist es wirklich wichtig, jedem Menschen in jeder Lebenslage mit Respekt, Mitmenschlichkeit und Güte zu begegnen.“

Laut Peter Wißmann, Geschäftsführer vom Demenz Support Stuttgart, bleibt den Kommunen gar keine andere Wahl, als sich dem Thema Demenz zu stellen, betrachtet man die wachsenden Zahlen Demenzkranker und die demographische Entwicklung. Demenz ist zu einer möglichen Form des Altwerdens geworden und kann nicht dem Pflegesektor oder den Angehörigen überlassen werden.

Demenz hat sich zu einer großen sozialen, ökonomischen und humanen Herausforderung entwickelt, der nur sektoren-, berufsgruppen- und disziplinübergreifend zu begegnen ist und die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Bereiche bedarf. In der öffentlichen Diskussion, so Wißmann, gehe es vorrangig um die Versorgung, das Optimierungspotentiale in Heimen, um Kosten. Wobei fast immer das fortgeschrittene Stadium der Demenz im Fokus steht. Es sollte mehr Energie in Fragen fließen, wie Menschen mit einer Demenz und deren Angehörigen integriert in der Gemeinschaft würdig umsorgt, unterstützt und gehalten werden können. Dort, wo die Menschen leben, arbeiten, betreut werden, sterben und ihren Alltag gestalten, müssen Initiativen ansetzen, denen es um eine veränderte Wahrnehmung, einen veränderten Umgang und ein verändertes Handeln mit Blick auf die Demenz geht, lautet sein eindringlicher Appell.

Zum Glück melden sich inzwischen Menschen mit Demenz zu Wort. Sie lassen uns wissen, es gibt ein Leben nach der Diagnose, ein gutes Leben mit Demenz ist möglich. Trotz leidvoller Erfahrungen und schwierigster Lebenslagen können neue Wege beschritten, Ausdruckformen gefunden werden, die ein Leben in den bisherigen Bezügen ermöglichen. Betroffene fordern, sich weiter als Teil der Gesellschaft erfahren zu können. Gabriele Beck, Sozialplanerin in Ostfildern, berichtet von der Demenzkampagne „Wir sind Nachbarn“, die 2007/2008 in der Stadt durchgeführt wurde. Sie ist überzeugt: demenzfreundliche Kommunen sind „menschenfreundliche Kommunen“. Alle profitieren davon. In Ostfildern standen nicht das „Endstadium der Demenz“ im Mittelpunkt der Kampagne, sondern die vielen, zuvor liegenden Jahren, in denen die Betroffenen aufgrund von Orientierungs- und Gedächtnisstörungen vor allem auf eines angewiesen sind: auf Unterstützung im Alltag, auf Kontakt und Begegnung. Insbesondere in den Anfangsjahren dieser Erkrankung benötigen die Betroffenen nicht vorrangig professionelle Hilfen. Die wohl wichtigste Medizin für die Betroffenen sei Begegnung mit anderen. Eine gute Vernetzung der professionellen Dienste und der informellen Netzwerke erleichtert bei Fortschreiten der Erkrankung gemeinsam individuelle Lösungen zu finden oder auch schwierigste Situation gemeinsam zu tragen und auszuhalten.

Demenz geht alle an. „Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind, können uns überall in der Stadt begegnen, sei es beim Bäcker, in der Apotheke oder auf dem Wochenmarkt“. Nach der Kampagne „www.demenz-ostfildern.de“, so Gabriele Beck, wurde Demenz zu einem Gesprächsthema in der Stadt. Familien werden nicht länger in die Isolation gedrängt. Das Wissen über Demenz sei gewachsen. Die Anlauf- und Beratungsstellen konnten ihren Bekanntheitsgrad steigern. Das Bewusstsein bei den Menschen - „Jeder kann etwas tun!“ - sei ebenfalls gewachsen.

Bei der anschließenden Diskussion wurden Fragen erörtert wie „Können demenzfreundliche Gemeinwesen die Großfamilie des 21. Jahrhunderts sein, wo man sich – obgleich nicht verwandt – umeinander kümmert, Netzwerke der Solidarität entstehen lässt? oder Wie kann die erforderliche Koppelung mit dem professionellen Diensten und Einrichtungen gelingen?“ Auf den Weg machen, mit Kreativität und Fantasie, ermutigten die beiden Referenten die Veranstalter und Besucher.

14.07.2011


Spargelessen in der Senioren-Residenz Sankt Sebastian Dudenhofen

In der Spargelzeit ist es nun schon eine Tradition geworden, dass uns Bürgermeister Peter Eberhardt in der Seniorenresidenz besucht und zusammen mit allen Bewohnern und Mitarbeitern Dudenhofener Spargel gegessen werden. 

Gespendet werden die Spargel von der  Ortsgemeinde und der Küchenchef der Seniorenresidenz stellt ein leckeres Essen zusammen. Am 17.06.2011 ab 12 Uhr war der Speisesaal gut gefüllt und alle Bewohner erfreuten sich an der Dudenhofener Delikatesse. Bürgermeister Peter Eberhardt kam in diesem Jahr in Begleitung von  Frau  Irmgard Ball , Herrn Ronni Zürker und einer Gruppe aus der Partnergemeinde Martell , u.a. mit Bürgermeister Georg Altstätter  und der amtierenden Erdbeerkönigin zum Spargelessen in die Residenz. Unsere Bewohner ließen es sich nicht nehmen, dem Besuch ein kleines „Ständchen“ zu geben und sich beim „Spender“ mit einem „Trullala“ zu bedanken.

Leider geht die Spargelzeit nun dem Ende zu, aber wir freuen uns alle schon wieder auf das Spargelessen im nächsten Jahr. J.Schütz

26.06.2011


Orientalischer Tanz mit Frau Karsch

Am vergangenen Wochenende wurden die Bewohner der Seniorenresidenz St.Sebastian in die Welt des Orients entführt. Zusammen mit Ihren Tanzgruppen „El Fayoum“ und „El Javahir“ hatte „Zaphira“(Petra Karsch) ein buntes Showprogramm zusammengestellt.

Es umfasste klassischen Orientalischen Tanz(Bauchtanz),Arabic Flamenco-eine Mischung aus Flamenco und Bauchtanz), Bollywood(Tänze aus Indien) und Folklore(Stocktanz aus Oberägypten). In ihren wunderschönen Kostümen begeisterten die 10 Tänzerinnen im Alter von 13- 60 Jahren unsere Bewohner, die sich zahlreich im Speisesaal eingefunden hatten. Die Gruppe trainiert schon seit mehr als 6 Jahren in der Tanzschule Thiele, Speyer, vorher an der VHS und haben bereits mehrere Tanzshows(„ Orient-Express 2006 und „Oriental-Dreams“ 2009) veranstaltet.

Eine Bewohnerin, die im vergangenen Oktober ihren 100. Geburtstag feierte, sagte: „Es ist toll, was ich hier in der Seniorenresidenz in meinem Alter noch erleben darf“ und erfreute sich vor allem als ehemalige Schneiderin an den Kostümen. Bei dem einen oder anderen Bewohner bemerkte man, dass manche Bewegungen versucht wurden, nachzumachen und es wurde im Takt zur Musik mitgeklatscht. Die fleißigen Tänzerinnen wurden mit einem großen Applaus verabschiedet und deuteten an, dass sie sehr gerne noch mal zu uns in die Residenz kommen möchten. (Julia Schütz(Betreuungsdienst)

26.06.2011


Männerstammtisch in der Senioren-Residenz Sankt Sebastian

Am vergangenen Freitag haben wir nach großer Ankündigung in der Senioren-Residenz Sankt Sebastian den Vatertag im Rahmen des „1. Stammtisches“ nachgefeiert.

Dank dem schönen Wetter, konnten wir eine Tafel auf der Terrasse passend zum Thema blau-weiß eindecken. Das Bierfass – eisgekühlt – würde angestochen und gegen 15.00 Uhr trafen die ersten Herren ein. Nach anfangs eher verhaltener Stimmung wurde die Runde nach dem 1. Bierchen immer lockerer. Auch für Alkohol-freies Bier war gesorgt. Insgesamt waren ca. 16 Herren vom Haus und auf von außerhalb gekommen und genossen ihr Bier, Brezeln und Erdbeeren in geselliger Runde natürlich kostenlos. Herr Peter Patzer, Leiter der Offenen Selbsthilfegruppe, organisierte Schlagermusik, es wurden Karten gespielt und erzählt.

Allen Herren gefiel der Stammtisch sehr gut und nach diesem Erfolg, wird der nächste Stammtisch nach Vorankündigung auch zeitnah stattfinden.

Selbstverständlich sind auch wieder Herren vom Dorf oder Umgebung herzlich eingeladen.

26.06.2011


„Die Verbindung zu Menschen macht unser Leben wertvoll“

Durch die steigenden Anforderungen an die Betreuung älterer Menschen, wird das Einbeziehen ehrenamtlich tätiger Mitarbeitern immer wichtiger. Daher ist die Unterstützung des Betreuungsdienstes durch ehrenamtliche Mitarbeiter/innen ein integrativer Bestandteil unseres Betreuungskonzeptes.

Ehrenamtliche Mitarbeiter setzen einen Teil ihrer Freizeit für Mitmenschen ein und bereichern dadurch den Alltag beider Parteien.

In diesem Jahr kann sich die Senioren-Residenz Sankt Sebastian in Dudenhofen über die derzeit 35 ehrenamtlichen Mitarbeiter im Alter zwischen 13-80 Jahren und aus den unterschiedlichsten Berufen und Lebensumständen glücklich schätzen.

Diese bereichern auf unterschiedlichste Art und Weise das Leben der Bewohner. So sind Spaziergänge, Gespräche und Spiele genauso wertvoll wie die einfache Gesellschaft und das Gefühl von Nähe.

Einige Bewohner haben kaum Angehörige und Bekannte und sind daher für jede kleine Aufmerksamkeit dankbar, welche im stressigen Pflegealltag leider oft zu kurz kommt.

Wenn auch Sie Interesse daran haben, Ihr Leben durch die „Verbindung zu Menschen wertvoller zu machen“ – laden wir Sie herzlich ein unser Haus und unsere Bewohner kennen zu lernen und durch eine ehrenamtliche Tätigkeit, egal in welchem Umfang, Menschen glücklich zu machen. Senioren-Residenz Sankt Sebastian, Dudenhofen

26.06.2011


Unsere Bewohnerinnen und Bewohner können über ihr Leben selbst bestimmen

Der Senioren-Residenz Sankt Sebastian in Dudenhofen  wurde zum zweiten Mal in einem Gutachten  Lebensqualität im Pflegeheim attestiert

Seit heute haben wir es wieder schwarz auf weiß:

Respektvoller Umgang, Selbstbestimmung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind für unsere Bewohnerinnen und Bewohner in unserer Einrichtung jederzeit gewährleistet. Das bestätigt die Urkunde mit dem grünen Haken, die von der BIVA e.V., der einzigen unabhängigen und bundesweiten Interessenvertretung, die sich für die Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Wohn- und Pflegeeinrichtungen einsetzt.

Wir wissen, dass sich die Seniorinnen und Senioren in unserem Hause wohlfühlen, umso mehr freuen wir uns, dass uns dies wiederum von einem unabhängigen Gutachter bestätigt wurde. Diesem stand unsere Einrichtung einen ganzen Tag lang offen. Die Begutachtung umfasste 121 Fragen, gerichtet an die Einrichtungsleitung Frau Evi Ehrhardt- Steck und den Heimbeiratsmitgliedern Herrn Peter Patzer (Vorsitzender), Frau Roswitha Bettag ( stellv. Vorsitzende) Frau Erika Lang ( Mitglied ) Herr Karl-Heinz Koch ( Ehrenmitglied).

Herzlichen Glückwunsch!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die Detailergebnisse unserer Begutachtung findet jeder Interessierte im Internet unter www.heimverzeichnis.de .

von links nach rechts:

Fr. Bettag (Heimbeirat),Hr. Patzer(Heimbeirat), Fr. Ehrhardt- Steck (Einrichtungsleitung),Hr. Müller(Gutachter der BIVA), Fr. Lang(Heimbeirat), Hr. Koch(Heimbeirat)

26.06.2011


Erster Ausflug der Rollstuhlspazierganggruppe

Am Donnerstag den 12. Mai fand der erste Ausflug der neu gegründeten Rollstuhlspazierganggruppe in der Senioren-Residenz Sankt Sebastian statt. Zum Ausflug hatten sich 5 Ehrenamtliche und zwei Mitarbeiter des Betreuungsdienstes angemeldet. So traf sich die Gruppe pünktlich um 14.30 Uhr am Empfang der Residenz, um mit den sieben Rollstuhlfahrern und zwei Bewohnern die zu Fuß gingen einen Spaziergang zum Abenteuerspielplatz zu unternehmen.

Wir liefen durchs Dorf und über den Friedhof, haben den neuen Kindergarten bewundert und die Sonne und die frische Luft genossen. Circa eine halbe Stunde später sind wir am Spielplatz angekommen, wo die Betreiber des Kiosk´s so freundlich und hilfsbereit waren uns Tische und Stühle zu stellen. Dort saßen wir gemütlich unter Bäumen, packten die Lunchpakete aus und plauderten. Eine Stunde später haben wir uns auf den Heimweg gemacht und sind entspannt und gut gelaunt wieder an der Residenz angekommen.

An dieser Stelle möchte ich unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern ein herzliches Dank aussprechen und hoffe, dass wir ab jetzt solche Spaziergänge mit dieser tatkräftigen Unterstützung öfters in unser Programm aufnehmen können.

26.06.2011